Urs Augstburger Helvetia 2.0

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Inhaltsangabe zu „Helvetia 2.0“ von Urs Augstburger

In der Nacht, als der Radio-DJ Anders Droka seiner großen Liebe begegnet, holt ihn die Vergangenheit ein. Er wird entlassen, gleich darauf Zeuge eines Mordes und bereits am nächsten Tag selber der Tat verdächtigt. Ein hochaktueller Schweiz-Thriller über die mafiösen Verflechtungen von rechtskonservativer Politik und digitalen Medien.

Wenn die unverwechselbare Stimme von Anders Droka zu nachtschlafender Zeit aus dem Äther dringt, gehen die musikalischen Herzen seiner Hörer auf. Nicht jedoch die der Berater, die ein großes Geschäft aus der Digitalisierung machen wollen. Mit der Folge, dass kritische Journalisten wie Droka entlassen werden und die Medienmogule zunehmend eine rechte Agenda verfolgen. Nachdem Droka des Mordes verdächtigt wird und aus Zürich fliehen muss, kontaktiert ihn plötzlich Peter Bender, ein Jugendfreund. Dieser arbeitet mittlerweile für einen milliardenschweren Unternehmer. Bender sorgt im Hintergrund dafür, dass ein Schweizer Medienhaus nach dem anderen in rechtskonservative Hände fällt, nun greift er selber nach der Macht. Steckt er hinter der Entlassung? Hinter dem Mord? Einst ging es bei den Freunden um dieselben Träume und Hoffnungen, jetzt um Leben und Tod.

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    Helvetia 2.0

    walli007

    08. October 2017 um 19:55

    Der RadioDJ Anders Droka moderiert die Nacht, er präsentiert seine Musik, die Musik seiner Zeit. Aber irgendwie ist die Zeit der Moderatoren vorbei. Alles kommt aus dem Computer, Playlists, Stimmen, Hot Rotation, BlaBla. Seine Produzentin Rosa muss ihm mitteilen, dass seine Sendung gestrichen wird. Er soll ins Morgenprogramm und er kann sich dazu noch nicht einmal so äußern, wie er am liebsten möchte. Denn er hat seiner Tochter Liz eine Praktikumsstelle beim Sender beschafft. Um herunterzukommen fährt Droka mit dem Motorrad durch die Nacht, eine Drogenfahrt bei der er einen Mord beobachtet, einen Mord, für den er selbst ein Motiv hätte. Anders Droka beschließt, er muss selbst herausfinden, was in der Nacht geschah. Er will sein Leben retten, das seiner Tochter und Rosas schützen und außerdem will er seine Sendung wiederhaben. Nicht vorher zu ahnen ist, in welch eine Geschichte er da hineingeraten ist. Eine erste Spur führt den DJ zu einer begnadeten Musikerin, der er selbst zu wenig Beachtung geschenkt hat. Was hatte die junge Frau mit dem Mordopfer zu schaffen? So eine sympathische junge Frau kann schließlich nichts mit einem Mord zu tun haben, oder?  Atemlos durch die Nacht fährt der Disc Jockey Anders Droka durch die Straßen Zürichs. In einer Zeit, in der die Medien von wenigen rechtsgerichteten Moguls aufgekauft und gleichgeschaltet werden, gibt es nur noch wenige Inseln der aufrechten neutralen Presse. Zu dieser hat sich auch Droka zugehörig gefühlt. Doch nun scheint auch noch die letzte Bastion zu fallen. Mit einigem Unbehagen liest man von diesen Entwicklungen. Mit immer größerem Unbehagen registriert man zunächst in kleinen Einzelheiten, welcher Art hier die Zusammenhänge sein könnten. Welches perfide Gehirn denkt sich nur solche Verbrechen aus? Wie groß muss die Gier sein? Mit welcher Rücksichtslosigkeit werden die behandelt, die eher zufällig hinter die Machenschaften kommen. Um ihrer System zu erhalten, schrecken die Täter vor nichts zurück.  Geschickt steigert der Autor die Spannung, nach und nach führen die ausgelegten Fährten zur Beute, zur Lösung. Doch fröhlich davon schreitet man nach getaner Fährtensuche nicht, einige Aspekte der Geschehnisse haben einen starken Nachhall.

