‚Genau darum geht es: mit der individuellen Geschichte möglichst verständlich allgemeine Informationen zu transportieren. [...] Die Krankheiten treten uns entgegen, zum Teil mit der ihnen eigenen Wucht, dem Leid und Schmerz, aber auch der Hoffnung auf Besserung und den Möglichkeiten der Therapie.‘ (Seite IX)
Im Comic finden sich Kapitel zu folgenden psychischen Störungen, die anhand von Fallgeschichten vorgestellt werden: Depression, Borderline-Störung, Zwangsstörung, bipolare Störung, Sucht, Schizophrenie, Delir, posttraumatische Belastungsstörung, Autismus, Demenz, Angst- und Panikstörung sowie Persönlichkeitsstörungen.
Ich mag schöne Comics/Graphic Novels sehr, und ich suche stets nach fundierten Büchern zum Thema Psychiatrie und Psychotherapie, die ich Betroffenen, Angehörigen und interessierten Laien empfehlen kann. Dieser Comic ist die perfekte Mischung daraus. Er ist sehr ansprechend gezeichnet, die Geschichten machen psychische Störungen auch für Laien greifbar und verstehbar, und das Buch ist fachlich fundiert. Gefallen hat mir auch das ausgewogene Verhältnis aus Psychotherapie und Psychopharmakotherapie.
Die einzelnen psychischen Störungen werden sehr realistisch dargestellt, dabei liest sich der Comic ebenso unterhaltsam wie packend, ist abwechslungsreich und klärt gut über Psychiatrie-Themen auf.
Der Comic entpathologisiert und ist hoffnungsvoll, obwohl (oder gerade weil) hier dramatische Szenen gezeigt werden und nichts beschönigt wird. So entsteht ein komplexes Bild von psychischen Störungen, ihrer Symptomatik und ihrer Behandlung.
Negativ aufgefallen sind mir zahlreiche Rechtschreib-, Komma- und Tippfehler, auch ist eine Kopfzeile falsch (Seite 124 und 125), Sie/sie bzw. Ihnen/ihnen wird sehr oft falsch geschrieben, und zudem sind die Seiten 109 und 110 in meinem Exemplar identisch. Fehler können natürlich passieren, aber hier ist es so gehäuft, dass ich mich frage, ob das Buch überhaupt redigiert wurde. Das trübt das Lesevergnügen leider ein wenig, obwohl ich das Buch trotzdem toll fand und empfehle, weil es inhaltlich und optisch einfach wunderbar ist.
Ulrich Seidl
Alle Bücher von Ulrich Seidl
Der Psychiatrie-Comic
Psychiatrische Differenzialdiagnostik: Vom Befund zur Diagnose - Eine Einführung
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Rezension zu "Psychiatrische Differenzialdiagnostik: Vom Befund zur Diagnose - Eine Einführung" von Ulrich Seidl
sabatayn76‚Psychiatrische Differenzialdiagnostik ist eine Kunst für sich und selbst erfahrene Untersucher können gelegentlich Schwierigkeiten haben, zu einer genauen Einschätzung zu kommen.‘ (Seite 13)
Ulrich Seidl setzt sich in seinem Buch mit der oft schwierigen Differenzierung zwischen zwei (oder mehr) Diagnosen auseinander, mit der man es im klinischen Kontext ständig zu tun hat, denn psychiatrische Erkrankungen sehen in der Realität selten so eindeutig und klar aus, wie sie im Lehrbuch beschrieben werden.
Er befasst sich z.B. mit der Unterscheidung von Posttraumatischer Belastungsstörung und Borderline-Persönlichkeitsstörung, Somatisierungsstörung und hypochondrischer Störung, Generalisierter Angststörung und ängstlich-vermeidender Persönlichkeitsstörung sowie Schizophrenie und schizoaffektiver Störung.
Zudem erzählt Seidl von der Geschichte der Psychiatrie, v.a. bezogen auf ätiologische Modelle, und beschreibt recht ausführlich verschiedene Teilbereiche des psychopathologischen Befunds und geht näher auf einzelne Krankheiten und Syndrome ein.
Bereits das Vorwort und das Inhaltsverzeichnis haben mir Lust auf die Lektüre gemacht und klangen für mich sehr vielversprechend und hilfreich für meine eigene Tätigkeit in der Psychiatrie, und nach der Lektüre kann ich sagen: Dieses Buch ist wirklich extrem gut gelungen und sehr hilfreich für meine Arbeit und die vielen (differenzial-) diagnostischen Fragen, die im klinischen Alltag immer wieder auftauchen.
Gerade den ausführlichen Psychopathologie-Teil und die konkreten Vergleiche zwischen ähnlich scheinenden Sachverhalten und Diagnosen empfand ich als enorm relevant und praxisnah. Hier habe ich sehr viel gelernt, und die zahlreichen Fallbeispiele und die praktischen Hinweise machen das Buch besonders anschaulich.
‚Psychiatrische Differenzialdiagnostik‘ ist ein richtig gutes Fachbuch, in das ich sicherlich immer wieder schauen werde, wenn ich mir wegen einer bestimmten Diagnose unsicher bin. Ich empfehle das Buch für Einsteiger ins Fach, aber auch für Fortgeschrittene, denn dazulernen kann hier jeder.
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