Ursula K. Le Guin

 3,9 Sterne bei 813 Bewertungen
Autorin von Erdsee, Der Magier der Erdsee: Der Erdsee-Zyklus 1 und weiteren Büchern.
Autorenbild von Ursula K. Le Guin (©CC BY-SA 3.0 by Gorthian)

Lebenslauf

Die Königin der Fantastik und des feministischen Science-Fiktion: Ursula Kroeber Le Guin wurde am 21. Oktober 1929 in Berkeley, Kalifornien, USA geboren. Sie studierte Literatur und spezialisierte sich hierbei insbesondere auf die Renaissance. Den Magistergrad erhielt sie an der Columbia University. Seit 1962 lebte sie als Schriftstellerin in Portland und unterrichtete dort bis zu ihrem Tod am 22.01.2018 an einer Universität. Mit ihrem Roman „Winterplanet“ wurde sie einer internationalen Leserschaft bekannt. Für ihre Bücher hat sie viele Auszeichnungen erhalten. Darunter mehrfach als erste Frau den Nebula Award und den Hugo Award, die beiden wichtigsten internationalen Preise für Science Fiction Literatur. Ihre "Erdsee-Chroniken" und ihre "Hainish-Reihe" hat die Fans des Fantasy und Science Fiktion in ihren Bann gezogen. Auch Kinderbücher hat sie verfasst. Zuletzt lebte sie in Portland, Oregon mit ihrem Mann und vielen Katzen.

Alle Bücher von Ursula K. Le Guin

Cover des Buches Erdsee (ISBN: 9783596701605)

Erdsee

 (216)
Erschienen am 26.09.2018
Cover des Buches Der Magier der Erdsee: Der Erdsee-Zyklus 1 (ISBN: 9783492962254)

Der Magier der Erdsee: Der Erdsee-Zyklus 1

 (95)
Erschienen am 15.01.2013
Cover des Buches Die linke Hand der Dunkelheit (ISBN: 9783453315945)

Die linke Hand der Dunkelheit

 (44)
Erschienen am 14.04.2014
Cover des Buches Rückkehr nach Erdsee (ISBN: 9783492280464)

Rückkehr nach Erdsee

 (33)
Erschienen am 09.03.2015
Cover des Buches Freie Geister (ISBN: 9783596035359)

Freie Geister

 (27)
Erschienen am 26.01.2017
Cover des Buches Das Vermächtnis von Erdsee (ISBN: 9783492280181)

Das Vermächtnis von Erdsee

 (28)
Erschienen am 09.03.2015
Cover des Buches Planet der Habenichtse (ISBN: 9783453074330)

Planet der Habenichtse

 (23)
Erschienen am 01.05.1996
Cover des Buches Das ferne Ufer: Der Erdsee-Zyklus 3 (ISBN: 9783492962278)

Das ferne Ufer: Der Erdsee-Zyklus 3

 (26)
Erschienen am 15.01.2013

Videos

Neue Rezensionen zu Ursula K. Le Guin

Cover des Buches Erdsee (ISBN: 9783596704064)
Aleshanees avatar

Rezension zu "Erdsee" von Ursula K. Le Guin

Eine grandiose Fantasyreihe - zu Recht ein Klassiker aus dem Genre
Aleshaneevor einem Monat

Tehanu
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Nach den ersten drei Büchern über das Inselreich Erdsee sind fast 20 Jahre vergangen, bis die Autorin die weiterführende Geschichte erspüren konnte, die Entwicklung von Arha, dem kleinen Mädchen aus den Gräbern von Atuan, gerettet vom Erzmagier Sperber und schließlich Witwe mit zwei erwachsenen Kindern auf einem einsamen Hof in den Hügeln von Gont.

Diese Geschichte ist eine sehr ruhige, die die alten und schwachen, aber auch jungen und ausgestoßenen Menschen im Fokus hat. Während Tenar versucht, das geschändete und mit Narben übersäte Kind Therru aufzuziehen, sie in ihrer Seele zu heilen und ihrem Leben einen Sinn zu geben, trifft sie nach langen Jahren wieder auf Ged, der seine Magie völlig verloren zu haben scheint - und mit ihrer Macht auch sich selbst.

