Ulrich Peltzer Das bessere Leben

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Inhaltsangabe zu „Das bessere Leben“ von Ulrich Peltzer

Ulrich Peltzer hat einen großen Zeitroman geschrieben. Was hält unsere undurchschaubare Welt zusammen: Träume, Geldströme, Gott oder der Teufel?

Im 20. Jahrhundert diskutierten, lebten und kämpften junge Menschen an amerikanischen Universitäten, in Frankfurt und Moskau für eine gerechte Ordnung, für eine bessere Zukunft. Doch die Utopien sind in Terror umgeschlagen. Wir leben in einer radikal kapitalistischen Welt, unsere Gegenwart scheint undurchschaubar. Was ist aus unseren Utopien, Sehnsüchten und Träumen geworden?

Aus ehemaligen Revolutionären sind Manager geworden, Akteure der Wirtschaft. Sie sind involviert in globale Geschäfte zwischen Mailand, Südamerika und China, ihre Deals sind dubios. Haben sie alles verraten? Was heißt es heute in dieser Welt, gut zu leben? Was wäre das bessere Leben?

Jochen Brockmann ist erfolgreicher Sales Manager, doch er verstrickt sich in ein abstürzendes System. Die Bank gibt keinen Kredit mehr, Indonesien investiert nicht, es bieten sich die Chinesen an. Sylvester Lee Fleming ist ein skrupelloser Geschäftemacher, Finanz-Investor und Risiko-Berater. Er erscheint, als Retter, Verführer und Versucher. Ist er ein Abgesandter des Teufels oder nur ein Psycho? Er kreuzt Brockmanns Weg. Ist das Zufall oder Plan?

Ein philosophischer Roman, ein metaphysischer Thriller über das 21. Jahrhundert und die Gespenster der Vergangenheit.

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    Das bessere Leben

    walli007

    08. January 2017 um 09:18

    In einer kapitalistischen Welt laufen die Geschäfte auch nicht immer rund. In einer solchen Welt können die wirtschaftlichen Grundlagen von Einzelpersonen mal ins Wanken geraten. Möglicherweise gibt es dann Hilfsangebote von anderen, doch ist es ratsam diese anzunehmen? Vielleicht geht es genau um diese Frage bei der Begegnung von Jochen Brockmann mit Sylvester Lee Fleming. Lee steht für den amerikanischen General - nicht dass es zu Verwechslungen kommt. Was macht ein gutes Buch aus? Mit Freude und Erwartung begibt man sich an die Lektüre dieses hochdekorierten und hochgelobten Autors. Schließlich hat man gerade unter den Preisverdächtigen schon häufiger besonders herausragende Werke gefunden, die interessante Themen in fesselnden Worten bearbeitet haben. Die vielleicht einen anderen Blickwinkel dargestellt haben oder ein Thema besser erklärten als es ein trockenes Sachbuch vermöchte. Dann meint man, seinen Horizont erweitert zu haben und dabei noch etwas gelernt zu haben. Wenn dann das Ganze noch in eine packende Story gekleidet ist, was will man mehr. Manchmal ist es jedoch leider so, dass gerade wenn die Kritik mit Lob überschüttet, der einfache Leser etwas ratlos wird. Was ist denn dann das Thema eines Buches? Wo ist denn die berauschende Sprache? Wieso hat man über Seiten die Absätze vergessen? Wo ist die Geschichte, die interessieren könnte? Bestimmt hat sich der Autor viele Gedanken gemacht, lange an seinen Sätzen gefeilt und mit besten Gewissen die Ansicht vertreten, dass dieses das Beste ist, mit genau den Worten ausgedrückt, die er gewählt hat und auch wählen wollte. Doch leider hilft auch die herausragendste Besprechung der Feuilletons nicht, wenn eine Geschichte am Leser vorbeigeht. Die besten Bücher sollten doch die sein, die sowohl Kritiker als auch Leser begeistern. Zwar kann man vielleicht sagen, wenn das nicht klappt, ist einfach der Leser zu dumm. Was aber, wenn dieser sich durchaus durch so manche Klassiker oder Werke von Nobelpreisträgern mit Begeisterung gelesen hat und gerade hier entnervt anfängt quer zu lesen? Eine abschließende Entscheidung kann von einem Einzelnen sicher nicht getroffen werden. Dieser Einzelne muss hier aber sagen, für mich war es nichts.

