Ulrich Woelk

 3,9 Sterne bei 137 Bewertungen
Autor von Der Sommer meiner Mutter, Was Liebe ist und weiteren Büchern.
Autorenbild von Ulrich Woelk (©)

Lebenslauf von Ulrich Woelk

Physik und Literatur: Ulrich Woelk, geboren 1960, aufgewachsen in Köln, studierte von 1980 bis 1987 Physik und Philosophie in Tübingen. Im Jahre 1991 promovierte er in Physik an der Technischen Universität in Berlin. Von 1988 bis 1995 arbeitete er als Astrophysiker an der TU-Berlin. 

Sein Debütroman, „Freigang“, erschien 1990 und wurde mit dem Aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet. Darüberhinaus verfasste er Theaterstücke, die unter anderem am Schauspielhaus Köln, am Theater des Kantons Zürich und am Berliner Hebbel-Theater aufgeführt wurden. Sein Roman „Die letzte Vorstellung“ wurde unter dem Titel „Mord am Meer“ von Matti Geschonneck mit Heino Ferch und Nadja Uhl in den Hauptrollen verfilmt und mit dem Preis der Kritik beim Filmfestival in Hamburg sowie dem Preis in der Kategorie Drama beim New-York-Festival ausgezeichnet. 

Für sein Werk wurde Ulrich Woelk 2005 mit dem Thomas-Valentin-Preis ausgezeichnet. Sein Roman „Der Sommer meiner Mutter“ schafft es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2019. Seine Bücher und Essays sind in viele Sprachen übersetzt, unter anderem ins Chinesische, Französische, Englische oder Polnische. Seit 1995 lebt Ulrich Woelk als freier Schriftsteller in Berlin.

Alle Bücher von Ulrich Woelk

Cover des Buches Der Sommer meiner Mutter (ISBN: 9783406734496)

Der Sommer meiner Mutter

 (56)
Erschienen am 17.09.2019
Cover des Buches Was Liebe ist (ISBN: 9783423145206)

Was Liebe ist

 (19)
Erschienen am 23.09.2016
Cover des Buches Pfingstopfer (ISBN: 9783423260480)

Pfingstopfer

 (12)
Erschienen am 01.03.2015
Cover des Buches Für ein Leben (ISBN: 9783406774515)

Für ein Leben

 (7)
Erschienen am 15.07.2021
Cover des Buches Schrödingers Schlafzimmer (ISBN: 9783423245616)

Schrödingers Schlafzimmer

 (6)
Erschienen am 01.12.2006
Cover des Buches Joana Mandelbrot und ich (ISBN: 9783423403948)

Joana Mandelbrot und ich

 (5)
Erschienen am 01.09.2010
Cover des Buches Einstein on the lake (ISBN: 9783423244275)

Einstein on the lake

 (4)
Erschienen am 01.03.2005
Cover des Buches Die Einsamkeit des Astronomen (ISBN: 9783455079128)

Die Einsamkeit des Astronomen

 (4)
Erschienen am 01.08.2005

Neue Rezensionen zu Ulrich Woelk

Cover des Buches Die letzte Vorstellung (ISBN: 9783423132534)J

Rezension zu "Die letzte Vorstellung" von Ulrich Woelk

Düstere, dialoglastige Mordgeschichte mit vielen philosophischen Anklängen und überraschendem Ausgang
Josselevor 3 Monaten

Der Roman ist erstmals 2002 erschienen. Es geht um den Mord an einem ehemaligen RAF-Terroristen, der eine Zeitlang in der DDR untergetaucht war, danach mit der Bundesanwaltschaft kooperierte und sich nach Verbüßung einer kurzen Haft ganz in den Norden in ein Haus am Deich zurückzog.

Wie wenige andere versteht es Woelk, den Leser die Umgebung seiner Protagonisten nachempfinden, fast spüren, zu lassen. Ein Beispiel an der U-Bahn Station: „Die Blätter in seiner Hand zitterten leicht, als der Zug sich näherte, ein anschwellendes, gedehntes Pfeifen drang über den Bahnsteig, und plötzlich stand er in der Hülle aus Lärm, die den Zug umgab, und warme, trockene Luftwirbel zerrten an dem Papier. Er sog ihren Geruch ein, diesen unterirdischen Geruch von Staub und Metall." (S. 93, dtv Taschenbuch 10/2004) Nicht selten spiegelt diese Umgebung die Gefühlslage der Figuren. Es herrscht meist eine trübe Herbststimmung, die zu der Stimmung der Protagonisten passt, egal ob es sich um den Kommissar, seine Ex-Frau oder die Ex-Frau des Mordopfers handelt. Alle machen einen, wenn nicht deprimierten, so doch erschlafften, illusionslosen Eindruck.

