Durchweg könnte dieses Buch als eine Unverschämtheit gewertet werden; sein schnoddriger, auf schlechte Weise leicht an J.D. Salingers Der Fänger im Roggen erinnernde Ton, die aufgetragene Chuzpe und seine (doch etwas zu sehr) bemüht nihilistische Hauptfigur, reißen dem Fass nicht gerade den Boden aus – “bringt mich um”, wie Protagonist Edgar Wiebaeu sagen würde.
Doch da ist etwas, dass man nicht verhehlen kann: Obwohl Plenzdorfs Buch weder die Feinsinnigkeit von Goethes Roman besitzt, noch an Salingers kongenialen Roman heranreicht, hat Plenzdorf mit der DDR-Atmosphäre, einem vorlauten Hauptcharakter und fahrigen Erzählsträngen eine interessante Mischung komponiert, die streckenweise zu erhellen und dann wieder auf skurrile Art zu erheitern weiß. Zum Beispiel, wenn Edgar zu den (un)passendsten Gelegenheiten auswendig aus dem Werther zitiert und man langsam begreift, dass dieses Buch nirgendwo hin will.
Kein Wunder eigentlich: Die Hauptperson erzählt uns ja die ganze Geschichte aus dem Jenseits, jeweils schön untermalt von Gesprächversatzstücken zwischen dem Vater und den Leuten, mit denen Edgar in Berlin verkehrt hat, wohin er Hals über Kopf geflohen war.
Insgesamt ist dieses Buch sicherlich ein ordentlicher, knapper Roman, ein fragmentarisches Zeitdokument, eine passable, dünne Unterhaltung, mit einige Satzjuwelen und Gefühlbeispielen, die man sich rauspicken muss:
“Ich wollte zeitlebens nie den gleichen Weg zurück machen, den ich irgendwo hingegegangen war. Nicht aus Aberglauben uns so. Das nicht. Ich wollte es nicht. Es langweilte mich wahrscheinlich.”
Als Adaption misslungen, als ein netter Streich geglungen, irgendwo zwischen Anarchie, Kult und Belanglosigkeit.






