Es gibt hier viele philosophische Gedankengänge in den Gesprächen der Figuren, aber auch im Handeln und Denken jeder Tat, so dass es eine sehr intensive und unaufgeregte Leseerfahrung war. Die mir aber sehr gefallen hat. Keine typische Fantasygeschichte, erst recht kein Heldenepos wie man es oft gewohnt ist, sondern mit den verborgenen, den stillen Helfern und Heilern, die kaum erkannt die oft die wichtigeren Rollen spielen.
Die Autorin hat im Nachwort erklärt, dass 1990, als das Buch erschien, von vielen das Fehlen eines strahlenden Helden bemängelt wurde - denn Frauen als heroische Figuren scheinen damals noch nicht wirklich in der Fantasywelt angekommen zu sein. Vor allem keine, die ein so alltägliches Leben und Denken führen wie unsere Tenar hier. Aber gerade diese Stärke, in der Einsamkeit und mit vielen Zweifeln geprägt zu sein, allem zum Trotz weiterzumachen, einfühlsam zu sein und die Liebe denen zukommen zu lassen, die niemanden sonst haben, zeugt gerade von wahrer Größe.

Auch das Thema "Macht" wird oft angesprochen. Natürlich die Macht der Magier - aber auch die Unterschiede von Männern und Frauen, in ihrem Denken und Fühlen, in ihrem Leben ... ohne ein Urteil, sondern mit vielen Denkanstößen, die tiefer gehen als man im ersten Moment ahnt.

"Ich bin schon recht alt, um ein Kind aufzuziehen. Und sie ... sie gehorcht mir, aber nur, weil sie will."
"Eine andere Rechtfertigung für Gehorsam gibt es nicht", bemerkte Ged.
Seite 182

"Was sich nicht wiedergutmachen lässt, muss überwunden werden."
Seite 220



Geschichten von Erdsee
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Nachdem Tehanu die letzte Geschichte aus Erdsee sein sollte, kehrte die Autorin nach einigen Jahren wieder in ihr vertrautes Inselreich zurück, das ihr teilweise auch wieder fremd erschien. Viele Veränderungen ergeben sich von selbst mit der Zeit und so hat hier fünf Geschichten gesammelt, die aus der Vergangen bis ins Jetzt führen.

Der Finder
In alter Zeit, als die Magier noch eher gefürchtet als geachtet waren und mit ihrem Wissen hofieren gingen um Macht und Ruhm zu erreichen, wurde der Junge Otter mit seinen Gaben versteckt, um keine Aufmerksamkeit und damit Ächtung hervorzurufen. Otters Sinn für Gerechtigkeit bringt ihn allerdings in arge Schwierigkeiten.
Eine Sage über Gier, Herrschaft und die Missstände, die sich daraus ergeben - und die hilflose Angst, alleine zu sein, dem gegenüber zu stehen und nichts ausrichten zu können. Dabei ist man nie wirklich allein...

Will einer Gutes tun, so läuft er stets Gefahr, die guten Absichten mit dem Wunsch zu verwechseln, alles richtig zu machen.
Seite 311

Die längste Geschichte der Kurzgeschichten in Band 5, in dem die Gründung der Magierschule auf der Insel Rokh erzählt wird.

Schwarzrose und Diamant
Gülden ist ein sehr reicher Händler, ehrgeizig und arrogant. Von seinem Sohn Diamant hofft er, dass er in seine Fußstapfen tritt und das Geschäft übernimmt - doch als er seine magische Begabung erkennt, ist eine Zukunft als Magier auch nicht zu verachten.
Für Diamant stehen allerdings viele Wege offen und die Entscheidung fällt schwer, welchen er wählen soll.

Die Knochen der Erde
Der alternde Magier Tang lebt zurückgezogen auf Re Albi, als ein neuer Schüler bei ihm eintrifft. Hier lernen wir die Vergangenheit eines "alten Bekannten" aus den vorherigen Geschichten kennen.

Im Hochmoor
Im einsamen Hochmor auf der Insel Semel klopft eines abends ein Fremder an die Tür von Gabe. Er scheint ein Heiler zu sein, wirkt aber zeitweise verwirrt. Hier empfand ich Gabes Einfühlungsvermögen und Sicht auf die Menschen einfach nur herzerwärmend. Ihr Verständnis für Menschen, denen es schlecht ergeht ist einfach nur bewundernswert und hat großen Vorbildcharakter.
Auch wird aufgeklärt, wer der geheimnisvolle Fremde ist - und damit auch dass sich jeder zu jeder Zeit ändern kann.

