Urs Faes

 4.1 Sterne bei 22 Bewertungen
Autor von Liebesarchiv, Sommer in Brandenburg und weiteren Büchern.

Neue Bücher

Raunächte

Neu erschienen am 10.09.2018 als Hardcover bei Insel Verlag.

Alle Bücher von Urs Faes

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Liebesarchiv

Liebesarchiv

 (8)
Erschienen am 17.03.2008
Sommer in Brandenburg

Sommer in Brandenburg

 (4)
Erschienen am 06.04.2015
Paarbildung

Paarbildung

 (4)
Erschienen am 23.01.2012
Halt auf Verlangen

Halt auf Verlangen

 (2)
Erschienen am 13.08.2018
Alphabet des Abschieds

Alphabet des Abschieds

 (1)
Erschienen am 01.09.1991
Und Ruth

Und Ruth

 (1)
Erschienen am 28.07.2003
Paris. Eine Liebe

Paris. Eine Liebe

 (1)
Erschienen am 17.09.2012
Ombra

Ombra

 (1)
Erschienen am 27.07.1999

Neue Rezensionen zu Urs Faes

Neu
M

Rezension zu "Halt auf Verlangen" von Urs Faes

Intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben angesichts des Todes
michael_lehmann-papevor 2 Jahren

Intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben angesichts des Todes

Es ist einer jener Momente, den alle Menschen fürchten. Worte, die man nicht hören willen, eine Aussicht auf die Zukunft, die zunächst einfach nur niederschmettert.

Diagnose: Krebs

Und wie man so sagt, dass in den letzten Augenblicken des Lebens das gesamte Leben am inneren Auge noch einmal vorbeizieht, hat Urs Faes dies umgesetzt.

Zum Glück nicht nur innerhalb weniger Augenblicke festgehalten, sondern Zeit gehabt, in Ruhe die Stationen des eigenen Lebens zu resümieren. Wobei Faes dies beileibe nicht im Stil eines sachlich-nüchternen Berichtes vollzieht, sondern wie in Romanform von Beginn an eine melancholische, ruhige, emotional dichte Atmosphäre erschafft und vermittelt, die genau passend ist für die enge Betrachtung des eigenen Lebens. Denn mit was sonst wäre man so eng verbunden und hätte so viele starke Gefühle, als für das eigene Leben?

„Nur einmal fragte sie, ob es ihm gutgehe. Er schaute irritiert auf und antwortete ihm rasch. Besser, als einer wie er sich wünschen könnte“.

Er muss sich einrichten. Das Schlimmste besser für wahr halten und annehmen, damit es leichter wird.

„Wer weiß das schon? Bei diesem Satz hatte er in der Stimme des Arztes einen Unterton von Mitleid zu glauben gehört“. Und doch, Hoffnungslos ist das alles nicht. Was aber dem Gefühl schwer zu vermitteln ist angesichts dieses drastischen Einschnittes in das bis dahin doch erfolgreich und gut verlaufende Leben.

Ein Leben, das Urs Daes nun im Buch Station für Station, Schritt für Schritt in den eindringlichen, wichtigen, bewegenden Erlebnissen sich selbst vor Augen führt. Eine Bilanz zieht, die weniger in einem einfachen „gut oder schlecht“ sich greifen lässt, sondern eher in die Richtung eines „wirklich gelebt?“ sich vorantastet.

Auch auf dem ein oder anderen Friedhof. Auch Grabsteine, Gräber sucht Faes auf seinem Erinnerungsweg auf.

„Später hatten sie den Vogel im Garten beerdigt. Drei Jahre später lag auch der Kleine in seinem Bett, auf dem Rücken, die Hände an den Seiten, die Finger verhakelt im weißen Hemd, das er trug. Tot? Was ist das?“. Und ebenso stellt sich im Verlauf all der sensibel betrachteten Lebenseindrücke natürlich auch die Frage, was denn das Leben genau ist? Was sich lohnt, was hält, warum man so daran hängt, über den biologischen Trieb zum Leben hinaus.

Und wie ist das Leben mit der Krankheit? Neben den Erinnerungen und der Bilanz gibt es im Buch ja auch das „Jetzt“, die Therapie, das Bangen zwischen Hoffen und Verzweifeln, die Freunde, Partner, mit denen man sein Leben gestaltet hat bis dahin. Passt das noch? Hält das? Trägt das?

Es sind intensive, existenzielle Fragen, ein bebendes Erleben, das Faes wunderbar in Worte fasst, dass den Leser einholt und, zwingend, die eigenen Lebens- und Sterbensfragen vor Augen führt. Mit emotionaler Wucht, denn eines sind die Überlegungen angesichts der Endlichkeit des eigenen Lebens und angesichts der schweren Diagnose nicht: ausgeglichen und balanciert oder gar nur vage. Sondern intensiv, laut, spürbar, ängstlich, mutig, verzweifelt, ernüchtert über verpasstes Leben und froh über erlebtes Leben

Eine hervorragende, aber auch mitnehmende Lektüre.

