Für „Abgrundtief“, Band sechs der „Odd Thomas“-Reihe, wurde nicht nur ein weiteres Mal Ursula Gnade als Übersetzerin engagiert (demnach sind wir erneut bei paranormalem Magnetismus), sondern auch das Layout geändert. Zwar gefielen mir die alten Cover mit den Kriechtieren darauf deutlich besser, doch begann der Roman dafür nach mehreren Vollkatastrophen endlich mal wieder vielversprechend: Statt jeder Menge wirrer Gedankengänge begegnete mir bereits auf den ersten Seiten Spannung. Frau Edie Fischer war ein sympathischer Nebencharakter, der Asphalt-Cowboy-Trucker ein guter Antagonist. Beide in Manier des ersten Teils, wie ich finde.
Odd referenzierte an einer Stelle Koontz' Roman „Zwielicht“ über Schausteller, was ein nettes Detail war, der „Witz“, dass jemand Odd anbot, ihn beim Vornamen zu nennen, dieser zwar zustimmte, indessen weiterhin Sir oder Ma'am sagte, war hingegen nach dem dritten Vorkommen abgelutscht (Spoiler vom Lesen der ersten Hälfte des nächsten Buchs: es geht damit noch weiter).
Ehrlich gesagt musste ich mich bereits ziemlich anstrengen, mich der Handlung des letzten Bandes zu entsinnen, diese wurde allerdings ohnehin nicht mehr wirklich aufgegriffen. Annamaria kam hier ebenfalls nicht vor, was mir nichts ausmachte, ja, vielleicht gar gefiel.
In der Mitte hatte „Abgrundtief“ dann leider doch einen kleinen Hänger, kurzzeitig wurde es mir zu übernatürlich-abstrus. Ich mag sogenannte „Road-Trip-Thriller“ wie diesen sehr gern, jedoch wich die Verfolgung des Asphalt-Cowboys mehreren zu langen, zu belanglosen Stopps.
Glücklicherweise änderte sich das mit dem actionreichen Ende: Als Odd (SPOILER) die Kinder aus den Händen der Satansanbeter befreite (SPOILER), nahm die Spannung wieder deutlich zu und es wurde sogar seine Rückkehr nach Pico Mundo angedeutet!
Kritisch könnte man allgemein sehen, wie die Grundidee der „Odd Thomas“-Reihe über die Fortsetzungen hinweg vollständig verloren gegangen ist: Neben der von mir enorm vermissten liebenswürdigen Nebencharaktere aus Pico Mundo sind Bodachs inzwischen völlig, Geister zumindest größtenteils absent (außer stets dem einen berühmten Verstorbenen, welcher sich nach Elvis sicher dreimal gewechselt hat), Odd mit seiner Schusswaffenabneigung ballert mehr um sich als seine finsteren Gegner. Hier fand ich besonders enttäuschend, dass Koontz die „Verweilende Tote sprechen nicht“-Regel brach, nur um Alfred Hitchcocks Geist einige hilfreiche Informationen an Odd übermitteln zu lassen. Diese Unterstützung hätte man sicher irgendwie anders lösen können.
Fazit: Mit „Abgrundtief“ hat Dean Koontz die „Odd Thomas“-Reihe wieder in die richtige Richtung gelenkt. Obschon der Roman weder das Niveau des ersten noch des bereits schwächeren zweiten Teils erreicht, war es keine Qual, ihn zu beenden und besonders für den letzten Band habe ich neue Hoffnungen.