Libelle

Auf der Insel Wey lebt Libelle, vereinsamt und rebellisch will sie herausfinden, wer sie wirklich ist.
Der Zauberer Elfenbein hilft ihr nur zum Schein, den im tiefsten Inneren ist er verbittert und möchte einfach nur das Leben genießen, allerdings ohne Konsequenzen.
Hintergrund hier sind alte Traditionen und Vorurteile. Wunderbar integriert und in die Geschichte und mit vielen philosophischen Ansätzen.
Sehr schön auch hier wieder die Kraft der Stille. Zu schweigen und nicht alles mit Worten "totzureden" und einfach mal zu lauschen: nach außen und nach innen. Das kommt immer wieder vor und sorgt schon beim Lesen für Entschleunigung :)

Für noch mehr Verständnis der Geschichten sollte man das Nachwort lesen. Um mehr über Erdsee herauszufinden, ist die Autorin hier weit in die Vergangenheit gereist, um für sich selbst die Zusammenhänge zu erkennen, die zu den gegenwärtigen Entwicklungen geführt haben - aber auch um zu erspüren, wie es weitergeht.
Moral, Gleichgewicht, Entscheidungen, Vorurteile, Macht und ihre Verantwortung und vor allem: das einzig beständige auf der Welt, die Veränderung, sind hier zentrale Themen.

Mit der letzten Geschichte knüpft sie schließlich die Verbindung zum letzten Band:


Der andere Wind
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Mit diesem abschließenden Band hat die Autorin ein wundervolles Ende dieser Geschichte geschaffen, die sich, wie sie selbst sagt, nicht in die einzelnen Teile zersetzen lässt, sondern ein großes Ganzes ergibt.

Ein Fremder erreicht Gonthafen um den ehemaligen Erzmagier aufzusuchen und um Rat zu bitten. In den Träumen wird er von den Toten aus dem Totenreich aufgesucht, vom dürren Land, das wir aus früheren Geschichten kennen und das durch eine Mauer vom Land der Lebenden getrennt ist. Wir wissen, dass sich schon seit längerem eine Veränderung anbahnt und um diese geht es hier, und wie die Spaltung wieder vereint werden kann.
Recht viel mehr kann ich gar nicht verraten ohne zu Spoilern. Aber einige Gedanken möchte ich gerne loswerden, die mit den Themen zu tun haben, und die mir beim Lesen durch den Kopf gegangen sind:

Das dürre Land wird ja schon früher erwähnt, schon im ersten Band, aber erst jetzt fiel mir die Ähnlichkeit zum dritten Band der Trilogie von Philip Pullman auf. Die unsterbliche Seele ist hier ja ebenfalls Thema und auch hier geraten die Verstorbenen in ein "totes Land", in dem nichts geschieht, alles düster ist und still steht. Vor allem die Erlösung und Freiheit der Seele durch das Loslassen spiegelt sich hier wider - und die damit erst verbundene Chance, sich wieder mit allem zu vereinen.

Interessant war hier die Erwähnung einer Entscheidung, die zu "gut und böse" führt, was mich sofort an Adam und Eva mit ihrem sprichwörtlichen Apfel erinnert hat. Aber auch der Vergleich mit den Drachen als Tiere, bzw. überhaupt Tieren und was uns von ihnen unterscheidet war sehr spannend. Können wir wirklich gut und böse handeln, während die Tiere "einfach nur sind"? Oder handeln wir nicht auch einfach nur instinktiv und unbewusst aufgrund unserer Erfahrungen? Ein geschlagener Hund wird schließlich auch oft bissig ... oder ist es die Lüge, mit der wir uns die Krone aufgesetzt haben?

Menschen und Drachen waren vor langer Zeit eins.
Die Drachen entschieden sich schließlich für das Feuer und den Wind -> die Freiheit -> das Loslassen
Die Menschen entschieden sich für Erde und Wasser -> die Bindung -> das Behalten

Beides trägt etwas positives in sich und hat auch seine Schattenseiten, aber ich weiß, welche Erleichterung es sein kann, nicht alles besitzen zu wollen - und anderen ihre Freiheit zu lassen uns auch selbst Freiheit schenken kann.

Das zentrale Thema hier ist tatsächlich der Tod, und damit die Wiedergeburt und vor allem: das Leben.
Ebenso die alte Sehnsucht nach dem ewigen Leben und die Angst vor dem Tod.
Doch wäre so ein ewiges Leben wirklich erstrebenswert? Die Aussage, dass wir, wenn wir diese Welt verlassen, all unsere unausgeschöpften Möglichkeiten und nicht getroffenen Entscheidungen weitergeben an die nächstgeborenen Seelen fand ich wunderschön!

