Ursula Neeb Die Siechenmagd

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Inhaltsangabe zu „Die Siechenmagd“ von Ursula Neeb

Ursula Neebs Roman lässt das spätmittelalterliche Frankfurt in all seinen Facetten auferstehen. Mäu, die Tochter des städtischen Abdeckers, sucht in der Stadt am Main ihr Lebensglück – doch im ständisch geprägten Frankfurt bleibt für sie nur ein Platz am Rande der Gesellschaft. Als sie sich auflehnt, zerbricht sie fast an den Regeln und Gesetzen einer Welt, die für Freiheit und Liebe keinen Platz hat. Mit großem historischen Wissen und Feingefühl stellt die Autorin das historische Frankfurt und seine Vororte vor, zeigt das Leben seiner Bewohner und breitet das ganze Panorama einer Zeit zwischen Lebenslust und Todesangst aus.

gut recherchiert, historisch informativ, Handlung rückt allerdings dadurch sehr in den Hintergrund

— Engel1974

Frankfurt im Jahre 1506; wie war es in jener Zeit ein weiblicher Teenager aus ärmlichen Verhältnissen zu sein? Wahrlich nicht leicht!

— Buecherspiegel

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    Die Siechenmagd

    Gwhynwhyfar

    24. November 2016 um 12:43

    »Niemand geht zur Beisetzung eines Henkers!, sinnierte Meister Hans bitter. ... Durch die Berührung mit dem Schwert eines Herrschers konnte so die alte Unehrlichkeit vom Henker genommen werden. Er durfte sich dann ein anderes Handwerk wählen, dass aber immer unter den unehrlichen Berufen angesiedelt sein musste, denn die Aufnahme in eine rechtschaffene Zunft konnte ein ehemaliger Henker niemals erlangen.«Ursula Neeb entführt uns nach Frankfurt ins 16. Jahrhundert. Wer Frankfurt kennt, fühlt sich durch die alten Gassen begleitet, wunderbar beschrieben, lernt man, was es mit dem Gutleutviertel auf sich hat. Strenge Sitten und Bräuche teilten die arbeitende Bevölkerung in ehrliche und unehrliche Schaffende ein. Die Ehrlichen wären allerdings ohne die Unehrlichen in ihrem Dreck versunken. Es sind Menschen, die den Schmutz und andere unangenehme Dinge entsorgen, Berufe mit wenig Ansehen, die die in den Außenbezirken der Stadt wohnten. Maria, genannt Mäu, ist die Tochter des Abdeckers. Er sammelt wilde Hunde von der Straße auf, tötet sie und zieht ihnen das Fell ab, macht daraus Handschuhe. Auch rei-nigt er unter anderem die Kloaken der feinen Bürger, holt die Toten vom Galgen, be-gräbt sie außerhalb der Stadt. Für jede Arbeit zieht er einen anderen Kittel an, damit man den Unreinen erkennt. Arbeitszeiten sind vorgeschrieben, der Bürger möchte nicht belästigt werden. Die Familie wohnt im Galgenviertel, das Viertel der Unehrli-chen, Tante von Mäu ist eine Hübscherin, eine Hure. Die Mutter arbeitet auf dem Gut-leuthof als Siechenmagd, der von den Spenden der Reichen finanziert wird, auf dem Lepröse weggesperrt werden. Auch Begüterte können von der Krankheit befallen werden. Sie haben dort die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, ein behagliches Lebens-ende zu führen, allerdings ausgeschlossen von der Gesellschaft. Ob Arm oder Reich, auf dem Siechenhof ist man unter sich, Brüder und Schwestern. Wer Geld hat, kann sich Bedienstete leisten, Medikamente, üppiges Essen, Wein und alle Annehmlichkeiten, die er sich kaufen kann. Ein mächtiger Herr zieht ein und die Mutter holt Mäu auf den Gutleuthof, damit sie für den Mann als Siechenmagd dienen kann. Guter Lohn, feines Essen und beim Ableben des Herren winkt eine vorteilhafte Abfindung.»Seine Leute, die zu Hause in seinem behaglichen Stadthaus saßen, sich wohlergehen ließen und die reichen Früchte seines Geschäfts ernteten, das er durch ein Leben voller Arbeit zum Blühen gebracht hatte, sollten es jedenfalls nicht bekommen! Für sie galt er als tot, verbannt ins Reich der Toten, weit abgesondert von der Welt der Gesunden.