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heaven4us avatar

Rezension zu "Sommer in Brandenburg" von Urs Faes

Ein besonderes Buch was nachwirkt!
heaven4uvor 5 Jahren

Dieses Buch ist besonders, es ist anders. Schon das Cover ist wunderschön und wenn man schon ein Stück gelesen hat, dann merkt man wie passend die zwei auf dem Bild gewählt sind.

Das Buch handelt von einem Landwerk - eine Vorbereitungstätte für ein Leben im Kibbuz in Israel - im Sommer 1938 in Brandenburg. Jüdische Jugendliche die nirgendwo mehr hin passen in die Gesellschaft, ausgeschlossen werden, finden sich dort ein und arbeiten hart und hoffen auf eine Ausreise. Dort lernen sich Ron und Lissy kennen und lieben und genießen ihre kurze Zeit zusammen und warten immer voller Hoffnung, gemeinsam ausreisen zu dürfen in dieser schweren Zeit.

Viel mehr möchte ich zum Inhalt nicht sagen, auch wenn der Klappentext noch weniger konkret ist - man muss dieses Buch einfach selbst erkunden, entdecken, sacken lassen. Ich brauchte zwei Anläufe um dieses Buch in mich aufnehmen zu können - es ist nämlich auch in seiner Schreibweise besonders. Es gibt keine wörtliche Rede, sie fließt einfach in den Text mit ein. Geschrieben aus Rons Sicht, denkt man, man würde sein Tagebuch lesen. Kurze knappe Sätze, die aber sehr poetisch sind und innnehalten lassen. Einfach Buch was man auch mal weglegen muss. Und man muss zwischen den Zeilen lesen, selbst nachdenken.

Ich selbst kannte diese Art der Vorbereitungslager vorher nicht (hab auch während dem Lesen nichts dazu in Erfahrung bringen wollen, das tute ich hinterher) und fand es daher so spannend mal aus Buch aus der Sicht eines Jugendlichen zu sehen. Wartend auf die Ausreisegenehmigung und bangend um die Hiergebliebene Familie und Freunde.

Zwischen den Kapiteln rund um die Jugendlichen sind einzelne Kapitel eingeflochten wie es weiterging. Einmal erzählt ein Jugendlicher wie er nach Jerusalem kam und einige wieder traf. Ein andermal ist ein Historiker auf dem Weg und stellt sich den Fragen. Dabei wird dennoch wenig verraten, man hängt auch hier seinen eigenen Gedanken nach, erfährt aber einige Hintergründe und wie es an sich dann mit dem Lager weiterging.

Es ist ein Buch was man zur richtigen Zeit lesen muss. Seichte Unterhaltung sucht man hier vergebens. Ein Buch was nachwirkt und einlädt es nochmal zu lesen!

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Krimimimis avatar

Rezension zu "Paarbildung" von Urs Faes

Rezension zu "Paarbildung" von Urs Faes
Krimimimivor 8 Jahren

Andreas ist Psychologe, hat lange Jahre geforscht und dann als Unfallpsychologe gearbeitet. Schließlich kommt er als Gesprächstherapeut auf eine Krebsabteilung und wagt damit den Schritt von der theoretischen Distanz zum wahren Leben mit all seinen Nöten, Ängsten und Schwierigkeiten. Dort fällt ihm eines Tages die Krankenakte Merets in die Hände. Er kann es kaum glauben, doch es ist wirklich die Meret, die er mal liebte, die er aber nun inzwischen 16 Jahre lang nicht gesehen hat. Voller mulmiger Gefühle liest er ihre Diagnose, die vorgeschlagene Behandlung. Wie jeder Patientin bietet er auch ihr ein Gespräch an. Sie nimmt das Angebot an und im Gespräch kann er sich vergewissern, es ist wirklich "seine" Meret. Sie haben sich als Studenten kennengelernt, sie war aktiv im Straßenkampf der Dada-Bewegung, er findet sie verletzt und ihre Romanze beginnt. Über die Zeit verlieren sie einander und jetzt beginnt erst er, dann sie, sich an frühere Situationen zu erinnern.
16 Jahre haben sie geschwiegen. Finden sie jetzt wieder zum Dialog?

Urs Faes ist ein Meisterwerk gelungen. Ein sehr schwerer Stoff wird fast leichtfüßig erzählt. Die Protagonisten sprechen selten, umso mehr sagen die genauen Beobachtungen ihres Verhaltens und der Umgebung. Bei soviel Inhalt könnte man einen dicken Wälzer erwarten, doch Faes gelingt es mit präziser Sprachgewalt, die facettenreiche Geschichte auf 190 Seiten zu bannen. Mich hat er damit gefesselt und das Buch stand meiner Meinung nach zurecht auf der Shortlist für den Schweizer Buchpreis.

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Zusätzliche Informationen

Urs Faes wurde am 12. Februar 1947 in Aarau (Schweiz) geboren.

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