Urs Willmann

 5 Sterne bei 2 Bewertungen

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Stress

Stress

 (2)
Erschienen am 02.05.2016
Gut leben mit Stress

Gut leben mit Stress

 (0)
Erschienen am 01.02.2018

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Rezension zu "Stress" von Urs Willmann

Stress - das Lebenselixier
Buecherspiegelvor 3 Jahren

Ein Sachbuch des Jahres, für Pflanzen, habe ich ja bereits gefunden: Das geheime Leben der Bäume von Peter Wohlleben. Meine Rezension dazu findet sich ebenfalls auf meiner Seite Bücherspiegel.

Nun aber habe ich ein weiteres Sachbuch gefunden, diesmal zum Thema Stresshormone des Menschen:
Stress - Ein Lebensmittel von Urs Willmann. Der Zusatz im Titel gehört meines Erachtens noch differenzierter betrachtet: ein Mittel zum Leben, zum Über-Leben, um überhaupt Leben zu können, um uns im Leben weiterzubringen, unser Menschsein - Dasein in der Evolution weiterzubringen. Damit das besser auffällt, ist es komplett in Orange gehalten, auch die Schnittflächen, und die haptischen Oberflächen in weiß.

Stress, was ist das überhaupt? Der Autor Urs Willmann, unter anderem Wissenschaftsredakteur, wollte es genauer wissen. Jeder/Jede beziehungsweise viele von uns beklagen sich über ein zu viel an Stress, wollen diesen vermeiden, lesen Bücher, Zeitschriften, besuchen Kurse zur Stressvermeidung und vieles mehr, meinen damit aber nur den für sie schädlichen Distress, nicht den guten Eustress. Gar keinen Stress zu haben bedeutet, ganz klar, der Tod, nur in diesem Zustand werden wir keinen Stress mehr wahrnehmen. Selbst, ob eine Stresssituation nur von kurzer Dauer ist, oder doch länger anhält, bedeutet noch nicht, dass er weniger oder mehr schädlich ist. Willmann lässt sich durch viele Tests selbst überzeugen, dass es vielmehr damit zu tun hat, wie wir die Situation empfinden.

Wir müssen uns nur mal vergegenwärtigen, was wir so alles unternehmen, um Angst und Schrecken zu verspüren. Kann sich keiner vorstellen? Aber ja doch. Horrorfilme anschauen oder Krimis, Thriller lesen und Achterbahn fahren. Für viele ist fliegen nicht gerade toll, aber der Grund, nämlich unseren Urlaub zu genießen, lässt diesen Stress in einem anderen Licht erscheinen. Sich zu verlieben ist purer Stress, der Atem geht Stoßweise, der Puls rast, alles in uns gerät völlig außer Kontrolle. Das ist positiver (Eu-)Stress. Nach dem Empfinden von positivem Stress fühlen wir uns wohlig, können viel tiefer entspannen als nach einem unspektakulären normalen Tag. Anders herum ist der negative (Di-)Stress schädlich für uns, egal wie lange diese Phase anhält. Das geschieht nicht nur durch eine ungeliebt ausgeführte alltägliche Arbeit im schlechten Umfeld, die über Monate oder Jahre anhält, sondern auch, wenn wir nach kurzem Spurt doch noch vom Hund erwischt und gebissen werden.

Der Autor führt uns durch viele verschiedene Situationen, erklärt anhand des Zusammenspiels der Hormone was bei uns wie passiert, vor allem in den verschiedenen Hirnregionen und räumt mit so manchem Vorurteil beziehungsweise falschen Informationen auf. Der Manager, der sich austoben kann, in seinem Wirken sich erfüllt , ohne sich großartig vor Anderen rechtfertigen zu müssen, wird viel seltener "gestresst", als derjenige, der aufs Abstellgleis gestellt zum Nichtstun verdammt wird.

Positiver Stress hält uns also gesund und macht uns stark, das ist mein Fazit daraus. Dabei liest sich das schon zum Teil sehr wissenschaftliche Buch leichter als man vermuten würde, was natürlich an den lebensnahen Beispielen liegt, die mir persönlich gut gefallen haben.
Wenn mich also jemand in Zukunft fragt, ob ich mir ein Leben ohne Stress vorstellen kann, werde ich das vehement verneinen. Ganz im Gegenteil, eine Prise guten Stress lasse ich mir nicht nehmen; und so werde ich weiterhin sehr knapp aus dem Haus gehen, um meinen Bus gerade so zur erwischen, mich mit diesem Glücksgefühl auf den Sitz werfen und meinen Puls wieder auf Normalmaß und vielleicht sogar ein wenig tiefer fallen lassen. Positiv gestimmt, Muskeln zum Wachsen angeregt, die Haut gut durchblutet, so lässt sich ein Tag auch gut anfangen. Unter Anderem.


