Auf einer Wanderung bei schönem Wetter in den Bergen, von Alp zu Alp mit Milch frisch von der Kuh, wünschen sich sicherlich viele einmal auszuprobieren wie es ist, einen ganzen Sommer in so einer Idylle zu verbringen.
Die Autorin Ute Braun, gebürtig im Hunsrück ( höchste Erhebung Erbeskopf mit etwas über 800 Metern) lebt diesen Traum schon seit vielen Jahren. Sie führt ein Sommer- und ein Winterleben. In dem Buch "Alpsommer" lässt sie den Leser daran teilhaben.
Das die Bergwelt nur dann eine Idylle ist wenn die Sonne scheint und das Wetter beständig ist, weiß wohl jeder. Selbst da kann es schon genügend Probleme geben, wenn man eine Herde Rinder und Ziegen hüten muss. Auf jeden Fall ist die Arbeit auf einer Alp äußerst hart. Man muss dieses Leben lieben, sonst wird man es kaum ertragen, den ganzen Tag nur in der eigenen Gesellschaft zu verbringen, dazu ganz ohne elektrischen Strom. Das Telefon für den Notfall einen langen Fußmarsch entfernt im Tal. Und trotzdem würde die Autorin ihr Sommerleben nicht missen wollen, wie sie immer wieder in dem Buch betont.
Die Tiere sind ihr ans Herz gewachsen. Neben den Tieren die sie für Bauern des Tales in der Schweiz auf der Alm hütet, betreut sie noch Hühner, Kaninchen, Enten, eine zugelaufen Katze, die rechtzeitig vor Winterbeginn von der Alm verschwindet um im nächsten Jahr pünktlich zum Saisonbeginn ihr Leben wieder mit der Autorin zu teilen. Nicht zu vergessen die beiden Schweine, die Ute Braun jedes Jahr auf der Alm großzieht um sie im Herbst zum Schlachter zu bringen. Aber ihr kurzes Leben sollen diese in Freiheit und mit viel Lebensfreude verbringen. Dass ein Schwein Sonnenbrand bekommen kann, wusst ich bisher auch nicht. Aber so ist es. Die einzige Abhilfe ist Sonnenschutzmittel, insbesondere für die Ohren. Stelle ich mir lustig vor, ein Schwein einzucremen. Und dann natürlich Rufus, der treue Hund.
Morgens warmes Wasser zum Waschen aus dem Boiler ist nicht. Gewaschen wird sich mit kaltem Wasser, das per Schlauch von einer Quelle zum Haus geleitet wird. An heißen Tagen ganz sicher eine angenehme Abkühlung. Doch manche Sommer sind auch kalt und nass. Der Toilettengang auf einem "Wolfsklo" scheint auch nicht gerade ergötzlich. Aber die Autorin gewöhnte sich an alles. Irgendwie klingt es aber auch befreiend, nicht jeden Morgen vor einem gefüllten Kleiderschrank zu stehen und überlegen, was ziehe ich heute an und welches Make-up lege ich auf. Sie braucht Arbeitskleidung und Bergschuhe. Zwar kommt auch ein Lippenstift mit auf die Alm, aber der wird nur zu besonderen Gelegenheiten aufgetragen. Denn da gibt es auch einen guten Freund und Helfer in allen Notlagen, mit dem sie inzwischen ihre Sommer gemeinsam auf der einsamen Hütte verbringt.
Obwohl in dem Buch immer von viel harter Arbeit die Rede ist, klingt es doch romantisch, ganz so, als habe die Autorin Ute Braun den Sinn ihres Lebens auf dieser Alm in der Schweiz entdeckt.