Ulrike M. Dierkes

 3.9 Sterne bei 87 Bewertungen

Alle Bücher von Ulrike M. Dierkes

Ulrike M. DierkesSchwestermutter
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Schwestermutter
Schwestermutter
 (85)
Erschienen am 21.09.2004
Ulrike M. DierkesSchwestermutter - Ich bin ein Inzestkind
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Schwestermutter - Ich bin ein Inzestkind
Schwestermutter - Ich bin ein Inzestkind
 (1)
Erschienen am 01.01.2010
Ulrike M. DierkesMeine Schwester ist meine Mutter
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Meine Schwester ist meine Mutter
Meine Schwester ist meine Mutter
 (1)
Erschienen am 01.03.1999

Neue Rezensionen zu Ulrike M. Dierkes

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Nelly87s avatar

Rezension zu "Schwestermutter" von Ulrike M. Dierkes

Schwestermutter // Ulrike M. Dierkes
Nelly87vor 2 Jahren

Selbst im 21. Jahrhundert gibt es immer noch soviele Themen in unserer Gesellschaft, über die sich keiner zu reden traut. Genau deshalb sind Bücher, die sich mit diesen Themen beschäftigen gerade so wertvoll. Das Nonplusultra ist dann nur noch der Erfahrungsbericht einer betroffenen Person. Ulrike M. Dierkes hat ihre Erfahrungen mit Kindesmissbrauch aufgeschrieben und eröffnet dem Leser den Blick auf eine Welt, die viel zu sehr im Dunklen liegt. Sie wurde nicht Opfer eines Kindesmissbrauchs in dem Sinne, in dem man vielleicht denken mag. Sie ist das Ergebnis eines Inzest – ein Inzestkind.

Die Autorin spricht ein glaublich schwieriges Thema an. Und sie spricht es nicht nur an. Sie kann aus ganz eigenen Erfahrungen erzählen, denn ihre Mutter ist gleichzeitig auch ihre Schwester, der Vater zugleich der Großvater. Über Jahre hinweg hat der Vater seine eigene Toche misshandelt. Die Mutter, die Geschwister und das restliche Dorf verschließen ihre Augen vor den Gräueltaten, die da hinter verschlossenen Türen vor sich gehen. Kaum geschlechtsreif ist das junge Mädchen schwanger.

Was man da zu lesen bekommt, ist schon allein aus der Natur der Sache heraus nicht unbedingt leichte Kost. Doch gerade im ersten Drittel des Buches liest man immer wieder von Gegebenheiten, bei denen man nur ungläubig den Kopf schütteln kann. Nicht nur, dass es wohl möglich ist, einen offensichtlichen Kindesmissbrauch zu vertuschen. Als der Missbrauch schließlich doch ans Licht kommt und der Vater für kurze Zeit ins Gefängnis wandert, wird nicht nur das missbrauchte Mädchen zurück zu ihrer Mutter geschickt. Auch das Inzestkind soll dort aufwachsen.

Ulrike M. Dierkes erzählt auf sehr nüchterne Weise von ihrem Lebensweg. Sie berichtet aus ihrer Kindheit, von ihren Schwierigkeiten und Problemen. Doch sie klagt auch an. Sie klagt ihre Großmutter an, die Polizei, die Nachbarschaft, das Jugendamt… einfach jeden. Allerdings wurde der Vater von allen geschützt. Seine Frau hat nicht nur die Augen verschlossen, sondern auch für ihn bei der Polizei falsch ausgesagt. Selbst Marina, das missbrauchte Mädchen, deckte ihn. Die Behörden hatten überhaupt keine Handhabe, um den Mann festzusetzen.

Zu Beginn war das Buch wirklich noch fesselnd. Doch je weiter es fortschritt, desto überflächlicher und lascher wurde es. Die Autorin entfernt sich immer weiter vom eigentlichen Thema und es ging immer mehr um den Lebensweg, ohne dass dieser noch einen Bezug zum Inzest aufweist. Was das Mobbing am Arbeitsplatz (wobei keiner von der Geschichte wusste) sollte, das sich über Seiten hinzieht, wurde nicht so ganz klar. Die Storyline zerfällt immer weiter.

Die Story wirft mit Fakten und Urteilen um sich, ohne diese zu belegen oder auch nur zu erklären. Erst wird der Vater geliebt, dann plötzlich ist er der Böse. Woher dieses plötzliche Umdenken kam? Da kann man wohl nur spekulieren. Auch die Beziehung zur Großmutter hüpft so fröhlich von einem Extrem ins andere.

