Die neuen Leiden des jungen W

von Ulrich Plenzdorf 
3,4 Sterne bei350 Bewertungen
Die neuen Leiden des jungen W
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (173):
OolaasReadings avatar

Teenage angst, Rebellion, untergründige DDR-Satire-- eine interessante Verknüpfung des neuen Protagonisten mit dem ursprünglichen Werther

Kritisch (70):
AuroraBorealiss avatar

Hat mich fast gar nicht interessiert. Leider nicht nach meinem Geschmack.

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Inhaltsangabe zu "Die neuen Leiden des jungen W"

Text und Kommentar in einem Band. In der Suhrkamp BasisBibliothek erscheinen literarische Hauptwerke aller Epochen und Gattungen als Arbeitstexte für Schule und Studium. Der vollständige Text wird ergänzt durch anschaulich geschriebene Kommentare.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783518188392
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:156 Seiten
Verlag:Suhrkamp
Erscheinungsdatum:03.02.2012

Rezensionen und Bewertungen

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    Neutrons avatar
    Neutronvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Adoleszensroman. Junger Mann verlässt sein Zuhause, verliebt sich unglücklich und schickt Tonbandaufzeichnungen mit Goethetext in die Heimat
    Goethe 'remake' im Ostdeutschland vor der Wende

    Der Roman Ulrich Plenzdorfs von 1973 folgt inhaltlich der berühmt-tragischen Liebesgeschichte Johann Wolfgang von Goethes. Er beginnt mit zwei (fiktiven) Zeitungsauszügen. Die erste Notiz berichtet über einen Unfall am heiligen Abend, die andere ist eine Traueranzeige für den jungen Protagonisten, der am 24.12. verschied.
    Handlungsort des Romans "Die neuen Leiden des jungen W." ist die DDR. Ein gut erzogener, junger Erwachsener entdeckt seine rebellische Seite und verlässt das Elternhaus seiner alleinerziehenden Mutter.
    In der Fremde verliebt der Protagonist, Edgar Wibeau, sich unglücklich. Er haust in einer abrissreifen Gartenlaube und sucht nach Ablenkung, Selbstbestätigung und Anerkennung durch andere, indem er eine Spritzpistole für Lackierarbeiten bastelt.
    Der für die Jugend und Adoleszenz typische Wechsel zwischen den Extremen wird z.T. durch die Aussagen der Weggefährten des Protagonisten posthum deutlich. Edgar wird als zwischen 'Genie' und 'Versager' schwankend charakterisiert. Ob er mit der Absicht nach Berlin kam um Künstler zu werden oder bei seinem Vater zu leben, lässt Plenzdorf offen.
    Sehr liebevoll stellt Plenzdorf die Unsicherheit und Ziellosigkeit des Protagonisten dar. Hierzu erhält der Text als schöne Irritation die Tonbandaufzeichnungen, die der junge Rebell in die Heimat schickt. In ihnen liest er aus Goethes Werther vor, welches er auf dem Klo gefunden haben will.
    Der formale Aufbau des Buches ist sehr ansprechend. Insbesondere der Wechsel der Erzählebenen machen den Text zu einem Klassiker. Es gibt wörtliche Reden zwischen Weggefährten, die sich posthum mit Edgar auseinandersetzen; es kommentiert Edgar und berichtet von seinen Erlebnissen und Gedanken; Tonbandaufzeichnungen  und weitere sprachliche Collageelemente runden den Roman ab und machen ihn sehr lesenswert.
    Rein inhaltlich fand ich die Geschichte nicht so interessant. Auch ist der unreife Charakter des jungen Edgar Wibeau etwas anstrengend. Daher nur drei Sterne.

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    dominonas avatar
    dominonavor 4 Jahren
    schöne Parodie

    Ich sag es gleich: ich mag die Leiden des jungen Werther von Goethe nicht und hatte richtig Spaß an dieser Version hier. Post und Erzählung aus dem Jenseits, wenn das mal keine interessante Idee ist und wie es dem jungen W ergeht, sollte bekannt sein. Ich habe oft beim Lesen gelacht (im Gegensatz zum Goethe-Original - dabei bin ich 2 Mal eingeschlafen) und würde es auf jeden Fall nochmal in die Hand nehmen.

