Ursula Neeb Madame empfängt

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Inhaltsangabe zu „Madame empfängt“ von Ursula Neeb

Frankfurt, 1836. Eine Serie von Giftmorden an jungen Dienstmädchen, die alle nebenbei der Prostitution nachgingen, lässt die heile Fassade der Stadt am Main bröckeln. Augenzeugen haben keine Zweifel, dass der Täter der besseren Gesellschaft angehört. Der ebenso verschlafenen wie korrupten Polizeibehörde unter der Leitung von Oberinspektor Brand gelingt es aber nicht, dem Mörder auf die Spur zu kommen. Nach dem Dafürhalten von Presse und Obrigkeit handelte es sich bei den Opfern ohnehin um „liederliche Weibsbilder“, deren schlimmes Ende nicht verwunderlich sei. Empört über so viel Unfähigkeit und Ignoranz beginnt die Frankfurter Dichterin Sidonie Weiß, gemeinsam mit ihrem Jugendfreund Johann Konrad Friedrich, auf eigene Faust in den mysteriösen Mordfällen zu ermitteln. Unterstützung finden die beiden bei dem Arzt und städtischen Leicheninspektor Heinrich Hoffmann. Ihre Nachforschungen führen Fräulein Sidonie, Johann und Doktor Hoffmann in die Salons des großbürgerlichen Frankfurts, aber auch in die schäbigen Dachkammern der Dienstboten …

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  • Sehr empfehlenswerter historischer Kriminalroman mit einer tollen Ermittlerin

    Madame empfängt
    PMelittaM

    PMelittaM

    11. January 2014 um 20:53

    1836 werden in Frankfurt am Main mehrere Morde verübt. Die Opfer sind Dienstmädchen, die sich allerdings aus der Not heraus auch prostituierten. Die Polizei ist nicht wirklich engagiert dabei, den Täter zu fassen, zu unwichtig sind die Opfer. Darüber ist Sidonie Weiß, Schriftstellerin und Wohltäterin, äußerst erbost und mischt sich zusammen mit ihrem Jugendfreund Johann Konrad Friedrich in die Ermittlungen ein. Sidonie Weiß ist eine tolle Ermittlerin, Anfang 50 und unverheiratet, gilt sie als „alte Jungfer“, hat aber sicher wesentlich mehr Lebenserfahrung als manch eine verheiratete Frau jener Zeit. Als Schriftstellerin schreibt sie Kriminalromane, Schauergeschichten und Liebesgedichte, sie setzt sich für die Armen ein, sorgt z. B. dafür, dass Kinder regelmäßig Milch trinken können, um Mangelerscheinungen vorzubeugen, und ist allem Möglichen gegenüber aufgeschlossen, sei es Prostitution oder Homosexualität. Sie lässt sich so schnell nicht unterkriegen, kennt Gott und die Welt, ist mutig und entschlossen, ein toller Charakter. Auch die anderen Charaktere hat Ursula Neeb gut gezeichnet. Im Anhang findet sich ein Personenregister, dem man entnehmen kann, wer tatsächlich gelebt hat, bei einigen bin ich wirklich erstaunt, z. B. auch bei Johann Konrad Friedrich, der im Übrigen Sidonie bei ihren Ermittlungen großartig unterstützt, sie aber auch bremst, wenn es nötig ist. Ein männlicher Zweitermittler ist immer mal wieder von Nöten, denn es gibt Orte, an denen Sidonie nicht selbst ermitteln kann. Die Geschichte lebt auch davon, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse jener Zeit einbezogen werden. Leider hat die Autorin kein Nachwort geschrieben, in dem sie Fiktion und Phantasie differenziert, doch schon durch die große Anzahl historischer Persönlichkeiten, die eine Rolle spielen und die Örtlichkeiten, die sie wählt, wie z. B. das städtische Irrenhaus, kann man erkennen, wie gut sie recherchiert hat. Alles wirkt sehr authentisch. Ursula Neeb hat eine Sprache gewählt, die der Zeit angepasst wirkt, Leute aus den niedrigeren Schichten lässt sie zudem oft dialektgefärbt sprechen, die Gebildeten benutzen dagegen viele französische Begriffe. Das gibt einem das Gefühl mittendrin zu sein im Frankfurt der Biedermeierzeit. Sehr oft schreibt die Autorin auch mit einer feinen Ironie, was das Ganze noch gesellschaftskritischer wirken lässt, wenn z. B. die Polizei einen vermeintlich homosexuellen Verdächtigen zum Verhör erwartet, sich in Vorurteile hineinsteigernd schon eine Art Monster erwartet – und dann eine zarte, feine Person kommt. Der Kriminalfall ist interessant, die Ermittlungen Sidonies – aber auch der Polizei – eindrucksvoll dargestelllt, die Auflösung logisch. Sehr gut hat mir auch gefallen, dass die Opfer dem Leser nahe gebracht werden, man erfährt viel über sie, ihren persönlichen Hintergrund, ihre Hoffnungen, ihre Probleme, so dass man auch mit ihnen leiden kann, als sie dem Mörder in die Falle gehen. Schön fand ich auch, dass der Titel der Geschichte im Nachhinein wunderbar zum Roman passt. Abschließend erfährt man im Epilog die weiteren Lebensgeschichten der handelnden Personen, es gibt ein Rezept für Frankfurter Kranz (der im Roman gegessen wird) und das schon erwähnte Personenregister. Hätte die Autorin auch noch ein bisschen zu den tatsächlichen historischen Gegebenheiten erzählt, wäre das Buch rundum perfekt gewesen. Mir hat der Roman sehr gut gefallen, ich würde Sidonie gerne noch einmal in einem weiteren Roman treffen. Von mir gibt es daher volle Punktzahl und eine Leseempfehlung vor allem für Freunde gut recherchierter historischer Kriminalromane. Wer gerne einmal in dieses Genre hineinschnuppern möchte, hätte hier ebenfalls den perfekten Roman dafür.

