Ursula Krechel Shanghai fern von wo

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Inhaltsangabe zu „Shanghai fern von wo“ von Ursula Krechel

Vielfach ausgezeichnet: Rheingau Literatur Preis, Jeanette Schocken Preis – Bremerhavener Bürgerpreis für Literatur, Deutscher Kritikerpreis, Josephbreitbach- Preis, Kunstpreis Rheinland-Pfalz Shanghai am Vorabend des Zweiten Weltkriegs. Für Tausende Juden ist es das letzte Schlupfloch. Sie kamen ohne Visum und Illusionen mit einem Koffer und zehn Reichsmark in der Tasche: Anwälte, Handwerker, Kunsthistoriker, und wenn sie in dieser überfüllten Stadt und dem feucht drückenden Klima zurechtkommen wollten, dann waren Erfindungsgabe und Tatkraft gefordert. Ursula Krechels bewegender Roman erzählt von Menschen, die versuchen, das Überleben zu lernen.

unglaubliche Schicksale jüdischer Flüchtlinge während und nach dem 2. Weltkrieg in Shanghai.

— wiebeke
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    Shanghai fern von wo
    Pongokater

    Pongokater

    31. December 2016 um 17:28

    Ursula Krechel hat es geschafft, das schwere Thema in eine federleichte, poetische, aber doch unaufdringliche Sprache zu fassen. Mit ihrem Roman bringt sie Licht in ein Kapitel des deutschen Exils, das vielen nicht bekannt ist. Sie zeigt die Kolonie der Juden, die vor den Nazis flohen und keinen besseren Ort fanden als das offene Shanghai. Krechel führt vor, was es hieß, dort über die Runden zu kommen oder, in einigen Fällen, eben nicht über die Runden zu kommen und zu sterben. Krechel zeigt auch, wie später im Roman "Landgericht" noch ausführlich, dass für die Opfer, die nach Deutschland zurückkehrten, nach 1945 die Leiden nicht vorbei waren. Statt in ein nazifreies Deutschland kamen sie in ein Deutschland, in dem an vielen Stellen noch alte Nazis mit alten Einstellungen saßen. Eine bewegend Lektüre, die lange nachklingt.

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  • Palace of Exile

    Shanghai fern von wo
    PaulTemple

    PaulTemple

    Trotz der täglichen Nachrichten ist es für uns, die gemütlich abends auf dem Sofa sitzen, schwer nachvollziehbar, wie es wohl ist, wenn man alles hinter sich lassen muss, und an einem fremden Ort sein Leben neu aufbauen muss. So ergeht es heute Millionen von Menschen und so ist es auch der jüdischen Bevölkerung im Nationalsozialismus ergangen - sofern sie das Glück hatten, Deutschland verlassen zu können. Einigen von ihnen gelang die Flucht nach Shanghai, für das damals kein Visum benötigt wurde. Ursula Krechel erzählt in ihrem Roman von einigen dieser Auswanderer, die mittellos und nur mit bescheidener Perspektive ihr Leben meistern mussten; vom alltäglichem Glück einen Job gefunden zu haben, vom langsamen Dahinsiechen, von der Frage, ob man wieder zurück nach Deutschland möchte, oder nicht.  Krechel schreibt detailliert und in langen Sätzen, zugleich auch eindringlich und emotional. Sehr zu empfehlen!

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  • Rezension zu "Shanghai fern von wo" von Ursula Krechel

    Shanghai fern von wo
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    12. May 2012 um 12:55

