Ursula Keller

 4,3 Sterne bei 41 Bewertungen
Autor*in von Eine Ehe in Briefen, Sofja Andrejewna Tolstaja und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Ursula Keller hat Slavistik und Germanistik studiert; zahlreiche Forschungsaufenthalte in Rußland. Sie lebt als freie Autorin und Übersetzerin in Berlin.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Ursula Keller

Cover des Buches Eine Ehe in Briefen (ISBN: 9783458357865)

Eine Ehe in Briefen

(7)
Erschienen am 21.09.2011
Cover des Buches Sofja Andrejewna Tolstaja (ISBN: 9783458174080)

Sofja Andrejewna Tolstaja

(5)
Erschienen am 06.10.2009
Cover des Buches Sofja Tolstaja (ISBN: 9783458353454)

Sofja Tolstaja

(3)
Erschienen am 18.08.2010
Cover des Buches Madame Blavatsky (ISBN: 9783458175728)

Madame Blavatsky

(2)
Erschienen am 01.07.2013
Cover des Buches Dostojewskij und die Frauen (ISBN: 9783458179061)

Dostojewskij und die Frauen

(1)
Erschienen am 07.03.2022
Cover des Buches Iwan Turgenjew und Pauline Viardot (ISBN: 9783458177692)

Iwan Turgenjew und Pauline Viardot

(1)
Erschienen am 14.11.2018
Cover des Buches Nun breche ich in Stücke... (ISBN: 9783930916290)

Nun breche ich in Stücke...

(1)
Erschienen am 01.01.2000
Cover des Buches Lew Tolstoj (ISBN: 9783644014848)

Lew Tolstoj

(0)
Erschienen am 14.06.2022

Neue Rezensionen zu Ursula Keller

Cover des Buches Erinnerungen (ISBN: 9783847720355)
Josseles avatar

Rezension zu "Erinnerungen" von Nadeschda Mandelstam

Jossele
Schockierend lesenswert, aber nicht einfach zu lesen

Das Original der Erinnerungen von Nadeschda Mandelstam erschien 1970 in den USA und wenig später in deutscher Übersetzung. Das Manuskript ist damals aus der Sowjetunion herausgeschmuggelt worden.

Mein Exemplar ist ein Sonderdruck der Anderen Bibliothek mit sehr umfangreichen Anmerkungen und Registern, die für das Verständnis des Buches wertvoll sind. Allerdings sind es fast zu viele und die Gliederung nach Seiten finde ich ungeschickt. Zu fast jeder Seite gibt es oftmals mehrere Anmerkungen, was das flüssige Lesen sehr erschwert. Aus meiner Sicht wäre es besser gewesen, mit einer Nummerierung an den zu erläuternden Namen oder Ausdrücken zu arbeiten. Zur Vermeidung von riesigen Zahlen hätte man ja zusätzlich nach Kapiteln oder ähnlichem gliedern können.

Mandelstams Stil ist fast durchgehend von großem Ernst geprägt, was angesichts des Themas nicht verwunderlich ist, doch manchmal versucht sie der Situation mit Ironie beizukommen: „Auf jeden Fall wurde durch den Traum von Paris aber das Klassenbewusstsein des Beschuldigten aufgedeckt, und die Klassenzugehörigkeit nicht heranzuziehen war in unserer klassenlosen Gesellschaft unmöglich.“ (gebundener Extradruck der „Die andere Bibliothek“, Berlin, 2021, S. 119)

Ein gewisser Sarkasmus scheint ebenfalls bisweilen auf, wenn Mandelstam z.B. über Larissa Rejsner schreibt: „Larissa war ihrer Zeit voraus und kämpfte von Anfang an gegen die Gleichmacherei, noch bevor dieser Kampf offiziell eröffnet worden war.“ (ebd., S. 165)