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    B
    based_godvor 4 Jahren
    Eigentlich ein gutes Buch...

    Leider aber ging mir der Charakter des Protagonisten und der Stil, in dem das Buch geschrieben ist zu sehr auf die Nerven. Klar könnte man diese zwei Punkte als Qualitäten ansehen. Mein Lesevergnügen war aber zu sehr beeinträchtigt. Aber immerhin: Die Anspielungen auf den Goethe-Roman sind durchaus witzig und dank den neuen Leiden habe ich mir vorgenommen "Der Fänger im Roggen" zu lesen. Ein Buch, welches unser Protagonist hier ziemlich falsch verstanden haben muss...

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    PaulTemples avatar
    PaulTemplevor 5 Jahren
    Ein Junge der DDR auf Identitätssuche

    Nach einem tödlichen Unfall seines Sohnes Edgar, versucht sein Vater - zeitlebens nur wenig in Kontakt mit ihm - ihn in Gesprächen mit Freunden und Bekannten näher kennen zu lernen. Edgar wird ambivalent beschrieben, mal als hilfsbereiter, fähiger junger Mann, andererseits als Sturkopf und Faulpelz. Die in Rückblenden erzählte Geschichte des Edgar Wibeaus wird besonders interessant durch die Tatsache, dass der Tote die Beschreibungen seiner Freunde aus dem Jenseits selber kommentiert und ergänzt, seine Handlungen verteidigt und bereut. Edgar selbst sieht sich als eine Mischung aus Goethes Werther, dessen Leseexempkar er zufällig findet und aus dem er mehrmals zitiert, und Holden Caulfield aus Salingers "Catcher  in the Rye" - beides Protagonosten auf der Suche nach halt und Identität.

    Von Schülern sicherlich des öfteren verflucht, hat mir der "Werther" recht gut gefallen, wobei die sprachliche Gestaltung (Jugendslang) die Entstehung Ende der 1960er nicht mehr verleugnen kann.

     

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    Holdenvor 6 Jahren
    Kurzmeinung: Wir haben das Buich damals in der Oberstufe gelesen, und mir ist in Erinnerung geblieben, daß man durch das Buch das Leben der Jugendlichen ...
    Rezension zu "Die neuen Leiden des jungen W" von Ulrich Plenzdorf

    Die Lektüre aus der Klasse 11c im Schuljahr 1992/93, jetzt nach ca. 20 Jahren noch mal gelesen: Zu Beginn erfahren wir gleich (in medias res), daß Edgar Wibeau gestorben ist. Im weiteren Verlauf unterhalten sich Menschen, die Edgar gekannt haben (seine Eltern, Charlie), über ihn, während er seine Geschichte aus seiner Sicht erzählt: Wibeau (ein Nachkomme von Hugenotten) schmeißt seine Lehre, zieht nach Ostberlin in eine leerstehende Laube und lebt ein Leben als Möchtegernmaler. Dabei lernt er Charlie kennen und erträumt sich eine Liebesbeziehung wie in Goethes Werther, den er auf dem Plumpsklo gefunden hat. Im vorbeigehen beschreibt Edgar, was in in seinem Land (DDR) nicht gefällt (zB daß jeder einen "Ordentlichen Beruf" haben muß). Ein tolles Buch mit Innenansichten der damaligen DDR, meiner Einschätzung nach ein echter Klassiker der DDR-Literatur.

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    FriediMs avatar
    FriediMvor 6 Jahren
    Rezension zu "Die neuen Leiden des jungen W" von Ulrich Plenzdorf

    Wer kennt sie nicht, “Die Leiden des jungen Werthers”? Das Werk Goethes gehört wohl zur gängigen Schulliteratur und hat seinerzeit für einige kuriose Selbstmordwellen gesorgt. Das war 1774. Das Buch um Werther beschäftigt auch heute noch und wurde bereits oft rezipiert. Eine solche Rezeption ist “Die neuen Leiden des jungen W.” von Ulrich Plenzdorf aus dem Jahr 1972, Literatur, welche selbst außerhalb der DDR Bekanntheit erlangte.

