Ulrich Raulff

 4 Sterne bei 40 Bewertungen

Lebenslauf

Ulrich Raulff ist Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach am Neckar. Zuvor war er u. a. Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sowie Leitender Redakteur der Süddeutschen Zeitung. Sein bei C.H.Beck erschienenes Buch Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben (2016) wurde 2010 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse für das beste Sachbuch ausgezeichnet.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Ulrich Raulff

Cover des Buches Das letzte Jahrhundert der Pferde (ISBN: 9783406721380)

Das letzte Jahrhundert der Pferde

 (5)
Erschienen am 15.03.2018
Cover des Buches Kreis ohne Meister (ISBN: 9783423347037)

Kreis ohne Meister

 (4)
Erschienen am 01.04.2012
Cover des Buches Wiedersehen mit den Siebzigern (ISBN: 9783608948936)

Wiedersehen mit den Siebzigern

 (4)
Erschienen am 15.09.2014
Cover des Buches Vom Künstlerstaat (ISBN: 9783446207233)

Vom Künstlerstaat

 (1)
Erschienen am 04.03.2006
Cover des Buches Vom Umschreiben der Geschichte (ISBN: 9783803121318)

Vom Umschreiben der Geschichte

 (1)
Erschienen am 01.03.1991

Neue Rezensionen zu Ulrich Raulff

Cover des Buches Kreis ohne Meister (ISBN: 9783423347037)
S

Rezension zu "Kreis ohne Meister" von Ulrich Raulff

Kennt man George noch? Will man ihn noch kennen?
sKnaerzlevor 6 Jahren

Als George 1933 in der Schweiz starb, hatte er sorgfältig darauf geachtet durch widersprüchliche Gesten sein Verhältnis zu den Nationalsozialisten völlig im Unklaren zu belassen. Seine "Jünger" müssen jetzt das Erbe annehmen, Traditionen fortsetzen, das "Geheimnis" hüten, Werke edieren, zusammenhalten und sich zerstreiten... Aber schnell spaltet sich der Kreis an den politischen Bruchlinien. Manche gehen ins Exil, manche dienen sich dem Regime an, manche sind Antisemiten, einige sind Juden...


Was sie alle verbunden hat, ist das Bewusstsein, die Elite zu sein, dazu auserwählt, "das Reich" zu regieren (wobei niemand klärte, was das Reich war) und die Fähigkeit, auf allem einen Glanz von Poesie zu sehen. 

Raulff verfolgt entscheidende Lebensetappen der Jünger, die mehr oder weniger zum Kreis gehört haben und wie sie als Gelehrte und Künstler, Bohemiens und Netzwerker Georges Erbe durch den Nationalsozialismus und in die frühe Bundesrepublik trugen.

Der Autor hat trotz der Fülle der Personen den Überblick dabei behalten, der Leser verliert sich ein wenig in den vielen Namen, von denen heute fast alle in Vergessenheit geraten sind. Am Ende kommt selbst er zu dem Schluss, dass heute niemand mehr George liest.

Interessant ist aber, wie sich die zweite Garde von Intellektuellen (wie gesagt, die Zeit überdauert haben die wenigsten) sich mit den politischen und damit auch menschlichen Katastrophen des 20. Jahrhunderts auseinandersetzen und wie lange falsche Ideen durch eine Gesellschaft wesen, und nicht nur die von StG, auch die von AH.

Cover des Buches Sexualität und Wahrheit (ISBN: 9783518283165)
Vyannes avatar

Rezension zu "Sexualität und Wahrheit" von Michel Foucault

Rezension zu "Sexualität und Wahrheit" von Michel Foucault
Vyannevor 15 Jahren

Finger weg davon -_- Dieser Mann stellt Thesen ohne jeglichen Beleg auf, weil er es sich einfach leisten kann. Manche Sätze sind schlichtweg unnatürlich. Er kommt nicht auf den Punkt, wiederholt sich, das Ganze liest sich selbst wie Propaganda... am meisten stören mich die mutigen Behauptungen, die man höchstens als ein "was wäre, wenn" annehmen und auf dieser Basis weiterlesen kann.

