Ein Leben für die Hells Angels. – Harte Strukturen und noch härtere Konsequenzen beim Austritt.
Inhalt: Ulrich Detrois war zunächst ein normaler Junge, der sich dann aber in den Kopf gesetzt hatte, viel Geld in seinem Leben zu verdienen. Genau das hat er mit seinen ersten Puffs auch schnell geschafft.
Schnell landete er in der Rocker- und Motorradszene und ist fast im vereinfachten Verfahren in die Strukturen der Hells Angels reingerutscht.
Ulrich macht keinen Hehl daraus, dass er seinen Spaß an der Szene den Partys und allem hatte. Nach dem, was er so erzählt, scheint das eine oder andere auch ganz toll gewesen zu sein. Allerdings kam dann der Rausschmiss und die Probleme.
Ein unfreiwilliger Ausstieg und seine Folge nehmen ihren Lauf. – Ein Leben im Zeugenschutz, wie ich es aber auch nicht führen möchte.
Fazit: Mein Taschenbuch ist die 2. Auflage dieses Titels und stamm aus dem Jahr 2011. Lang hat der Stoff sein Dasein in dem Regalfach für die ungelesenen Bücher gefristet und quasi im April 2025 dann das große Los gezogen.
Der Typ auf dem Cover ist mir, ehrlich gesagt, nicht geheuer. Das ist für mich die Sorte Mensch, bei der ich freiwillig und unaufgefordert die Straßenseite wechseln würde, wenn sie mir entgegenkämen. – Mal sehen, was er so zu berichten hat.
Auf der einen Seite liest sich der Stoff wie eine Autobiografie. Allerdings kann man das hier beschriebene Leben sicherlich nicht unbedingt als normal bezeichnen. Mich hat es deswegen nicht gewundert, dass er auf seine Kindheit wenig bis gar nicht eingegangen ist, nur kurz erwähnt hat, dass er eine abgeschlossene Lehre hat und dann einen anderen Weg eingeschlagen hat, als es seine Eltern für ihn gedacht haben. – Mich würde allerdings interessieren, ob die Eltern das mit den Puff und der Szene irgendwann raus bekommen haben und ob sie vielleicht versucht haben, ihn davon abzubringen.
Das Ganze hat sich in Kassel abgespielt. – Für mich schon immer die Stadt der zwei Gesichter. Aus meiner Sicht einfach nur Wessis, die aufgrund ihrer Nähe zum Osten, nach der Wende den Reibach schlechthin gemacht haben. Außerdem sind wir von einem Verkäufer für Wohnwagen, der in Kassel sitzt, mal so richtig schön verarscht wurden. Kurz, alles, was aus Kassel kommt, ist für mich entweder nen Türke oder eben nichts. – Dass hier nun die Szene der Hells Angels eine ganze Weile ihre rüde Hand in fast allem, was Geld brachte, im Spiel hatte, wundert mich so absolut überhaupt nicht.
Ulrich beschreibt hier vieles sehr ausführlich und bildhaft. Angefangen von dem Glücksfall, wie er vereinfacht in die Hells Angels hineingeraten ist. Aber dann eben auch, wie es auf den Partys zuging und er macht kein Geheimnis daraus, dass er Spaß an den Dingen hatte.
Vor allem ist es teuer, in diesem exquisiten Motorradclub mitspielen zu dürfen. Was er so erzählt hat, konnte man da schon bis zur Aufnahme ein Vermögen verlieren.
Was allerdings auch ganz klar deutlich wurde: Wenn du ein unbequemer Mensch bist, wie eben Ulrich, werden aus den Kumpels ganz schnell richtig kriminelle Neider und Feinde. Der unfreiwillige Ausstieg mutete zwar zunächst kurz und bündig an, artete dann aber am Ende in eine lebensgefährliche Sache aus.
Der Stoff war ziemlich harter Tobak, keine Frage. Aber alles war nicht verschnörkelt oder unnötig kompliziert geschrieben. Allein vom Schreibstil her, hat sich das Buch eins fix drei weglesen lassen. Den Stoff musste man dann aber trotzdem noch irgendwie verdauen. – Solche Machenschaften, mitten in Deutschland und die Polizei ist unfähig, diesen Gruppierungen das Handwerk zu legen. – Mich wundert nichts mehr.
Der Text ist angereichert mit ein paar Fotos. Da hier dann auch nackte Mädels oder eben Motorradansammlungen zu sehen sind, sind pikante Stellen oder Gesichter verpixelt. Das macht die Bilder allerdings nicht weniger interessant. Gewährt es doch Einblicke, die Otto Normal sicherlich so nie sehen wird.
Ob ich Ulrich jetzt bewundern oder bedauern soll, kann ich nicht mal sagen. Ich schwanke zwischen beiden. Auf der einen Seite hat er rein organisatorisch gut was auf die Beine gestellt. Er war ein wichtiges Rädchen in einem wirklich mächtigen Getriebe. Auf der anderen Seite war aber auch vieles, was er getan hat, alles andere als legal.
Das Taschenbuch, welches ich hier hatte, war alt. Das Papier noch dick und vergilbt, die Klebung dafür wenig stabil und labberig. Kein Wunder, es stammte noch aus der Zeit, als man ein Taschenbuch noch für unter 10 Euro bekommen hat. – Wunderschöne alte Zeiten.
Die Seitenaufteilung war sehr augenfreundlich. Die Seitenränder waren angemessen, nicht über- oder untertrieben. Der Zeilenabstand und die Schriftgröße waren augenfreundlich und das Buch selber schön leicht und gut zu handeln. Ich habe mir beim Lesen zumindest mal keinen Krampf in der Hand zugezogen.
Wer sich für diesen Club interessiert, in ihn aber nicht eintreten will, der kann durch dieses Buch in jedem Fall eine ganze Menge abschreckende Sachen erfahren. Mir haben diese Zeilen in jedem Fall die Augen geöffnet und mich über meine Meinung gegenüber diesem Club, noch einmal nachdenken lassen.