    Die Geschichte handelt von dem jungen Edgar Wibeau, der seine Ausbildung trotz guter Noten abbricht und sich in eine Laube in Ostberlin zurückzieht, welche den Eltern seines Freundes Willi gehört, um sich hier eine Karriere als Maler zu ermöglichen. In der Laube findet er auch eine Ausgabe vom Werther, welches er mit Gefallen liest. Zeitgleich lernt er eine bereits verlobte Kindergärtnerin kennen, welche er im Werther-Wahn Charlotte nennt. Edgar identifiziert sich zunehmend mit Werther, beginnt seinem Freund Tonbandaufzeichnungen zukommen zu lassen und empfindet die Originalgeschichte nach, inklusive dem Werther-Effekt.
    Der kurze Roman, der ursprünglich ein Theaterstück war, ist im Jugend-DDR-Slang der 70er geschrieben, beim Lesen dachte ich ab und an mal an den lockeren Slang aus Anthony Burgess’ Roman “Clockwork Orange”.
    Neben der eigentlichen dramatischen Dreiecksgeschichte, wenn man sie denn so nennen mag, zwischen Edgar, Charlotte (Charlie genannt) und ihrem Verlobten Dieter, merkt man bereits zu Beginn, dass diese Erzählung die Perspektivlosigkeit und Traurigkeit der ehemaligen DDR unterstreicht.

    Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven aus der Retroperspektive erzählt, zum einen aus der Sicht von Edgar, der “postmortem” von seiner Zeit in Berlin und der Bekanntschaft mit Charlotte und Dieter sowie seiner Zeit als Maler und Bauarbeiter berichtet, zum anderen aus der Sicht von Edgars Vater, welcher auf der Suche seinem verschollenen Sohn ist, der aber schon längst tot ist. Auf diese Weise klärt sich die ganze Geschichte lückenlos auf, um sowohl Edgars Aussagen als auch die einiger Zeugen zu lesen.
    “Die neuen Leiden des jungen W.” ist mit Sicherheit ein guter Einstieg in die Literatur der DDR, in der nicht nur die Jugend jener Zeit umleuchtet wird, sondern gleichzeitig die Intertextualität eines deutschen Klassikers des Sturm und Drang im Handlungsmittelpunkt steht. An der Ausgabe aus dem Suhrkamp Verlag ist leider nur eines zu bemängeln und zwar die große Schriftgröße, um das Buch wahrscheinlich nicht noch schmaler aussehen zu lassen. Ich bin wirklich auf das Buch von Plenzdorf “Die Legende von Paul und Paula” gespannt, welches ich mir ebenfalls im Rahmen des DDR Seminars gekauft habe.

    Mehr auf meinem Blog: vitrinenglas.wordpress.com

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    thiefladyXmysteriousKathas avatar
    thiefladyXmysteriousKathavor 7 Jahren
    Rezension zu "Die neuen Leiden des jungen W" von Ulrich Plenzdorf

    die neuen Leiden des jungen W.

    Die 'neuen' Leiden des jungen W. sind die alten: Liebe, die als Eifersucht schmerzt, gestörtes Verhältnis zur Mitwelt, das als verletzter Ehrgeiz quält. Auch Werther 1972 liebt eine verlobte, später verheiratete Frau namens Charlotte, die er nicht wie sein Vorgänger Lotte, sondern 'Charlie' nennt. Die erstaunliche Meisterschaft des Autors, dessen Begabung für die Darstellung gebrochener jugendlicher Helden sich ausspricht, zeigt sich in der Leichtigkeit, mit der er die beiden Komplexe Liebe? Politik, Einzelner? Gesellschaft miteinander vernäht." (Rolf Michaelis, FAZ)

