Nacht ohne Engel

von Ulrich Woelk 
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Nacht ohne Engel
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J

Solide geschriebener Berlinroman.

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Inhaltsangabe zu "Nacht ohne Engel"

Zwei Menschen, zwei Lebensentwürfe – eine Generation

Er glaubt, sie zu kennen, und dann weiß er es: Die Frau im Rückspiegel heißt Jule. Vincent erinnert sich wieder: Jule und er haben einmal eine intensive Nacht miteinander verbracht – doch das ist fünfundzwanzig Jahre her. Es war am Tag der großen Demonstrationen gegen den ersten Golfkrieg, und sie waren so unfassbar jung. Und nun sitzt Jule in seinem Berliner Taxi; sie ist gerade mit einer Maschine aus München gelandet, auf dem Weg zu einem Wirtschaftskongress. Es scheint ihr gut zu gehen. Doch wie geht es ihm? Und was ist mit der Liebe von damals? ›Nacht ohne Engel‹ ist die präzise Momentaufnahme zweier Lebensentwürfe, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Hier der berufl iche Erfolg, dort die individuelle Freiheit. Doch wie frei kann man sein? Wie viel Glück bedeutet Erfolg? Ulrich Woelk erzählt von jener Generation, die mit dem Mauerfall erwachsen wurde und mehr Freiheit hatte, ihr Leben zu gestalten, als jede andere zuvor. Und die doch das Gefühl nicht loslässt, nie angekommen zu sein.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423281119
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:224 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:08.09.2017

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    J
    jamal_tuschickvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Solide geschriebener Berlinroman.
    Restlicht

    Vincent scheint seine Umgebung nur noch wie durch Milchglas wahrzunehmen. Er ist ein Beschädigter und führt sein reduziertes Leben im Nachgang eines Schädelhirntraumas. Er fährt Taxi und schreibt in Berlin. Das sind zwei Klischees, denke ich zuerst. Dann stocke ich auf. Aber natürlich kriegt Woelk Kredit. Bei diesem Autor denkt doch jeder, warum auch immer er etwas tut, aus Blödheit tut er es nicht.

    In Berlin weiß niemand, dass Vincent kein Kriegsdienstverweigerer war. Er beteiligt sich an Antikriegsdemonstrationen und gibt mit Gesellschaftskritik an. Seine beste Zeit hat Vincent als Rekonvaleszent in der Obhut einer Physiotherapeutin, die einen zweiten Körper aus der lädierten Oberschicht herausarbeitet und die Mutter seiner Tochter wird. Die Konstellation ächzt unter den Belastungen ihrer Symbolhaftigkeit. Aber gut. An die Stelle der Psychoanalyse tritt die Physiotherapie. Muskeln werden innerviert und werden sie das nicht, ist Atrophie die Folge. Auch die Liebesfähigkeit kann man muskulös auffassen. Sie muss innerviert werden und wird sie es nicht, ist Atrophie die Folge.

    „Vorbehaltlos und unwiderruflich liebt Vincent nur Saskia.“ Die Liebe zur Tochter ist mit seinem Leben verwoben, er atmet im Takt des Gefühls. Das beschreibt eine bedauerliche Exklusivität. Sie schließt Saskias Mutter und Vincents Retterin aus – und genauso jene Yogalehrerin, die im Jetzt der Ereignisse „seine Freundin“ ist „in einer auf Dauer angelegten Beziehung“.

    Woelk beschreibt die Verhältnisse mit Wörtern der Distanz. Sie schließen einen erheblichen Abstand des Autors zu Vincent ein. Woelk schildert eine Person, mit der er nicht warm wurde; so als hätte er sie lieber stehengelassen als mitgenommen; als sei es nur aus einem Mangel an Geistesgegenwärtigkeit zu der Verbindung gekommen.

    Vincent trifft eine Frau wieder, mit er zurzeit des ersten Irakkriegs eine Nacht in Dahlem verbracht hat. Er verbindet mit Jule seine Amnesie. Sie ist obenauf und lässt sich herab, während sich bei Vincent die Erinnerungslücke zu schließen beginnt. Bilder in den Farben der Restlichtverstärkung steigen in ihm auf, unterlegt mit Kriegsberichten des im Hilton stationierten CNN-Reporters Peter Arnett.

    „The bombing of baghdad continues and we will go on with music.”

    Woelk mischt den ein Vierteljahrhundert zurückliegenden, von Jules Berlinvisite dicht an die Gedächtnisschleuse gerückten Vorgang der Traumatisierung mit Rückblenden, die Jule und Vincent jung zeigen, und der Sorge um die Tochter, die ihr Studium geschmissen hat, weil sie mehr Zeit für sich zu brauchen glaubt. Vincent mutet ihr harte Wahrheiten zu, obwohl er für nichts geradestehen kann.

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