Ulrike Jonack

 4.2 Sterne bei 5 Bewertungen
Ulrike Jonack

Lebenslauf von Ulrike Jonack

Science Fiction ist meine literarische Heimat, ich unternehme aber – wenn es sich anbietet – auch Reisen in andere Genres. Das betrifft das Lesen ebenso wie das Schreiben. Die Initialzündung dafür boten „Die neuen Abenteuer des Piloten Pirx“ von Stanislaw Lem, die ich im Alter von zehn Jahren verschlang; was Literatur „soll“, lernte ich – zumindest dem Grundsatz nach – fünf Jahre später aus „Störgröße M“ von Bernd Ulbrich. Text ist mein täglich Brot, einerseits in meinem Job als Redakteur, anderseits bei Lektoraten und auf Textarbeitsplattformen. Ob mein Alter – ich bin Jahrgang ’66 – daran schuld ist oder es einfach am Charakter liegt: Bodenständige Sprache liegt mir mehr als Abgedrehtes, das so gern mit „Kunst“ entschuldigt wird, und Sprachpflege – also das Intakthalten der Funktionsfähigkeit von Sprache – ist mir extrem wichtig. Aber das ist ein anderes Thema … Zurück zum Schreiben: Geschrieben habe ich, seit ich es kann – halbwegs ernsthaft aber erst seit meiner Begegnung mit Pirx. Die ersten Geschichten erschienen in einem SF-Fanzine, der Debütroman „Warén“ kam 2001 heraus und erhielt zu meiner Überraschung 2002 den Alien Contact Award. Inzwischen gibt es Geschichten von jon in diversen Anthologien und auch der Nachfolgerroman – „Zweisam oder Die Sache mit Akakor“ – ist 2014 endlich erschienen, flankiert vom E-Book „Am Anfang war der Irrtum“. Beides ist unter dem Autorennamen jon gelistet – zugegeben nicht sehr verkaufsunterstützend, da die Marketinginstrumente mit „sowas“ nicht viel anfangen können. „Tote Helden“ – wieder ein SF-Roman, diesmal in Collagenform – wurde 2015 suchfreundlich unter Ulrike Jonack veröffentlicht.

Alle Bücher von Ulrike Jonack

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Buchformat:
Am Anfang war der Irrtum

Am Anfang war der Irrtum

 (3)
Erschienen am 26.09.2016
"Zweisam"oder"Die Sache mit Akakor"

"Zweisam"oder"Die Sache mit Akakor"

 (2)
Erschienen am 11.09.2014
Tote Helden

Tote Helden

 (1)
Erschienen am 03.08.2015
Tatjana

Tatjana

 (0)
Erschienen am 04.03.2015
Killerviren

Killerviren

 (0)
Erschienen am 28.01.2015
Warén

Warén

 (0)
Erschienen am 01.03.2002

Neue Rezensionen zu Ulrike Jonack

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MadameBuchfeins avatar

Rezension zu "Am Anfang war der Irrtum" von Ulrike Jonack

kleine, aber feine Geschichtensammlung
MadameBuchfeinvor 2 Jahren

╔═★══════╗
       Vorab
╚══════★═╝
Mit dieser kleinen Kurzgeschichtensammlung kann ich euch mal ein anderes Genre präsentieren, und zwar Scifi. Ein Genre, dem ich mich bis jetzt eher bei Filmen und Serien gewidmet habe und es nun auch bei Büchern gewagt habe.
Ausserdem ist es das erste Buch, welches ich von Ulrike Jonack gelesen habe und defintiv nicht das letzte.

╔═★══════════════════╗
    Cover & innere Gestaltung
╚══════════════════★═╝
Das Cover ist von Berthold Sachsenmaier gestaltet, defitiniv mal was anderes und ich finde es wunderschön. Ich habe mich gleich darin verliebt!

