Ulrich Peltzer Angefangen wird mittendrin

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Inhaltsangabe zu „Angefangen wird mittendrin“ von Ulrich Peltzer

»Ein Glücksfall für die Literatur.« Ursula März, Frankfurter Rundschau Die Frankfurter Poetikvorlesungen von Ulrich Peltzer: Einblicke in die Welt eines Schriftstellers Urich Peltzer ist einer der wichtigsten Autoren der Gegenwart: ein kluger Zeitdiagnostiker, der spannend erzählt und raffinierte Plots entwirft. Sein letzter Roman, ›Teil der Lösung‹, wurde von der Kritik gefeiert als »ein großer Zeitroman, auf der Höhe der theoretischen Diskurse, gleichzeitig eine packende Krimi- und Liebesgeschichte.« (Helmut Böttiger, SZ). In seinen Poetikvorlesungen erzählt Ulrich Peltzer von dem Sprung in den Text, dem Mut zur Flucht und dem Adressaten seines Schreibens: »Wenn du einen anderen Adressaten haben solltest als den Menschen, den du liebst, dann lass es gleich bleiben. Liebst du niemanden, dann schreib für die Engel, die Toten oder meinetwegen den Herrgott.«
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  • Rezension zu "Angefangen wird mittendrin" von Ulrich Peltzer

    Angefangen wird mittendrin
    hproentgen

    hproentgen

    20. February 2011 um 17:07

    Ulrich Peltzer hat eine Poetikvorlesung in Frankfurt gehalten und das hat der Fischerverlag jetzt veröffentlicht. 5 Vorlesungen, in denen er sich vor allem mit vier Werken auseinandersetzt: Finnegans Wake, Robinson Crusoe, Huckleberry Finn und ein Werk von Gsddis. Ganz am Anfang beschreibt er wie ein einzelner Anblick, eine Szene einen Schriftsteller so faszinieren kann, dass er davon nicht mehr loskommt und das in einem Roman mündet. Doch dieses Thema verlässt er nach zwei Seiten wieder, um es erst auf den allerletzten Seiten wieder aufzugreifen. Die Werke werden interpretiert und zwar philosophisch. Peltzer will damit seine Philosophie beweisen und die ist antibürgerlich, weshalb mit schöner Regelmäßigkeit entweder gelobt wird, dass das jeweilige Werk so am Rande der Gesellschaft spiele, oder, im Falle Robinson Crusoes ausführlichst erklärt wird, dass Robinson Crusoe die rigide bürgerliche Moral vertrete, die jede Kontrolle von Körperlichkeit in Sachen Sex und Alkohol verbiete. Interpretationen sind so eine Sache. Jeder kann alles in die Werke hineininterpretieren, die Autoren, wenn sie tot sind, können sich nicht mehr wehren und was jemand hineininterpretiert, sagt oft mehr über die Philosophie dessen, der interpretiert aus, als über das WErk, das besprochen wird. Leider gilt das auch für dieses Buch. Peltzer breitet anhand der Werke seine eigene Lebensphilosophie aus, das sei ihm unbenommen, macht das Buch aber stellenweise sehr dröge. Wie man ein derartig bösartiges, witziges Buch wie den Huckleberry Finn über viele, viele Seiten besprechen und dabei stets auf den philosphischen Ernst achten kann, den man auf gar keinen Fall verlassen will, das wird sich mir nie erschließen. Dass er das ganze mit möglichst vielen Zitaten anderer Schriftsteller, die ihm auch in den Sinn kommen, garniert und so zu Satzungetümen kommt, die nie ein Ende finden, macht das Ganze nicht besser. So finden sich solche Satzungetüme wie: "Respectable werden, eine potentielle Respektabilität durch entschprechende Erziehungs- und Selbstzuchtmaßnahmen in jene reale verwandeln, die durch die Tatsache seines plötzlichen Reichtums quasi naturhaft angelegt ist, als die gesittete äußere Hülle der 'middle Station of Mankind', das erzeugt - wie wir aus Hucks Mund gehört haben - aktuelles Leiden, das die Privilegien, die sich daraus vielleicht später ergeben, in keiner Weise aufwiegen, die Verbindung des einen zum anderen ist bei ihm durchtrennt, bzw. existierte nie, so leger, wie er für sich lebt, ohne Familie, das heißt, in größtmöglicher Unabhängigkeit von den sozialen Gepflogenheiten, den Verhaltensstandards einer US-amerikanischen Kleinstadt des 19. Jahrhunderts." Dabei ist dieser Satz noch einer der einfacheren. Gemeint ist wohl: Huck Finn tut sich hart, ein respektabler Bürger des 19 Jahrhunderts zu werden. Die dafür nötigen Leiden will er nicht auf sich nehmen. Doch warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Dass Peltzer seine Sätze durch zahlreiche "ex tempore" Einschübe verkompliziert, in denen er ausführt, was er sonst auch noch alles weiß, trägt ebenfalls zur Lesbarkeit nicht bei. Und verstärkt nur den Eindruck, dass man vielleicht besser die interpretierten Werke selbst lesen sollte, das ist erstens leichter, zweitens unterhaltsamer und drittens erfährt man damit garantiert mehr über Poetik und Literatur. Leseprobe: leider keine Leseprobe gefunden Angefangen wird mittendrin, Poetik Lehrbuch, Ulrich Peltzer, Fischer, 2011 ISBN-13: 978-3-10-060806-2, gebunden, 170 Seiten, Euro 17,95