    Nach der Pogromnacht am 9.11.1938 war es für viele deutsche und österreichische Juden endgültig klar. Sie mussten schnellstens das Land verlassen, um der Deportation in die Konzentrationslager zu entgehen. Vieltausendfach ist seit dieser Zeit beschrieben worden die Tragik von Flucht, Ausreiseverhandlungen, Passierscheinen und Ablehnungen derselben. Viele suchten in Nord- und Südamerika Zuflucht, andere auch in den europäischen Nachbarländern, die sich dann aber oft als nicht sicher erwiesen, weil sie im Laufe des im September 1939 von Hitler begonnenen Zweiten Weltkrieges von den Nazis besetzt und sofort mit ihren entsprechenden Judengesetzen überzogen wurden. So wurden Länder wie Holland, Norwegen und Frankreich oft zu tödlichen Zufluchtsfallen für viele Juden. Der vorliegende Roman der Schriftstellerin und Lyrikerin Ursula Krechel erzählt von einem historischen Zeitfenster, das insgesamt 18.000 Juden aus Deutschland und Österreich eine schnelle und nur kurz andauernde Möglichkeit bot, ihr Leben zu retten. In ihrem Buch "Von Wien nach Shanghai" hat Vivienne Jeanette Kaplan 2006 schon davon berichtet, wie ihre Familie bei dieser einmaligen Gelegenheit ihr Überleben sicherte. 1938 hatten die Japaner Shanghai besetzt und so total vom Festland abgeschirmt. Vom Meer aber war es ohne Visum erreichbar und diese Gelegenheit war für 18.000 Menschen jüdischer Abstammung lebensrettend. Sie hatten kurzfristig eine Schiffspassage nach Shanghai ergattert und sahen ihrer neuen Zukunft mit großer Hoffnung entgegen. Zu Hause in Wien oder Berlin wurde Shanghai schnell zur "Arche Noah", dem alten Bild der Rettung vor einer vernichtenden Flut. Dass sie bei ihren unfreiwilligen und völlig ahnungslosen Gastgebern nicht gerade willkommene Gäste waren, war für alle nicht nur überraschend, sondern ein Schock. Wenn man den vorliegenden Roman liest, spürt man fast auf jeder Seite, das sich die zu Hause so schön imaginierte "Arche Noah" als ein Zufluchtsort herausstellte, in dem unsägliche Not und nacktes Elend, beißender Hunger, schlimme Krankheiten und totale Unfreiheit herrschte. Ursula Krechel hat für dieses wirklich großartige Romanprojekt, in dem sie das Schicksal jüdischer Emigranten in Shanghai detailliert beschrieben hat, viele Jahre recherchiert. Das Buch hat sie auf eine auch sprachlich und künstlerisch gelungene Weise aus zahllosen authentischen Berichten zusammengefügt, die sie vor allem in der Wiener Library in London, aber auch in vielen anderen Archiven gefunden hat. "Was ist Tausig für ein Mensch ?" So beginnt ein 500 - seitiger Roman, der nicht nur die Geschichte jenes jungen Rechtsanwaltes aus Temesvar, Tausig, und seiner Frau Franziska erzählt, sondern auch die seines Freundes Ludwig Lazarus, den er auf der Flucht kennen lernt, ein Berliner Buchhändler. Es wird erzählt von Uhrmacher Kronheim, dem Kunsthändler Brieger und den Rosenbaums, die mit einem Koffer voller Lederhandschuhe nach Shanghai gekommen sind, weil sie dort einen Handel beginnen wollen. Mittendrin hat Ursula Krechel wie in einer Art künstlerischem Selbstgespräch Stellen eingeflochten, wo sie große Künstlerschicksale beschwört, etwa als sie Lothar Brieger Briefe an Walter Benjamin nach Paris schreiben lässt, die allerdings unbeantwortet bleiben, oder indem sie Virginia Woolfs Selbstmord erwähnt und Gertrude Steins Hund. Die Autorin begleitet auf eine ganz eigene Weise ihre Protagonisten zwischen 1938 und 1948 durch einen Abgrund. Dabei erfindet sie ziemlich wenig, stützt sich immer wieder auf Briefe und Berichte, und schreibt auch über den vom damaligen jungen Rundfunkattache Erwin Wickert geleiteten NS-Propagandasender. Besonders die Rückkehr der Protagonisten nach Deutschland ist genauestens dokumentiert. Es treibt einem die Tränen in die Augen zu lesen, wie diese Menschen wie Ludwig Lazarus, Ernst Kronheim und Lothar Brieger damals behandelt und "entschädigt" wurden. Ursula Krechel hat viele Details in ihren Roman einfließen lassen und viele politische Anmerkungen gemacht. Entstanden ist ein wunderbarer , großer und ernster Roman, der sich liest wie ein Geschichtsbuch und der in der Reihe der Literatur des jüdischen Exils nach 1938 einen ganz besonderen Platz einnehmen und auch behalten wird. Da ist sich der Rezensent sicher.