Ob ihr Schicksal die Autorin etwas hart gemacht hat, oder ob dies in ihrem Charakter begründet liegt, kann ich nicht sagen. Fakt ist aber, dass sie gerade zum Schluss hin sehr kalt und berechnend rüberkam. Bestimmt soll ihr nicht abgesprochen werden, wie tragisch und traumatisch das Schicksal zu ihr und der Familie gewesen ist. Doch gefordert wird immer nur Verständnis für die Autorin. Sie ist nicht bereit, ebenfalls solches anderen Menschen entgegenzubringen. Das, gepaart mit dem unglücklichen Verlauf, kann einem wirklich die Lust verderben, das Buch nochmal zur Hand zu nehmen.

Ulrike M. Dierkes hat vor allem das Anliegen, Inzestkinder unter die Arme zu greifen und ihre Situation in dieser Gesellschaft zu verbessern. Ihre Motivation ist daher durchaus ehrenwert. Allerdings verliert sich die Erzählung ab ungefähr der Hälfte in einer Selbstdarstellung, die nur noch wenig mit dem eigentlichen Thema zu tun hat. Die Autorin trifft Urteile und Aussagen, ohne diese zu begründen oder für den Leser nachvollziehbar darzustellen. Das führte dazu, dass das Buch einfach nur noch langweilig wird, was bei einem Schicksalsbericht doch ungewöhnlich ist. Muss man nicht unbedingt gelesen haben, selbst wenn man sich für das Thema interessiert.


© Nellys Leseecke - Lesen bedeutet durch fremde Hand träumen

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Marlee3007s avatar

Rezension zu "Schwestermutter" von Ulrike M. Dierkes

Bewegende Biografie !
Marlee3007vor 3 Jahren

Ulrike M. Dierkes. - Eine Frau als Kind ihrer Schwester geboren. 
Inzest. Der Vater, der sich an der eigenen Tochter vergreift. 
Die Mutter, die "nichts bemerkt". 
Ein Dorf, das schweigt.
Ulrike M. Dierkes wird unter keinem guten Stern geboren. Hinter ihr wird getuschelt, es scheint als wüsste das ganze Dorf bescheid, doch worüber ? Es dauert lange bis sie selbst erfährt wie sie entstanden ist und was an ihr und ihrer Familie anders ist.
Mit viel Kraft und einem unglaublichen Willen schafft sie es, sich nicht unterkriegen zu lassen, für Gerechtigkeit zu kämpfen, und ein eigenes halbwegs normales Leben aufzubauen.
Eine bewegende Biografie über ein grausames Thema, authentisch und ehrlich geschrieben.

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WildRoses avatar

Rezension zu "Schwestermutter" von Ulrike M. Dierkes

Mutiger Erfahrungsbericht
WildRosevor 4 Jahren

Ulrike wächst in dem Glauben auf, ihre Großmutter sei ihre Mutter. Erst mit zwölf Jahren versteht sie, dass ihre ältere Schwester Marina in Wirklichkeit auch ihre Mutter ist - denn Marina wurde jahrelang vom Vater sexuell missbraucht, niemand aus der Dorfgemeinschaft griff ein. Ulrike fühlt sich in ihrer Kindheit einsam, heimatlos und ungeliebt. Auch im späteren Leben wird sie immer wieder stigmatisiert, verurteilt und respektlos behandelt. Doch sie gibt nicht auf und bricht schließlich das Schweigen... Ulrike M. Dierkes kann man sicherlich nur als eine sehr mutige, unglaublich willensstarke Frau beschreiben. Mit ihrem Buch macht sie Opfern inzestuösen sexuellen Missbrauchs Mut und gleichzeitig berichtet sie ehrlich und ohne zu beschönigen, was es bedeutet, in unserer Gesellschaft "Inzestkind" zu sein.
An den Schreibstil der Autorin muss man sich allerdings gewöhnen, denn Dierkes schreibt äußerst sachlich und nüchtern, geht meistens nicht sehr genau auf ihre Gefühle zu bestimmten Zeitpunkten in ihren Leben ein, auch wichtige Ereignisse wie Ehen oder Familienstreitigkeiten werden meist sehr schnell, auf wenigen Seiten, abgehandelt. Daher fällt es dem Leser trotz aller Sympathie manchmal recht schwer, sich in Ulrike hineinzuversetzen und ihre Entscheidungen und Entwicklung nachzuvollziehen. Am Schluss verliert das Buch zudem leider immer mehr an Struktur, hier fehlte ein wenig der sprichwörtliche "rote Faden".
Von diesen kleinen Mängeln abgesehen handelt es sich bei "Schwestermutter. Ich bin ein Inzestkind" um ein sehr interessantes Buch, das mit Tabus bricht und gelesen werden sollte.

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