Unsere Stadtbibliothek hat eine große, aber reichlich unübersichtliche Comic-Abteilung. Etwas Bestimmtes zu finden, ist quasi unmöglich; dafür wird man öfter mal mit einem Zufallsfund glücklich. So ein Zufallsfund war für mich die "Kleine, illustrierte Geschichte der DDR". Da mich das Thema interessiert, habe ich schon Einiges über die DDR gelesen – aber noch nie in Comicform. Und obwohl ich kein allzu großer Fan von Sachcomics bin, hatte ich in diesem Fall viel Freude daran.
Das liegt an den Zeichnungen, die die vielen Erklärungen zur Geschichte der DDR nicht nur illustrieren, sondern auf oft sehr witzige Weise "versinnbildlichen". Ein paar Beispiele:
- Die Jugendweihe wird als Ersatzritual für die kirchliche Firmung eingeführt. = Ein Mädchen wendet sich zuerst einem Gottesbild zu: "Ick globe!" Und dann einem Marx-Bild: "Ich gelobe!".
- Die DDR-Parteiführung bemüht sich um das Vertrauen des großen Bruders in Moskau. = Honecker hantiert mit zwei Eheringen und wirft dem grummeligen Breschnew verliebte Blicke zu.
- Auch Kirchenmitarbeiter waren Spitzel im Dienst der Stasi. = Vier Pfarrer sind nebeneinander in die Bibel vertieft. Einer von ihnen hat Gucklöcher in seine geschnitten und hält sie außerdem verkehrt herum.
Kurz gesagt beweisen die Illustrationen von Thomas Henseler und Susanne Buddenberg eine Art von (manchmal kalauerndem) Humor, der mir liegt. Ihnen ist aber auch bewusst, dass sich über manche Ereignisse der DDR-Geschichte einfach nicht scherzen lässt und so benutzen sie z.B. für den Aufstand vom 17. Juni oder Informationen zu den Mauertoten zwischendurch einen realistischeren, ernsthaften Stil.
Fazit: Wer sich eingehender mit der DDR-Geschichte beschäftigen will, dem bzw. der würde ich immer noch zu einem Buch raten, z.B. zu der Vorlage von Ulrich Mählert oder zu "Endspiel" von Ilko-Sascha Kowalczuk. Trotzdem ist auch dieser Comic sehr informativ – und dabei auch noch ziemlich unterhaltsam.