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  • Interessante Ausgangslage

    Helvetia 2.0

    michael_lehmann-pape

    06. October 2017 um 14:10

    Interessante AusgangslageGeschickt vermischt Augstburger in seinem neuen Thriller die brisanten und aktuellen Themen der Zeit, die er mit einer wechselnden sprachlichen Form (je aus welcher Perspektive er gerade erzählt) auch im Stil verdeutlicht.Aufkeimender Nationalismus, auch in der Schweiz (ähnlich wie „Der Wille des Volkes“ es als Neuerscheinung mit anderem Sujet ebenfalls aktuell aufzeigt) mit den Gefahren, die dahinterstehen und stecken und auch symbolhaften Darstellungen von Persönlichkeitsstrukturen und deren tieferen „Beweggründen“. Es ist nicht schwer, in dem alternden „Rechten“, dessen Sohn und dem aufkommenden, skrupellosen „neuen Mann“ Figuren wie Le Pen, Vater und Tochter oder andere Beispiele der aktuellen politischen Kräfte zu erkennen. Die dabei eingeflochtenen Doppeldeutigkeiten, was dem Thriller seinen Roten Faden hin bis zur überraschenden und empörenden Aufdeckung der Hintergründe am Ende des Buches angeht, bietet ein durchaus nicht unrealistisches Bild hinter die Kulissen der Mächtigen, die oft anderes reden als sie stillschweigend handeln.Wie sich das mit der Digitalisierung vermengt und diese gerade im publizistischen Bereich bestens für alle dunklen Zwecke nutzen lässt, das hat nicht nur mit „Fake-News“ einen aktuellen Hintergrund, sondern zeigt ganze Hintergründe von Kampagnen der „modernen Welt“ im besonderen Licht.Die Vermengung mit Nostalgie (eine alte, „richtige“ Radioshow, die sich der Musik in einer Form zuwendet, die aus analogen Zeiten noch bekannt ist und dort für nicht wenige das Leben wirklich begleitet haben), der Blick auf die „neue“ Musikindustrie an sich und deren ganz anderen Gesetzmäßigkeiten, wieder verbunden mit psychologischen Betrachtungen der Prägung von Menschen (ein „dunkles Geheimnis“ aus der Vergangenheit spielt eine tragende Rolle“, das alles liest sich thematisch rund und gut.Wozu auch beiträgt, dass Augstburger den Perspektiven zumindest zweier Hauptfiguren des Buches, aus denen heraus her überwiegend erzählt, einen anderen Tonfall klar erkennbar mit auf den Weg gibt.Dort ein hartes, assoziatives Stakkato fast, auf der anderen Seite eine weiche Form von Sprache und Herangehensweise.Flüchtlinge, deren Funktionalisierung für „neues rechtes Denken“, Digitalisierung aller Lebensberieche, die dunkle Strategien im Hintergrund erst ermöglichen und geheimnisvolle Aktivitäten, für die ohne Skrupel gemordet wird.Hier und da allerdings wirkt die Handlung doch sehr konstruiert in den Zusammenhängen zwischen den Personen und den allzu oft zu simpel „zueinander passenden“ Gefühlen. Ein wenig mehr Hintergründigkeit hätte dem Thriller in dieser Hinsicht besser zu Gesicht gestanden, wie es auch nicht (mehr) immer hoch attraktive Wesen sein müssen, die als „Helden“ die Geschichte tragen.Dennoch, aktuell, gut erzählt, mit mehr als einer Ebene versehen, bietet der Thriller eine anregende und unterhaltsame Lektüre.

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