«Mäu hat die Wahl: Einen ekelhaften Tölpel zu heiraten, den der Vater ausgesucht hat, um das Geschäft des Alten zu übernehmen oder als Magd für einen Leprakranken zu arbeiten. Beides schmeckt ihr nicht, sie hat andere Ziele, Träume. Was bleibt ihr aber anderes übrig? Sie beginnt ihren Dienst als Magd, doch der reiche Kaufmann kann die Finger nicht von dem hübschen Mädchen lassen. Mit viel Sachkenntnis bringt uns die Autorin das mittelalterliche Leben nahe. Berufe, Sitten und Gebräuche, das alltägliche Leben in einer Stadt wird authentisch geschildert. „Strafe Gottes“, wie man die Lepra nannte, war in Europa damals weitverbreitet. Wer mit dem Aussatz befallen war, wurde expatriiert. Bis heute ist die Ursache der bakteriellen Krankheit unbekannt und auch die Heilung nicht immer gewährleistet. Die Autorin schildert nicht nur, wie es in einem solchen Siechenheim zuging, sondern auch, wie man sich als Aussätziger fühlt, verbannt aus der Gesellschaft, von der eigenen Familie verstoßen.Plastisch geschildert, sieht man die Figuren des Romans vor sich: Reiche Kaufleute, Bettler, fahrende Händler, Gaukler, Hübscherinnen, den Angstmann (Henker) oder den Bettlervogt, der offiziell dafür sorgen musste, dass nur die bettelten, die nicht mehr arbeiten konnten und nicht arbeitsscheues Volk. Besonders ausführlich be-schreibt Ursula Neeb die unehrlichen Berufe, ihre Stellung in der Gesellschaft, ihre harte Arbeit. Korruption, Bestechung, wer Geld hat, kann sich einiges leisten, dem wird geglaubt. Marktgeschehen ist glaubwürdig dargestellt, man kann die Gerüche förmlich aus dem Buch herausriechen, wie auch andere unangenehme Düfte. Die Sprache ist authentisch dem Mittelalter angelegt, in angemessenem Tonfall, ge-spickt mit zeitgemäßen Ausdrücken. Endlich mal ein Buch, das sich mit der realen Zeit befasst und der Leser sicher Dinge erfährt, die ihm vorher unbekannt waren. Aus diesem Grund sticht der Roman positiv aus allen Mittelalterromanen hervor. Aber nicht nur das. Die Autorin zeigt schonungslos das Rechtsgebaren zu dieser Zeit. Recht und Ordnung existieren, werden aber unterwandert durch Standesdünkel, Bestechung, Missachtung. Klar werden Gesellschaftsstrukturen aufgezeigt und bitter stößt das von vielen verehrte Mittelalter auf. Klare Linien der Wohnorte, Berufe und damit sich nichts ändert, darf niemand nach »oben« heiraten. Neeb zeigt die Gerichtsbarkeit auf, die Executive, die haarsträubenden Zustände in den Gefängnissen. Zu gleicher Zeit hatten Gefangene in England das Recht des täglichen Ausgangs auf dem Hof, an-ständiges Essen, ein Wannenbad pro Woche, ärztliche Behandlung, eine Hängematte zum Schlafen. Revidiert man die Verhältnisse in Deutschland zur zeitgleich, läuft es dem Leser eiskalt über den Rücken. Wer eine Schmonzette erwartet wird enttäuscht sein, denn dieser ordentlich recherchierte Roman zeigt schonungslos die Realität des Mittelalters und daher meine Leseempfehlung für alle Geschichtsfans.