╔═★═══════╗
      Meinung
╚═══════★═╝
Dieser Band enthält 3 Kurzgeschichten, welche unterschiedlich lang sind.
Die erste ist zwar sehr kurz, aber dennoch sehr interessant. Man wird einfach gleich in eine Geschichte hinein geworfen und anfangs wusste ich auch nicht so recht wie mir geschieht, da nicht viel erklärt wurde, sondern einfach bestimmt Dinge als Tatsache dargestellt bzw. einfach vorausgesetzt wurde, dass man es "weis". Insgesamt aber eine sehr schöne Geschichte.
Geschichte zwei ist die längst. Hier wusste ich eine ganze Weile nicht so recht, was mir die Geschichte sagen wollte. Die meiste Zeit dachte ich mir: Es ist wirklich spannend geschrieben, aber ich wusste einfach nicht worauf die Autorin hinauswollte. Aber das Ende hat die Geschichte gut geschlossen und ihm einen Sinn gegeben. Und so hatte es mich letzlich doch noch eiskalt erwischt - ich habe die ganze Zeit wirklich nicht damit gerechnet, dass es so kommt.
Was ich hier und auch in der folgenden Erzählung aber leider etwas anzukreiden habe ist, dass wirklich sehr sehr oft die Namen der Charaktere verwendet werden. Natürlich erleichtert das die Orientierung wer gemeint ist, aber das hätte man meiner Meinung nach besser verpacken können. Oder einfach mehr an die Intelligenz der Leser appellieren können, dass sie mitbekommen wer gemeint ist, auch wenn die Namen nicht so oft genannt werden. Da es Kurzgeschichten und keine Romane sind ist es aber noch in Ordnung, wären sie jedoch wesentlich länger, hätte es mich glaube ich doch mehr gestört.
Kurzgeschichte drei war dann nochmal ganz anders aufgemacht. Hier erzählt der Opa seinem Enkel eine Geschichte und es ist richtig gut gemacht - tolle Idee und mal definitv eine andere Umsetzung - lasst euch überraschen *zwinker*
Zudem ist sie auch die Namensgebende Geschichte für den Band.

╔═★══════╗
     Kurzum
╚══════★═╝
Ein toller Kurzgeschichtenband der, wenn man sich an ein paar Eigenheiten gewöhnt hat, wunderbar  und lohnenswert ist und Lust auf mehr von der Autorin macht.

╔═★═══════════════════╗
    Wem würde ich es empfehlen
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 Definitv Scififans, die sich auch gern mal an der Nase herumführen lassen und neue Welten entdecken wollen.

╔═★═════════╗
     Dankeschön
╚═════════★═╝
Vielen Dank an die Autorin für die Zusendung des Rezensionsexemplares und die Admina der Facebookgruppe "Reziliebe" =)

Herzlichst,
eure Selena

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dia78s avatar

Rezension zu "Am Anfang war der Irrtum" von Ulrike Jonack

Das Leben im Weltall
dia78vor 2 Jahren

3 Kurzgeschichten im Buch "Am Anfang war der Irrtum"

Autor: Ulrike Jonack
Erscheinungsjahr: 2016
Verlag: Books on Demand

1. Kurzgeschichte "Sabotage"
Als die Siedler auf dem neuen Planeten landeten, rechneten sie nicht mit vielen Problemen, doch die Probleme begannen sich zu vermehren. Eine Kommunikation mit dem Heimatschiff ist nicht mehr möglich, da die Geräte nicht mehr funktionieren und außerdem beherrscht in letzter Zeit ein anderes Problem die Umgebung der Siedler, welches sogar einen Detektiv benötigt, um auf die Spur eines Saboteurs zu gelangen.

2. Kurzgeschichte "Der letzte Tag im Paradies"
Eferent lebt glücklich mit seiner Frau auf einem Forscherplaneten. Er ist zuständig einen Duplikator zu entwickeln und zu perfektionieren. Doch eines Tages verlässt ihn seine Frau und er zieht sich immer mehr zurück in die Forschung. Er wird immer mehr zum Eigenbrötler und teilweise auf seine spezielle Weise auch Paranoid. Was hat das Militär mit dem Planeten vor und wieso braucht man immer mehr und größere Duplikatoren?

3. Kurzgeschichte "Am Anfang war der Irrtum"
Ein Schiff trifft auf andere Raumschiffe und begeht etliche gravierende Fehler im Umgang mit diesen. Ein Irrtum bringt die Menschen zu einem Umdenken im Leben mit fremden Lebensformen.

Fazit
Die Schreibweise der Geschichten ist ansprechend und interessant. Durch ansprechende Dialogszenen sind die Geschichten greifbarer und nachvollziehbarer, da man sich in die jeweils haupt betroffenen Charaktere mehr hineinfühlen kann.
Teilweise waren die Namen der Länder, Planeten und der Hauptprotagonisten sehr gewöhnungsbedürftig und schwierig zu lesen, was jedoch dem Lesefluss in keinster Weise beeinträchtigte.
Der Autorin ist es gelungen mich in ferne Welten, Forschungsstationen und Raumschiffe zu entführen und hier Abenteuer mit den Protagonisten zu erleben.