Mit viel Feingefühl habe ich hier schöne, gefühlvolle Momente erleben dürfen, ebenso wie beängstigende Erkenntnisse gehabt, die wieder zum Nachdenken anregen. Eine wundervolle Reihe die gerade durch ihre ruhige Art zum Innehalten inspiriert und aus der Hektik des Alltags entfliehen lässt.
Ich bin einfach nur begeistert :)


Im Anschluss gibt es noch zwei Kurzgeschichten, die noch eine schöne Ergänzung waren.

Weltenwanderer

Cover des Buches Erdsee (ISBN: 9783596704057)
Aleshanees avatar

Rezension zu "Erdsee" von Ursula K. Le Guin

Großartig erzählte, eher ruhige Fantasy
Aleshaneevor 2 Monaten

Seit langer Zeit schon wollte ich die Bücher über die geheimnisvolle Inselwelt Erdsee lesen und ich freu mich, dass ich die erste Trilogie endlich für mich entdeckt habe.
In den 1970 Jahren wurde die erste Geschichte geschrieben von einer Frau, die sich zur damaligen Zeit vor allem im Science Fiction Bereich einen Namen gemacht hat und die lange Riege der schreibenden Männer durchbrochen hat.
Die Themen in diesen Büchern sind wichtig, berührend und mit viel Feingefühl umgesetzt - ohne aufdringlich zu wirken und oft nur zwischen den Zeilen spürbar. Ein großartiger Stil, der die vielen Inseln dieser Welt zum Leben erweckt und uns eine Reise ermöglicht, die uns mit den Protagonisten durch innere und äußere Kämpfe führt, aber auch die Gesellschaft der damaligen (und heutigen) Zeit widerspiegelt.

Ein Magier von Erdsee
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Duri wächst in einem etwas lieblosen Zuhause aus unter der harten Hand seines Vaters, dem Dorfschmied. Als seine Tante allerdings merkt, dass er magisch begabt ist, verrät sie ihm allerhand Zaubersprüche, die allerdings auf kleine Alltäglichkeiten beschränkt sind und viele Zauberkundige beherrschen.
Duri wird sehr stolz auf sein Können und durch eine raffinierte Rettung wird ein Magier auf ihn aufmerksam, der ihm seinen "wahren Namen" gibt.

Das mit den Namen und der Magie dahinter fand ich sehr spannend! Hab ich zwar schon öfter gelesen, aber eben in neueren Büchern. Damals war das sicher noch komplett frisch und unverbraucht und die Macht, die jemand bekommt, wenn er den "wahren" (und geheimen) Namen kennt, hatte eine reizvolle und wichtige Komponente im Verlauf der Geschichte.

Duri, mit dem neuen Namen Ged, soll ein großer Magier werden, schießt aber bald über sein Ziel hinaus. Sein Stolz und seine Überheblichkeit, die ihn anfangs auch eher unsympathisch wirken lassen, beschwören ein Unheil herauf, dem er nicht mehr entfliehen kann.
Die Entwicklung von dem selbstgefälligen Jungen zu einem in sich gekehrten und geläuterten jungen Mann war großartig zu verfolgen und hat mich über weite Wege schon einige Inseln dieser Welt kennenlernen lassen.
Auch die Freundschaft mit Vetsch, einem anderen Zauberkundigen, war ein wichtiger Grundstein in Geds Leben und ohne ihn und seinen alten Mentor hätte er wohl nicht geschafft, was ihm letztendlich gelungen ist.

Übrigens gibt es auch ein tolles Nachwort der Autorin, dass ich mit Neugier gelesen habe. Ihre Sicht auf die damalige Zeit, als das Buch entstand (1967), in der z. B. der Protagonist Ged eine dunkle Hautfarbe hat, was aber nicht auf dem Cover gezeigt und größtenteils nicht mal wahrgenommen wurde - wie auch ihre Weigerung, für Fantasy als Kernthema immer Kriege und Schlachten herhalten zu lassen. Vor allem auch da diese Geschichte ja eher für ein jüngeres Publikum (Jugendliche) gedacht war. Die Suche nach sich selbst, das Erkennen und Annehmen, wer man ist, mit allen Stärken und Schwächen, kann ebenfalls ein schwieriges "Kampf" sein - mit einem umso schöneren Ziel.


