Ulrich Woelk Rückspiel

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Inhaltsangabe zu „Rückspiel“ von Ulrich Woelk

Die Hochzeit endet mit einen Eklat: Auf seine »Jugendsünden« während der Studentenproteste Ende der sechziger Jahre angesprochen, beschimpft der Bräutigam seinen ehemaligen Lehrer als alten Nazi, der einen Schüler in den Tod getrieben habe. Ein politischer Generationskonflikt bricht auf, der wie Stirner, der jüngere Bruder des Bräutigams, weiß, - auch private Ursachen hat. Scheinbar unbeteiligt und nur aus Neugier, spürt Stirner den Gründen des Streits nach, der sowohl in der Zeit des Nationalsozialismus als auch in jenem legendären Jahr 1968 wurzelt. Seine Recherchen führen ihn nach Berlin, doch was er in den Wirren der deutschen Vereinigung aufdeckt, erweist sich als ein Liebesdrama, das auch ihn selbst betrifft.

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  • Rezension zu "Rückspiel" von Ulrich Woelk

    Rückspiel

    abschaffel

    17. August 2007 um 13:04

    entgegen der darstellung des klappentextes ist dieser roman mitnichten eine beschreibung des debakels der APO-generation. durch die alte gleichsetzung des ich-erzählers mit dem autor hat der rezensent kapitalen schiffbruch erlitten. vielmehr entlarvt woelk im laufe der handlung die eindimensional-kritische aversion des ich-protagonisten als folge einer weitreichenden psychogenese, die auf den ungeheuren generationenkonflikt der 60er und 70er jahre folgte. die großen sprüche seines APO-bruders sind zu hohlen phrasen einer gelähmten generation gefroren. der "kleine bruder" ist enttäuscht über die ausgebliebene revolte, über das einknicken des bruders vor der elterlichen/staatlichen gewalt, vor dem über-ich. in zweimal sieben tagen legt der kleine bruder bekenntnis ab, über seine flucht nach berlin, über seine recherche der vergangenheit des bruders, nachdem es bei dessen hochzeit, diesem inbegriff des bürgerlichen scheiterns, zu einem eklat gekommen ist, als der vater seinen späten triumph über den ehemals renitenten sohn auskosten wollte - im beisein des alten faschistischen geschichtslehrers. genial ist der kunstgriff, die rekonstruktion der ernüchternden 68er-ereignisse im taumel der stattfindenen wiedervereinigung zu spiegeln. etwas allerdings trübt den gesamteindruck. dass die handlung in rückblenden 2 erinnerungsebenen ausleuchtet ist nicht das problem, es ist eher der versuch des autors in diese handlungsdichte, die von einem ernüchternd melancholischen grundton bestimmt wird, noch eine analog verlaufende, scheiternde liebesgeschichte einzubauen. somit verliert das ende verstörend an aussagekraft. ulrich woelk, von dem wir bislang eher leichte, durchaus intellektuell anregende kost kannten, hat hier einen großen generationenroman vorgelegt, der den vergleich mit uwe timm nicht zu scheuen braucht.

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