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  • Rezension zu "Madame empfängt" von Ursula Neeb

    Madame empfängt
    miss_mesmerized

    miss_mesmerized

    28. January 2013 um 20:16

    Frankfurt am Main, 1830er Jahre. Morde an jungen Hausangestellten schrecken die Bankenmetropole auf. Wer hat es auf die jungen Bediensteten abgesehen, die derart verarmt waren, dass sie sich prostituieren mussten, um überleben zu können und dann an den falschen Mann geraten sind? Die Polizei kann recht schnell einen Täter präsentieren, dass dieser ein Alibi hat und gar den Beschreibungen der Augenzeugen entspricht, stört da erst einmal wenig. Lediglich das Fräulein Sidonie Weiß möchte diesen Zustand nicht hinnehmen und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Als angesehene Poetin und Mitglied der Oberschicht erhält sie Einlass in den besten Häusern und dort scheint der Täter seinen finalen Schlag vorzubereiten. Als Krimi deklariert hat der Fall um die Morde auch durchaus eine gewisse Spannung, wenn auch schon bald klar ist, wer als Täter nur in Frage kommt. Dafür rückt dann viel eher die Frankfurter Gesellschaft Mitte des 19. Jahrhunderts in den Fokus und insbesondere die Zustände der Dienstmägde werden drastisch und sehr plastisch geschildert. Daher eher ein Sittengemälde als ein Krimi und unter diesem Aspekt durchaus interessant und unterhaltsam.

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  • Rezension zu "Madame empfängt" von Ursula Neeb

    Madame empfängt
    Henriette

    Henriette

    06. April 2010 um 08:30

    Sidonie Weiß, ledig und von Beruf Dichterin, lebt in Frankfurt. Dort geschehen seit neuestem Giftmorde an jungen Frauen. Es sind Dienstmädchen, die nebenbei noch der Prostitution nachgehen, weil das Geld nicht für den Lebensunterhalt reicht. Die Frankfurter Polizeibehörde nimmt den mutmaßlichen Mörder fest. Dieser Mann erhängt sich, was als Schuldeingeständnis gesehen wird. Sidonie Weiß traut der Frankfurter Polizei nicht und unternimmt eigene kriminalistische Nachforschung und gelangt auf eine heiße Spur …. Die Geschichte von Ursula Neeb spielt Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Autorin beschreibt ein Frankfurt, das starke Klassenunterschiede hat. Die gut gestellten Bürger beschäftigen sich nicht mit den Dienstboten, man kann ihnen grundsätzlich nicht trauen. Daher ist es nicht sonderlich bemerkenswert, dass die Dienstmädchen ermordet werden. Unterschwellig munkelt man, dass sie es sowieso nicht anders verdient haben. Für mich persönlich beginnt das Buch etwas schleppend. Ich hatte mich aufgrund des Klappentextes auf Sidonie Weiß gefreut, die aber erst in der zweiten Hälfte des Buches aktiv wurde. Der Schreibstil wirkte ab und an etwas gestelzt, was aber zum Teil auch in die Geschichte der gut gestellten Bürger und Kaufleute passte. Es war alles gut verständlich geschrieben. Einen Überblick über die beteiligten Persönlichkeiten im Buch konnte man am Ende des Buches nochmals nachschlagen. Ich fand es sehr angenehm und habe es auch genutzt. Als eine sehr gute Idee empfand ich es, das Rezept des Kuchens „Frankfurter Kranz“ mit abzudrucken. Das Cover ist schlicht gehalten. Man sieht eine nachdenkliche Dame im Vordergrund einer altertümlichen Häuserfront. Aufgrund dieses Covers hätte mich das Buch nicht unbedingt angesprochen. Fazit: Alles in allem kann ich von guter Unterhaltung sprechen, trotz schleppenden Beginns. Es ist ein interessanter Krimi, der noch am Ende spannend wurde. Ich vergebe 4 von 5 Sterne.

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