Manche Zeile scheint mir höchst aktuell zu sein, wenn man bedenkt, wie heutzutage „Gutmenschen“ verspottet werden: „Denn das Gute im Menschen ist keine angeborene Eigenschaft, man muss es hegen und pflegen, und das tut man, solange es Nachfrage gibt. In unseren Zeiten galt es als altmodische, vorgestrige Eigenschaft, gut zu sein, ein guter Mensch war so etwas wie ein Mammut. (ebd., S. 200)

Die Goldenen Regeln: „Wir Russen sind ja geduldig, und wir haben eine goldene Regel: Widersetze dich nicht, wenn du bedrängt wirst. Wähle, wie man es von dir erwartet, unterschreibe jeden Aufruf, kaufe Staatsanleihen und antworte den Spitzeln auf all ihr Fragen, damit sie ihren Vorgesetzten gegenüber Rechenschaft ablegen können, denn sonst wirst du ‚vorgeführt‘, wie man zu sagen pflegte – sie setzen sich so oder so durch. (ebd., S. 315)

Zur Beschreibung der Stimmung in der nach Stalin-Zeit verwendet die Autorin eine Formulierung, die in Deutschland aus der Zeit nach dem Hitler-Regime sehr bekannt ist: „Es hat, so scheint es, in unserem Land keinen einzigen Stalinisten gegeben, und alle haben mutig gegen das Regime gekämpft.“ (ebd., S. 463)

Der Leser weiß ja im Grunde, wenn er nicht ein historischer Analphabet ist, wie unglaublich viele Menschen dem Terror in der Sowjetunion insbesondere unter Stalin zum Opfer fielen, aber es ist noch einmal eine andere Nummer, von einer betroffenen Zeitzeugin darüber zu lesen. Man bekommt nochmal ein anderes Empfinden dafür, was es konkret für die Lebensumstände der Menschen bedeutete. Es bleibt irgendwie das Gefühl, dass niemand aus Nadeschdas Bekannten- oder Freundeskreis den Terror überlebt hat. Zu oft liest man in den Anmerkungen von einem gewaltsamen Tod.

Interessierten Lesern empfehle ich, die Lektüre mit dem Nachwort der Übersetzerin Ursula Keller zu beginnen, denn dort erhält man einen Überblick über das Leben von Ossip und Nadeschda Mandelstam, der Orientierung bietet. Innerhalb der Erinnerungen selbst, die so abgedruckt sind, wie sie aufgeschrieben wurden, d.h. ohne Lektorat, ist es bisweilen nicht ganz einfach, das Gelesene zeitlich einzuordnen.

Es steht mir nicht zu, diese Erinnerungen anhand von irgendwelchen literarischen Qualitätsmerkmalen zu bewerten, zumal man die Schwierigkeiten bei der Niederschrift und der Erhaltung ja mitberücksichtigen müsste. Das wäre in meinen Augen absolut anmaßend. Die von mir vergebenen fünf Sterne möchte ich daher ausdrücklich nicht als Wertung verstanden wissen. Es ist ein Werk, das sich jeder Bewertung durch einen in Wohlstand und Freiheit aufgewachsenen Menschen entzieht. Eine Durchschnittsbewertung will ich aber auch nicht abgeben, weil diese erst recht missverstanden werden könnte. Es ist ein schwierig zu lesendes, aber absolut lesenswertes Buch.

Cover des Buches Aufzeichnungen aus dem Untergrund (ISBN: 9783717525363)

Rezension zu "Aufzeichnungen aus dem Untergrund" von Fjodor M. Dostojewski

Ein LovelyBooks-Nutzer
Aufzeichnungen eines Wutbürgers

Wut, die – heftiger, unbeherrschter, durch Ärger o. Ä. hervorgerufener Gefühlsausbruch, der sich in Miene, Wort und Tat zeigt (Quelle: Duden)