Gleichzeitig ist ein Roman voller Gegensätze: der antriebslose Kommissar und die ehrgeizige BKA-Beamtin, die BRD und die DDR, RAF und Stasi, die Großstadt und das flache, leere Land. Orientierung ist nicht einfach. Paula Reinhardt, die BKA-Beamtin, drückt es einmal so aus: „Uns fehlen die notwendigen Antennen, um uns im Kapitalismus zu orientieren. Wir werden nie in der Lage sein, herauszufinden, wer auf unserer Seite ist und vor wem wir uns hüten müssen. In dem Land, in dem wir aufgewachsen sind, wusste man wenigstens, wer wo steht.“ (S. 65, dtv Taschenbuch 10/2004)

Die wirklich überraschende und gut erdachte Lösung des Kriminalfalls steht sinnbildlich für diese Orientierungslosigkeit, führt sie dem Leser an sich selbst vor Augen. Gut gelungen. Vier Sterne.

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Cover des Buches Der Sommer meiner Mutter (ISBN: 9783406734496)R

Rezension zu "Der Sommer meiner Mutter" von Ulrich Woelk

Schuld
reneevor 3 Monaten

Dieses Buch ist ein intensiver und auch berührender Blick auf den misogynen Mief einer vergangenen Zeit und ebenso eine Coming of Age Geschichte und auch ein Blick auf die Schuld. 

Köln im Sommer 1969. Der elfjährige Tobias bewohnt mit seinen eher konservativen Eltern ein Haus und ist von der kommenden Mondmission und der Physík/Astronomie begeistert. Im Nachbarhaus ziehen ein linkes und politisch engagiertes Ehepaar und dessen dreizehnjährige Tochter Rosa ein. Nun wird das Leben der Familie von Tobias auf den Kopf gestellt. Tobias ist mehr und mehr von Rosa fasziniert, er wird älter und übersieht dabei auch andere Veränderungen in seiner Familie. Denn die Familien beeinflussen sich gegenseitig und aus der anfänglich positiven Entwicklung wird leider bald eine traumatische. Tobias Vater ist von der Nachbarin ganz hingerissen und Tobias Mutter wird von dem Ehepaar getriggert ihr Leben zu verändern. Doch die Mutter von Tobias und auch der Vater schlittern in eine für sie unbekannt gewordene Welt der Gefühle. Und diese Welt der Gefühle lässt das fragile Gefüge der Familien auseinanderbrechen. Und auch Tobias trägt eine schwer zu verkraftende Schuld. 

Ulrich Woelk vermag diese Geschichte ruhig zu erzählen, aber das Erzählte wirkt nicht kühl oder distanziert. Der Autor schafft es mich zu beeindrucken und die Charaktere gehen mir nahe. Sie zünden mich nur nicht an. Aber hier fehlt wirklich nicht viel. Schade!

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Cover des Buches Für ein Leben (ISBN: 9783406774515)C

Rezension zu "Für ein Leben" von Ulrich Woelk

Anders als erwartet
CatiLesemausvor 4 Monaten

Zum Inhalt (Klappentext):

Als die junge Berliner Ärztin Niki Lamont kurz nach dem Mauerfall aufgrund einer Fehldiagnose einem jungen Mann beinahe schweren Schaden zufügt, ahnt sie nicht, dass sie ihn einmal heiraten wird. Auch die Umstände ihres Wiedersehens Jahre später sind mehr als ungewöhnlich, ebenso wie der Verlauf der Hochzeitsnacht. Niki, geboren in Afghanistan, aufgewachsen in Indien und Mexiko als Kind deutscher Hippies, lernt, ebenfalls im Krankenhaus, die etwas jüngere Lu kennen, deren Vater sich nach dem Tod der Mutter regelmäßig ins Koma trinkt. Die Begegnung der zwei Frauen, beide gewissermaßen elternlos, hat Folgen, die sie niemals erwartet hätten ...


Meine Meinung:

Ich habe hauptsächlich eine Geschichte, die um die Wende spielt und was das mit den Menschen gemacht hat. So wirklich wurde das aber letztendlich nicht thematisiert.