Wer gerne Science-Fiction-Geschichten liest ist mit diesen drei Kurzgeschichten sehr gut beraten.

5 Sterne und ein Kaufempfehlung meinerseits werden ausgesprochen.

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swayaways avatar

Rezension zu "Am Anfang war der Irrtum" von Ulrike Jonack

Sci-Fi-Leckerli für Zwischendurch
swayawayvor 2 Jahren

Das Cover des Buches gefällt mir gut und es stimmt einen gleich richtig auf das Buch ein.

Das Buch "Am Anfang war der Irrtum" enthält 3 Geschichten welche spannend und flüssig geschrieben sind. Sie entführen einen sofort in eine ganz andere Welt.

Die Geschichten wollten mir nach dem Lesen nicht aus dem Kopf gehen. Vorallem die zweite (Der letzte Tag im Paradis) klang noch sehr lange nach, was mir gut gefallen hat.

Die Charaktere sind sympatisch und authentisch und vorallem bei der dritten Geschichte (Am Anfang war der Irrtum) gefällt mir die Art der Erzählweise. Die Geschichte wird von einem Großvater seinem Enkel erzählt und die Geschichte wird immer wieder vom Enkel unterbrochen um Fragen zu stellen, Fragen die mir zum selben Zeitpunkt in den Kopf geschossen sind und somit auf humorvolle Art sofort beantwortet wurden.

Obwohl man in eine komplett neue Galaxy entführt wird, schafft es die Autorin alles Wichtige zu nennen ohne in Ausschweifungen zu verfallen, so dass man sich schnell zurechtfindet. 

Es ist spannend, überraschend und unterhaltsam geschrieben und für Sci-Fi-Fans als Leckerli für zwischendurch zu empfehlen (:

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Gespräche aus der Community

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Ulrike_Jonacks avatar
Liebe Science-Fiction-Leser!

Sie erwacht ohne Erinnerung. Niemand erkennt sie. Und niemand vermisst sie. Also sucht Ines Braun in den Berichten der Raumfahrtbehörde nach Vertrautem. Sie liest von Heldentaten, versucht, schreibend hinter die Ereignisse zu spüren. Was sie schließlich findet, weckt Zorn.

So lautet der Klappentext meines aktuellen Romanes „Tote Helden“. Er ist schon „ein paar Tage“ erhältlich – Zeit also für eine Leserunde. Ich habe noch 4 Paperback-Bücher auf Lager, die ich dafür zur Verfügung stellen kann. 

… und das sind jeweils 355 dichtgepackte Seiten Science Fiction – zwar ohne gigantische Raumschlachten, grausige Alien-Invasionen und zermürbendes Techno-Blabla, aber mit fremden Wesen, bizarren Ereignissen und Menschen, die sich damit beschäftigen müssen.

Das soll als Vorrede erstmal reichen. Wenn ihr noch Fragen zum Verfahren oder anderen organisatorischen Dinge habt, hier ist der passende Bereich. Für Fragen rund um das Buch richte ich eigene Rubriken ein. Die Leseabschnitte sind nicht alle gleich lang, ich habe versucht, inhaltliche Bögen zu berücksichtigen. Weil es trotzdem schwankt, könnt ihr eure Gedanken gern auch rückwirkend notieren – also z. B. nach dem Lesen von „Einsatzpilot“ auch Bezüge zu den davor liegenden Kapiteln herstellen. 


Und nun wünsche ich euch viel Spaß und mir interessante Feedbacks ;)

PS: Hier hat schon mal jemand gelesen: http://fantasyguide.de/14104/
Zur Leserunde
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Liebe Lovelybooks-Leser,


unter allen, die hier und auf mindestens einer weiteren Plattform eine Rezension zu meinem Buch hinterlassen würden, verlose ich 5 Bücher von "Zweisam oder Die Sache mit Akakor". 

