Ulrike Borst

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Neue Bücher

Leben mit einem depressiven Partner

Erscheint am 18.02.2019 als Taschenbuch bei Patmos Verlag.

Alle Bücher von Ulrike Borst

Liebe und Gewalt in nahen Beziehungen

Liebe und Gewalt in nahen Beziehungen

 (2)
Erschienen am 01.09.2011
Wenn die Liebe überschattet wird

Wenn die Liebe überschattet wird

 (1)
Erschienen am 01.09.2011
Zeit essen Seele auf

Zeit essen Seele auf

 (1)
Erschienen am 12.03.2012
Leben mit einem depressiven Partner

Leben mit einem depressiven Partner

 (0)
Erschienen am 18.02.2019

Neue Rezensionen zu Ulrike Borst

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Rezension zu "Zeit essen Seele auf" von Ulrike Borst

Rezension zu "Zeit essen Seele auf" von Ulrike Borst
michael_lehmann-papevor 7 Jahren

Notwendige Entschleunigung

Manche Sozialwissenschaftler, u.a. Hartmut Rosa, sehen einen direkten Zusammenhang zwischen einer sich beschleunigenden Welt und der beobachtbar steigenden Zahl von Depressionserkrankungen. „Zeit und Leiden“ werden Somit einem Zusammenhang gesehen, ein „Leiden“, dass nicht nur den einzelnen Menschen betrifft, sondern durchaus spürbare Auswirkungen auf die therapeutische Praxis nimmt.

Dies betrifft „von außen“ einwirkende Faktoren, die „Wiedererlangung von Handlungsfähigkeit“ beim Klienten soll in immer kürzerer Zeit erreicht werden. Fallpauschalen mit festgelegten Zeitrastern standardisieren die Zeit auch zunehmend in der Beratung und gehen allzu oft dabei am Einzelfall vorbei. Mit Folgen unter anderem dahingehend zu beobachten auch, dass „Kurzzeitverfahren“ mehr und mehr hoch in Kurs kommen (allen voran die „lösungsorientierte Kurzzeittherapie“.
Welcher Begriff von Zeit aber liegt all dem zugrunde? Stehen nicht oft nur willkürliche Standardisierungen im Raum?

Dem gesamten Thema der „Zeit und Beschleunigung“ aus Sicht des therapeutischen Handelns wenden sich die verschiedenen Autoren thematisch geordnet im Buch zu. Wobei im ersten Teil des Buches die philosophische und sozialwissenschaftliche Perspektive in Bezug auf Beratung und Therapie gesetzt wird, im zweiten Teil des Buches Konsequenzen der „veränderten Zeitstrukturen“ für die individuelle Lebensführung diskutiert werden und in den beiden abschließenden Teilen die Folgen der Erkenntnisse für das beraterische und therapeutische Feld erörtert werden. Hier ist dann auch der Ort über jene Dinge zu sprechen, welche die „Beschleunigung“ destruktiv durchbrechen, chronische psychische Erkrankungen unter anderem, bei denen in der Spitze deutlich wird, das der Einzelfall eben letztlich nie in standardisierte Verfahren einzupressen ist. Auch die Einlassungen von Peter Fraenkel und Skye Wilson zur „Zeit zu Zweit“ und der darin mitschwingenden Notwendigkeit bei Paarbeziehungen, eben nicht immer „nur“ auf die Zeit zu achten liest sich eindrücklich im Sinne eines wesentlich differenzierteren Umgangs mit der Beschleunigung und der Notwendigkeit, an bestimmten Punkten im Leben tatsächlich eher „Entschleunigung“ einzuüben.

Von besonderem Wert für die therapeutische Praxis ist die durch viele der Beiträge hindurch scheinende Notwendigkeit, die Zeit selbst und den Umgang mit dieser stärker in den Fokus der Therapie zu rücken.
„Zeit gehört zu den stärksten und doch weitgehend verkannten Faktoren, die sich auf die Qualität und Organisation des Lebens eines Paares auswirkt“.
Und was hier für Paare benannt wird, lässt sich in anderen Einlassungen im Buch nachvollziehbar auf die Ebene auch des Individuums herunter brechen. Kapitel für Kapitel lässt sich so einsichtig im Buch nachvollziehen, dass eben die „enorme Zunahme gesellschaftlicher Beschleunigung“ dem individuellen Zeiterleben direkt entgegen steht.