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  • Rezension zu "Shanghai fern von wo" von Ursula Krechel

    Shanghai fern von wo
    Karin Bethmann

    Karin Bethmann

    10. September 2009 um 16:40

    Inhalt: Shanghai ist während des dritten Reiches einer der wenigen Orte auf der Welt, an den sich jüdische Emigranten ohne ein Visum flüchten können. Ursula Krechel schildert in ihrem Roman die Schicksale jüdischer Emigranten aus Deutschland und Österreich in der chinesischen Metropole. 18.000 Menschen - unfreiwillig und fast mittellos versetzt in eine fremde Welt, in der ihre Berufe und Talente nichts mehr gelten und in der das mörderische Klima und der Schmutz in dieser Stadt ihnen zusetzt - versuchen jeder auf seine Art zu überleben. Während Franziska Tausig sich an das Rezept für Apfelstrudel erinnert und sich in ihrer patenten Art mit Selbstdisziplin und ihrem eleganten Wiener Charme als Bäckerin in einem Exilanten-Restaurant durchschlägt, setzt ihr Mann - in Österreich vormals ein erfolgreicher Rechtsanwalt - eine Sonnenbrille auf und weigert sich, in Shanghai anzukommen. Der Buchhändler Ludwig Lazarus aus Berlin verhökert Bücher und beobachtet das Fremdsein in der pulsierenden Metropole, deren Glitzer seit je dem ausländischen Geld zu verdanken ist. Der Kunsthistoriker Lothar Brieger unterrichtet seine unwissenden chinesischen Studenten mit Hilfe von Kunstpostkarten, dient sich als Kunsthistoriker einem der reichen sephardischen Juden Shanghais an und lebt davon recht komod. Uhrmacher Heinz Kronheim hat sein Uhrmacherwerkzeug mitgenommen und repariert in Cafés und Restaurants Uhren und Schmuck für die feine Shanghaier Gesellschaft. Max und Amy Rosenbaum nähen Handschuhe und verkaufen sie in „der“ Geschäftsstraße Shanghais. Und selbst im fernen Shanghai versuchen die Nazis, bei ihren Landsleuten die grossdeutsche Ordnung herzustellen. 1943 werden alle Emigranten schliesslich ausgebürgert. Als die japanischen Besatzer Shanghais dem Druck aus Nazi-Deutschland nachgeben und für alle „staatenlosen“ Juden im Stadtteil Hongkou einen Bereich ausweisen, in dem sie zu wohnen haben und damit faktisch ein Ghetto schaffen, wandelt sich das mehr schlechte als rechte Auskommen der Flüchtlinge zum Überlebenskampf. Nach dem Ende des Krieges versuchen die meisten der Exilanten unter grossen Mühen ein Visum für eine neue Heimat zu bekommen. Fast alle von ihnen verlassen Shanghai, aber manche kommen auch in ihrer neuen Heimat nicht an... Kommentar: Seit 1980, als sie zum ersten Mal in Shanghai war, sammelte Ursula Krechel Material zu ihrem Roman. Sie hat für ihren Roman viele Archive durchforstet und die vielen Stimmen der Exilanten zu einem sehr runden Roman verwoben, in dem das Fremdsein, das Warten, die Sehnsucht und das Heimweh wie Schatten über den Hauptdarstellern liegen. Ihre poetische Sprache vermittelt sehr glaubwürdig das Gefühl des Nicht-Angekommenseins, des Nicht-Heimischwerdens. Shanghai hat sich seit dem Ende des 2. Weltkriegs extrem stark verändert und die Zeit im Exil ist wesentlich härter gewesen und vor allem war der Aufenthalt unfreiwillig - trotzdem findet man sich als „expatriate“ in vielen Beobachtungen und Gedanken, die die Autorin ihren Personen unterlegt, sehr gut wieder. Die Schrifstellerin hat für das Buch mehrere Literatur-Preise erhalten - zu Recht. Man kann diesem Buch nur noch mehr Aufmerksamkeit wünschen und es vor allem allen „Heimatlosen“ ans Herz legen.

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