Umberto Eco Der Friedhof in Prag

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Inhaltsangabe zu „Der Friedhof in Prag“ von Umberto Eco

Paris, 1897. Der Italiener Simonini erwacht in einer Pariser Wohnung ohne Erinnerung an die vergangenen Tage. Er beginnt Tagebuch zu schreiben, um sich von seiner Kindheit über die Erlebnisse während des Risorgimento und der Pariser Kommune an die Gegenwart heranzutasten. Doch während er schläft, kommentiert jemand seine Einträge und entlarvt Simonini nicht nur als durchtriebenen Fälscher und Agenten, sondern auch als höchst gefährlichen Antisemiten und Mitverfasser der "Protokolle der Weisen von Zion". Atemberaubend virtuos spielt Umberto Eco mit historischen Fakten und literarischer Fiktion, mit Wahrheit und Fälschung, mit Identität und Erinnerung.

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  • Rezension zu "Der Friedhof in Prag" von Umberto Eco

    Der Friedhof in Prag

    WinfriedStanzick

    29. November 2011 um 14:39

    Diesem neuen Roman kann man in einer normal langen Rezension überhaupt nicht gerecht werden. Gustav Seibt hat in der Süddeutschen Zeitung in einem ungewöhnlichen langen, aber lesenswerten Text genau dies versucht (http://www.sueddeutsche.de/kultur/der-friedhof-in-prag-von-umberto-eco-entgifter-verlangt-extra-studium-1.1157648) und hat das Buch in seiner harten Kritik einen „Fehlschlag von Rang“ genannt. Ich möchte so weit nicht gehen, hat mich doch die Lektüre dieses dicken Buches über die ganze Zeit sehr gefangen genommen und fasziniert. Die Hauptfigur des Buches ist nach Eco die einzige, die er erfunden hat. Er lässt Simon Simonini als Spion und Urkundenfälscher in verschiedenen Rollen und an verschiedenen Orten wichtige Abschnitte des 19. Jahrhunderts durchlaufen. So ist er beteiligt bei den Mannen Garibaldis in den Zeiten der Ausbildung der italienischen Nation, wo er immer wieder die Fronten wechselt. Nach seiner Emigration nach Paris dient er den dortigen Regierenden und erlebt die Umwandlung der Republik durch Napoleon III., die Pariser Kommune und die Dreyfuss-Affäre mit. Simonini hat von seinem Großvater einen unbändigen Hass auf alles Jüdische mitbekommen, aber die Freimaurer und die Jesuiten finden genauso sein Interesse. In einer sich über Jahrzehnte hinziehenden Geschichte, an die sich der alte, stellenweise in seiner Persönlichkeit gespaltene Simonini mit Hilfe des allgegenwärtigen Eco`schen „Erzählers“ erinnert, werden Simoninis Ansichten über die Juden und seine Schriftsätze über sie immer deutlicher und münden in einen Text, der nach vielen Versionen 1903 in Russland unter dem Namen „Die Protokolle der Weisen von Zion“ erscheinen wird. Ecos Roman ist der Versuch, die Entstehung dieses antisemitischen Pamphlets fiktional zu verstehen. Wer genau liest und hinschaut, findet aber immer wieder auch Verweise auf zeitgenössische Phänomene nicht nur im Italien Berlusconis. Wenn man sich von den unzähligen Namen und Daten nicht verwirren lässt, auch einmal drüber liest, ohne gleich schon wieder im Lexikon nachzuschauen oder bei google, dann kann dieses oft überkonstruiert wirkende Buch doch einen spannenden und überaus lehreichen Lesegenuss vermitteln. Dem hier vorliegenden Hörbuch aus 14 CDs ( wo bleibt ein dem Buch und der Einspielung entsprechendes hochwertiges Booklet?) gelingt es durch die Stimmen von Gert Heidenreich, de als Schriftsteller weiß, worauf es ankommt und Jens Wawreczek, der schon andere Eco-Bücher gesprochen hat, diese Spannung noch einmal zu steigern, weil sie genau den Eco`schen „Ton“ treffen.

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