Uri Adelman Konzert für Spion und Orchester

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Inhaltsangabe zu „Konzert für Spion und Orchester“ von Uri Adelman

Irith Ich sah auf meine Armbanduhr und ging zum Plattenspieler - bis zum Ende der Vorlesung blieben noch knappe fünfzehn Minuten. Einige Studenten protestierten schwach, als ich den Tonarm anhob. "Tut mir leid, aber ich werde fürs Reden bezahlt", begann ich nach einem kurzen Blick auf meine Aufzeichnungen. "Und die hohe Messe von Johann Sebastian Bach braucht ihre Zeit. Wie Mozart, wie Beethoven und Schubert ... eigentlich wie alle schrieb Bach sie nach dem Ordinarium der katholischen Kirche. Nur war Bach - und das ist ein sehr wesentlicher Unterschied - Protestant. Und wenn Sie sich die Umstände des Dreißigjährigen Krieges ins Gedächtnis rufen ..." "1618 bis 1648." Der Zwischenrufer war Joseph Mangold, natürlich. In jedem Semester hatte man mindestens einen Streber mit zwanghaftem Drang zur Selbstdarstellung. "Die Jahreszahlen wären uns jetzt also allen bekannt. Und wenn wir außerdem die Differenzen zwischen Katholiken und Protestanten berücksichtigen, wird das sicher Ihre Neugier wecken. Was veranlaßte also den protestantischen Komponisten Bach, eine katholische Messe zu schreiben ..." Ich schaute in die Runde. Neugier unter Studenten ist ein relativer Begriff, besonders vor zehn Uhr morgens. "Okay", fuhr ich resigniert fort, "wer sich schon von den Semesterferien erholt hat, kann dazu bei Schweizer nachlesen, die Seiten ..." Fast alle Studenten notierten sich den Buchtitel und die Seitenangabe, aber ich wußte bereits jetzt, daß nur wenige sich die Mühe machen würden, das Buch auch aufzuschlagen. Ich war das gewohnt. "Und jetzt möchte ich, daß wir uns noch einmal das Kyrie anhören. Lassen Sie die Musik auf sich wirken, hören Sie genau hin. Und bis zur nächsten Vorlesung erwarte ich, daß Sie die entsprechenden Kapitel lesen." Wieder drang die Musik aus den Lautsprechern und überflutete den Hörsaal. Mein Blick wanderte langsam über die Gesichter der Studenten, ihre Mienen variierten von Konzentration bis zu getarnter Langeweile - Musik wirklich zu lieben, konnte ich niemandem beibringen. Ich vertiefte mich in die Klänge des Orchesters, hörte auf den Chor und blickte gedankenverloren auf die vor mir sitzenden Studenten. Joseph Mangold hielt natürlich die Partitur in der Hand und verfolgte konsequent jede Note. Eine Studentin sang lautlos den Text mit und ignorierte den erstaunten Blick des Kommilitonen rechts von ihr. Sein Gesicht erschien mir neu. Er besuchte meine Vorlesung wohl noch nicht lange - jetzt erinnerte ich mich, letzte Woche war er zu spät gekommen. Anscheinend gehörte er zu einer anderen Fakultät, Kunstgeschichte vielleicht, wie ein Musikwissenschaftler sah er jedenfalls nicht aus. Mein Blick wanderte weiter über die Sitzreihen, aber nach einer Weile ertappte ich mich dabei, wie ich wieder den neuen jungen Mann ansah. Er hatte sichtlich Schwierigkeiten, die vielen Nuancen zu hören, geschweige denn richtig einzuordnen. "Achten Sie auf die zweifache Repetition des Chores ...", sagte ich, "... jetzt!", als die Männerstimmen die Melodie des Orchesters wiederholten. Ich überlegte kurz, ob ich noch etwas zur besonderen Polyphonie bei Bach sagen sollte, hier ließe sich gut an die Unterschiede zwischen ihm und den Komponisten der Renaissance anknüpfen ... da bemerkte ich, daß ich immer noch den Studenten anstarrte. Nein, wie ein Kunstgeschichtler sah er auch nicht aus ... Ein weiterer Blick auf die Uhr. Noch zwei, drei Minuten. Ich machte mir nicht die Mühe, den Tonarm anzuheben, sondern schaltete einfach den Verstärker aus - die Musik erstarb binnen Sekunden.

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  • Rezension zu "Konzert für Spion und Orchester" von Uri Adelman

    Konzert für Spion und Orchester
    Kamila

    Kamila

    14. February 2012 um 21:12

    Ein netter Spionage-Roman aus Israel, durchaus unterhaltsam, auch spannend, aber leider nicht über-drüber-super-toll. Erstens fand ich die Einleitung, welche das Ende zum Teil vorweg nimmt, etwas verwirrend. Zweitens wird die Geschichte (unregelmäßig) abwechselnd von zwei unterschiedlichen Personen erzählt, deren Namen auch die jeweiligen Kapitel tragen. Aber - sorry, ich wusste echt nicht auf Anhieb, ob "Jochanan" bzw. "Irith" Männlein oder Weiblein sind, und ganz am Anfang wusste ich auch nicht, ob das überhaupt Vornamen sind - mein Hebräisch ist leider mangelhaft. (Und wiedermal ein Glossar, das am Anfang hilfreich gewesen wäre, am Ende des Buches - wenigstens hätte man darauf hinweisen können!!!) Trotzdem: Die Art der Erzählung ist sehr gelungen, die immer wieder in die Geschichte eingestreuten Infos zu Johann Sebastian Bach sind unterhaltsam und sagen auf eine mal ganz andere Art sehr viel über die Protagonisten aus. Aaaaaaaber.... ich habe mich nicht immer ausgekannt, manches hätte für mich besser aufgelöst werden müssen, und irgendwie hört die Geschichte dort auf, wo sie so richtig schön spannend hätte werden können (ok, sagen wir - wo aus der Geschichte ein echt guter Spionage-Thriller hätte werden können). Nichts gegen ein offenes Ende, aber dieses hätte ich lieber ein wenig geschlossener gehabt ;-) Alles in allem hat das Lesen Spaß gemacht, aber am Ende saß ich mit einem sehr unfertigen Gefühl da und habe mich gefragt, ob es einen zweiten Teil gibt, in dem es sinnvoll weitergeht. Aber vielleicht geht es ja nur mir so.

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