Es handelt sich um einen echten Science-Fiction-Roman. Hier ein Kurztext dazu:

Raumflüge können echt langweilig sein, vor allem, wenn sie im äußeren Sol-Arm der Milchstraße, einem sternenarmen Gebiet also, stattfinden. Trotzdem hätte Captain Michaela Brauer gern darauf verzichtet, von einem Geistwesen belästigt zu werden, aus dem Orbit eines explodierenden Planeten flüchten zu müssen und diverse Besatzungsmitglieder zu verlieren. Aber das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert – auch nicht im 24. Jahrhundert.


Und noch eine kleine Leseprobe, damit ihr euch ein Bild vom Schreibstil machen könnt:


Brauer unterbrach sich, sie hatte die Krankenstation erreicht. Bevor sie die Tür öffnete, holte sie noch einmal tief Luft. Weder Leonard Cohen und erst recht nicht der Chefarzt, Dr. Yongbo Tian, sollten etwas von ihrer Verstimmung bemerken.
Ihre Sorge war unbegründet, es war niemand da. Einen Augenblick lang blieb Brauer mitten im Sprechzimmer stehen und fragte sich erfolglos, was sie nun tun sollte. Wieder gehen und den Kopfschmerz einen weiteren Tag lang ertragen oder warten? Oder Cohen über Bordfon rufen? Vielleicht schlief er ja noch. Brauer stellte fest, dass sie nicht wusste, was für eine Schicht Cohen heute hatte. Und wann für die Ärzte die reguläre Frühschicht überhaupt anfing. Natürlich hatte immer einer der beiden Bereitschaft, eigentlich hatten beide immer Bereitschaft, es gab ja nur zwei Ärzte an Bord. Es gab natürlich noch hochqualifizierte Schwestern, aber … Als Captain musste sie das alles eigentlich wissen. Und eigentlich wusste sie es ja auch. Nur jetzt nicht. Oder vielleicht dachte sie nur, dass sie es wusste. Oder dass sie es jetzt nicht wusste. Vielleicht … Brauer verlor den Faden. Sie fühlte sich, als würde ihr gleich schwindelig werden, und setzte sich vorsichtshalber auf den Stuhl am Schreibtisch.
‚Also doch warten‘, dachte sie und rückte sich bequemer auf dem harten Stuhl zurecht.
Da trat Cohen ein. Er sah sie überrascht an, das wasserhelle Blau seiner Augen betonte diesen Eindruck noch. „Micha?“
„Gut erkannt.“ Sie stand auf. „Ich wollte mal testen, ob du pünktlich bist.“
Er reichte ihr die Hand. „Und hab ich bestanden? Guten Morgen erstmal.“
„Morgen. Ja, hast du.“ Sie folgte Cohen, der ins Behandlungszimmer ging und dort einige Geräte anschaltete. „Bist du allein heute Vormittag?“
„Schwester Kristine kommt um neun.“ Er wandte sich Brauer zu. „Warum?“
„Nur so. Ehm … Weshalb ich hier bin: Hast du ein Kopfschmerzmittel oder so für mich?“
„Klar. Setz dich!“ Er wies auf einen Stuhl.
Brauer nahm Platz.
Cohen kramte in einem der Wandschränke.
„Was Leichtes reicht.“
Er kam zu Brauer und hielt ihr ein Messgerät an die Stirn.
„Ich brauche nur was gegen Kopfschmerzen, Leo“, sagte Brauer und versuchte aufzustehen.
Cohen drückte sie auf den Sitz zurück. „Ich bin hier der Arzt. Also bitte, Micha!“ Er fuhr damit fort, ihr Temperatur und Puls zu messen.
„Ich muss zum Dienst“, wandte sie ein. Es war eine rhetorische Bemerkung, sie wusste, dass sie Cohen damit nicht beeindrucken konnte.
„Ja sicher.“ Er wechselte die Gerätschaft und piekste Brauer ins Ohrläppchen.
„Au! Musste das sein?!“
Er nickte, ganz in seine Arbeit vertieft.
Brauer versuchte es anders: „Macht es Spaß, den Chefarzt zu spielen? Du bist doch bloß froh, dass Tian heute erst zur Spätschicht hier auftaucht!“
