Ulrich Beck Objektivität und Normativität

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Inhaltsangabe zu „Objektivität und Normativität“ von Ulrich Beck

In seinem Gedicht «An die Nachgeborenen» schreibt Bertolt Brecht: Was sind das fiir Zeiten, wo Ein Gesprach uber Baume fast ein Verbrechen ist Weil es ein Schweigen uber so viele Untaten einschliegt! An diesen Zeilen leuchtet exemplarisch ein Problem auf, das auch rur jedes Nachdenken uber Gesellschaft, das wissenschaftliche eingeschlossen, ty­ pisch ist. Und dieses Problem ist das zentrale Thema dieses Buches. Ganz allgemein (vielleicht zugleich zu allgemein und zu spezifisch formuliert) meine ich das Problem, dag auch in der gegenwartigen gesellschaftlichen Situation sozialer und politischer Interessenkampfe die harmloseste, metho­ disch vollig einwandfreie und in der sachlichsten Sprache der Welt abgefagte Detailuntersuchung zu einem System normativer Sachaussagen wird, weil sie fur die Interessen der kampfenden Parteien unterschiedliche Konsequen­ zen hat oder ein Schweigen uber den Zustand fortgesetzten Unrechts ein­ schliegt. Es ist ein Irrtum, und zwar ein fur die gesellschaftliche Funktion der Wissenschaft im sogenannt wissenschaftlich-technischen Zeitalter verhang­ nisvoller Irrtum, anzunehmen, sachlicher Sprachgebrauch bedeute gesell­ schaftliche Neutralitat, die disziplinierte Beschrankung auf Feststellen, Messen, Erklarenwollen, Vorhersagenkonnen, Verfugbarmachen konne keine gesellschaftliche Stellungnahme beinhalten, weil das derart aufberei­ tete Wissen prinzipiell fur die verschiedensten Zwecke einzusetzen sei. Dagegen ist zu sagen: Erstens kann man auch mit Hilfe technisch-statisti­ scher Aussagen werten, und zwar sowohl in den N aturwissenschaften wie in den Sozialwissenschaften. So geht zum Beispiel in die chemische Formel eines Giftgases die Wertabsicht des Totens und nicht die des Heilens ein. (Quelle:'Flexibler Einband/26.05.2014')
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