Warum liest man in Zeiten, in denen es vor Wutbürgern nur so wimmelt, ein Buch, was genau aus der Sicht eines solchen Grantlers geschrieben ist? Nun, erstens heißt der Autor Fjodor Dostojewski (er wäre in diesem Jahr 200 Jahre alt geworden) und zweitens konnte der Manesse-Verlag, der die „Aufzeichnungen aus dem Untergrund“ in einer wahrhaftigen Prachtausgabe seiner berühmten und bei Freunden des gepflegten Buchs überaus beliebten Bibliothek hinzugefügt hat, wohl bei der Planung nicht ahnen, dass die unsägliche Pandemie eine Masse an eben diesen Wutbürgern hervorspülen würde. Wenn jeder seine Wut verschriftlichen würde statt auf die Straße zu gehen, würde uns allen wohl viel erspart bleiben *g*.

So lässt der namenlose Protagonist kein gutes Haar an allem und jedem und nimmt sich davon nicht aus. Schon der erste Satz offenbart den Leserinnen und Lesern, mit wem wir hier zu tun haben:

„Ich bin ein kranker Mensch…Ich bin ein zorniger Mensch.“ (S. 9)

Oha, das kann ja heiter werden…Nein, wird es nicht. Im Gegenteil: manchmal weiß man vor lauter Selbstmitleid, Selbstzweifel etc. des Protagonisten gar nicht, ob man weiterlesen will oder nicht. Zumal die langen inneren Monologe, die dem tiefsten Untergrund der menschlichen Seele entspringen, der geneigten Leserschaft einiges an Geduld abverlangen. Ich will nicht sagen, dass man für manche Passage ein Psychologiestudium braucht, aber es kommt dem schon verdammt nahe. Nicht umsonst hat Friedrich Nietzsche das Werk für einen wahren „Geniestreich der Psychologie“ (S. 303) gehalten. Na denn – er muss es wissen ha ha ha.

Der zweite Teil der Aufzeichnungen mit der Überschrift „Angelegentlich nassen Schnees“ kommt dann (sprachlich) geringfügig lockerer daher. Doch Vorsicht: wir sind weit von der Leichtigkeit eines – ähm – banalen Textes entfernt. Hier erzählt uns der Protagonist Erlebnisse, die ihm widerfahren sind und an deren Groteske wohl selbst Kafka gescheitert wäre – und das will schon was heißen *g*.

Das plötzliche Ende der Aufzeichnungen lässt die geneigte Leserschaft dann „aufatmen“ á la „Hey, geschafft. Und jetzt? Welche Erkenntnis nehme ich mit aus dem Untergrund an die Oberfläche?“ Nun, das muss und kann jede*r nur für sich beantworten; mich haben sie in dem Sinne beschäftigt, dass ich mir sicher bin, das schmale Büchlein gelegentlich noch einmal in die Hand zu nehmen.

Die zahlreichen Anmerkungen (insgesamt 48) sind mal interessant, mal vernachlässigbar, helfen aber, dass ein oder andere besser einzuordnen. Auch das anschließende Nachwort der Übersetzerin Ursula Keller, die – so scheint mir – überragende Übersetzungsarbeit geleistet hat, hilft bei der Einordnung der „Aufzeichnungen…“ in das Gesamtwerk Dostojewski´s und zeigt, dass er wohl nicht umsonst zu den wichtigsten Autoren Russlands gehört (hat) und seine Werke eine erstaunliche Aktualität aufweisen, was mir gerade beim Schreiben dieser Zeilen eine dicke Gänsehaut beschert.

Insgesamt liest sich diese Rezension wahrscheinlich eher nach 5* denn nach 4* (und die Gestaltung als solches hat mindestens 6* verdient). Aber da es keine „Wohlfühllektüre“ war, kann ich mich nicht dazu durchringen, die Bestnote zu zücken. Aber tendenziell ist die Bewertung eher mehr an der 5 als an der 4.

Eine Leseempfehlung spreche ich somit natürlich aus, allerdings sollten die „Aufzeichnungen…“ nur gelesen werden, wenn man sich in einem stabilen Zustand befindet – sonst besteht aus meiner Sicht die Gefahr einer depressiven Verstimmung.