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M

Rezension zu "Stress" von Urs Willmann

Plädoyer für Adrenalin
michael_lehmann-papevor 3 Jahren

Plädoyer für Adrenalin

Zu Unrecht in Verruf geraten ist der Stress, wie Willmann als Grundlage seiner Betrachtungen formuliert. Zumindest wird, in seinen Augen, zu bedenkenlos eine begriffliche Unschärfe seit Jahren in die Diskussion gebracht.

Was landläufig unter „negativem Stress“ bekannt ist, was in den letzten Jahren eine Fülle an Literatur zu „Burnout“ oder „Life Balance“ hervorgebracht hat und was an ebenso vielen Orten unter Stöhnen als „zu viel Stress“ beklagt wird, sind in Willmanns Augen zunächst falsche Verständnisse von den genauen Ursachen und, vor allem, natürlich eine falsche Ausrichtung, was den Stress im Leben angeht.

„Krank machen kann er natürlich auch – aber nur, wenn er missbraucht wird. Ein Krankmacher per se ist er deswegen noch lange nicht……Ich versichere Ihnen, Stress ist das Beste, was uns im Leben passieren kann“.

Und, folgt man den überzeugenden und immer auf die Praxis mit zielenden Darlegungen im Buch, dann ist man am Ende durchaus geneigt, Willmann sehr grundsätzlich Recht zu geben.

Denn „Stress“ als Ausdruck von herausfordernden Situationen, von Aufgaben, von der Erforschung unbekannten Gebietes, von der Annahme (zumindest Hinnahme) von Risiken aus gesehen ist ein, wenn nicht „der“ Motor des Lebens der Spezies Mensch.

Ohne Stress hätte die Spezies sich nicht entfalten oder überleben können, ohne Stress (in einem Reiz-Reaktions-System) würde keine wirkliche effektive und rasche Bewegung stattfinden, ohne „Druck“ nicht intensiv an Lösungen gearbeitet werden.

Gerade einer der Grundgedanken Willmanns vom Anfang des Buches her setzt dabei die Weichen in eine dem Leser zugängliche und verständliche Richtung und konfrontiert mit einem gesellschaftlichen Paradox, was näher zu betrachten ist.

Einerseits propagiert „die Gesellschaft“ und viele Individuen den Stolz, eine „Leistungsgesellschaft“ aufgebaut zu haben und vielfach sind die Versuche zu erkennen, jeweils sich selbst als „Leistungsträger“ zumindest im kleinen Umfeld zu definieren, zu beweisen, sich in dieser Form zu behaupten, und auf der anderen Seite wird dann der „Druck“, der durch geforderte oder zu erbringende Leistungen generiert wird, oft äußerst negativ gekennzeichnet (falls das nicht nur kokett jeweils gemeint ist) und „jenes biologische Instrument, das unsere physische Leistung und unser Denkvermögen erhöht“ (der Stress), verteufelt.

So bricht Willmann im Buch dem Stress fast durchgehend eine Lanze und weiß überzeugend zu berichten von all jenen Menschen, Situationen und Momenten, die klar aufzeigen, dass der Mensch tatsächlich Stress regelrecht sucht. Herausforderungen bestehen möchte, Nervenkitzel in der Freizeit zumindest kontrollierten Bahnen gar teuer zu bezahlen bereit ist.

All dies weist in Richtung jenes „Flow“ Begriffes, der ebenfalls seit Jahren weit verbreitet bekannt geworden ist.

Wobei, und das nimmt Willmanns zum Glück zum Ende hin differenziert auf, es zwar durchaus stimmt, das Stress „der“ Erfolgsfaktor im menschlichen Leben ist, dass andererseits „Dauerstress“ tatsächlich die Ressourcen erschöpft und krankmachen kann. Und zum „positivem Stress“ gehört auch ein möglichst hohes Maß an Selbstbestimmtheit. Den „Stress“ anderer jeweils in niederen Positionen abarbeiten zu müssen ist einer jener „Missbräuche“, von denen Willmann zu Anfang des Werkes spricht. Zum Stress gehört zudem ebenfalls die Regeneration

Da sich solche Momente aus dem natürlichen, biologischen Ablaufe von Jahreszeiten und Tageszeiten nicht unbedingt mehr ergeben, müssen hier bewusste Organisationsformen vom Einzelnen geschaffen werden, „Dauerstress“ zu vermeiden.

Insgesamt schlägt Willmanns in frischer Sprache und mit vielen Beispielen versehen einen ganz anderen als den mittlerweile gewohnten Ton gegenüber „dem Stress“ an und bietet in seiner eigenen, leidenschaftlichen Darstellungsweise durchaus dem Leser auch zugleich einen Motivationsschub, eigene Drucksituationen positiver zu betrachten und mögliche Überlastungsempfindungen nicht einfach nur auf „Stress“ zu reduzieren, sondern die Gründe für solches Empfinden sehr viel differenzierter einer Analyse zu unterziehen.

Eine anregende Lektüre.

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