Ulrich Gineiger Vorsicht, Fisch kann Gräten enthalten

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Inhaltsangabe zu „Vorsicht, Fisch kann Gräten enthalten“ von Ulrich Gineiger

Kennen sie die Grabsteinschüttelverordnung? Doch, die gibt es wirklich! Denn Juristen stellen todsicher die Schuldfrage, sollte je ein umkippender Grabstein einen Menschen erschlagen. Kein Einzelfall: Der bürokratische Absicherungswahn hat das Land fest im Griff. Dabei geht es nicht um mehr Sicherheit, sondern um die juristische Absicherung gegen Katastrophen jeder noch so unwahrscheinlichen Art. Diese Überreglmentierung aller Lebenslagen hat theoretisch hohen Unterhaltunggswert - praktisch macht sie unseren Alltag zum reinsten Hindernislauf. Ulrich Gineiger, Redakteur beim Deutschlandfunk, versammelt in diesem kurzweiligen Buch unglaubliche Geschichten aus dem deutschen und europäischen Büroalltag, die teilweise aus einer Serie beim Deutschlandfunk hervorgegangen sind.
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    Vorsicht, Fisch kann Gräten enthalten
    melli.die.zahnfee

    melli.die.zahnfee

    04. April 2016 um 15:27

    Was es alles gibt. Für wirklich jede Situation ein Gesetz, damit ja niemand auf die Idee kommen könnte eine Klage einzureichen. Eine Seilbahnverordnung für Berlin ? Gibt es . Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen, es ist sehr entspannt in kleine Kapitelchen aufgeteilt und ist optimal für kurze Pausen oder Arztbesuche.  Die Sprache ist humorvoll leider ist es schwierig Gesetzestexte stilischtisch so aufzubereiten dass keine Langeweile entsteht. Dies ist dem Autor fast perfekt gelungen. Oft habe ich den Kopf geschüttelt aber oft auch gedacht: " Was soll das alles " Arme Welt !

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  • Wer hat Schuld? Wer hat nicht genügend über Gefahren aufgeklärt?

    Vorsicht, Fisch kann Gräten enthalten
    Iudas

    Iudas

    25. May 2014 um 20:01

    Daß wir in Deutschland einen gut funktionierenden, sich selbst immer wieder beschäftigenden Bürokratieapparat haben, weiß jedes Kind. Daß aber Fisch, den man an einer Fischtheke erwerben kann, durchaus Gräten enthalten kann, scheint man in Deutschland in Folge des Luxus’ entgräteter Fischfilets zu vergessen. Und wer haftet dann, wenn frei nach Wilhelm Busch (»Autsch! - Eine Gräte kommt verquer,/ Und Schmöck wird blau und hustet sehr;/ Und hustet, bis ihm der Salat/ Aus beiden Ohren fliegen tat.« (Die Fromme Helene)) der Fischesser sich an einer bösen Gräte verschluckt und die halbe Speiseröhre daran aufreißt? Oder wenn ein trauernder Hinterbliebener auf dem Friedhof, womöglich erschöpft vor dem Grab liegend, von dem Grabstein erschlagen wird? Auch gefährlich: ein Winzer, der die Weinreben, die an seiner Häuserfassade ranken, schneiden will. Seine Schere könnte seiner Hand entgleiten und einen auf dem Fußgängerweg befindlichen Passanten erschlagen. Das alles könnte passieren. Irgendwann, irgendwie, irgendwie. Einzige Lösung, die man in der deutschen Bürokratie sieht: verbieten oder so strenge Auflagen und Reglementierungen erlassen, daß die Menschen sich ihr Vorhaben selbst verbieten. Denn der deutsche Bürger muß vor sich selbst, seiner und andere Dummheit geschützt werden. Und das geht am besten über viele, viele Gesetze, Vorschriften und Richtlinien. Und davon gibt es trotz der Initiative Bürokratieabbau reichlich in Deutschland.   Viele der Absurditäten der deutschen Bürokratie hat Ulrich Gineiger in seinem erst kürzlich im emons: Verlag erschienenen Buch mit dem treffenden Titel »Vorsicht, Fisch kann Gräten enthalten! Bürokratischer Wahnsinn in Deutschland und der EU« gesammelt und kommentiert. Dabei trug er viele der abstrusen Fälle bei seiner Tätigkeit als Redakteur im Deutschlandfunk zusammen, der zu diesem Thema auch eine eigene Serie machte. So finden sich zu den (un-)möglichsten Themen Beiträge und Erfahrungen, wie beispielsweise im Gesundheitswesen, der Gastronomie und bei verschiedenen, angeblich höchst gefährlichen Berufen – wie zum Beispiel Hebammen. Die sind nämlich quasi für ein halbes Leben der von ihnen auf die Welt gehievten Kinder verantwortlich. Wenn mit denen was in der Pubertät nicht stimmt, so kann’s doch durchaus sein, das die Hebamme bei der Geburt was falsch gemacht hat.   Es ist ein kabarettistisches Buch, eine Schmunzel- und Lachlektüre, aber trotz allem, wie oft bei Satire und Komik, auch ernstzunehmen. Oft muß man mit dem Kopf schütteln und kann das, was man da lesen muß, einfach nicht glauben. Aber eine Suche ergibt, daß der Fall wohl wirklich so eingetreten ist und man da Gesetzen unterliegt, von deren Existenz man nicht die düsterste Ahnung hatte. Oder wer wußte, daß man ein Gesetz auf den Weg bringen wollte, der das Tragen von Dirdln verbieten wollte – Grund: das offenherzige Kleidungsstück bietet dem Dekolleté wenig Schutz vor einem Sonnenbrand. Selbstgebackenen Kuchen sollte man lieber nicht mehr in den Kindergarten mitnehmen; da die Hygiene daheim nicht von behördlicher Aufsicht gewährleistet werden kann, kann man sich nie sicher sein, daß der Kuchen nicht Erreger enthält. Weil es ja bei jeder zweiten deutschen Familie aussieht wie bei Hempels unter’m Sofa. Gineiger kommentiert auf eine angenehme, scharfzüngige und satirische Weise, die einfach Spaß macht, dabei aber nicht von dem wirklich krassen Thema ablenkt und nur Lacher um der Lacher willen produziert. Er macht deutlich, welche Entmündigungsprozesse hinter der immer stärker werdenden Bürokratiemaschinerie stehen und welche Auswirkungen das auch langfristig haben wird. Denn Bürokratie, zuviel, zu oft und überall eingesetzt, hemmt schlußendlich kreative Vorstöße und läßt Rituale und Althergebrachtes eingehen wie eine Primel im Winter. Aber es wird auch deutlich, daß der deutsche Bürger, wie leider schon seit Jahren forciert, immer mehr in die Knie geht und entmutigt resigniert. Gineiger versucht aber auch Mut zu machen und die Bürger aufzurufen, sich zu wehren. Und noch dazu ein wichtiges Wort zu verbreiten: wer will, daß ihn der Bürokratiekrake nicht selbst auffrißt, sollte ihn auch nicht auf andere hetzen.

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