©kingofmusic

Cover des Buches Aufzeichnungen aus dem Untergrund (ISBN: 9783717525363)

Rezension zu "Aufzeichnungen aus dem Untergrund" von Fjodor M. Dostojewski

Ein LovelyBooks-Nutzer
„Aufzeichnungen aus dem Untergrund“ von Fjodor M. Dostojewski

>>Ich vermochte nicht nur nicht bösartig, sondern auch sonst nichts zu sein: nicht böse noch gut, nicht Mistkerl noch Ehrenmann, nicht Held noch Insekt. Und nun friste ich mein Leben in meinem einsamen Winkel und verhöhne mich selbst,...<<

„Aufzeichnungen aus dem Untergrund“ von Fjodor M. Dostojewski ist anlässlich des 200. Geburtstags am 11.11.2021 eine Neuübersetzung durch Ursula Keller, erschienen im Manesse Verlag. Zuerst einmal muss man sagen, dass dieses neue Gewand wirklich gelungen ist und für mich einen Teil der Stimmung dieser besonderen 'Aufzeichnung' gut einfängt! Insgesamt finde ich, beweist der Manesse Verlag bei der Gestaltung der neu aufgelegten Klassiker ein sehr gutes und geschmackvolles Händchen, wie ich finde. Auch die Übersetzungen empfand ich bisher als wirklich gut und vor allem immer mit den nötigen Erklärungen und Nachweisen etc. zum Verständnis.

Nun kommen wir aber zu Dostojewski's Werk... und hier maße ich mir nicht an eine Kritik, geschweige denn eine fachlich fundierte Analyse oder Dergleichen zu schreiben, da ich dafür gar nicht den nötigen fachlichen Backround habe. Viel mehr möchte ich auch hier auf mein Lesegefühl eingehen.
Innerhalb eines Monologs lässt der Ich-Erzähler uns hier sehr an seinen Gedanken teilhaben, diese zeugen nach meinem Empfinden von größtem Groll gegen Menschen und nicht zuletzt auch gegen sich selbst. Gleich zu Beginn setzte sich für mich eine melancholische aber auch sehr aggressive, mitunter von Ironie behaftete freche und negative Grundstimmung ein, die sich beim lesen durch das ganze Werk zog und mich dieses Buch hat wirklich nur in Häppchen lesen lassen können. Denn diese Negativität schlug auf mich als Leser über und es viel mir mitunter auch ein bisschen schwer mich von den Gedanken, die damit einher gingen loszureißen.
Letztlich übt der Ich-Erzähler hier nicht nur Kritik an sich selbst und anderen Menschen gegenüber, er benennt letztlich eben auch die Fehler im System und was daraus resultiert. Er greift alte Muster auf und zeigt, dass der Mensch aus seinen Fehlern letztlich nicht lernt, sondern diese wieder und wieder macht. Man schaut in den Spiegel und sitzt gleichzeitig in einem dunklen Loch, so hat es sich für mich beim Lesen mitunter angefühlt.
Letztlich war „Aufzeichnungen aus dem Untergrund“ eine echte Herausforderung, die ich ganz sicher nicht in Gänze aufnehmen konnte, dafür braucht es nach meinem Empfinden noch ganz ganz viele Blickwinkel mehr auf die Erzählung und auch vom Verständnis wesentlich mehr Hintergrundwissen. Aber mich hat dieses Buch sehr neugierig gemacht, wer Dostojewski ist, wie er gelebt hat, was sein Leben geprägt hat, mit welchen Menschen er sich umgeben hat und vor allem was vielleicht Auslöser, Ereignisse waren, die ihn haben solch eine innere Dunkelheit schreiben lassen. Und nach ein bisschen mehr Hintergrund zum Autor selber, gelingt mir dann vielleicht auch ein weiterer etwas veränderter oder erweiterter Blick auf sein Werk. 

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