Ulrich List

 4,4 Sterne bei 8 Bewertungen
Autorenbild von Ulrich List (© editionfredebold / Quelle: editionfredebold)

Lebenslauf von Ulrich List

Ulrich List, 1940 in Köln geboren, ist Vater, Gärtnermeister, Dichter, „Krätzchen-Erzähler“ und Ur-kölsches Original zugleich. Als Kind lebte er, durch die Versetzung seines Vaters nach Polen, in Warschau und Krakau und kam mit seinen Eltern nach dem Krieg über Schlesien nach Thüringen. Mitte 1945 kehrte die Familie heim nach Köln, wie er mit Glanz in seinen Augen berichtet. Er erlebte, wie der Rektor seiner Volksschule in Köln – Rodenkirchen einen Zaun mitten durch den Pausenhof bauen ließ, um katholische von protestantischen Schülern zu trennen. Das hat ihn bis heute geprägt genau hinzuschauen und die richtigen Fragen zu stellen. Sein privater, aber auch beruflicher Weg als Gärtnermeister, im Angestelltenverhältnis oder später mit seinem eigenen Betrieb, war mit Höhen und Tiefen versehen. Wenn’s mal ganz schlecht lief, dann baute sich der echt Kölsche Jung einfach einen neuen und bepflanzte ihn mit frischem Mut und „Anpack“. Nach zwei gescheiterten Ehen und gesundheitlichen Problemen entschied er sich im Alter von 60 Jahren, sein Leben neu zu ordnen. Er schrieb sich alles mit einem augenzwinkernden Humor von der Seele. Mal nachdenklich, mal humoristisch oder kabarettreif und doch wieder bis in die Wurzeln tiefgehend und teilweise provozierend, was den Leser treffend berührt und zum Nachdenken anregt – manchmal mit ganz neuen Ansätzen. Der Vater von vier Söhnen und einer Tochter lebt mit seiner Lebensgefährtin heute auf Mallorca. Und wie es sich für einen echten Kölner gehört, treibt ihn das Heimweh mehrfach im Jahr in seine geliebte Heimatstadt. „Krummbüchel und andere Geschichten“ von Ulrich List erscheint in Kürze bei editionfredebold, köln.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Ulrich List

Cover des Buches Krummbüchel und die Baustelle des Lebens (ISBN: 9783944607184)

Krummbüchel und die Baustelle des Lebens

 (8)
Erschienen am 23.12.2015

Neue Rezensionen zu Ulrich List

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Cover des Buches Krummbüchel und die Baustelle des Lebens (ISBN: 9783944607184)Eva-Maria_Obermanns avatar

Rezension zu "Krummbüchel und die Baustelle des Lebens" von Ulrich List

ewig kalauernd
Eva-Maria_Obermannvor 5 Jahren

Die Gedichte erzählen konsequent vom Bauarbeiter Krummbüchel, die Themen dahinter sind vielfältig. Beziehungen, Alter, Familie, Politik, Gesellschaft. Ein großer Rundumschlag in die Welt der Diskurse. Außerdem gibt es ein Kapitel mit dialektalen Gedichten zu Köln.

Der Klappentext behauptet, der Autor selbst schlüpfe in die Rolle Krummbüchels. Da bin ich vorsichtiger. Krummbüchel, lyrisches Er/Du/Ich, zeigt selten Gefühle. Viele Texte zeigen deutliche Kritik, das Medium Lyrik wird dabei nicht ausgenutzt, lieber geht es mit dem gewaltigen Zaunpfahl gegen diese und jene Missstände. Korruption, Scheidung, Stammtische, Gesellschaft. Allzu oberflächlich nach meinem Geschmack. Auch die Fähigkeiten der Lyrik, die Tropen, Reimformen, Rhythmen, werden nicht ausgenutzt, bleiben zumindest ähnlich. Ein Stil, auf jeden Fall, ein einfacher aber.

Das ist schade, die Themenvielfalt hätte mehr Eindruck verdient. Auch die oft kalauernde Sprache mag ab und an passen, banalisiert die Aussage aber allzu sehr. Die Kritik wird lächerlich gemacht und der große Sinn der Gedichte selbst in Frage gestellt. Dabei sind die eingesponnenen Witze oft alt und nicht besonders aufregend. Im Grunde nimmt der Text sich so sehr viel.