    Inhalt
    Dieses Buch thematisiert bzw. beinhaltet Elemente von Goethes Werk „die Leiden des jungen Werther“. Protagonist Edgar W. ist tot. Edgars Vater stellt Nachforschungen über die Todesumstände seines Sohns an. Dazu redet er mit Personen aus dem ehemaligen Umfeld Edgars. Nach und nach erfäht man folgende Geschichte: Edgar Wibeau nahm einen Streit mit seinem Vorgesetzten zum Anlass, seine Lehre in einem Betrieb abzubrechen und ging nach Ostberlin. Dort richtet er sich in einer verlassenen Gartenlaube ein und findet ein Reclamheft auf dem Plumsklo. Dass es sich dabei um Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werther“ handelt, weiß er nicht, weil er Titelblatt und auch das Nachwort als Toilettenpapier benutzt. Von Goethes Werk beeindruckt, verwendet Edgar nun viele Zitate aus dem Werk. Seinen Lebensunterhalt verdient er sich bei einer Malerkolonne: Nachdem deren Projekt, die Entwicklung eines Farbspritzgeräts scheitert und Edgar beinahe aus der Kolonne fliegt, baut er in seiner Laube an einem eigenen Gerät. Bei dessen Inbetriebnahme erleidet er schließlich einen tödlichen Stromschlag.
    Doch vor seinem Tod hat er eine Frau kennengelernt, in die er sich unsterblich verliebte, genau wie Werther. Charlie ist Charlotte sehr ähnlich und raubt Edgar den Atem. Das Problem: Sie ist bereits mit Dieter verlobt. Doch Edgar kämpft um sie bis zu seinem Tod.
    Meinung
    "Die neuen Leiden des jungen W. gehört zu jenen Büchern..., die wichtige literarische Dokumente ihrer Zeit sind, weil sie zum erstenmal etwas artikulieren oder doch erkennen lassen, was vorher überhaupt nicht oder nicht so deutlich sichtbar war." (Marcel Reich-Ranicki)
    Diesem Satz kann ich nur zustimmen. Die neuen Leiden des jungen W. Ist bestimmt ein bedeutendes Werk, wenn man berücksichtigt, dass es Goethes Stoff aufarbeitet. Allerdings kann ich mich mit dem Buch nicht wirklich anfreunden. Ich bin leider enttäuscht worden. Die Stimmung des Buches ist unbeschreiblich, meiner Meinung nach sehr düster und freudlos. Spannung wird auch nicht wirklich aufgebaut, eigentlich sind das einzig gute an dem Buch die Wertherzitate. Der Rest ist einfach ur langweilig und in einer Sprache geschrieben, die sich meiner Meinung nach nicht gut lesen lässt. Was mich außerdem sehr gestört hat ist Edgars Wortwahl. Auf fast jeder Seite sagt er Sätze wie „das popt“ oder „das popt nicht“ was so viel heißen soll wie „das gefällt mir“ und „das gefällt mir nicht“. Diese Sätze gingen mir nach ein paar Seiten einfach total auf die Nerven. Ich persönlich finde die „alten“ Leiden eindeutig besser. Deswegen nur 2 Sterne.

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    JessSoulvor 8 Jahren
    Rezension zu "Die neuen Leiden des jungen W" von Ulrich Plenzdorf

    Eine interessante Adaption an Goethes Werther, sehr gut umgesetzt und erleichtert das Verständnis für die klassische, etwas nahrhaftere Kost Goethes. Leider aber nicht unbedingt ein Genre, das ich freiwillig gelesen hätte, denn pubertäre Jungs habe ich lange hinter mir gelassen und muss nicht unbedingt mehr davon verstehen, als mir gut tut.