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  • Mein Leseeindruck

    Die Siechenmagd

    ChattysBuecherblog

    04. November 2016 um 08:25

    Schon die ersten Seiten haben mich gefangen genommen. Durch die sehr direkte Sprache mit kleinen dialektischen Einwürfen, taucht der Leser direkt in das Jahr 1506 in Frankfurt ein. Man fühlt sich sofort mittendrin und liest nicht nur, nein, man empfindet dieses Buch. Schnell wird auch klar, dass die Autorin dem Leser die Welt der Unehrbaren näher bringen möchte. Dieses verpackt sie sehr beeindruckend in die Geschichte der 15jährigen Mäu. Erschreckend liest man, wie die Menschen ihre Rechte verloren, aus der Stadt und Gesellschaft verbannt wurden, und das nur, weil sie krank waren. Klar, sie stellten eine Gefahr für die anderen Bewohner dar, aber die Vorgehensweise war alles andere als nett und menschlich.Schon die Untersuchung vor dem Ausschuss fand ich entwürdigend. Gut, dass sich diesbezüglich die Zeit doch etwas geändert hat.Auch die Gedanken und Gefühle der 15jährigen werden sehr gut in Worte gefasst. Allerdings war sie mir stellenweise etwas zu aufmüpfig und Vorlauf, ihren Eltern gegenüber, die hier auch eine sehr große Schmerzgrenze zeigten, da keine bzw. kaum Grenzen aufgewiesen wurde. Und das wohlgemerkt, in 1506. Stellenweise hatte ich auch den Eindruck, als das die Autorin nicht so recht wusste, ob sie die Protagonisten eher kindlich oder bereits erwachsen wirken lassen sollte. Ich meine jedoch, dass zu damaliger Zeit ein Mädchen in diesem Alter schon sehr erwachsen wirkte. Schließlich war sie im heiratsfähigen Alter. Fazit: Bis auf ein paar Kleinigkeiten (siehe oben) hat mir dieser historische Roman sehr gut gefallen. An manchen Stellen mag er zwar etwas holprig wirken, dennoch lässt es sich sehr gut lesen. Und durch die dialektischen Sätze wirkt alles ziemlich authentisch.

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  • Leserunde zu "Bücherwürmer und Leseratten" von Bettina Mähler

    Bücherwürmer und Leseratten

    ChattysBuecherblog

    Wie Ihr aus dem Titel entnehmen könnt, treffen sich hier die Bücherwürmer und Leseratten. Und zwar zum gemeinsamen SUB-Abbau. Oft stehen wir vor dem Regal und fragen uns, welches Buch wir als nächstes lesen sollen.  Hier kommt die Lösung. Wir lesen einfach nach einem Monatsmotto. Das Ganze funktioniert so: Ich gebe jeweils zum Monatsanfang ein neues Motto bekannt (siehe Unterthema) und dann heißt es: ran an die Bücher...ran an den SUB. Viel Spaß!

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  • Die Siechenmagd

    Die Siechenmagd

    Engel1974

    20. June 2016 um 13:14

    Der historische Roman „Die Siechenmagd“ war 2007 das Debüt der Autorin Ursula Neeb. Nun ist er in der Neuauflage im Gmeiner Verlag erschienen.   Um was geht’s? Die Autorin entführt ihre Leser ins mittelalterliche Frankfurt. Mäu, die Tochter des städtischen Abdeckers, sucht in der Stadt ihr Lebensglück, doch leider bleibt ihr nur ein Platz am Rande der Gesellschaft. Als sie sich auflehnt, zerbricht sie fast an den Regeln und Gesetzten einer Welt, die für Freiheit und Liebe keinen Platz hat.   Meinung: Dies ist der erste Roman, den ich von der Autorin gelesen habe. Der Klapptext und auch der Titel klingen interessant und so hatte ich mich auch auf das Lesen gefreut. Leider wurde ich sehr schnell enttäuscht. Der Schreibstil ist wenig überzeugen, sehr schwer zu lesen, enthält viele Fremdwörter und der „Frankfurtische“ Dialekt wirkte irgendwie gezwungen und war letztendlich schon nervig.   Sehr schön sind die detaillierten Schilderungen des Mittelalterlichen Frankfurts, da ist es der Autorin sehr gut gelungen Frankfurt im 16. Jahrhundert mit all seinen Facetten darzustellen. Leider rückt so auch die eigentliche Handlung weit in den Hintergrund, denn im Vordergrund hat die Autorin hier die historischen Hintergründe gesehen.   Aufgrund des schweren Schreibstils fiel es mir sehr schwer einen Bezug zu den Personen aufzubauen, sie konnten mich alle insgesamt nicht überzeugen.   In Kürze: Schreibstil: schwerfällig, nicht flüssig zu lesen   Charaktere: konnten mich nicht überzeugen   Inhalt/Handlung: rückt zu sehr in den Intergrund, viel Wert wird auf historische Informationen gelegt   Fazit: gut recherchiert, historisch informativ, Handlung rückt allerdings dadurch sehr in den Hintergrund

