Ursula Pirker Christine Nöstlinger, Die Buchstabenfabrikantin

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Inhaltsangabe zu „Christine Nöstlinger, Die Buchstabenfabrikantin“ von Ursula Pirker

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  • Rezension zu "Christine Nöstlinger, Die Buchstabenfabrikantin" von Ursula Pirker

    Christine Nöstlinger, Die Buchstabenfabrikantin
    HeikeG

    HeikeG

    14. August 2008 um 16:30

    Ist Kinderliteratur Literatur? Dass Kinderliteratur nicht nur Literatur ist, sondern vielmehr zum poetischen Bestand der Literatur in aller Welt gehört, darüber klärt Ursula Pirker mit ihrer wunderbaren Biografie über Christine Nöstlinger. Die Buchstabenfabrikantin auf. Wer kennt sie nicht, die wunderbaren Kinderbücher der 1936 in Wien geborenen Autorin Christine Nöstlinger, seien es die lustigen Geschichten vom Franz, die Trilogie über Gretchen Sackmeier oder vielleicht auch die älteren Bücher vom Gurkenkönig (1972) und "Maikäfer flieg!" (1973). Alle zeichnet eines aus: Es geht so richtig rund in ihnen. Derweil hatte sie anfänglich gar nichts für die Schriftstellerei übrig, nein, da "wollte ich Malerin werden." Doch als sie erkannte, dass ihr Talent nicht ausreichen würde, da "habe ich einen großen Schreck bekommen und geheiratet und zwei Kinder bekommen." Den Schreck hat sie nicht mehr, die Kinder - obwohl "schon ziemlich erwachsen" - aber immer noch. "Auf die Idee, Kinderbücher zu schreiben, bin ich überhaupt nicht gekommen. Ich wollte, weil mir zu Hause mit den zwei Kindern so langweilig war, ein Kinderbuch malen." Dazu hatte sie sich eine Geschichte ausgedacht, die im Endeffekt den Leuten besser, als die Bilder gefallen hatte. Quintessenz: "Dann male ich halt nicht! Dann schreibe ich eben!" Das tut sie schon seit über 30 Jahren und mehr als 120 Bücher sind inzwischen erschienen. Für ihren Erstling "Die feuerrote Friederike" (1970) bekam sie auf Anhieb einen hoch angesehenen Preis in Deutschland, dem weitere folgen sollten. Die wohl höchste Ehrung erhielt die Schriftstellerin 2003 mit dem "Nobelpreis der Kinderbücher" - dem Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis. Auf die Frage, warum sie gerade für Kinder schreibt, antwortet Christine Nöstlinger, dass "es ihr einfacher und plausibler erschien, einem Kind zu erklären, wie es mit der Welt, in der es lebt, umgehen solle, als einem schon vorgeformten und eventuell bereits in seiner Meinung festgefahrenen Erwachsenen." Ein Stück Welt in Sprache umsetzen Ursula Pirker hat ein stimmungsvolles Bild dieser Frau gezeichnet. Sie erzählt uns in äußerst unterhaltsamer Art und Weise die Familiengeschichte und den Werdegang einer Autorin, deren Themen und Sprache unverwechselbar und für ihr Publikum ansprechend sind - "was nicht zuletzt daran liegt, dass sie nur über Dinge schreibt, die sie kennt." Gerade ihre Sprache mit den vielen Wortschöpfungen und Neuzusammensetzungen ist es, "die das absolut ungewöhnlich Frische und Besondere an ihren Büchern" ausmacht. Ihr "Erfolgsrezept" umschreibt Christine Nöstlinger mit "gewissen Vermutungen darüber, was Kinder gerne lesen wollen, und gewisse Vermutungen, was Kinder lesen sollten." Hinzu kommt ein dringendes Bedürfnis, "mir gewisse Dinge aus der Seele und aus dem Hirn zu schreiben." Auch ist sie der festen Überzeugung, dass Kinder gerne lachen und sie mag schwarzen Humor. Mit diesem Rezept hat sie die Kinder immer auf ihrer Seite, wohingegen die Erwachsenen immer etwas "zu bekritteln" hätten. Kritisch äußert sich Christine Nöstlinger in der abnehmenden Fähigkeit der Leser, Bilder im Kopf zu entwickeln. Als Ursache sieht sie die zunehmende "Bildhaftigkeit der Medien, die den Menschen keine Vorstellungskraft mehr abverlangen." Dabei entwickelt sie kluge Lösungsvorschläge: Eine gezielte Leserförderung und nicht die Leseförderung sollten im Vordergrund stehen. ("Lesen die Erwachsenen, dann lesen ihre Kinder auch.") Neben ihren zahlreichen Kinderbüchern hat die Schriftstellerin auch "Erwachsenenliteratur" geschrieben. Ihre Mundart-Gedichte sind Legende. Wundervoll das nachfolgende Gedicht Deutsch versus Wienerisch, welches nur auszugsweise wiedergegeben wird: "Was bei euch eine Griebe ist, ist bei uns eine Grammel, wenn uns der Reis geht, habt ihr einen Bammel! Was bei euch ein Furz ist, ist bei uns ein Schas, und redet ihr Quatsch, erzählen wir einen Kas! … und wenn wir piperln, dann trinkt ihr viel Wein. Wertloser Kram Ist notiges Klumpert, und ein Herz, das laut klopft das pumpert. Brötchen sind Semmeln, Hasenscheiße sind Bemmerln. Ein Hefenapfkuchen Ist ein Germgugelhupf, und türmt sich was auf, dann hat's einen Gupf! … Ein Nasenpopel ist ein Rammerl, und Schweinbauch heißt Wammerl. Wer bei euch einen Pimmel hat, hat bei uns einen Zumpferl, und ein Bleistiftrestchen ist ein Stumpferl. … Maschen sind Schleifen, und keppeln heißt keifen. Ein widerlicher Mensch ist ein Untam, und Schlagobers ist Süßrahm. Oder nennt ihr das süße Sahne? Jedenfalls hat einer, der nach Schnaps riecht, eine mordsdrum Fahne. Aber auch wir sind cool und planschen im Pool, haben einen Walkman, wollen Movies sehn, fühlen uns O.K., super und fit, singen den allerletzten Hit, checken was und fixen, zahlen cash und mixen, brüllen "stopp" und sind am Top." Trotz ihrer 70 Jahre, denkt sie noch nicht ans Aufhören. Bücher schreibt sie weiterhin. "Eine 'Franz'-Geschichte stünde wieder an". Und in einem Buch, das die "Lumpen-Lauretta" heißt, steckt sie zur Hälfte drin. Eine große Fan-Gemeine wird sich darauf freuen können.

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