Cover des Buches Sexualität und Wahrheit (ISBN: 9783518283172)
Steerpikes avatar

Rezension zu "Sexualität und Wahrheit" von Michel Foucault

Rezension zu "Sexualität und Wahrheit" von Michel Foucault
Steerpikevor 17 Jahren

Die (philosophische) Diskursanalyse ist eine Praxis, die die Bedingungen aufzuzeigen versucht, unter denen sich zu einem bestimmten historischen Zeitpunkt das Denken vollzieht. Der 1984 verstorbene Philosoph Michel Foucault ist, wenn man so will, der "Erfinder" ihrer theoretischen Grundlage.

Der Sexualität hat Foucault drei Bände gewidmet, die Fragen nachgehen sollen, wie sich die Einschätzung von Sexualität durch die diskursiven Grundlagen im Lauf der Geschichte verändert hat.

Im ersten Band von Histoire de la Sexualité/ dt. Sexualität und Wahrheit (La volonté de savoir/ dt. Der Wille zum Wissen, 1972) vertritt er die Ansicht, dass die christliche Sexualmoral auch entgegen ihrer eigenen manifesten Behauptung nicht einfach unterdrückend auf Körperlichkeit und Sexualität eingewirkt, dass sie diesen Bereich also nicht einfach durch Verbote tabuisiert hat, sondern dass - viel subtiler - eine Kanalisierung des Sprechens über das Selbst, die eigene Begierde und den Körper stattgefunden hat.

Gegenstand dieser Rezension ist aber der zweite Band (L'usage des plaisirs/ dt. Der Gebrauch der Lüste, 1984); in ihm wendet sich Foucault der griechischen Antike zu und untersucht die Frage, ob sie - der landläufigen Meinung entsprechend - in sexuellen Fragen tatsächlich toleranter und weniger repressiv als das christliche Europa gewesen ist.

Drei ausführlich behandelte Aspekte sollen diese Frage klären helfen: Das Verhältnis zu Körper, Ernährung und gesundem Lebenswandel (diététique), der Stellenwert der Ehe in der Antike (économie) und das griechische Institut der Knabenliebe (érotique).

In einer sehr genauen Textananlyse griechischer Quellen kommt Foucault zur Überzeugung, dass S.e.x.ualität in der Antike zwar nicht als Übel betrachtet wurde, dass aber ein äußerst komplexes System des Umgangs mit ihr existierte. Dabei war es etwa in Bezug auf die Gesundheit wichtig, die individuelle Lebenssituation bei der Frage nach der angemessenen Häufigkeit sexueller Betätigung zu berücksichtigen; bei der Betrachtung der antiken Ehe hält er fest, dass eheliche Treue weniger mit Sexualität zu tun hatte, als dieser Begriff heute impliziert, sondern vielmehr die Forderung beinhaltete, dass die Ehefrau auf lange Sicht ihren Platz in der familia als Herrin über die häusliche Sphäre garantiert bekam. Die eigentlich erotische Komponente war in der Beziehung der Männer untereinander angesiedelt, wobei auch hier eine Tendenz zur Selbstdisziplin unbedingt erforderlich war.

Allgemein kann gesagt werden, dass die griechische Sexualität vom Mann her gedacht und ihre Praxis sehr stark darauf ausgerichtet war, stärker als die eigene Begierde zu sein - und zwar noch im Vollzug des sexuellen Aktes. Niemals sollte die Sexualität Gewalt über den freien Menschen - also den freien Mann - erlangen.

Foucault verunsichert mit seinen Thesen die allzu einfache Sicht eines immer nur repressiven Umgangs mit Sexualität auf sehr bedenkenswerte Weise. Wenn auch die ausführlichen Textbeispiele nicht selten eine Straffung und Pointierung gut vertragen hätten, ist das Aufspüren antiker Handlungsmuster in den Quellen sehr spannend nachzuverfolgen und überzeugend gelungen. Focault vermag zu zeigen, dass eine Reduktion bei der Betrachtung von Sexualität auf eine einfache Opposition von Verboten und Toleranzen bezüglich bestimmter Objekte oder Praktiken bei weitem zu kurz greift und häufig den Blick auf das Wesentliche antiker Sexualmoral und ihrem Einfluss auf die Geschichte des abendländischen Denkens verstellt.

Foucault ist meines Erachtens immer eine durchwachte Nacht wert!

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