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  • Verlorene Träume

    Das bessere Leben

    Xirxe

    26. January 2016 um 23:01

    Himmel, hatte ich Probleme mit diesem Buch! Dreimal habe ich angefangen und war kurz davor, es endgültig zur Seite zu legen. Doch beim letzten Versuch begann ich, es mir selbst laut vorzulesen. Über 50 Seiten - und dann war ich drin. Endlose Sätze, die kein Ende haben und immer weiter führen. Keine echte Handlung, vielmehr Gedanken, Erinnerungen und Ortsbeschreibungen der jeweiligen Personen, die (zahlreich) immer wieder wechseln, wobei zwei Männer sich als Hauptfiguren herausbilden. Durch das laute Lesen entwickelte ich ein Gefühl für diesen Stil, der sich mir in den meisten Fällen als Selbstgespräche darstellte, die doch meist auch so ablaufen: sprunghaft, unvollständig, selten stringend an einem roten Faden entlang. Als leicht zu lesen empfand ich es zwar noch immer nicht, doch ich konnte diesen 'Gedankenflüssen' nun wesentlich besser folgen als zuvor. Was die Personen in diesem Buch verbindet, ist der Rückblick in ihre jeweilige Vergangenheit, die geprägt waren von Idealen, Utopien, revolutionären Ideen und dem Blick auf ihr Leben jetzt: Was ist geblieben von damals? Warum? Oder besser: Warum nicht? Auch die beiden Hauptfiguren, Jochen und Sylvester, erfolgreiche Geschäftsmänner, beschäftigen sich damit auf ihre jeweils eigene Weise. Sylvester ist der abgebrühtere der Beiden, der der Vergangenheit nur wenig Aufmerksamkeit schenkt und stets nur das beste Geschäft sucht. Für ihr folgt das Leben einem vorgegebenen Plan. Doch immer wieder träumt er von der Studentin Allison, der er als junger Mann begegnete und die ihn mit ihren politischen Aktionen nachhaltig beeindruckte. Jochen hingegen, der sich in einer Umbruchphase befindet, beschleichen dagegen wiederholt Zweifel an seinem Tun ("Wer weiß, wo man angekommen wäre, hätte man vor allen Entscheidungen eine Münze geworfen und sich ohne Überlegung jedes Mal der Wilkür von Kopf oder Zahl unterworfen,..."). Mit sich im Reinen sind lediglich die, die ihren Vorstellungen und Träumen mehr oder weniger treu geblieben sind, auch wenn Geld in deren Leben keine unwichtige Rolle spielt. Auch wenn es sehr gewöhnungsbedürftig und anstrengend zu lesen ist, vermittelt dieser besondere Schreibstil einen glaubwürdigen Einblick in die Gedankenwelt des 'Romanpersonals'. Dass Karriere und Erfolg allein einem Leben nicht unbedingt Sinn verleihen, wusste man vermutlich schon vor dem Lesen, doch wird es einem hier nochmals überzeugend vor Augen geführt.

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  • Das 21. Jahrhundert gesehen mit den literarischen Mitteln des 20. Jahhunderts

    Das bessere Leben

    Pongokater

    23. January 2016 um 12:47

    Das 21. Jahrhundert, gesehen mit den literarischen Mitteln des 20. Jahhunderts, das ist Peltzers Roman. Bestimmend sind die Stilmittel der erlebten Rede und der Montage. Das Resultat ist ein vielstimmiger  Chor innerer Stimmen. Da Peltzer aber deren Zahl begrenzt, kann man dennoch fast immer folgen. Mit diesen literarischen Mitteln entwirft er das Bild vor allem von Business-Menschen voller innerer Widersprüche, die eher von den Gesetzen der Wirtschaft getrieben erscheinen als von der vielzitierten Gier. Durchaus interessant und aufschlussreich.

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  • Gewinnt die 15 Lieblingsbücher des LovelyBooks-Teams aus dem Jahr 2015!