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    michella propellas avatar
    michella propellavor 8 Jahren
    Rezension zu "Die neuen Leiden des jungen W" von Ulrich Plenzdorf

    berlin, ddr, einer junger mann in einer laube auf dem klo: goethes leidender werther dient als klopapier und eröffnet dem jungen W. eine neue dimension - ja, einen neuen blick auf das leben.
    so beginnt das kurze restliche dasein des aus dem jenseits erzählenden W. der auf überraschende weise sprachliche und existentielle parallelen zum Werther von Goethe findet: erste liebe, der erste job, probleme mit familie und freunden, gestaltung der zukunft etc. immer dabei ist dieses buch, das den energetischen und optimistischen, ja geradezu weltgewandten und selbstsicheren jungen mann begleitet. da der buchdeckel im laubenklo zum opfer fiel, weiß er jedoch nicht einmal dass es sich bei dem gefundenen "schinken" um goethe handelt - sein umgang mit dem klassiker ist deshalb erfrischend und völlig urteilsfrei.
    plenzdorfs roman ist ein wunderbares beispiel für den umgang mit klassischen deutschen werken und deren übertragung auf eine zeitgenössische ebene - es hat mir die annäherung und das verständnis des rezipierten goethetextes erleichtert und mich darüber hinaus bewogen, wieder an goethe anzunähern (was mir nach der einmaligen lektüre der leiden des jungen werther zunächst nicht in den sinn kam).

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    HomersEvils avatar
    HomersEvilvor 8 Jahren
    Rezension zu "Die neuen Leiden des jungen W" von Ulrich Plenzdorf

    Zu beginn des Buches erfährt der Leser zu seinem erstaunen, dass der Protagonist, der 17 jährige Edgar W., bereits tot ist. Durch einen Unfall beim Bau an einer Farbspritzmaschine verlor Edgar sein Leben. Stromschlag.
    Es folgt eine sehr interessante Erzählweise. Edgars Vater tritt in Erscheinung. Er besucht nach und nach alle Personen, mit denen Edgar kurz vor seinem Unfall in Kontakt stand und versucht so über Gespräche mehr über seinen toten Sohn zu erfahren. Der tote Edgar nimmt zu jeden Aussagen die dabei getroffen werden Stellung. Zwar unfähig auf die lebenden Personen Einfluss zu nehmen, doch aber daran interessiert alles richtig zu stellen, bzw. die besprochenen Situationen aus seinem Leben, mit seinen Augen wiederzugeben.
    Vor allem Edgars Aussagen bringen Licht ins Dunkel. Der Leser erfährt warum Edgar von zu Hause ausriss um nach Berlin zu gehen. Wie er dort die etwas ältere Charlie kennen lernte und sich in sie verliebte. Den Versuch als Anstreicher Geld zu verdienen und schließlich der
    Bau an einer Maschine, die ihm das Leben kosten sollte.

    Ulrich Plenzdorf (1934-2007) verfasste die Neuen Leiden des Jungen W. in den Jahren von 1968-1973. Das Buch wurde sowohl in der DDR als auch in der BRD ein großer Erfolg.
    Allein jedoch der Titel dieser Erzählung lässt bestimmt so manchen Leser und Schüler mit Grauen an die, teilweise bis zum Tode, interpretierten und ausgeschlachteten Werke Goethes im Deutschunterricht denken. Und nun sollen es auch noch „Neue Leiden“ sein? Sagen wir so, wer sich vom Titel nicht abschrecken lässt, sondern vorurteilsfrei an die geäußerten Gedanken und Gefühle Edgars herantritt, wird bestimmt nicht enttäuscht. Es sind natürlich Parallelen und inhaltliche Berührungspunkte zu Goethes Werther vorhanden, aber dennoch wird eine völlig andere Geschichte erzählt. Eine Geschichte in der der junge Edgar nach seiner eigenen Identität, seiner Heimat, seinen Hoffnungen und nach seinem Sinn des Lebens sucht.
    Interpretieren ließe sich natürlich dennoch eine Menge, z.B. die teilweise recht gut versteckte Kritik an der sozialistischen Lebensphilosophie der DDR, die verwendete Sprache Edgars, die Beziehung zu Charlie, Edgars Familie und und und. Was die neuen Leiden des jungen W. aber nun so besonders macht, ist etwas völlig anderes. Ulrich Plenzdorf hat es meiner Meinung nach geschafft, dieses unbestimmte Gefühl des „nicht dazu Gehörens“ oder besser gesagt das der Unsicherheit, die sich doch recht gern bei jungen Heranwachsenden jeder Generation einstellt, gekonnt zu Papier zu bringen.

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