In sachlicher, verständlicher und nachvollziehbar argumentierter Weise binden die Autoren den Faktor „Zeit“ im Sinne einer gesellschaftlich zunehmenden Beschleunigung in seinen Auswirkungen auf Beratung und Therapie, aber auch auf Klienten und Arbeitsformen ein in den Rahmen der Psychotherapie, zeigen schon vorliegende Fakten und deren Folgen auf und bieten zudem vielfach überdenkenswertes, um diese „Zeit“ selbst zum Gegenstand des therapeutischen Prozesses zu machen.

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Rezension zu "Wenn die Liebe überschattet wird" von Ulrike Borst

Rezension zu "Wenn die Liebe überschattet wird" von Ulrike Borst
WinfriedStanzickvor 7 Jahren

Es sind in den letzten Jahren immer mehr Menschen, darunter zunehmend Männer aller Altersstufen, die von einer Krankheit getroffen werden, die wegen ihres für die Betroffenen oft unklaren Ursprungs für sie unberechenbar ist. Ich kenne Menschen, die während der tiefsten Phase ihrer Depression, als sie in der Klinik waren und auch diese oft intensive Behandlung nicht zu einer Besserung ihres Zustandes führte, mit jedem zum Tod verurteilten Krebskranken sofort getauscht hätten. Denn die Umwelt begegnet einem an Depression erkrankten oft mit Unverständnis, und Ratschläge wie „Reiß dich doch zusammen!“ bringen den Erkrankten keinen Schritt weiter.

Das vorliegende sehr empfehlenswerte Buch beschreibt unter anderem das Umfeld des Kranken. Denn unter einer Depression leidet nicht nur der Betroffene selbst, sondern in extremem Maße auch seine Familienangehörigen. Nicht nur müssen sie damit umgehen, dass ein zuvor starker Vater oder eine Allroundmutter nun schwach und hilflos ist, sondern sie müssen nicht selten feststellen, dass sie auf den zuvor geliebten und geachteten Menschen eine extreme Wut haben und mit einer tiefen Verachtung für ihn kämpfen müssen. Nicht selten drohen sie unter der psychischen Belastung, die das Leben mit einem depressiven Familienangehörigen mit sich bringt, selbst zusammenzubrechen. Oft wirkt die Unkenntnis daran mit, man weiß nichts Genaues über die Krankheit und ist selbst total hilflos im Umgang damit.

Dieses Buch will Abhilfe schaffen und konkrete Hilfen anbieten für ein „Leben mit einem depressiven Partner“.
„Wenn die Liebe überschattet wird“ gibt zunächst eine sehr verständliche und anschauliche Einführung in das Verständnis der Krankheit, bevor es in kleinen Schritten zeigt, wie der eine Partner mit der Depression des anderen umzugehen lernt.
Besonders wichtig fand ich den letzten Teil des Buches, wo Ulrike Borst beschreibt, wie die bisherige Qualität einer Beziehung sich auswirkt auf den Umgang miteinander, wenn einer von beiden an Depression erkrankt. Eine vorher belastete und unglückliche Beziehung macht den Kranken oft noch kränker und nicht selten ist für beide eine endgültige Trennung oder Scheidung die einzige Überlebenschance.

Doch es gibt Abhilfe. Oft ist es nicht zu spät, in die Beziehung in investieren. Ulrike Borst gibt den von der Depression eines Partners betroffenen Frauen und Männern viele hilfreiche Ratschläge, die sie am Ende des Buches zusammenfasst unter dem Titel: „Die 10 wichtigsten Tipps für Paare, die von Depression betroffen sind“. Lesen Sie diese Zusammenfassung zuerst. Sie macht Mut für die Lektüre eines Buches, das ich nur empfehlen kann

Wer sich in anderer, kürzerer, aber nicht weniger hilfreichen Form über die Depression informieren möchte, der sei auf zwei Bücher aus dem Kunstmann Verlag hingewiesen:
Matthew Johnstone, Mein schwarzer Hund. Wie ich meine Depression an die Leine legte (2008)
Ainsley Johnstone und Matthew Johnstone, Mit dem schwarzen Hund leben. Wie Angehörige und Freunde depressiven Menschen helfen können, ohne sich dabei selbst zu verlieren (2009)

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Rezension zu "Liebe und Gewalt in nahen Beziehungen" von Ulrike Borst

Rezension zu "Liebe und Gewalt in nahen Beziehungen" von Ulrike Borst
WinfriedStanzickvor 7 Jahren

In diesem durch die Beiträge namhafter Autoren aus der Therapeutenszene zusammengestellten Band geht es um ein Grunddilemma des menschlichen Zusammenlebens: die Beziehung von Liebe zu Gewalt und von Gewalt zu Liebe und um Liebe und Gewalt in Beziehungen. Denn obwohl wir es nicht wahrhaben wollen, geht es in der Liebe nicht nur um Schutz und Hilfe, sondern auch um Herrschaft und Kontrolle.

