Urs Mannhart

 4 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Luchs, Bergsteigen im Flachland und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Urs Mannhart

Luchs

Luchs

 (2)
Erschienen am 01.06.2005
Bergsteigen im Flachland

Bergsteigen im Flachland

 (1)
Erschienen am 12.05.2014

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Rezension zu "Bergsteigen im Flachland" von Urs Mannhart

Urs Mannhart - Bergsteigen im Flachland
Jarivor 2 Jahren

Auf Urs Mannhart wurde ich aufmerksam, da er den Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis 2016 erhalten hat, ein renommierter Preis, der junge Künstler und Gelehrte fördert. Neugierig gemacht, holte ich mir das Buch aus der Bibliothek.
Die ersten 200 - 300 Seiten lesen sich wirklich angenehm. Mannhart bedient sich einer zarten, fliegenden Sprache, die im Gegensatz steht zu der harten Realität des Krieges im ehemaligen Jugoslawien. So verzaubert der Autor mit seiner Wortwahl und seinem angenehmen Erzähltempo, während vor den Augen des Lesers Menschen entführt, gefoltert und getötet werden. Ich fand dies äusserst eindrücklich und bewegend, sodass ich all diesen vielen Charakteren gespannt folgte und mich wunderte, wohin es sie verschlagen würde.
Doch danach nahm für mich die Faszination rapide ab. Hätte sich Mannhart 100 - 200 Seiten kürzer gehalten - das Buch wäre wunderbar gewesen. Ein Plädoyer für die Menschlichkeit und gegenseitige Unterstützung, doch leider zieht der Autor alles in die Länge. Die vielen Charaktere begegnen sich zwar immer mal wieder (mittendrin Steinhövel), aber irgendwann verliert man den Überblick. Es passiert viel und trotzdem nichts. Man reist mehrfach von Osten nach Westen, von Norden nach Süden und wieder zurück - fast wie ein irregeleiteter Bienenschwarm.
Ausserdem wurden mit Thomas und seine Schwester zunehmen unsympathisch. Beide gehören zu einem Schlag Mensch, mit dem ich persönlich wenig anfangen kann und -ich gebe es zu- bei mir mit sehr vielen Vorurteilen behaftet ist. Leider schafft es das Buch nicht, diese Vorurteile zu zerstreuen. Ganz im Gegenteil: sie werden sogar noch untermauert!

Auch verzettelt sich der gute Ansatz vom Anfang mehr und mehr. Zu Beginn steht noch die klare Aussage des Pazifismus' und der Autor führt uns vor Augen, was Krieg alles anrichten kann. Doch je länger je mehr reisst dies auseinander und zu einem hohlen Pamphlet, das bloss nachplappert, was man schon x-Male gehört hat. Eine wirkliche Lösung kann Mannhart auch nicht vorweisen und so endet die Geschichte dann auch äusserst belanglos. Man schlägt das Buch mit einem faden Nachgeschmack zu. Da hätte doch noch mehr kommen müssen, das trotz der vielen Seiten nicht eingetreten ist.

Ich will nicht sagen, dass ich Urs Mannhart von meiner Liste streichen, denn schriftstellerisch hat er einiges vorzuweisen. Vielleicht wird das nächste Buch die hier gemachten Fehler etwas ausmerzen, denn erzählerisches Talent ist mehr als genung vorhanden.

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