Urs Faes Halt auf Verlangen

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Inhaltsangabe zu „Halt auf Verlangen“ von Urs Faes

Unmittelbar nach der Diagnose findet er keine Worte. Erst später, bei der täglichen Fahrt quer durch die Stadt, versucht er, die Dinge zu benennen, aufzuschreiben, was ihm geschieht: die Unterwelt der Onkologie, die Müdigkeit nach der Bestrahlung, die Erinnerung an Kindheit und Herkunft, an Straßenbahnfahrten mit dem Vater und Kino mit der Jugendfreundin Mile, an Verlassenwerden in Paris und den Abschied von seiner Geliebten. Den möglichen Tod vor Augen, stellt er sich die Frage nach dem Gelebten und dem Versäumten, nach dem, was Antrieb war, was Begehren und was Liebe. Halt auf Verlangen ist Urs Faes' bislang intimstes Buch, gewachsen aus der autobiographischen Erfahrung der Krankheit, geschrieben, um sich festzuhalten am Stift, an Worten, Bildern und der Erinnerung. Schreiben als Notwehr, gegen die eigene Hinfälligkeit – und darin ganz dem Leben zugewandt.

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  • Intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben angesichts des Todes

    Halt auf Verlangen

    michael_lehmann-pape

    03. March 2017 um 11:42

    Intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben angesichts des TodesEs ist einer jener Momente, den alle Menschen fürchten. Worte, die man nicht hören willen, eine Aussicht auf die Zukunft, die zunächst einfach nur niederschmettert.Diagnose: KrebsUnd wie man so sagt, dass in den letzten Augenblicken des Lebens das gesamte Leben am inneren Auge noch einmal vorbeizieht, hat Urs Faes dies umgesetzt. Zum Glück nicht nur innerhalb weniger Augenblicke festgehalten, sondern Zeit gehabt, in Ruhe die Stationen des eigenen Lebens zu resümieren. Wobei Faes dies beileibe nicht im Stil eines sachlich-nüchternen Berichtes vollzieht, sondern wie in Romanform von Beginn an eine melancholische, ruhige, emotional dichte Atmosphäre erschafft und vermittelt, die genau passend ist für die enge Betrachtung des eigenen Lebens. Denn mit was sonst wäre man so eng verbunden und hätte so viele starke Gefühle, als für das eigene Leben?„Nur einmal fragte sie, ob es ihm gutgehe. Er schaute irritiert auf und antwortete ihm rasch. Besser, als einer wie er sich wünschen könnte“.Er muss sich einrichten. Das Schlimmste besser für wahr halten und annehmen, damit es leichter wird.„Wer weiß das schon? Bei diesem Satz hatte er in der Stimme des Arztes einen Unterton von Mitleid zu glauben gehört“. Und doch, Hoffnungslos ist das alles nicht. Was aber dem Gefühl schwer zu vermitteln ist angesichts dieses drastischen Einschnittes in das bis dahin doch erfolgreich und gut verlaufende Leben.Ein Leben, das Urs Daes nun im Buch Station für Station, Schritt für Schritt in den eindringlichen, wichtigen, bewegenden Erlebnissen sich selbst vor Augen führt. Eine Bilanz zieht, die weniger in einem einfachen „gut oder schlecht“ sich greifen lässt, sondern eher in die Richtung eines „wirklich gelebt?“ sich vorantastet. Auch auf dem ein oder anderen Friedhof. Auch Grabsteine, Gräber sucht Faes auf seinem Erinnerungsweg auf.„Später hatten sie den Vogel im Garten beerdigt. Drei Jahre später lag auch der Kleine in seinem Bett, auf dem Rücken, die Hände an den Seiten, die Finger verhakelt im weißen Hemd, das er trug. Tot? Was ist das?“. Und ebenso stellt sich im Verlauf all der sensibel betrachteten Lebenseindrücke natürlich auch die Frage, was denn das Leben genau ist? Was sich lohnt, was hält, warum man so daran hängt, über den biologischen Trieb zum Leben hinaus.Und wie ist das Leben mit der Krankheit? Neben den Erinnerungen und der Bilanz gibt es im Buch ja auch das „Jetzt“, die Therapie, das Bangen zwischen Hoffen und Verzweifeln, die Freunde, Partner, mit denen man sein Leben gestaltet hat bis dahin. Passt das noch? Hält das? Trägt das?Es sind intensive, existenzielle Fragen, ein bebendes Erleben, das Faes wunderbar in Worte fasst, dass den Leser einholt und, zwingend, die eigenen Lebens- und Sterbensfragen vor Augen führt. Mit emotionaler Wucht, denn eines sind die Überlegungen angesichts der Endlichkeit des eigenen Lebens und angesichts der schweren Diagnose nicht: ausgeglichen und balanciert oder gar nur vage. Sondern intensiv, laut, spürbar, ängstlich, mutig, verzweifelt, ernüchtert über verpasstes Leben und froh über erlebtes LebenEine hervorragende, aber auch mitnehmende Lektüre.

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