Handwerklich sind die Gedichte dabei keinesfalls schlecht. Der jeweilige Rhythmus stimmt, das Reimschema wird eingehalten, die Betonungen sitzen. Trotzdem bleiben sie oft simpel und das Gefühl kommt auf, dass der Dichter durchaus zu mehr in der Lage wäre.

Lyrik ist eine Herzenssache. Kritik daran zu üben ist immer ein sehr subjektiver Vorgang. Der stetige Kalauer ging mir relativ schnell auf die Nerven. Als ob der Dichter sich eine eigene lyrische Meinung nicht zutraut, verpackt er sie immer in einen müden Scherz und setzt noch Krummbüchel als Zwischenfigur ein, die ein Gedicht, das ohnehin ein vom Autor getrennt zu betrachtendes lyrisches Ich hat, im Grunde nicht benötigt.

Als kleine Kapriole zwischendurch mag so ein Gedicht schon durchgehen. Geballt im Buch wirken sie zwanghaft komisch im Kritisieren und ermüden.

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Cover des Buches Krummbüchel und die Baustelle des Lebens (ISBN: 9783944607184)Federchens avatar

Rezension zu "Krummbüchel und die Baustelle des Lebens" von Ulrich List

Lyrik mit Humor!
Federchenvor 5 Jahren

Ulrich List ist 75 Jahre alt und entschied sich im Alter von 60 Jahren, sein Leben neu zu ordnen. Mit seinem Gedichtband "Krummbüchel und die Baustelle des Lebens" und den darin zuweilen nachdenklichen, aber auch humoristischen Gedichten ist ihm ein tolles Buch mit einer Art Biografie des Herrn Krummbüchels in Versform gelungen. Krummbüchel seines Zeichens Bauarbeiter und echter Kölner Jung zeigt uns verschiedene Etappen seines Daseins. Stellt er sich anfangs vor, so kommt er kurz darauf sogleich auf die Themen Liebe, Begegnungen, Natur und Gesellschaft, um uns dann dichterich von der Nahrungsaufnahme, den Reisen oder gegen Ende kölsche Texte zu erzählen.

Muss man Lyrik mögen, um zu diesem Band zu greifen? Es ist sicherlich nicht hinderlich, aber auf jeden Fall nicht notwendig. Die Gedichte haben eine Kurzweil, einen Esprit, sind nicht immer provozierend, aber vor allem doch sehr tiefgründig. Parallelen zum eigenen Leben sind nicht gewollt, aber werden wohl bei jedem Leser in einer oder mehreren Zeilen zu finden sein. Gerade das macht den Gedichtband so spannend. Hier wird nicht schnörkelig von Liebe oder anderen Dingen berichtet, die sich am besten in einem Gedicht abhandeln lassen. Nein, hier wird das Leben, wie es ist, einfach in Verse gefasst, die sich sehr häufig reimen, dies aber nicht müssen.

In diesem Buch haben es einige Gedichte geschafft, dass ich, die sich nicht wirklich viel mit Lyrik beschäftigt, Seite um Seite geblättert hat. Dabei ein Schmunzeln oder innerliches Nicken nicht vermeiden konnte und am Ende sogar eine Art "Lieblingsgedicht" hatte. Was irgendwie die falsche Bezeichnung ist, denn jedes einzelne Gedicht ist ansprechend, faszinierend und ehrlich zugleich. Und doch klingt "Das Meer und die Liebe" einfach in mir nach. Das Cover des Buches ist mehr als nur ansprechend, es zeigt eine Art Abbild des Gesichtes des Autors. Dies wird unterstützt von der Farbe des Buchdeckels. Ein wirklicher Eyecatcher unter den Gedichtbänden. Wäre dieses Buch ein Roman, so würde ich ihn ganz klar als echten Pageturner bezeichnen. Für diese Art von Lyrik jedoch finde ich diese Bezeichnung wenig ausreichend. Es ist vollkommen ungeschminkt, berührend, zuweilen auch etwas skurril und doch tiefgründig.