Die Gräber von Atuan
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In dieser Geschichte befinden wir uns auf einer eher öden Insel im Reich Kargan. Hier haben die uralten, dunklen Götter der Namenlosen noch ein großes Gewicht und so geschieht es, dass die Priesterin der Gräber von Atuan schon über Jahrhunderte über die Tempelstätte herrscht. Ihre Wiedergeburt wird in jungen Mädchen gesucht, die zum Todeszeitpunkt der alten Priesterin geboren wurden und so gerät schließlich Tenar im Alter von 5 Jahren in die Obhut dieser Gemeinschaft.
Nach einem Jahr wird sie in einer Zeremonie "verzehrt" und zu Arha, so dass ihr altes Leben verschwindet und sie in der Rolle als wiedergeborene Priesterin den Willen der Namenlosen ausübt.

Hier haben wir also ein Mädchen als Protagonistin, das wir beim Aufwachsen begleiten. Einem Leben, das geprägt ist von Pflicht, strengen Regeln und Routine. Doch Arha hat auch eine große Macht, das einzige, an dem sie sich festzuklammern versteht in dem lieblosen Kreis der Gläubigen - und ihr auch erliegt. In ihrer Einsamkeit und dieser immensen Bürde leidet sie sehr unter dem Druck, der auf ihr lastet, außen zu stehen und nirgends wirklich dazu zu gehören. Dazu kommt, dass sie keine Schwäche zeigen möchte und trotzdem tief im Inneren danach lechzt, Anerkennung und Lob zu bekommen.

Als dann eines Tages etwas völlig unerwartetes passiert, gerät alles ins Wanken, woran sie bisher geglaubt hat und sie muss eine Entscheidung treffen, die ihre Zukunft in zwei Wege teilt.

Während im ersten Band der Kampf gegen die innere Dunkelheit das Hauptthema ist, wirkt hier das namenlose Grauen im Außen, die undurchdringliche Düsternis und Hoffnungslosigkeit: grausam und tödlich. Doch auch das gehört zum Leben, denn ohne die Dunkelheit findet man auch kein Licht. Die Autorin hat das hier so genial beschrieben und mit viel Liebe zum Detail geschrieben, so dass man regelrecht eingesogen wird in diese kleine Welt, in der Arha zu bestehen versucht.

Auch hier gibt es ein Nachwort, in der die Autorin darauf eingeht, wie die Idee hierzu entstanden ist und wie diese weibliche Hauptrolle in einer Zeit, in der es im Fantasygenre wenige weibliche Heldinnen gab, erwachsen ist. Lohnt sich auf jeden Fall zu lesen!

Freiheit ist eine schwere Last und eine seltsame Bürde für die Seele, die sie auf sich nimmt. Sie ist nicht leicht. Sie ist kein Geschenk, das man bekommt, sondern eine Entscheidung, die man trifft, und die Entscheidung kann hart sein.
Zitat Seite 319

Das fernste Ufer
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Arren, ein Königssohn aus Enlad, kommt auf die Insel Rokh mit einer wichtigen Botschaft: Die Zauberer verlieren ihre Magie, ihre Worte, die wahren Namen. Doch nicht nur dort schleicht sich diese Verlorenheit ein, denn von überall her dringen ähnliche Nachrichten durch, die die Meister Magier nicht so recht einzuschätzen wissen.

Der Erzmagier jedoch nimmt Arren mit auf eine Reise, um diesen Entwicklungen auf den Grund zu gehen.

Mit Arren haben wir einen stolzen und tapferen jungen Mann, der gerne im Dienste des Erzmagiers steht und von Beginn an eine tiefe Verbundenheit mit ihm verspürt. Umso schlimmer für ihn, als er auf dieser Reise in die entlegensten Gegenden des Inselreiches kommt und leise Zweifel auftauchen - an der Macht des Magiers und am Sinn der Reise, dessen Ziel ihnen lange unbekannt ist.

Hier lernen wir etwas mehr von Erdsee kennen. Verschiedene Völker mit ihren ganz eigenen Lebensstilen und Bräuchen - und alle von ihnen scheinen von dieser neuen "Seuche" befallen zu sein, die sie etwas suchen lässt, dass jedoch nie erreichbar zu sein scheint.
Diese Inseln und die Lebensweisen kennen zu lernen war spannend und beinhaltet viele originelle Ideen. Wobei auch hier wieder die beiden Protagonisten im Vordergrund stehen, die auf ihrer Reise zu verstehen versuchen, was mit ihrer Welt passiert.

