Ein Mann durchläuft zwei Zeitreisen, jeweils ausgelöst durch einen verstörenden Kinobesuch. Als Erwachsener wird er fünfzig Jahre in die Vergangenheit zurückversetzt, was er zunächst nicht realisiert. Auf dem Nachhauseweg kommt ihm die Umgebung zunehmend seltsam vor. Zuhause öffnet ein Fremder die Tür. Im Glauben, seine Frau Isabelle habe ihn mit dem Fremden betrogen, reist er mit dem Zug von Zürich nach Basel. Am Ziel angekommen trifft er auf seine damals noch jungen Eltern. Diese vermissen gerade ihren dreijährigen Sohn. Das Kindermädchen Lisette hatte ihn ins Kino gebracht. Als sie ihn wieder abholen wollte, war er verschwunden. Niemand ahnt, dass er sich fünfzig Jahre zeitverschoben in der Zukunft befindet.
In literarisch aufbereiteter Form erzählt uns Urs Widmers imaginäres Äquivalent aus zwei Perspektiven von prägenden Erlebnissen aus der Kindheit und dem mittleren Lebensalter seines realen Selbst. Aus den Ausführungen geht hervor, welch glückliche Momente der Autor zu seiner Jugendzeit im Elternhaus unweit der Grenze zum Elsass verbrachte. Andererseits blieb ihm die Konfrontation mit erschütternden Ereignissen, etwa dem Tod seiner Eltern oder dem in den Nachbarländern tobenden zweiten Weltkrieg, nicht erspart. Die Zwiespältigkeit des Schicksals, das so barmherzig wie gnadenlos sein kann, und die Vergänglichkeit des Lebens, ziehen sich als wiederkehrende Themen durch das Buch. Diverse Motive und Szenen spiegeln sich in den geschilderten Kinofilmen wider, worin sich ebenfalls eine fantastische Reise abspielt. Sie führt den im Film agierenden Jungen in eine düster-morbide Totenwelt.
„Der blaue Siphon” ist eine ausgefeilte Geschichte, die berührt und schockiert. Manchmal beides zugleich.
Urs Widmer
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Urs Widmer
Der Geliebte der Mutter
Top Dogs
Das Buch des Vaters
Herr Adamson
Im Kongo
Der blaue Siphon
Ein Leben als Zwerg
Reise an den Rand des Universums
Neue Rezensionen zu Urs Widmer
„Der blaue Siphon“ von Urs Widmer klingt mit seiner Idee einer Zeitreise in die Kindheit zunächst spannend. Leider verliert sich der Roman in endlosen Wiederholungen und verschachtelten, offenen Sätzen. Ein roter Faden ist zwar erkennbar, doch der Lesefluss wird durch das Geschwurbel ständig unterbrochen. Statt literarischer Raffinesse wirkt es wie ein bewusstes Verwirrspiel – für mich eine Qual.
Warum schreibt ein Autor so? - Um sich von Anderen abzuheben? Schade um die Zeit dafür, denn es gibt zu viele andere Bücher, die meine Zeit wert sind.
Die Geschichten aus 1001 Nacht sind immer wieder etwas ganz besonders. Sie entführen uns in den fernen Orient und wir lernen Menschen und Tiere kennen und leben mit ihnen in einer für uns fremden Welt. Urs Widmer hat die schönsten Geschichten aus Tausendundeiner Nacht nacherzählt und Tatjana Hauptmann hat einfach bezaubernde Bilder dazu gemalt. Ein Märchenschatz in neuem Outfit und in einem wunderschönen Schmuckschuber.
Gespräche aus der Community
Die 5 Bücher umfassende Shortlist für den Preis der Stiftung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, der mit 25.000 Euro dotiert ist, wird am 11. September bekannt gegeben.
Doch nun zu den 20 Kandidaten auf der Longlist, die in dieser Woche bekannt gegeben wurde, und die alljährliche Frage: Habt ihr einen Favoriten? Und welche der Bücher habt ihr gelesen? Wen vermisst ihr auf der Liste und welche Neuerscheinungen zwischen Oktober 2012 und September 2013 sind auf eurer ganz persönlichen Longlist für den deutschen Buchpreis?
• Mirko Bonné: Nie mehr Nacht (Schöffling & Co., August 2013)
• Ralph Dutli: Soutines letzte Fahrt (Wallstein, März 2013)
• Thomas Glavinic: Das größere Wunder (Hanser, August 2013)
• Norbert Gstrein: Eine Ahnung vom Anfang (Hanser, Mai 2013)
• Reinhard Jirgl: Nichts von euch auf Erden (Hanser, Februar 2013)
• Daniel Kehlmann: F (Rowohlt, September 2013)
• Judith Kuckart: Wünsche (DuMont, März 2013)
• Olaf Kühl: Der wahre Sohn (Rowohlt.Berlin, September 2013)
• Dagmar Leupold: Unter der Hand (Jung und Jung, Juli 2013)
• Jonas Lüscher: Frühling der Barbaren (C. H. Beck, Januar 2013)
• Clemens Meyer: Im Stein (S. Fischer, August 2013)
• Joachim Meyerhoff: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war (Kiepenheuer & Witsch, Februar 2013)
• Terézia Mora: Das Ungeheuer (Luchterhand, September 2013)
• Marion Poschmann: Die Sonnenposition (Suhrkamp, August 2013)
• Thomas Stangl: Regeln des Tanzes (Droschl, September 2013)
• Jens Steiner: Carambole (Dörlemann, August 2013)
• Uwe Timm: Vogelweide (Kiepenheuer & Witsch, August 2013)
• Nellja Veremej: Berlin liegt im Osten (Jung und Jung, Februar 2013)
• Urs Widmer: Reise an den Rand des Universums (Diogenes, August 2013)
• Monika Zeiner: Die Ordnung der Sterne über Como (Blumenbar, März 2013)