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  • Liebe in Zeiten von Pest und Lepra

    Die Siechenmagd

    Buecherspiegel

    08. May 2016 um 09:42

    Wie aus einer Doktorarbeit ein Roman wurde. So könnte die Story auch beginnen. Ursula Neeb war anscheinend so inspiriert vom Thema Mittelalter in Frankfurt, dass ihr dazu ein wunderbarer Roman eingefallen ist und sie den Doktortitel erst mal sausen lässt. Dafür bekommen die Liebhaber des historischen Romans die Geschichte der „Siechenmagd“ serviert. Er spielt hauptsächlich in Frankfurt und beginnt im Jahr 1506, einer Zeit, in der die Pest, Lepra, Hunger und Armut eine wesentliche Bedeutung haben. Ihr Schreibstil ist einfühlsam und fließend, schnell bin ich in der Geschichte und will gar nicht mehr aufhören zu lesen. Mäu, erst 15-jährig und voller Lebenshunger, träumt davon ein besseres Leben zu führen als ihre Eltern und Ahnen. Doch das wird schwer, ist sie doch die Tochter des städtischen Abdeckers, eines Mannes, der weder berührt werden darf von der gemeinen Bevölkerung, noch Freundschaften pflegen kann außer mit seinesgleichen. Gemieden und doch gebraucht, ist er dafür zuständig die Aborte zu lehren, Hunde zu jagen, die Erhängten zu verscharren und viele andere undankbare Aufgaben zu erledigen. Einmal in so eine Familie hineingeboren, hat der älteste Sohn diese Arbeit zu übernehmen und die Tochter in eine andere Abdeckerfamilie einzuheiraten. Doch der Gestank abgezogener Hunde, der Aborte, die harte Arbeit, die Mäu kaum Zeit lassen, um sich mit schönerem zu beschäftigen, und die Abgeschiedenheit, weit weg von Frankfurt am Rande des Flusses leben zu müssen, lässt sie schier verzweifeln. Bei einer weiteren Hinrichtung lernt sie einen Flugblatthändler kennen, mit dem sie am liebsten weiterziehen würde, aber das geht nun mal nicht. Es gab zu dieser Zeit nicht viele, die des Lesens und Schreibens mächtig waren, so waren die Flugblatthändler gern gesehen, brachten sie doch Nachrichten aus vielen Gebieten mit, die sie sonst niemals bekämen. Die Autorin bringt uns in diesen ersten Seiten viel über die damalige Zeit bei, all die vergessenen Berufe, die entsprechenden Kleidungsstücke, wer mit wem verkehren durfte und vieles mehr. Wir lernen einen Bettelvogt kennen, der mit seinen Bütteln an der Stadtmauer in Nischen wohnt, ebenso wie den Schundmummel, oder den Relequienhändel und die Hübscherin, die im Frauenhaus wohnt. Die Muhme (Tante) von Mäu ist eine Hübscherin, die sich nicht verheiraten lassen wollte und ihren Unterhalt lieber auf ihre Weise verdienen wollte. Die Mutter von Mäu arbeitet als Magd im Leprösenheim auch Gutleuthof genannt, um bei einem Siechen ihrem Dienst nachzugehen. In dieses Heim mussten alle, ob arm oder reich, die von einer Prüfkommission bestätigt bekommen hatten, dass sie an Lepra erkrankt waren. Abgeschieden von allen Menschen, die Frankfurt nur an Karfreitag in speziellen Kostümen zum betteln betreten durften, konnten sich aber die Reichen unter ihnen eine Magd leisten, die bestens bezahlt wurden. Auch Mäu, so will es die Mutter, soll nun bei einem neuen Siechen ihren Dienst antreten, denn das Gewerbe des Vaters reicht vorne und hinten nicht zum leben. Mäu wehrt sich zunächst, probiert es aber aus. Als sie sich jedoch in einen Bettler verliebt, mit ihm über das Land ziehen will, wird sie von allen Seiten gestoppt. Der Vater verkauft sie regelrecht an den Siechen, dem sie als Magd dient und ist diesem nun ausgeliefert. Als Freundin dient ihr nur die Ehefrau eines anderen Siechen, die ihrem Ehemann ins Leprosorium gefolgt ist. Diese ist abhängig vom Theriak, ein zum damaligen Zeitpunkt gerne als Universalmittel genommenes Rauschmittel, bei dem auch Opium eines der Bestandteile von ungefähr 70 anderen war. Die Szenen, in der die Autorin beschreibt, wie die Freundin von Mäu nach Einnahme des Tranks auf ein Bild von Hieronymus Bosch schaut und dabei Wahnvorstellungen bekommt, das ist schaurig. Ich habe mir beim Lesen dieses Bild direkt im Internet angeschaut. Die Situation eskaliert, als Mäu sich gegen die wiederholten Annäherungsversuche des Siechen wehrt. Sie muss fliehen, versucht ihre Verfolger abzuschütteln, findet Freunde in der Not. Neeb begleitet nun die Magd in ihren schwersten Stunden. Was folgt ist die Beschreibung des wahren Grauens dieser Zeit im zweiten Teil dieses Romans, nicht weniger ergreifend, als der erste Teil des Buches. Ein gelungener Debütroman. Die Autorin hat bereits weitere historische Bücher und auch Kriminalromane, sie spielen um die Zeit 1835 ebenfalls in Frankfurt, geschrieben.