Wieder nickte er.
„Halloo?! Hast du gehört, was ich grade gesagt habe?“
Jetzt erst sah Cohen auf. „Ich bin ja nicht taub.“
Brauer lächelte ihn demonstrativ an.
Cohen ging nicht darauf ein. „Du hast dir ’ne Marsgrippe eingefangen. Leg dich hier hin.“ Er wies auf die Pritsche unter der Diagnosetafel.
„Das ist nicht dein Ernst!“
„Doch.“
„Warum bist du heute so zickig?“
„Ich bin nicht zickig, ich bin Arzt. Dein Arzt, um genau zu sein. Also bitte!“
„Eine Volldiagnose. Wegen einer Marsgrippe.“
„Wegen einer Marsgrippe“, bestätigte Cohen. Er stemmte sich mit beiden Händen auf den Armlehnen an Brauers Stuhl ab, so dass sie etwas zurückweichen musste. „Micha, du schleppst die Grippe schon ein paar Tage mit dir herum. Ich bin nicht blind. Du bist müde und abgespannt und mürrisch. Ja“, wischte er ihren Einwand fort, „mürrisch. Es gibt Schlimmeres als einen mürrischen Captain und zwar einen müden unkonzentrierten Captain.“
„Das liegt nicht an der Grippe …“
„Woran auch immer: Ich bin an Bord der Arzt des Captains und ich verordne dem Captain eine Ruhepause. Geh ins Bett, kurier dich aus, mach mal Pause!“
„Pause. Wovon denn, Leo?! Hier ist doch nichts los.“
„Dann mach Pause von Nichtsmachen! Und jetzt leg dich da hin und lass mich nachsehen, wieso diese Grippe dich schon so lange plagt!“
Sie gab auf und legte sich unter die Diagnosetafel. Während Cohen an allen möglichen Rädchen drehte, sich irgendwelche Daten notierte und mit anderen verglich, die er von der Tafel ablas, glitten Michaelas Gedanken ab.
Vielleicht hatte Leo Recht, sie musste mal ausspannen. In ihr war immer noch dieser Groll, der, wenn sie ehrlich war, schon im Urlaub vor dieser Reise begonnen hatte. Das heißt, ein richtiger Urlaub war es ja nicht gewesen. Die Zivile Globalkontrolle hatte sie und alle anderen, die jemals auf Warén gewesen waren, nach Kabul beordert. Dort hatte sich Brauer fast sofort zwischen den Fronten der Integrationsbefürworter und der Integrationsgegner wiedergefunden. Sie hielt die Diskussionen für Zeitverschwendung. Es war – gelinde gesagt – albern: Dreizehn Monate nach der Gründung des Terranischen Bundes stritt man noch immer, ob Warén vollwertiges Mitglied sein sollte. Natürlich hatte man es auf Erde, Mars und Wöltu mit Menschen, auf Warén dagegen mit Kara und Wahren Herrschern zu tun. Aber bitte! Entweder es war ein Bund mit der Erde als Hauptsitz, dann konnte Warén doch vollwertiges Mitglied sein, oder nur eine Sammlung von menschlichen Kolonien! Und was um alles in der Welt war denn so verwerflich daran, dass sich zwanzig Kara – Mitglieder im Bund oder nicht – aufgemacht hatten, eine für sie neue Welt, die Erde nämlich, kennenzulernen? Als Captain Hewlett diese zwanzig Forscher an Bord nahm, tat er das doch nicht, um sich in die Belange Waréns einzumischen! Und ausgerechnet einer dieser Kara – Imnoi – stellte sich vor den Ausschuss und sagte, das Weggehen der zwanzig sei vom Hohen Rat Waréns mit … wie hatte er es ausgedrückt? … „nicht mit Wohlwollen bedacht worden“. So ein …!
„Reg dich ab, Micha! Mein Gott, dein Puls rast, als würdest du in den Kampf ziehen wollen.“
„Entschuldige. Ich war mit den Gedanken grade woanders.“
„Das war nicht zu übersehen. Worum ging es denn?“
Brauer winkte ab. „Nicht so wichtig. Und?“, wechselte sie das Thema. „Wann muss ich sterben?“

