Urs Widmer Auf, auf, ihr Hirten! Die Kuh haut ab

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Inhaltsangabe zu „Auf, auf, ihr Hirten! Die Kuh haut ab“ von Urs Widmer

Urs Widmers Kolumnen gleichen kleinen Wundertüten. Sie sind reich befüllt, äußerst unterhaltsam und voller Überraschungen.

— Aurelio

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    Auf, auf, ihr Hirten! Die Kuh haut ab

    Aurelio

    25. August 2016 um 23:42

    Vor dreißig Jahren erschienen, hundertfach rezykliert und irgendwann verbrannt. Zeitschriften, die uns dereinst ihre Sicht vom Puls der Zeit in beeindruckender Farbenpracht vermittelten - längst ist ihr Schicksal besiegelt. Mögen einzelne Exemplare, zerknüllt in einem Paar vergessener Wanderschuhe irgendwo auf einem Dachboden bis heute ihrer Vergänglichkeit trotzen, ändert dies nichts an der Tatsache, dass deren Inhalte mittlerweile spurlos aus unseren Gedächtnissen entschwunden sind, sollten sie es überhaupt je bis dorthin geschafft haben. Ein bedauernswerter Verlust, finde ich, wenn es sich um kleine Wundertüten wie Urs Widmers Kolumnen handelt, reich befüllt, äußerst unterhaltsam und voller Überraschungen. Zum Glück gewährte Diogenes 1988 den erhaltenswerten Zeilen Unterschlupf in einem Buch und rettete sie, wenn auch nicht bis in alle Ewigkeit, so immerhin über eine lange Zeit für die Nachwelt. Bücher überdauern zuweilen Jahrhunderte, sie eignen sich schlecht für das Entfachen von Lagerfeuern, wozu sie ohnehin viel zu schade wären. Während ich die Kolumnen lese, kommt es mir vor, als seien sie gestern erst geschrieben worden. Die geschilderten Ereignisse liegen zwar drei Dekaden und mehr zurück. Widmers Auseinandersetzungen mit den Themen sind hingegen zeitlos. Viele Passagen erinnern mich daran, wie manche Dinge, auch schreckliche, dazu neigen, sich zu wiederholen und werfen - konfrontiert mit der Gegenwart - einmal mehr die Frage auf, wann wir endlich imstande sein werden, aus unserer eigenen Geschichte zu lernen. "Widmer ist einer, der mit seiner Phantasie die sichtbare Wirklichkeit wie eine Zwiebel schält, bis mindestens ein Teil der Wahrheit zum Vorschein kommt", brachte ein Journalist der Basler Zeitung seine Meinung auf den Punkt. Meine Eindrücke möchte ich mit einem aus dem Buch stammenden Zitat abschließen: "Immer wenn auf Erden ein Kind aufhört zu weinen, fängt anderswo ein anderes damit an, auf dass die Menge der Tränen dieselbe bleibe. Das ist das Gesetz der ausgleichenden Ungerechtigkeit."

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