Auch die Drachen haben einen Auftritt, die in ihrer Bedeutung als uralte, ewige Wesen imposant wirken und man sie fast schon vor sich sieht, wie sie sich elegant und kraftvoll durch die Lüfte schwingen. Obwohl man sie etwas besser kennenlernt bleiben sie einem doch fern, was ihre mystische Größe noch unterstreicht.

Die Themen sind allgegenwärtig: das Gute und das Böse, das Licht und die Dunkelheit, das Leben und der Tod -> und das Streben nach Unsterblichkeit. Im Nachwort spürt man, wie die Autorin viele aktuelle Themen der Gesellschaft mit hineingewoben hat und wie sehr sie sich mit ihrer Geschichte auseinander gesetzt hat. Wie viele andere hat sie sich nicht von Anfang an festgesetzt wohin ihr Weg führen wird, sondern hat sich von den Charakteren leiten lassen, mit denen sie zusammen die vielen Abenteuer durchlebt hat.

Ich hab mir auch viele tolle Zitate notiert, von denen ich euch drei gerne zeigen möchte:

"... aber wenn wir nach Macht über das Leben streben - nach grenzenlosem Reichtum, uneingeschränkter Sicherheit oder Unsterblichkeit - dann entwickelt sich Verlangen zur Gier. Und wenn Wissen sich in den Dienst dieser Gier begibt, kommt das Böse. Dann kippt das Gleichgewicht der Welt, und Zerfall drückt die Waage nach unten."
Zitat Seite 371

"... ich weiß, dass es nur eine Macht gibt, die echt ist und die es sich zu haben lohnt. Und das ist die Macht, nicht zu nehmen, sondern hinzunehmen."
Zitat Seite 468

"Um das Licht einer Kerze zu sehen, muss man sie in die Dunkelheit tragen."
Zitat Seite 47

Viele großartige, berührende Botschaften. Gerade die letzte hat mich nicht losgelassen und zum Nachdenken gebracht. Denn ein Licht in hellen Räumen mag zwar strahlen, bewirkt aber nicht viel. Wenn es sich aber ins Dunkel wagt, kann es manches erhellen und Hoffnung schenken, das in der Düsternis gefangen war.

Als Bonus gibts am Ende noch zwei tolle Kurzgeschichten und interessante Einblicke auf die Völker, Sprachen und Entwicklungen in Erdsee, sowie der Drachen und der Magie.


Mein Fazit
☼☼☼☼☼☼

Man merkt hier einen anderen Stil, als den man heutzutage in dem Genre gewohnt ist - und ich bin davon sehr begeistert! Auch wenn man die Welt kennenlernt lenkt sie den Fokus auf die jungen Protagonisten, die anfangs in ihren bisherigen Erfahrungen feststecken und erst durch neue Wege und Begegnungen lernen, ihre Sicht über den Tellerrand zu heben. Dazu kommen aber auch große Themen, die jeden Menschen mal mehr, mal weniger bewegen, Themen zur Gesellschaft und dem Leben an sich - alles eingebettet in eine großartige magische Welt von Erdsee und einer Spannung, die ohne Action oder blutrünstige Kriege auskommt.

Cover des Buches Am Anfang war der Beutel (ISBN: 9783947296088)
dunkelbuchs avatar

Rezension zu "Am Anfang war der Beutel" von Ursula K. Le Guin

Ungewöhnliches erstaunliches gedankenfutter.....
dunkelbuchvor 2 Monaten

Zitat aus diesem Buch: „Die Fähigkeit, zu lesen, ist deshalb so wichtig, weil die Literatur die Gebrauchsanweisung ist. Das beste Handbuch, das wir haben. Die hilfreichste Anleitung für das Land, das wir besuchen: das Leben.“ (Zitat aus „Die Gebrauchsanweisung“, Seite 28) 

Am Anfang war nicht der Speer, sondern der Tragebeutel! Dieser Band versammelt drei Essays, drei Reden und ein Gedicht aus drei Jahrzehnten.

96 Seiten, die zum nachdenken anregen.

Gespräche aus der Community

Leserunde der Gruppe "Wir lesen Klassiker der Weltliteratur", an der jede*r teilnehmen kann

Start: 01.03.2023

(Teilnahme mit eigenem Exemplar)

635 Beiträge
Favoles avatar
Letzter Beitrag von  Favolevor einem Jahr

Danke!

Zusätzliche Informationen

Ursula K. Le Guin wurde am 21. Oktober 1929 in Berkeley (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.

Ursula K. Le Guin im Netz:

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