    Lua und die Zaubermurmel

    Daniliesing

    Die Vorweihnachtszeit ist doch die schönste Zeit im Jahr für tolle Buchempfehlungen, oder? Da es ja schon eine kleine Tradition geworden ist, möchten wir vom LovelyBooks Team euch auch 2015 wieder unsere Lieblingsbücher des Jahres empfehlen und einen von euch sogar mit einem Buchpaket, das alle 15 Bücher enthält, glücklich machen! Bevor es mit den einzelnen Lieblingsbüchern losgeht, möchten wir euch aber ein wunderbares Kinderbuch ans Herz legen, das uns alle bezaubert hat und das Klein und Groß mit seiner berührenden Geschichte in seinen Bann zieht! "Lua und die Zaubermurmel" ist unser gemeinsamer Buchtipp für das Jahr 2015. Unsere Buchempfehlungen: 1. kultfigur empfiehlt: "Unterwerfung" von Michel Houellebecq Ein hochinteressantes Gedankenspiel zum schlummernden Konfliktpotential in unserer Gesellschaft und der Anpassungsfähigkeit des Einzelnen. Zeitlos und aktuell zugleich. Für mich ein geniales Buch, gerade weil es stellenweise auch banale und langweilige Seiten hat - denn so sind wir Menschen nunmal. 2. Daniliesing empfiehlt: "Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel" von Bradley Somer Ein Goldfisch fällt aus dem 27. Stock - vorbei an den vielen Fenstern des Hochhauses und den Geschichten der Menschen dahinter. Gekonnt verknüpft Bradley Somer die einzelnen Schicksale dieser Menschen - mal ganz gewöhnlich, mal total abstrus und verbindet sie zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk, das man in dieser Form bestimmt noch nicht gelesen hat! Genial! 3. TinaLiest empfiehlt: "Im Frühling sterben" von Ralf Rothmann Ralf Rothmann hat mich mit seinem sprachlich sehr beeindruckenden Roman "Im Frühling sterben" aus einer Leseflaute geholt: Ich habe ebenso gebannt wie erschüttert von den Erlebnissen des Protagonisten Walter während der letzen Monate im zweiten Weltkrieg gelesen & auch nach dem Lesen hat mich der Roman nicht so schnell losgelassen. Ein beeindruckendes, leises und sehr starkes Buch! 4. doceten empfiehlt: "Chaos" von David Mitchell In "Chaos" erzählt David Mitchell in neun Geschichten über den freien Willen des Einzelnen in einer deterministisch-chaotischen Welt - nicht das kleinste Thema für einen Debütroman. Nahezu mikroskopisch klein sind jedoch oft die verbindenden Elemente zwischen den Geschichten, bis sie sich in ein großes Ganzes fügen, das wir wohl Leben nennen. Wer die Erzählweise aus dem bekannteren "Cloud Atlas" mag, wird auch von "Chaos" begeistert sein - ich bins! 5. Malista empfiehlt: "Die schönste Art, sein Herz zu verlieren" von Mamen Sánchez Es gibt Bücher, die liest man und am Ende waren sie gut. Und es gibt Bücher wie Mamen Sanchez' "Die schönste Art sein Herz zu verlieren", erschienen im Thiele Verlag, welches einen auf eine Reise mitnimmt, die niemals enden soll! Die Faszination des Buches liegt in den pointierten Beschreibungen der Protagonisten, ihrer Herkunft und ihrer Lebensstile, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Unbedingt lesen! 6. ValerieLiebtLesen empfiehlt: "Das achte Leben (Für Brilka)" von Nino Haratischwili Ich habe das Familienepos dieses Jahr im Sommerurlaub in Portugal gelesen und war vom ersten Moment an gefesselt von dieser spannenden Geschichte rund um acht beeindruckende Frauenfiguren. Die 1200 Seiten habe ich verschlungen und danach war ich fast ein wenig wehmütig, dass die Geschichte "schon" rum war. Grandios! 7. Sophia29 empfiehlt: "Das Geheimnis des weißen Bandes" von Anthony Horowitz In diesem Jahr bin ich auf den Sherlock Holmes-Geschmack gekommen. Deswegen zählt „Das  Geheimnis des weißen Bandes“ von Anthony Horowitz zu meinen absoluten Lesehighlights 2015. Die ersten Seiten dieses Buches haben ausgereicht, um mich voll und ganz in seinen Bann zu ziehen:   London im November 1890 – der unvergleichliche Detektiv Sherlock Holmes und sein alter Freund Dr. Watson setzen alles daran, das Geheimnis um „Das weiße Band“ schnellstmöglich zu lüften, um   weitere Morde zu verhindern. Ich habe die beiden wirklich gerne auf ihrer Verfolgungsjagd begleitet und von Seite zu Seite mehr der Auflösung dieses dubiosen Falls entgegengefiebert. Dieses Buch bietet nicht nur durch und durch sympathische Protagonisten und einen einzigartigen Stil des Autors, sondern garantiert vor allem auch Spannung bis zum Schluss. 