Nachdem ich Christian Hardinghaus‘ Buch „Das Wolfsmädchen“ gelesen habe, das auf den Erlebnissen von Ursula Dorn fußt, habe ich nun deren autobiografische Aufzeichnungen besorgt.
Dieses Buch ist nach „Ich war ein Wolfskind“ der zweite Teil ihrer Odyssee, diesmal in Thüringen.
Wieder sind Ursula und ihre Mutter auf sich allein gestellt. Die Mutter ist nach wie vor apathisch, denkt weiterhin nicht daran sich eine Arbeit zu suchen und nutzt ihre Tochter weidlich aus. Ihr einzige Bestreben ist, genügen Vorrat an Zigaretten zu haben. Den kargen Lohn, den Ursula nach Hause bringt, nimmt sie ihrer Tochter ab. Die dysfunktionale Bindung durch die Parentifizierung hält weiter an. Hilfe für beide gibt es nicht.
Ursula lernt, arbeitet und muss die Zirkelabende der FDJ über sich ergehen lassen. Der Sport, den sie betreiben kann, hält sie aufrecht. Sie ist auf Grund der traumatischen Ereignisse ihre Flucht weitaus älter als ihre MitschülerInnen.
1953 organisiert Ursula Dorn die Flucht für sich und ihre Mutter aus der DDR in die BRD. Doch auch hier wird die Mutter ihre Tochter ausnutzen. Letztendlich zieht Ursula die Konsequenzen und verlässt ihre Mutter.
Sie wird Klaus kennenlernen, ihn 1958 heiraten und einen Sohn bekommen. Ihm und ihrer Enkelin sind die Lebenserinnerungen gewidmet.
Meine Meinung:
Es ist kaum auszuhalten, was Ursula von ihrer Mutter ertragen muss. Ja, natürlich ist auch die Mutter traumatisiert. Doch die ist eine Erwachsene. Alles auf das Kind abzuwälzen? Wahrscheinlich geht es einigen Lesern wie mir, dass sie für die Mutter wenig Verständnis aufbringen können.
Ein interessantes Detail ist Ursulas Erkenntnis, dass die Indoktrination bei den Abenden der FDJ jenen des BDM sehr ähneln. Sie lässt diese Gehirnwäsche an sich abperlen und verbeißt sich in den Sport, der ihr letztendlich die Möglichkeit gibt, ihren Bruder in West-Berlin zu treffen.
Auch in diesem Buch gibt es ein Nachwort von Dr. Winfrid Halder und zahlreiche Fotos aus Ursula Dorns Besitz.
Fazit:
Auch der zweite Teil der Lebenserinnerungen sind nicht leicht zu lesen, dennoch gebe ich hier gerne 4 Sterne.