Die Beziehung von Liebe und Gewalt ist eine Grauzone, die nicht nur den betroffenen Menschen das Leben schwer macht, sondern auch den mit den außer Kontrolle geratenen Fällen befassten Therapeuten. Die hier versammelten Beiträge bündeln das bisherige therapeutische und wissenschaftliche Wissen über den Zusammenhang zwischen Liebe und Gewalt und stellen, an vielen Praxisbeispielen verdeutlicht, Fragen nach einem möglichen Ausstieg aus erworbenen Mustern und vor allen Dingen nach der Rolle der Eltern in Hinblick auf die Erziehung und die Entwicklung von Bindung und Moral.

In einem Schlusskapitel, in dem die Herausgeberinnen „Konsequenzen für die therapeutische Praxis“ formulieren, und das man gut als Einstieg in das ganze Buch lesen kann, sprechen sie die Eltern, aber auch die Kinder und Jugendlichen direkt an und geben ihnen wichtige Hinweise:

„Väter
… unverzichtbar für die Sozialisation ihrer Kindern und potenzielle Täter (aber zuweilen auch Opfer).
• Engagiert euch für eure Kinder!
• Seid präsent!
• Traut euch zu, anders als die Mütter zu sein!
• Traut euren Kindern etwas zu!
• Seid Vorbild!
• Achtet die sexuelle Selbstbestimmung euer Angehörigen!
• Hütet keine Geheimnisse in der Familie!
• Achtet auf die Machtgleichheit mit der Mutter!
• Gebt bei Trennung oder Scheidung die Vaterrolle nicht auf!

Mütter
… oftmals übermäßig belastet und potenzielle Opfer(aber zuweilen auch Täterinnen).
• Lasst die Väter in der Erziehung eine Rolle spielen!
• Seid präsent!
• Sorgt für Selbstschutz!
• Sorgt für euch selbst!
• Stärkt eure Kinder!
• Seid bei Trennung und Scheidung fair zum Vater eurer Kinder!

Kinder und Jugendliche
… auf der Suche nach Bindungsmodellen, Leitideen, Halt und Gleichaltrigen.
• Gewinnt Sicherheit in der Beziehung!
• Lasst euch nicht plattwalzen!
• Setzt euch ins Spiel!
• Sprecht über eure Missbrauchserfahrungen mit einer Therapeutin, einem Berater!
• Beansprucht eure Eltern, sucht euch aber auch andere Erwachsenen als Verbündete!
• Werdet sozial kompetent im Umgang mit Geschwistern und Gleichaltrigen!

Da die Autoren sehr intensiv mit der Bindungstheorie arbeiten, sei hier noch ein Hinweis auf eine neue Publikation erlaubt.

Die Therapeutin Eva Rass hat in ihrem Buch "Bindung und Sicherheit im Lebenslauf" (Klett-Cotta 2011) für ihre KollegInnen, aber auch für Erzieher und Eltern, wie ich finde sehr verständlich und anschaulich, beschrieben, welche neuen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse die alte These stützen, die Bowlby so formuliert hatte:
"Die Bindungstheorie", hatte Bowlby einst geschrieben, "begreift das Streben nach engen emotionalen Beziehungen als spezifisch menschliches, schon beim Neugeborenen angelegtes, bis ins hohe Alter vorhandenes Grundelement ... Trotz der großen Bedeutung des Nahrungs- und Sexualtriebs ist die Bindung, ihrer lebenswichtigen Schutzfunktion wegen, als solche eigenständig."

Eva Rass führt das noch weiter: "Es kann heute als gesichert gelten, dass sich die Lebenseinstellung und die damit einhergehenden Lebensstimmung im höheren Erwachsenenalter nicht von ungefähr einstellt, sondern ganz wesentlich vom vorherigen Lebensverlauf bestimmt wird. Diese vorangegangene Entwicklung verläuft in aufeinanderfolgenden Phasen und Stufen, und die Bewältigung des jeweiligen Abschnitts ist mit dem Kontinuum des davor Gelebten verbunden."

Der hier vorliegende Sammelband bestätigt dies in den meisten seiner lesenwerten Beiträge.

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