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  • Rezension zu "Angefangen wird mittendrin" von Ulrich Peltzer

    Angefangen wird mittendrin
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    20. February 2011 um 11:59

    Fulminante Einblicke in den kreativen Schaffensprozess Wenn man schreibt, dann aus Liebe für einen oder mehrere konkrete Menschen, seien sie auch bereits verstorben. Das ist Ulrich Peltzers Credo als Schriftsteller und Dreh- und Angelpunkt seiner Herangehensweise an Geschichten. Geschichten, in denen er sich tatsächlich von jetzt auf gleich „mittendrin“ befindet, befinden muss, um sie zu entfalten, zu entwickeln, sich daran abzuarbeiten und sie letztendlich zur Reife zu gestalten. Impulse und Grundhaltungen, die Ulrich Peltzer an der Frankfurter Universität im Wintersemester 2010/2011 als Dozent für Poetik in äußerst lebendiger, sprachlich teils überschäumender Form seinen Studenten nahebrachte, mit sicherlich tiefem und bleibendem Eindruck. Einen Eindruck, der nun in diesem Buch auch einem breiteren Publikum zugänglich wird, welches die Vorlesungen nun schwarz auf weiß auf Papier gebannt hat. Ein leidenschaftliches Plädoyer für den Mut, mitten hinein zu gehen in das Leben, die Geschichten, die fast auf der Strasse liegen, die aufgrund eines Liedes, einer Begegnung, eines kleinen Erlebnisses plötzlich ihn umfangen. Und darauf warten, mit Sprachkraft herausgefeilt zu werden. Mit Ernst verweist er in diesem Schaffensprozess darauf hin, wie wichtig das Wissen um die eigenen Traditionen, das literarische Fundament ist, auf dem man steht, frei nach Brecht, das man zurückfällt hinter die Traditionen, wenn man sie nicht kennt. Zwischen Traditionen und moderner Zerfaserung, zwischen Kitsch und Behaglichkeit gilt es dabei, die entsprechende Geschichte als Geschichte zu retten, sie zu bewahren vor der drohenden Belanglosigkeit. Ziele, die Peltzer in sprachlich unnachahmlicher Weise, wie ein perlender Wasserfall, seinen Studenten nahebringt, moderne Begriffe dabei spielerisch mit einfließen lässt und einen rasanten Gang durch die Literaturgeschichte von Joyce über Brecht bis tatsächlich Huckleberry Finn vollzieht. Autoren, Figuren, Geschichten, die die Realität sprengen, die Leidenschaft des Lebens in den Raum setzen und Geschichten gestalten, die Sehnsucht aufnehmen und die Realität zu durchbrechen verstehen. Ein besonderes Anliegen Peltzers, mit der er sich in teilen gegen den literarischen Realismus zumindest ein stückweit abgrenzt. Davon spricht Peltzer nicht einfach nur abstrakt, ein ganz besonderes Erlebnis wurde den Studenten und Hörern seiner Vorlesungen zuteil. Gegen Ende der Vorlesungsreihe hin verlässt Peltzer die, wenn auch mit Verve vorgetragene, theoretische und darstellende Ebene und wird ganz praktisch. Er lässt die Vorlesung in die Entfaltung und Gestaltung einer Erzählung, eines Romans übergehen und stellt so eindrucksvoll, quasi „live“ seinen eigenen Schaffensprozess in den Raum. Einen Prozess, der dann tatsächlich „mittendrin“ beginnt und sich vor den Ohren der Studenten und vor den Augen der Leser entfaltet, getreu Pletzers Herangehensweise, nicht vorher einen „Plot“ zu erstellen, sondern die Geschichte mit der eigenen kreativen Kraft sich aus sich selbst heraus entwickeln zu lassen. Ein Buch, dass auf hohem Niveau einen anregenden und, in Teilen, mitreißenden Einblick in die Welt des kreativ schaffenden Autors mit klaren Grundhaltungen ermöglicht. Sprachlich lebendig und hochwertig vorgetragen, mit erstaunlichen Wendungen und der Möglichkeit, die Entstehung einer Geschichte mitten heraus tatsächlich mit zu erleben.

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