(c) buchgefieder.blogspot.com

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Cover des Buches Krummbüchel und die Baustelle des Lebens (ISBN: 9783944607184)FräuleinBriests avatar

Rezension zu "Krummbüchel und die Baustelle des Lebens" von Ulrich List

Literatur, die unterhält. Was braucht der Leser mehr?
FräuleinBriestvor 5 Jahren

Ulrich List veröffentlichte einen Tag vor Heiligabend 2016 bei dem Verlag editionfredebold seinen Lyrikband „Krummbüchel und die Baustelle des Lebens“.

Lyrik? Man denkt an blumige Texte, Metaphern und Euphemismen. Möchte man das lesen, wenn man keine poetischen Neigungen hat? Ich eigentlich nicht – die Romantik ist bei mir etwas kurz gekommen. Dennoch landete der Gedichtband durch Zufall auf meinem Leseberg. Da ich Bücher dieser Art häufiger auch mal zwischendurch in die Hand nehme, habe ich recht schnell einen Blick hineingeworfen, denn man muss hier keine langen Geschichten und Romane lesen, von denen man sich evtl. nicht mehr loseisen kann.

Ulrich List, mittlerweile stolze 75 Jahre alt, dichtet schon lange. Aber erst seine Krebserkrankung ließ den Gärtnermeister sein Leben noch ein Mal überdenken und es vollständig ändern. So zog der Kölner nach Mallorca und begann dort ernsthaft sein Leben in Versform auf Papier zu bringen. Entstanden sind Gedichte über das Leben, sein Leben. Dennoch lässt List den Leser seine Lebenserfahrungen in erster Linie durch sein Alter-Ego Krummbüchel, den Bauarbeiter, mitverfolgen.

Nach Themen sortiert wird der Leser durch das Buch geführt: Liebe, Gesellschaft, Natur, Reise und kölsche Texte (denn List ist und bleibt Ur-Kölner).
„Krummbüchel stellt sich vor“ – ist die Überschrift der ersten Verse, in denen dem Leser erklärt wird, mit wem er es eigentlich zu tun hat.

„Ich bin ich“
Ich bin der, den Du in mir siehst
und ich bin der, vor dem Du fliehst.
[…]
Ich bin banal, mal mit tieferem Sinn.
Kurz gesagt: Ich bin der, der ich bin.

Der Leser wird auf eine Reise mitgenommen, in guten wie in schlechten Zeiten. „Haste ma‘ `nen Euro?“ spiegelt die besonders schlechten Zeiten wieder – im schönsten Berlinerisch, denn die mieseste Zeit seines Lebens erlebte Ulrich List dort.

Auch die Trennung von seiner Ehefrau hielt er lyrisch fest: in „Esoterik“ beschreibt er ihren „geistigen“ Wandel:
[…]
Zum Guru gibt’s, das spürt sie lange,
`nen karmischen Zusammenhang.
Kinder, Familie, sind ihr schnuppe,
sie geht jetzt in die Gurugruppe.

List kann aber auch poetisch sein und nachdenklich machen. In „Das Meer und die Liebe“ nimmt er Abstand von Humor und Zynismus und der Leser spürt die sensible Seite des Autors.

Für jemanden, der hochkarätige Lyrik zum Interpretieren und Analysieren sucht, ist mit „Krummbüchel und die Baustelle des Lebens“ sicher nicht richtig bedient.
Möchte man sich aber dennoch mit Lyrik beschäftigen, so ist man hier gut aufgehoben.
Denn List schreibt – ohne Selbstmitleid – in zynischer Art und in  sarkastischer Weise, in weicher und sensibler Form über das, was jeder Leser erlebt: über das wirkliche Leben.
Dennoch betrachtet Ulrich List alles, was ihm widerfahren ist, mit einem gesunden Abstand. So schafft er es, auch schlechte Erfahrungen in kabarettreifer Form und mit viel Humor festzuhalten, aber auch zu provozieren und den Leser nachdenklich zu stimmen.

Sicher ist „Krummbüchel und die Baustelle des Lebens“ ein etwas anderer Lyrikband, den man nicht der Gattung der hohen Literatur zuordnen kann.
Ulrich List schafft es dennoch, den Leser in den Bann zu ziehen, am Lesen zu halten und mindestens zum Schmunzeln zu bringen.
Literatur, die unterhält. Was braucht der Leser mehr?

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