Ursula Krechel

 4,2 Sterne bei 131 Bewertungen
Autorin von Landgericht, Shanghai fern von wo und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Die deutsche Schriftstellerin Ursula Krechel wurde am 04.12.1947 in Trier geboren. Heute lebt die Autorin, die Mitglied des P.E.N.-Zentrums Deutschland ist, in Berlin. Ursula Krechel absolvierte im Anschluss an ihr Abitur ein Studium der Germanistik, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Köln. Bereits während ihres Studiums, das sie 1972 mit der Promotion abschloss, war sie nebenbei als Redakteurin für den Westdeutschen Rundfunk und den Kölner Stadt-Anzeiger tätig. Von 1969 bis 1972 war sie als Dramaturgin an den Städtischen Bühnen in Dortmund tätig und verantwortliche Leiterin von Theaterprojekten mit jugendlichen Strafgefangenen. Ab 1972 ist sie als freie Schriftstellerin tätig und lebte zunächst in Frankfurt am Main. Der Schwerpunkt ihres literarischen Schaffens liegt auf der Lyrik, anfangs noch von Frauenbewegung und neuer Subjektivität, später dann häufig vom Surrealismus beeinflusst. Darüber verfasste Ursula Krechel Prosawerke, Theaterstücke und Hörspiele veröffentlicht. 2012 gelangte ihr Roman "Landgericht" auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2012 und setzte sich am Ende gegen die Konkurrenz durch. Ursula Krechel ist somit die Preisträgerin des Deutschen Buchpreises 2012 und wurde zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse am 08.10.2012 von der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung geehrt.

Neue Bücher

Cover des Buches In Zukunft schreiben (ISBN: 9783311151371)

In Zukunft schreiben

Erscheint am 18.02.2026 als Taschenbuch bei Kampa Verlag.

Alle Bücher von Ursula Krechel

Cover des Buches Landgericht (ISBN: 9783442746491)

Landgericht

(66)
Erschienen am 14.07.2014
Cover des Buches Shanghai fern von wo (ISBN: 9783311151111)

Shanghai fern von wo

(24)
Erschienen am 20.03.2025
Cover des Buches Sehr geehrte Frau Ministerin (ISBN: 9783608966534)

Sehr geehrte Frau Ministerin

(15)
Erschienen am 11.01.2025
Cover des Buches Geisterbahn (ISBN: 9783990272190)

Geisterbahn

(6)
Erschienen am 06.09.2018
Cover des Buches Vom Herzasthma des Exils (ISBN: 9783768198523)

Vom Herzasthma des Exils

(2)
Erschienen am 12.07.2025
Cover des Buches Ungezürnt (ISBN: 9783518392829)

Ungezürnt

(2)
Erschienen am 25.11.1997
Cover des Buches Technik des Erwachens (ISBN: 9783518404317)

Technik des Erwachens

(2)
Erschienen am 01.02.1998
Cover des Buches Geisterbahn (ISBN: 9783442718702)

Geisterbahn

(2)
Erschienen am 13.07.2020

Neue Rezensionen zu Ursula Krechel

Cover des Buches Sehr geehrte Frau Ministerin (ISBN: 9783608966534)
Hannelore_Seidels avatar

Rezension zu "Sehr geehrte Frau Ministerin" von Ursula Krechel

Hannelore_Seidel
Toxische Beziehungen von der Antike bis in die Gegenwart

„Ein radikal gegenwärtiger Roman über die abgründigen Beziehungen zwischen Söhnen und ihren Müttern.“ So lese ich es vorab, meine Neugier ist geweckt.

„Beste Mutter, optima mater, nannte Kaiser Nero seine Mutter Agrippina in seiner Thronrede.“ Später spielt er seine Macht aus, er sieht in ihr zunehmend eine Bedrohung und lässt sie schließlich umbringen. Dieser geschichtliche Hintergrund zieht sich durch das Buch, was mich anfangs irritiert hat. Eben war noch die Rede von dem brutalen römischen Kaiser…

…im nächsten Satz bin ich im Jugendzimmer von Eva Pataraks Sohn Philipp, der sich hinter seinen digitalen Spielen verschanzt. Er redet nicht, zumindest beschränkt er sich auf das Allernotwendigste, verbarrikadiert sich hinter der Tür seines Zimmers. Seine Mutter schafft das Geld ran, sie arbeitet in einem Kräuterladen, dessen Produkte sie sich nicht leisten kann. Irgendwann dann wird sie wegrationalisiert. Eine Frau mit einer roten Mütze scheint eine Stammkundin zu sein…

…sie ist Lateinlehrerin, Silke Aschauer ihr Name. Allerdings bleibt sie bei der Beschreibung „Frau mit roter Mütze“, denn so hat sie sich nun mal eingeführt in diese Erzählung. Sie wird in Teil II ab ovo noch mehr sichtbar.

Bleibt noch die Frau Ministerin, an die sie sich wenden, sie ist hier namenlos. Begegnet sind wir ihr schon durch die an sie geschriebenen Briefe, die zwischendurch zu lesen sind.

Es sind drei Frauen, die – jede auf ihre Weise – mit dem Patriarchat zu tun haben. Es geht um Gewalt in der Antike, um Unterdrückung, um spezifische weibliche Leiden, um Gewalt im politischen und gesellschaftlichen Sinne, um das Böse, das der grausame Kaiser Nero verkörpert, das sich durch die Zeiten bewegt bis hin zur Gegenwart.

Es sind drei Teile – I Eva, II ab ovo und III als ob - und viele Themen, die Ursula Krechel aufmacht, dabei ist sie trotz des nüchternen Erzähltons ganz nah bei ihren Figuren wie etwa beim Kranichzählen im Moor oder einem Hörtest und noch so einigem mehr.