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  • Rezension zu "Die Siechenmagd" von Ursula Neeb

    Die Siechenmagd

    dyke

    12. November 2009 um 16:48

    Freie Reichsstadt Frankfurt, anno 1506: In der Ständegesellschaft der freien Reichsstadt lebt die Familie Dunckel auf der untersten Stufe des sozialen Gefüges. Der »Schundmummel« Eduard Dunckel verrichtet als Schinder, Abdecker, Kloakenreiniger und Hundshäuter die »unehrlichen« Aufgaben für die Stadt. Seine Frau Anna steht als Magd in den Diensten eines begüterten Aussätzigen auf dem benachbarten Gutleuthof. Die fünfzehnjährige Tochter Maria, von allen nur »die Mäu« genannt, beginnt auf Vermittlung der Mutter ebenfalls als Siechenmagd für einen der begüterten Leprakranken zu arbeiten. Doch dem jungen Mädchen graut es vor der gefährlichen Arbeit beim aussätzigen, ehemaligen Kaufmann Ulrich Neuhaus. Als ihr Herr sie körperlich zu nötigen beginnt, kommt es zum Eklat. Die Mäu flieht vor dem Gesetz und versucht, sich in Richtung Prag durchzuschlagen, um ein neues, besseres Leben zu beginnen. Seit einiger Zeit werden ja „Historische Romane“ von Mittelalter-Romanen deren Hauptprotagonist eine Fraui st, fast schon dominiert. Bedauerlicherweise folgen sie meist dem Aschenputtel-Prinzip, das wohl für die damalige Zeit doch mehr Wunschdenken als Realität ist. In diesem Roman liegt der historische Schwerpunkt auf dem Leben und den Tätigkeiten der Parias, der Unehrlichen, denen man ausweichen muss, die man nicht berühren darf. Das Leben in einer Großstadt des ausgehenden Mittelalters wird durch das Schicksal des Frankfurter Mäu'sche hautnah vermittelt, Regeln und Gesetze, die das Leben der „Unberührbaren“ einschränken, geschickt eingebunden. Unbekannter Berufsbezeichnungen, Redewendungen und regionaler oder gesellschaftlicher Eigenarten werden in einem Anhang erläutert. Endlich ein Roman, der mit eindringlichen Stimmungsbildern und einem spannenden Plot über die damalige alltägliche Gesellschaft und deren Werte und Gefahren informiert ohne je ins schulmeisterliche abzugleiten. Hier wird ein herzzerreißendes Schicksal geschildert, dass den Leser fassungslos und wütend zurücklässt und viele der „historischen Mittelalter-Romane“ als Schmonzetten entlarvt. Auch wenn möglicherweise einigen Lesern die Schilderung des letzten Lebensabschnittes von Mäu zu kurz ausfällt, für mich war es richtig, den es hätte möglicherweise den Eindruck über eine Zeit, in der Freiheit, Liebe und Gerechtigkeit hohle Worte waren, verwässert. Fazit: Wer sich dafür interessiert, wie es in deutschen Großstädten im Mittelalter, nicht nur ausgehenden und nicht nur in Frankfurt, zuging, ist mit dem Roman bestens beraten, daher TOP-Wertung Geschrieben am 09.02.2008

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