Das kunstvolle Wendebuch von Ulrike Damm umfasst den Roman „Musik stört beim Tanzen“ und die Erzählung „Ich bin nicht müde, ich bin verrückt“. Die beiden Werke sind in zwar ähnlicher und doch unterschiedlicher Schriftart gedruckt.
Ulrike Damm überzeugt mit einem außergewöhnlich präzisen, dichten und poetischen Schreibstil, der tief berührt. Ihre klugen Texte entfalten eine intensive, fast malerische Sprachkraft, die großes „Kopfkino“ erzeugt und zum Nachdenken anregt. Die beiden Texte geben keine Antworten, eröffnen jedoch einen eindringlichen Einblick in den geistigen Verlust, das Erleben von Vergessen und die Frage nach einem würdevollen Leben im Heim. Ein bewegendes, nachhallendes Leseerlebnis mit einer Schwere, wiederum durchzogen mit Leichtigkeit. Und diese Schwere war es wohl auch, warum ich das Buch so oft weggelegt habe, obwohl ich es nicht mehr aus der Hand legen wollte.
INHALT:
Das Wendebuch vereint zwei Perspektiven auf das Leben der Protagonistin. In „Musik stört beim Tanzen“ ist Augustes Schweigen selbst gewählt. Sie schildert in tagebuchartiger Form ihren Alltag in einem Pflegeheim. Als krank diagnostiziert, lebt sie anderthalb Jahre lang ohne sich zu widersetzen mit Demenzkranken. Als Leser:innen bekommen wir Einblick in den Heimalltag und erhaschen bruchstückhafte Erinnerungen an ihr früheres Leben.
„Ich bin nicht müde, ich bin verrückt“ erzählt Augustines Lebensgeschichte vor und zu Beginn ihrer Demenzerkrankung. Sie will verstehen und begreifen, bevor sie das Leben vergisst: eine unglückliche erste Ehe mit Harald, Alkoholabhängigkeit, drei Kinder und später die liebevolle Begleitung durch ihren zweiten Mann, Walther. Mit Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit verliert Augustine zunehmend ihre sprachliche Sicherheit, bis sie schließlich verstummt.
Zur Gestaltung/Haptik:
Das Werk ist sehr aufwendig und schön gestaltet. Ich habe meine Exemplare direkt beim Verlag Damm und Lindlar bestellt, und sie kamen nochmal sehr sorgfältig und schön in die handgeschriebenen Zeilen, die wir auch im Buch eingewoben finden, verpackt an. Eine feine Wertschätzung den Käufer:innen und Leser:innen gegenüber!
Schon haptisch mochte ich das Buch mit seinem feinen Papier. Es ist relativ gewichtig und wirkt durch das Schwarz auch schwer, aber die Seiten mit ihrer Feinheit bringen wieder eine Leichtigkeit und Sanftheit hinein.
Fazit:
Wenn ich einmal gezwungen wäre, nur zehn Bücher mit – in die Zukunft – nehmen zu dürfen, wäre dieses auf jeden Fall eines davon!









