Ulrich Thielemann

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Autor von System Error.

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System Error

System Error

 (3)
Erschienen am 01.12.2009

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Rezension zu "System Error" von Ulrich Thielemann

Rezension zu "System Error" von Ulrich Thielemann
juwe56vor 6 Jahren

Ulrich Thielemann stellt in seinem Buch dar, warum Markt-Radikalität zu einem Zustand von Unfreiheit führt. Das Buch hat acht Abschnitte mit den Überschriften:
1. Die neue Radikalität im Management
2. Den Markt verstehen
3. Die Totalisierung des Marktes
4. Ethik, was ist das eigentlich?
5. Warum Wirtschaftsethik?
6. Das unverstandene Kapital
7. Die Kosten des Wachstums
8. Die Zuknuft der Marktwirtschaft: Weniger ist mehr
Der Autor begründet die Markt-Radikalität mit der unbegrenzten Wirkung des Wettbewerbes auf uns Menschen. Er beschreibt, dass Wettbewerb den Strom des Geldes zu einem Marktteilnehmer hin lenkt und dadurch gegengleich von einem anderen Teilnehmer weg lenkt. Dadurch entsteht die von Schumpeter so bezeichnete "schöpferische Zerstörung". Der "Homo oeconomicus" wird als der in seine Entscheidungen vollständig auf die Marktlogik reduzierte Mensch beschrieben. Der Abschnitt über Ethik bietet als Lösung die Diskurs-Ethik an, wie sie von Peter Ulrich im "Transformation der ökonomischen Vernunft" beschrieben wird. Durch sie kann die Eindimensionalität der technischen Ökonomie überwunden werden.
Ein lesenswertes Buch, das dazu anregt, die genannten Quellen, insbesondere Peter Ulrich, zu lesen.

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Rezension zu "System Error" von Ulrich Thielemann

Rezension zu "System Error" von Ulrich Thielemann
PeterPloegervor 7 Jahren

Ulrich Thielemann ist Wirtschaftsethiker und falls er hier ein Buch vorlegen wollte, das nur über Wirtschaftsethik handelt, ist er über sein Ziel weit hinausgeschritten. Genau das macht es zu einem sehr lesenswerten und wichtigen Buch. „System Error“ rüttelt an den Fundamenten der freien Marktwirtschaft. Es zeigt, daß schon die Grundmechanismen des Marktes zu Ungleichheiten, daher zu Ungerechtigkeiten und also für viele zu weniger statt mehr Freiheit führen müssen.
Die herkömmliche Antwort auf die Frage, wie man mit den Wettbewerbsverlierern umgehen soll, ist „Solidarität“. Diesem unverrückbaren Leitprinzip des Sozialstaates hält Thielemann den ethischen Spiegel hin. Märkte seien grundsätzlich machtförmig, da Tauschbeziehungen niemals neutral ablaufen könnten. Derjenige, der die höhere Erwerbsfähigkeit hat, könne auf Märkten leichter Güter und Dienste erwerben. Platt gesagt: Wer hat, dem wird gegeben. Die Gesamtwertschöpfung verteile sich mithin ungleichmäßig. Ein Ausgleich durch Solidarität bestehe nun darin, daß die Besserbegüterten den relativ Benachteiligten einen Teil ihres Anteils an der Wertschöpfung abgeben. Darin aber liege die Crux der bestehenden marktwirtschaftlichen Ordnung, denn zum einen sei die Verbindlichkeit solidarischer Beziehungen vergleichsweise schwach. Zum anderen bekämen die Benachteiligten damit lediglich, was ihnen ohnehin zustünde. Denn alle Bürger wirkten gemeinsam an der Wertschöpfung mit, also sollten eigentlich alle einen gerechten Anteil bekommen. Das Prinzip dahinter ist das der Fairness, nicht das der Solidarität. Genau hierauf legt Thielemann den Finger: „Der ethische Knackpunkt an der Marktwirtschaft ist vielleicht der zumindest potentielle Mangel an Fairness“.
„System Error“ kann an vielen aktuellen Beispielen zeigen, wie die Proponenten des freien Marktes dafür sorgen, daß dieser Mangel weiter besteht, indem sie ihre eigenen Freiheiten verteidigen. Daß sie dabei rechtfertigend auf die angebliche Wertfreiheit von Marktprozessen verweisen, entlarvt das Buch als große Ironie. Wirtschaft hat eine implizite Ethik, und es gilt, klar zu sehen, worin sie besteht und welche Folgen sie hat. Am Platz gehalten, so kann man aus Thielemanns dezidiertem Buch folgern, wird sie von den Wettbewerbsgewinnern, die damit nicht bloß zu ökonomischen, sondern auch zu kulturellen Machtinhabern werden.
Ethiker mögen dem Text vielleicht vorwerfen, er stütze seine Argumentation zu wenig sichtbar auf die Fachdiskussion. Man kann das auch dankbar als Verzicht auf zu viele Zitate und Ableitungen deuten, was den Text letztendlich kompakter und lesbarer macht.
Ulrich Thielemanns „System Error“ ist kein Buch zur Krise, sondern eins, daß in Zeiten eines sich immer breiter machenden „freien Marktes“ immer am Platz ist.

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