***(LESEPROBE 2) ***


Roxana Collet drehte sich von ihrem Kommunikationspult herum und sagte: „Es ist die Krankenstation, Sir.“ Ein roter Reflex, vermutlich von einer der Anzeigen, huschte über ihre schokofarbene Haut. Er blieb genau auf der Nasenspitze hängen, was Jason Boor als sehr irritierend empfand. Um den Blickwinkel zu ändern, hob seine ein Meter neunzig aus dem Sessel und ging zu Collet hinüber. Er beugte sich über die Konsole, drückte die Empfangstaste. „Zentrale, Erster Offizier.“
Leonard Cohens Gesicht erschien auf dem kleinen Monitor.
„Doktor! Ist was mit den Kara?“
Cohen war sichtlich erstaunt. „Nein. Wieso? Warum denkt nur jeder gleich an die Waréner, wenn er mich sieht?“
„Entschuldigen Sie, das war natürlich voreilig. Also was gibt es?“
„Ich wollte Sie nur darüber informieren, dass ich eben den Captain für drei Tage krank geschrieben habe.“
„Krank?“
„Nur eine leichte Marsgrippe“, beruhigte ihn der Arzt. „Aber der Captain ist etwas überarbeitet. Es wäre furchtbar nett von Ihnen, wenn Sie Michaela die Ruhepause gönnen würden.“
„Ich verstehe. Und was, wenn der Captain sich erkundigen will, was in der Zentrale so los ist?“
„Sagen Sie so viel, dass Michaela nicht misstrauisch wird, und so wenig, dass sie nicht das Gefühl bekommt, irgendwas würde ihre Anwesenheit erfordern.“
„Ich versuche es, Doktor“, versprach Boor lächelnd. „Noch etwas?“
„Das wird schon schwierig genug für Sie“, erwiderte der Arzt und beendete das Gespräch.
Boor nickte zu Collet herunter, die daraufhin die Verbindung unterbrach, und ging an seinen Platz zurück. Dabei strich er sich mit der rechten Hand über den kahlen Schädel. Isaac Sauders, Boors Freund seit den Tagen der Pilotenausbildung, hatte dessen ovalen, bis auf die buschigen Brauen völlig haarlosen Kopf einmal als „poliertes Denk-Ei“ bezeichnet. Boor hatte sich revanchiert und den Iren daran erinnert, dass sein feines, sehr kurz geschnittenes, rotblondes Haar auch nicht gerade eine Löwenmähne darstellte. Seitdem trug Sauders einen Zopf, der ihm bei jeder heftigen Bewegung um die Ohren flog.
Zum Beispiel jetzt, als er sich vom Steuerpult zu Boor umdrehte, um zu sagen: „Wenn Cohen Brauer überzeugen konnte, nicht zum Dienst zu kommen, muss es ihr ziemlich schlecht gehen.“
Boor schüttelte den Kopf. „Nicht unbedingt. Der Captain war in letzter Zeit tatsächlich etwas überarbeitet, und Brauer ist die letzte, die so was nicht zugeben würde. Sie macht einfach mal Urlaub, denke ich.“
„Aber keine drei Tage“, widersprach Sauders skeptisch.
„Das glaube ich auch nicht.“ Er grinste. „Wahrscheinlich taucht sie spätestens morgen Mittag hier auf, um nach dem Rechten zu sehen.“
Von der Navigationsstation aus mischte sich Lorena Solana in das Gespräch. „Sir“, fragte sie vorsichtig, „sollte die Dienstunfähigkeit des Captains nicht eigentlich vom Chefarzt bescheinigt werden?“
„Ach kommen Sie!“, antwortete Sauders. „Seit Cohen an Bord ist, ist er Brauers Hausarzt. Sowas hat was mit Vertrauensverhältnissen zu tun. Kein normaler Mensch würde das nackten Dienstvorschriften unterordnen!“
