Ursula Eichenberger

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Der Weichensteller

Der Weichensteller

 (2)
Erschienen am 05.09.2016

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Rezension zu "Der Weichensteller" von Ursula Eichenberger

Unkonventionell und mit Herzblut
peedeevor einem Monat

Dreissig Jahre im Dienste der Jugendanwaltschaft – da hat Hansueli Gürber etliche „hoffnungslose“ Fälle vor sich stehen sehen. Er verurteilt die Tat, glaubt jedoch an den Menschen. Und das nehmen ihm die jungen Delinquenten auch ab. Kurz vor der Pensionierung dann der Riesentumult im Fall „Carlos“, die langjährigen Verdienste scheinen beinahe vergessen…

Erster Eindruck: Ein interessanter Buchtitel; das Cover wirkt eher unscheinbar, zufällig. Im Anhang gibt es eine Kurzbiografie, Statistiken und ein Glossar mit Rechtsbegriffen.

Hansueli Gürber wirkt wie ein Alt-Hippie (diese Bezeichnung habe ich irgendwo aufgeschnappt), ist fünffacher Vater von zwei verschiedenen Müttern (mit denen er über längere Zeit gleichzeitig eine Beziehung führte), betreibt eine Kakerlaken- und Mäusezucht – alles sehr aussergewöhnlich, denn so stelle ich mir nicht gerade einen Anwalt vor. Aber genauso unkonventionell wie sein Lebensstil oder sein Outfit war zuweilen sein Vorgehen. Er fährt z.B. einen jungen Mann persönlich mit seinem Auto ins Tessin, um in dort in das entsprechende Heim zu bringen. Er sagt den Jugendlichen deutlich seine Meinung, auch, dass er die Taten verabscheue, aber nicht den Menschen, der diese begangen hatte. Er interessiert sich für die jungen Menschen und ihre Geschichten. „Sein Ziel war es, dem Leben krimineller Jugendlicher eine Richtungsänderung zu geben, in ihrer jungen und oft belasteten Biografie eine Weiche zu stellen.“
Herr Gürber meint, dass sich kriminelle Entwicklungen bereits bei kleinen Kindern andeuten: Nach wenigen Stunden in einem Kindergarten könne man sagen, welche zwei, drei Knirpse später auffällig werden würden.
Mir haben die Meinungen seiner fünf Kinder sowie einiger seiner beruflichen Wegbegleiter gefallen. Nur fand ich es unpassend, diese ganzzeitigen Statements mitten in einem Kapitel zu platzieren. Diese Meinungen sind zwar in einem schwachen Grauton farblich abgehoben, aber für mich zu wenig deutlich. Das hat den Lesefluss unterbrochen. Sehr interessant waren natürlich auch die Berichte einiger seiner Fälle. Diese wurden anonymisiert und mit Angabe der Delikte aufgeführt (z.B. „Männlich, heute 31 Jahre alt, verheiratet, vier Kinder. Damals: Diebstahl, verschiedene Heimaufenthalte“).
Der Fall „Carlos“ hat über die Landesgrenzen hinaus für Schlagzeilen gesorgt. Aus diesem Grund werden ihm hier auch etliche Seiten gewidmet.

Fazit: Das Buch hat mir sehr gut gefallen, auch der Interview-Stil von Ursula Eichenberger; die Leidenschaft von Herrn Gürber ist sehr gut spürbar. Von mir gibt es aufgerundete 5 Sterne.

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