8. HannaBuecherwurm empfiehlt: "Der Name des Windes" von Patrick Rothfuss Lasst euch nicht vom schleppenden Anfang des Buches trügen! Sobald ihr diesen einmal hinter euch habt, wird euch das Buch vollkommen fesseln und bis zur letzten Seite nicht mehr loslassen. Vor allem der originelle Schreibstil macht dieses Buch aus, macht euch darauf gefasst, wiederholt in Lachen ausbrechen zu müssen. Das Buch ist der Auftakt zu einem fantastischen Fantasy-Epos, auf dessen Fortsetzung ich nun richtig gespannt bin! 9. aba empfiehlt: "Die Straße der Geschichtenerzähler" von Kamila Shamsie Gegen Ende des Jahres nur ein Lieblingsbuch zu nennen, fällt einem oft schwer, wenn fast jedes gelesene Buch diese Auszeichnung verdienen könnte. Dieses Mal ist es bei mir nicht so, ich musste keine Sekunde lang überlegen, die Entscheidung stand schon im Frühjahr fest. "Die Straße der Geschichtenerzähler" von Kamila Shamsie ist mein absolutes Lieblingsbuch aus 2015. Für so viel Leidenschaft, so konsequente und menschliche Charaktere, und eine glaubhafte und spannende Entwicklung habe ich dieses Buch sehr geliebt. 10. Kathycaughtfire empfiehlt: "Wer die Nachtigall stört ..." von Harper Lee Eines der Bücher, das man in seinem Leben unbedingt gelesen haben sollte. Es ist ein Klassiker der amerikanischen Literatur, aber einer, den man schlichtweg lieben muss. Die Geschichte ist wunderschön, die Botschaft nach wie vor eine unglaublich wichtige und Harper Lee eine grandiose Autorin. 11. markusros empfiehlt: "Vom Inder, der auf dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden" von Per J. Andersson Das Buch und speziell der so mutige Pikay haben mir die eigene Lust am Abenteuer und an fernen Ländern nicht nur in den Lesestunden zurückgebracht. Ich bewundere den Mut, sich aus Überzeugung für eine Sache in Situationen zu begeben, ohne vorher alle Eventualitäten intellektuell durchdacht und durchdrungen zu haben. 12. Tree_Trunks empfiehlt: "Altes Land" von Dörte Hansen Für mich ist "Altes Land" von Dörte Hansen eines der besten Bücher 2015 gewesen. Die Geschichte beschreibt die kleinen Wunden, die sich die Generationen einer Familie gegenseitig zufügen können und erzählt von der Bürde der Vergangenheit. Gleichzeitig hat Dörte Hansen einen tollen Humor, der mich wirklich laut zum Lachen gebracht hat und der von einer ungetrübten Menschenkenntnis zeugt. Ein großartiges Buch über menschliche Stärken und Schwächen! 13. Tasmetu empfiehlt: "Ich bin Malala" von Malala Yousafzai Dieses Buch war so viel mehr als das, was ich erwartet habe und ließ mich tief berührt und nachdenklich zurück. Es ist die Geschichte des Swat Lands, es ist die Geschichte der Taliban, des Islams, es ist die Geschichte ihres Dorfes, ihrer Eltern, ihrer Freunde, ihrer Heimat, ihrer Flucht. Sympathisch, aufrüttelnd, aktuell. 14. nordbreze empfiehlt: "Bora" von Ruth Cerha Die Frankfurter Verlagsanstalt sollte dieses Buch nur zusammen mit einem Flugticket nach Kroatien verkaufen. Obwohl ich schon immer eine Wasser-Sehnsucht hatte, war diese noch nie so stark wie beim Lesen von "Bora". Ich möchte auch eine Insel erkunden, klettern, schwimmen, Wein trinken (ich mag gar keinen Wein ..) und Fisch essen. Ruth Cerha beschreibt das Inselleben einfach, alltäglich, aber trotzdem prägnant, so dass man das Gefühl hat, schon einmal dort gewesen zu sein (was ich für mich ausschließen kann. Ich war noch nie in Kroatien). Hinzu kommen mit Mara und Andrej zwei unaufdringliche Protagonisten, deren Liebesgeschichte so dezent aufgestellt ist, eigentlich will ich das gar nicht Liebesgeschichte nennen. Zwischen den beiden herrscht einfach eine große Vertrautheit, die ohne große Worte auskommt. Seid ihr neugierig auf unsere 15 Lieblingsbücher 2015 geworden? Dann habt ihr bis einschließlich 6. Januar Zeit, bei der Verlosung eines tollen Buchpakets mit allen 15 Büchern mitzumachen. Jetzt müsst ihr uns über den "Jetzt bewerben"-Button ganz oben nur noch folgendes verraten und dann seid ihr dabei: Da wir selbst immer so gerne Bücher verschenken, würden wir von euch gern wissen, welche Bücher ihr dieses Jahr zu Weihnachten verschenkt und wieso ihr euch für genau diese entschieden habt? Welche sind eure Buchgeschenktipps des Jahres? Wir wünschen euch ein wunderschönes Weihnachtsfest & einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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    • 990
  • Babyboomers Brummkreisel