„Vertrauensverhältnisse können leicht missbraucht werden!“, konterte Solana eingeschnappt. Eine Strähne ihres langen goldblonden Haares fiel ihr angriffslustig ins Gesicht.
Sauders funkelte sie an. „Wenn Sie das denken, dann fordern Sie doch eine Dienstuntersuchung!“
„Leute!“, versuchte Boor zu beschwichtigen. „Keiner von uns glaubt doch ernsthaft, der Captain würde sich vor dem Dienst drücken wollen! Oder?“, fragte er zur Pilotin hin.
Solana schüttelte verlegen den Kopf und strich sich die Haarsträhne hinters Ohr. Boor war sofort bereit, ihr den absurden Verdacht zu vergeben. 
Sauders war es nicht. „Dienstvorschriften“, brummte er, sich wieder dem Steuerpult zuwendend. „Unglaublich. Als ob Tian scharf auf sowas wäre.“
„Er ist aber der Chefarzt“, zischte Solana zu ihm hinüber.
Im hinteren Teil der Steuerzentrale hüstelte jemand. Boor drehte sich um. Wil Richards, der immer etwas bleich wirkende junge Mann an den Sensorpulten, zog von dem Blick eingeschüchtert den Kopf zwischen die Schultern.
Boor versuchte, ihn durch ein Lächeln zu beruhigen. „Was ist denn, Mister Richards?“
Richards räusperte sich. „Eh, Sir, ich … eh … Wir … Wir haben da einen Ortungsreflex, Sir. Bei etwa fünfzehn Grad voraus. Es könnte ein Asteroid sein, Sir.“
Boor nickte. „Danke. Geben Sie mir die Daten rüber!“ Er schwenkte das Captainspult heran, um sich in die Anzeigen zu vertiefen.
In diesem Moment ging die Zentralentür auf und die beiden Waréner traten ein. Boor schaute auf.
„Mit’Xitlan und Imnoi melden sich zur Einweisung in die Sensorstation, Sir“, sagte Imnoi so zackig, dass Boor beinahe das Hackenklappen vermisste.
„Schön“, erwiderte er betont sanft. „Sie kommen gerade richtig.“ Er stand auf.
„Genau genommen sind wir eins Komma drei Minuten zu früh“, erwiderte Mit’Xitlan.
Boor sah ihn irritiert an. „Was?“
„Wir sind eins Komma drei Minuten vor der vereinbarten Zeit erschienen“, wiederholte der Kara. 
Boor hob die Hände. „Ich meinte damit, Sie kommen zu einem günstigen Zeitpunkt. Mister Richards hat soeben einen Asteroiden geortet. Sie beide können also miterleben, wie so eine Fernerkundung abläuft. – Zac?“, sagte er über die Schulter zu Sauders. „Kursänderung um 14.3 Grad. Wir sehen uns den Burschen mal an!“ Boor winkte den Kara, näher an das Sensorpult zu kommen. „Dies hier“, begann er zu erklären, „ist der Radarschirm. Wie Sie sehen, werden die Reflexe in verschiedenen Farbstufen angezeigt.“
„… die einen ersten Eindruck von der Beschaffenheit des angezeigten Körpers ermöglichen“, vollendete Imnoi. „Sir, wenn Sie gestatten zu erwähnen: Mit’Xitlan und ich haben uns eingehend mit der Funktionsweise der einzelnen Sensoren und den Prinzipien der Anzeigen beschäftigt.“
„Prima!“, sagte Boor, ohne es so überschwänglich zu meinen. „Dann machen wir einfach Folgendes: Sie versuchen, die über den Asteroiden eingehenden Daten zu interpretieren. Einverstanden?“