Das Buch ist anspruchsvoll, es fordert ein konzentriertes Lesen. Den Zeitsprüngen, die mich anfangs irritiert, ja sehr gestört und den Lesefluss stark beeinträchtigt haben, kann ich jetzt, nachdem ich den Roman beendet und ihn nochmal habe Revue passieren lassen, doch so einiges abgewinnen.

Cover des Buches Landgericht (ISBN: 9783899644821)
lakitas avatar

Rezension zu "Landgericht" von Ursula Krechel

lakita
Und die Geschichte hat sich nicht geändert.

Frau Krechel hat ein Thema gewählt, das bisher fast schon sträflich vernachlässigt wurde. Sie stellt in ihrem Roman die Frage, wie es den überlebenden Juden in der Nachkriegszeit erging, die bereit waren, in Deutschland zu leben und zu arbeiten. Sie schildert eindrucksvoll das Scheitern des Landgerichtsrichters, der in jeder nur erdenklichen Hinsicht daran gehindert wird, ein normales Arbeitsleben zu führen, weil eben der völkische Judenhass nicht einfach beiseite gewischt werden kann. Sie zeigt auf, wie tief in den Köpfen der Deutschen diese Ablehnung steckt und wie hochperfide dieser Landgerichtsrichter fertig gemacht wird. Mobbing, diesen Begriff gab es damals noch nicht, vom Feinsten. Sie schafft es damit, dass man automatisch mitfühlen und miterleben kann, wie dieser Mann auch in seinem familiären Umfeld scheitert, wie auch er ob all der gegen ihn gerichteten Abneigung und Ablehnung nicht aus seiner Haut zu schlüpfen vermag und wie am Ende seine Widersacher erfolgreich sind. Frau Krechel macht überdeutlich, dass man nicht einfach die Entschuldigung anführen kann, dass die Nachkriegszeit ausschließlich damit befasst war, das zerstörte Deutschland wieder aufzubauen und man deswegen sich nicht um ideologische Wandlung kümmern konnte.Nein, im Gegenteil, die Widersacher des Landgerichtsrichters gehen gezielt und symstematisch gegen ihn vor und keiner kann von sich behaupten, er hätte nicht anders können. Dieser Roman rüttelt auf und zeigt mit dem Finger auf  eine Nachkriegsgeneration, die immer noch tief im Judenhass steckengeblieben ist. Sie zeigt diese Versäumnisse, sich der eigenen Verantwortung endlich bewusst zu werden, deutlich und empathisch auf. 

Cover des Buches Vom Herzasthma des Exils (ISBN: 9783768198523)
Johanna_Bes avatar

Rezension zu "Vom Herzasthma des Exils" von Ursula Krechel

Johanna_Be
Exil und Asyl in der Literatur, in Geschichte und Gegenwart

Thomas Mann schrieb 1945 vom „Herzasthma des Exils, d[er] Entwurzelung, d[en] nervösen Schrecken der Heimatlosigkeit“. Die Büchner-Preisträgerin Ursula Krechel geht in ihrem großen neuen Essay (dem das Zitat Thomas Manns den Titel gab) diesen Gefühlen nach. Die Verletzung und die Entwurzelung von Menschen, die gezwungen sind, ihr Land zu verlassen, darum geht es. In einem kulturgeschichtlichen Streifzug durch Geschichte und Literatur schreibt sie, was es mit Menschen macht, wenn sie gezwungen werden, ihre Heimat zu verlassen. Sie bleiben im Dazwischen. Die Zukunft ist abgeschnitten.

Krechel beginnt ihren Essay mit Goethes Novellensammlung „Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten“, erzählt vom Exilanten Adalbert von Chamisso, den man heute nur mehr wegen seines „Schlemihls“ kennt, von der Verfolgung von Karl Marx und den schwierigen Lebensbedingungen seiner Familie, von Heinrich Heine, von den Auswanderern, die dem Hunger entkommen wollten und auf Ellis Island kategorisiert, eingelassen oder zurückgeschickt wurden. Von der Flucht der Armenier Anfang des 20. Jahrhunderts. Von den Flüchtlingsschiffen voller Juden, die dem Naziterror entkommen wollten, und der Unbarmherzigkeit der Regierungen, die sie nicht aufnahmen. Und wer weiß schon, dass seit “den Dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts […] die Straßenkehrer und die Lumpensammler in Paris Deutsche [waren], die ihre Dörfer, vorwiegend in Oberhessen, verlassen hatten, weil sie dort ohne Perspektive waren.“ Erschütternd die Auszüge aus einem Buch über „offiziell dokumentierte Todesfälle von Flüchtlingen in den Jahren 1993 bis 2018“. Leid auf der einen Seite, Abwehr, Angst und Rassismus auf der anderen Seite.

Krechel zitiert Milena Jesenskà, die 1937 eine Flüchtlingsunterkunft besuchte: „Es sind fremde Menschen, sie sprechen eine fremde Sprache und sie kommen aus einem fremden Land. […] Aber die Menschen stehen da und dürfen nicht arbeiten, sie hören die Zeit verrinnen, stehen da und warten auf morgen“. Depression und Verhinderung von Integration sind die Folgen. Nicht nur damals.

Krechel erhebt Klage. Und das tut sie plastisch und eindrucksvoll.

Sehr lesenswert!

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Zusätzliche Informationen

Ursula Krechel wurde am 04. Dezember 1947 in Trier (Deutschland) geboren.

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von 3 Leser*innen aktuell gelesen

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