    Das bessere Leben

    rallus

    15. October 2015 um 12:28

    Die gute Nachricht vorab: Das Buch ist durchaus lesbar! Warum ich daran zweifelte? Nach 90 Seiten und gefühlter Verzweiflung ob der Sprache, die durch Interpunktion und eingestreuten Klammern (die weitere Gedankengänge einbrachten), langatmige Sätze über halbe Seiten, war ich mir nicht sicher ob ich es überhaupt schaffe, das Buch bis zum Ende zu lesen. Gerade die Klammern brachten den Lesefluss teilweise zum Erliegen, die langen Sätze, die mittendrin den Gedanken änderten, bis am Schluss etwas vollkommen anderes als am Anfang herauskam, ergaben einen weiteren Baustein eines sperrigen Romans. Auch wusste ich nach 90 Seiten nicht um was es in dem Buch überhaupt ging. Menschen Ende 40, Anfang 50 die über ihr eigenes Leben reflektierten? Handlung? Fehlanzeige! Na komm, muss ja nicht immer Handlung, roter Faden oder so was sein – sieh es als Kunst! Steht doch auf der Shortlist! Da muss doch was dran sein. Dann fand ich den Kniff weiterzulesen – ich übersprang die Klammern (stand sowieso nichts Weiterführendes oder Interessantes drin) und siehe da, das Buch war in zwei Tagen durch. Doch auch nach 450 Seiten hatten sich keine Handlung und keine klare Linie herausgebildet. Um was geht es? Verschiedene Menschen (z.B. Jochen Brockmann, geschieden, eine Tochter, beruflich viel im Ausland), die in den Babyboomer Jahren geboren sind und jetzt Anfang 50 über ihr Leben philosophieren, Kinder haben, meist geschieden, desillusioniert in ihrem Job (aber gute Jobs haben sie), trinken zu viel, rauchen zu viel, treiben kaum Sport. Die Gedanken kreisen um das ‘Warum bin ich hier und was habe ich verpasst?!’ “Was hätte man schon sollen, dachte er, und wann, wann ist überhaupt der richtige Zeitpunkt für irgendwas, wäre es gewesen, um sich Umwege zu ersparen. Eine Begegnung, ein Gespräch, die einen aus einer Sackgasse herausholen würden. Wrong direction, baby! Als könnte man mitunter erst hinterher sagen, wo’s gefehlt hat, vor allem theoretisch. Und weil die Gegenwart so blind ist, klammert man sich an die Zukunft, glorreich und lichterfüllt. “ Religion wird angeschnitten, aber nicht wirklich, nur als etwas, was einen vielleicht retten kann, aber so wirklich wird sich damit nicht auseinandergesetzt. Es bleibt abstrakt. Genauso wie die diffusen und unklaren Kapitel die Gerlach, einen Flüchtling aus der DDR in Russland zeigen. Was bewegt ihn? Ist das politisch, obwohl doch alle anderen Charaktere unpolitisch sind. Die unpolitische Darstellung, soll sie unser Land zeigen, gar auf eine bestimmte Generation zielen? “Zumindest darf man ja mal fragen, nach Zufall und Gesetz. Wie dieses und jenes so zusammenhängt und wie man darauf kommt, dass in allem ein höherer Sinn steckt. Eine Art Zweck, ähnlich dem Ergebnis einer mathematischen Beweisführung. Quod erat demonstrantum. Aber vielleicht hat sie keine, hatte nie eine, wird auch nie eine haben, grundlos von Beginn