Zur Buchverlosung
Ulrike_Jonacks avatar
Ulrike_Jonack
Liebe SF-Leser,


leider sind meine Science-Fiction-Bücher in der Aufstellung noch (ich hoffe, das LB-Team kann das bald ändern) als Fantasy deklariert, so dass sie euch wohl bislang noch gar nicht "untergekommen" sind. Um das zu ändern gibt es eine Buchverlosung von "Zweisam oder Die Sache mit Akakor" - schaut doch mal rein!



Gruß von
jon



Nachtrag: Jetzt stimmt die Einordnung :)
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Letzter Beitrag von  Ulrike_Jonackvor 4 Jahren
Im Verlosungsthread gibt es schon zwei Leseproben, hier stelle ich auch mal eine ein, eine, die ein bisschen anders klingt: Es fiel Imnoi schwer, sich zu konzentrieren. Er hatte nicht gut geschlafen und es war schwieriger als sonst, all die Geräusche zu ignorieren, die durch die dünnen Schiffswände hindurch von überall her in sein Bewusstsein drängten. Mit’Xitlan war es wohl ähnlich ergangen, er hatte die morgendliche Meditation schon nach wenigen Sekunden abgebrochen und hantierte nun in der Kochecke. Imnoi versuchte, auch das zu ignorieren. Er schloss das letzte Band an seiner Robe, drapierte seinen Zopf formgerecht über Schulter und Brust und betrat die Altarnische. Dort entzündete Imnoi das Öllicht. Der flackernde Schein brach sich im Kristall auf dem Altar und warf einen unruhig tanzenden Fleck auf die kleine weiße Stele, die das Zentrum des Arrangements bildete. Ein schwerer Duft entströmte der Flamme. Imnoi zog sich das hellblaue Kissen heran, ließ sich auf die Knie nieder, legte seine Hand um die Stele und senkte den Kopf. Stille stieg auf. Sie schuf einen Raum zwischen den Realitäten, zwischen den Sphären der stofflichen und nichtstofflichen Welt. Jenen Raum, den ein Kara betrat, wenn er mit den Wahren Herrschern Kontakt aufnehmen wollte, um sich Rat oder Beistand zu holen. Beistand konnten die beiden Kara brauchen, seit sie gemeinsam mit den anderen Warén verlassen hatten, denn die Welt der Menschen war verwirrend laut und bunt. Kaum jemand auf Terra oder dem Mars machte sich die Mühe, seine Gedanken und Gefühle abzuschirmen, von den unabgeschirmten Energien der terranischen Technik ganz zu schweigen. Selbst hier, so weit entfernt vom Sol-System, schienen die Echos in der Zwischensphäre nachzuhallen und die Präsenz der Wahren Herrscher zu übertönen. So war es natürlich nicht. Imnoi wusste durchaus, dass das, was er hier als glühende Bänder und Flüsse wahrnahm, was er hier als undeutliches aber unüberhörbares Gemurmel empfand, allein von diesem Schiff und den Menschen darauf stammte: gesprochene Worte und gedachte, Gedankenfetzen und Emotionswellen und immer wieder die glühenden Stränge der Energieleitungen und die bunten Funken der Schiffselektronik. Selbst wenn ein Wahrer Herrscher hier gewesen wäre, fern der schützenden Hallen auf Warén, er hätte in diesem Durcheinander der Auren alle seine Kraft zum Überleben gebraucht, wäre nicht in der Lage gewesen, die Zwischensphäre aufzusuchen, geschweige denn, mit den Kara zu kommunizieren. Dennoch genoss Imnoi die morgendliche Meditation. Sie vermittelte ihm trotz allem ein Gefühl von Vertrautheit. Manchmal formten sich in der Zwischensphäre sogar Muster, Bilder, etwas, was einem Kontakt nicht unähnlich war. Vielleicht berührte er in diesen Sekunden das Unterbewusstsein eines Besatzungsmitgliedes, vielleicht wurde dieser Eindruck auch durch das Zusammenspiel verschiedener zufälliger Effekte erzeugt. Wie auch immer – es wirkte real und in der Regel ließ sich Imnoi darauf ein. So wie jetzt … … da ihn arhythmisch wabernde Lichter umfingen. Ein Geruch nach schwelendem Kunststoff lag schwer im Raum und im Hintergrund war ein Atmen, tief und fordernd. Imnoi drehte sich danach um. Er nahm einen Blick wahr, der ihn durch das unruhige Glühen der Energien hindurch traf. Noch ehe Imnoi sie sehen konnte, wusste er, dass es karanische Augen waren, die ihn beobachteten. Dann fiel er in das Schwarz dieser Augen. Ein wohlig vertrautes Gefühl umfloss ihn, streichelte ihn. Duftete nach Wind und Hitze und nach seidigem Frauenhaar. Es hüllte sie ein – ihn und Tnom. Draußen schrie ein Vacha. Imnoi spürte Jagdfieber in Tnom zucken und umschlang sie. Wissend, dass er sie nicht halten konnte. Sie war längst fort. Gestorben. Vor langer, langer Zeit. Er spürte wieder die Tränen, die er nie vergossen hatte, und dass jemand seinen Kopf in die Hände nahm. Ihn zwang, aufzuschauen. In ein menschliches Gesicht, flach und farblos und stupsnasig. Mit grauen Augen, wie aus Samt und Glas. Er spiegelte sich darin. Sah, dass hinter ihm etwas war. Doch er konnte sich nicht umwenden. Er hatte nichts als den grauen Samt als Spiegel, in dem er den Reflex von etwas Grüngelbem gewahrte. Grüngelbe Lichter, ein Paar. Tunnel, die ihn aufsaugen wollten und aus denen ihm jemand entgegenkam. Eine Frage, die ihn nicht ganz erreichte und die doch an ihm zog und zerrte … Dann schlug Imnoi irgendwo hart auf.
Zum Thema

Zusätzliche Informationen

Ulrike Jonack wurde am 21. September 1966 in Deutschland geboren.

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