Der Autor war für mich bisher unbekannt. Seinen Schreibstil fand ich in Ordnung. Wie es zeitlich erzählt wurde, fand ich soweit auch okay, auch wenn es manchmal etwas verwirrend war. Es wird zwischen den Zeiten gesprungen, so wie es gerade passt, sodass ich manchmal verwirrt war, warum was so ist. Auch wenn Niki und Lu die Hauptprotagonisten sind, bekommen auch andere Charaktere viel Raum. Es wird auch einiges aus deren Sicht erzählt. Auch wenn einiges interessant war, so hat sich dadurch die gesamte Geschichte gezogen. Einige Geschichte von Nebencharaktere hätten sicherlich auch eine andere Art und Weise erzählt werden, sodass es auch kürzer ist. So war es doch recht langatmig.

Bis sich die Wege von Niki und Lu tatsächlich kreut, dauert es aber sehr lange und am Anfang konnte ich mir auch nicht vorstellen sollte, wie das passieren sollte. Die Lösung ist dann sicherlich etwas ungewöhnlich, aber es ist in Ordnung.

Es werden schwierige Themen angesprochen, wie Umgang mit Verlust, Dreh von Porno, aber auch sexuelle Belästigung. Ich fand es insgesamt in Ordnung, wie der Autor mit den Themen umgegangen ist. Das mag aber sicherlich im persönliches Geschmack von jedem Leser*in liegen.

Was mir gefehlt hat, waren die Emotionen. Auch wenn etwas schlimmes passiert ist, es passiert durchaus einiges, und die Charaktere dadurch gelitten haben, ist das bei mir leider nicht angekommen. Das finde ich sehr schade, denn so konnte ich keine Bindung zu den Charakteren aufbauen.

Am Ende weiß ich gar nicht, was ich aus diesen Buch mitnehmen soll. Ich habe einiges interessantes aus der Vergangenheit gelernt. Es war auch interessant zu sehen, wie sich die Charaktere grundsätzlich entwickelt haben und welchen Weg sie gewählt haben, aber so richtig habe ich deine keine Message lesen können. Wahrscheinlich war das auch gar nicht die Absicht.

Ich muss sagen, dass ich wohl nach diesem Buch nicht das Bedürfnis habe, nochmal ein Buch des Autors zu lesen.

Kommentare: 2
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Gespräche aus der Community

Herbst 1999. Roland Ziegler reist als Mitinhaber eines Familienunternehmens nach Berlin, um an einer Konferenz über die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkriegs teilzunehmen. In einem Café lernt er Zoe kennen, eine junge Jazz-Sängerin, die ihm abends bei einem Konzert einen klassischen Song widmet: ›You don't know, what love is.‹ Zoe begleitet Roland nach Amsterdam und wird für ihn zu seiner großen Liebe. Befreit von alltäglichen Zwängen erleben sie eine vorher nie gekannte Nähe. Doch die Familie, die Firma und deren Vergangenheit melden sich bald zurück. Und Zoe ist plötzlich verschwunden.
Was ist Liebe? Können wir lieben, ohne unsere Vergangenheit zu kennen? ›Was Liebe ist‹ erzählt von zwei sehr gegensätzlichen Menschen, die eines verbindet: Angehörige einer Generation zu sein, die den Versprechungen der großen Gefühle misstraut. Und die am Ende genau das erleben, was ihnen unmöglich erschien: Eine große Liebesgeschichte.

Auf literaturmarkt.info hieß es über den Roman: ›Was Liebe ist‹ von Ulrich Woelk ist eine zarte Versuchung, der kein Leser widerstehen kann. Dieser Roman bringt die Seele zum Klingen und gehört zu den (literarischen) Highlights dieses Jahres. Zweifellos!

Das hört man als Autor natürlich gern. Wer Lust hat mitzulesen, sei hiermit herzlich eingeladen.

Ulrich Woelk


181 BeiträgeVerlosung beendet
G
Letzter Beitrag von  Gela_HKvor 9 Jahren
Mit meiner Rezension bin ich etwas spät dran. Mir ist es nicht so leicht gefallen, die richtigen Worte für dieses gefühlvolle Buch zu finden: http://www.lovelybooks.de/autor/Ulrich-Woelk/Was-Liebe-ist-956981472-w/rezension/1044531443/

Zusätzliche Informationen

Ulrich Woelk im Netz:

Community-Statistik

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von 47 Lesern aktuell gelesen

von 3 Lesern gefolgt

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