an. Jedes Geschehnis so wahrscheinlich wie sein Gegenteil.” Peltzer ‘brummkreiselt’ weiter – und wie! “Wie viel man braucht, wovon man lebt. Leben wird, wenn nichts mehr nachkäme, ausgemustert….Luhumppn, Halt-aißen, Papiiier. Seltsam, wie wenig Gedanken man sich darüber macht, wenn’s läuft, grundsätzlich… lediglich kalkuliert, aber auch nicht richtig, ob diese oder jene Zeichnung gerade drin ist, man vielleicht zwei andere verkaufen müsste, um sie zu erwerben können (morgen den Wert der Sammlung mal überschlagen, mit Sinn und Verstand). Eine Vertragsauflösung (einseitig) würde zu einer Abfindung führen müssen, da nicht zu beweisen, er hätte vorsätzlich, schuldhaft, fahrlässig gehandelt. Was, sehen Sie, Herr Rechtsanwalt, einen Zug ins Kuriose hat, da alle dafür waren, den Indonesiern exakt die Konditionen einzuräumen, aus denen man den Strick dreht (oder bereits gedreht hat), an dem ich baumeln soll (ach Jochen deine poetisch Ader).” Man liest sich teilweise wie in ein Mantra, anfangs ist mir spontan Piet Klocke eingefallen, der jedes Thema, mit seinen Armen, groß, auffällig, angesprochen?, oder, nein gerudert hat er, wie damals mein Freund, mit dem ich, ach da war ich noch jung. “Als Anakoluth bezeichnet man einen Bruch des Satzbaus oder auch Abbruch bei einem einmal begonnenen Satz. Man fängt einen Satz an, besinnt sich neu und fährt in einer Weise fort, die dem begonnenen Satz nicht entspricht, oder bricht ihn auch ab. Beispielsweise kann die grammatische Beziehung der Satzglieder gestört sein, oder ein neu hereinbrechender Gedanke stört die Folgerichtigkeit des Satzes; oft wird einfach umgeplant” (Quelle: Wikipedia) “Während jetzt, ich meine, ich hab keine Träume, denen ich nachjagen wollte oder bisher nachgejagt wäre, um jeden Preis, wie ein innerer Zwang, insofern, die Kündigung, ja, Scheiße, aber…. wovon träumt man? Was hält einen am Laufen?[…] Je nachdem, wie man’s betrachtet. Philosophisch. What makes the world go round, warum, wieso, weshalb. Kann ich Dir nicht beantworten, einfach so, müsste man aber, wenigstens für sich selber, um rauszukriegen, welche Träume überhaupt Sinn machen. Damit man nicht nach zwei Schritten schon vor die Wand läuft.” Und jeder möchte eigentlich ein besseres Leben. Aha. Für diese Aussage musste ich mich jetzt 450 Seiten durch die wirren Gedanken der Charaktere quälen. Der Ertrag rechtfertigt in keiner Weise den Aufwand, wie auch hier sehr gut nachzulesen ist. Das kann man besser machen. Wichtige Themen wie z.B. Religion, alternative Lebensweisen, Sport oder Politik sind in den Gedanken vollkommen ausgespart, bzw nur diffus angesprochen. Babyboomer (die Generation Anfang der 60er Jahre) die sich wie ein Brummkreisel um sich selber drehen, beschrieben in einer kunstvollen, mit Symbolen überfrachteten Sprache. Ist so diese (auch meine) Generation wirklich gestrickt? Sieht so der Gewinner des Deutschen Buchpreises aus?

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