Mit dem Werk Ulrich Kochs assoziiere ich eine fast einhellige Bewunderung. Man muss es auch bewundern, wie er es schafft einen fast schon archaischen, elementaren Pathos mit der Atmosphäre unserer in kleinste Pixel zerfallenden Gegenwart zu vereinen.
Dies gelingt wohl auch, weil er ihren gemeinsamen Fluchtpunkt ausgemacht hat: der sichere Tod, mit seiner Dreifaltigkeit aus Angst, Ratlosigkeit und Verlangen. Im Verlangen sind wir verfangen, auf Angst gebettet und Ratlosigkeit hebt uns jeden Morgen auf, lässt uns am Abend oder auch willkürlich über den Tag hinweg wieder fallen.
"Man bekommt das Leben nicht zu greifen, man bekommt es nur zu spüren", schrieb Brigitte Reimann in ihren Tagebüchern. So in etwa würde ich auch das beschreiben, was in Kochs Gedichten passiert: ein Greifen, das zu einem Spüren gerinnt, darin umschlägt, sich dreht wie eine Münze bei einem Münzwurf hoch in die Luft.
Ermattet die Hoffnung im Versuch sie zu formulieren? Sind alle Buchstaben kleine Schatten, die die Gewissheit auf das weiße Blatt unserer Zukunft wirft? Kochs Gedichte haben etwas Trostloses – und zugleich etwas Tröstliches. Vielleicht ist unser Los der Trost, den wir nicht greifen und behalten können, den wir nur zu spüren bekommen. Ein Trost, der zugleich ein Akt der Liebe und der Gewalt ist. Ein Trost, der uns formt, dort wo uns auch die Verzweiflung verformte; wo wir vielleicht nicht noch einmal berührt werden wollen. Aber dem Verlangen kann man ebenso wenig entgehen wie der Angst und der Ratlosigkeit. Sie fallen in eins.
Lyristix







