Einfach nur weg

von Ute Schaeffer 
4,0 Sterne bei1 Bewertungen
Einfach nur weg
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Ein fundiertes und ehrliches Buch, welches aufklärt und Anreize zum Nachdenken bietet. Ein Plädoyer!!!

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Inhaltsangabe zu "Einfach nur weg"

Hoffen auf ein Leben nach dem Überleben

Nie zuvor gab es weltweit so viele Flüchtlinge unter 18 Jahren, Tendenz steigend. Nach Deutschland kamen im Jahr 2015 über 30.000 unbegleitete Jugendliche. Sie kommen alleine, sie haben keine Familien mehr oder mussten sie zurücklassen. Viele sind traumatisiert, haben grauenhafte Erfahrungen gemacht, aber sie haben überlebt und sind froh, in Sicherheit zu sein.Es sind mutige und starke Persönlichkeiten.

Ali wurde durch Ebola Waise. Safi und Sami hätten ihre Heimat Afghanistan nicht verlassen, wenn ihre Familien nicht durch die Islamisten terrorisiert und ermordet worden wären. Amina floh vor der Zwangsheirat, Hassan wird von seinem Stiefvater weggeschickt, weil er sich vom Islam abgewendet hat. Sie alle sahen keine Zukunft mehr, wollten oder mussten fliehen. Es sind Jungen und Mädchen aus Syrien, Afghanistan und dem Iran, aus Tschetschenien, aus Sierra Leone, Somalia, Guinea und der Elfenbeinküste. Die Autorin interviewte sechs Monate lang zwölf Jugendliche, die in diesem Band zu Wort kommen. Sie erzählt nicht nur ihre Geschichten, die Schicksale werden kenntnisreich mit Informationen zum jeweiligen politischen Hintergrund im Herkunftslan verknüpft, Fluchtursachen werden erklärt, Fluchtwege nachvollzogen.

Viele Kinder, die zu uns kommen, werden bleiben und ein Teil unserer Gesellschaft werden. Wir sollten wissen, wer sie sind..

Mit dem Erlös dieses Buches werden Flüchtlingsprojekte unterstützt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423261197
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:260 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:18.03.2016

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    Flohs avatar
    Flohvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein fundiertes und ehrliches Buch, welches aufklärt und Anreize zum Nachdenken bietet. Ein Plädoyer!!!
    Ein wichtiger und gut recherchierter Beitrag in Sachen Aufklärung zum Thema Flüchtlingswelle!

    Als allererstes denke ich bei solchen wichtigen Büchern und Tatsachenberichten: Schade, dass ohnehin fast ausschließlich engagierte und interessierte Menschen solche Bücher lesen und sie nur selten bis gar nicht in Reichweite von skeptischen oder gar Hassschmiedenden Personen oder Rechtsextremen gelangen… Denn so ein wichtiges Buch hilft zu verstehen und umzudenken!!!

    Ute Schaeffer hat Fluchtkinder und Jugendliche in sensiblen und vorsichtigen Interviews zu ihren Fluchtgründen und Fluchtwegen befragt und eine Brücke zu ihnen gebaut. In „Einfach nur weg – Die Flucht der Kinder“ hat die Journalistin und Autorin sowie Initiatorin einiger Hilfsorganisationen ihre Erfahrungen und Gespräche mit den unterschiedlichsten Flüchtlingen rezitiert und rekapituliert. Doch Ute Schaeffer geht noch weiter und bringt uns nicht einfach nur Einzelschicksale in Buchform, nein, sie informiert, berichtet über die politische Lage, wirft einen Blick zurück, klärt auf, meldet Nachrichten und wichtige historische Ereignisse. Sie holt das Erlebte hierher und erklärt es uns oft nur unzureichend informierten Lesern und schafft einen ganz neuen Blickwinkel, der doch sehr nachdenklich stimmt. Ohne mahnenden Fingerzeig schafft es die Autorin Schaeffer mit ihrem Buch wachzurütteln und Fakten aufzuzeigen und diesen Menschen hinter dieser Flüchtlingswelle aus unterschiedlichsten Nationen ein Gesicht und einen Namen zu geben.
    Erschienen im dtv Verlag (http://www.dtv.de/buecher/brooklyn_8649.html)

    Inhalt / Beschreibung:
    "Nie zuvor gab es weltweit so viele Flüchtlinge unter 18 Jahren. Die Zahlen steigen, auch in Deutschland. Sie kommen alleine, sie haben ihre Familien verlassen oder haben keine mehr. Es sind mutige und starke Persönlichkeiten. Viele sind traumatisiert und haben grauenhafte Erfahrungen hinter sich. Sie haben überlebt und sind froh, in Sicherheit zu sein. Ali wurde durch Ebola Waise. Safi und Sami hätten ihre Heimat Afghanistan nicht verlassen, wenn ihre Familien nicht von den Islamisten terrorisiert und ermordet worden wären. Mariama floh vor ihrer Zwangsheirat, andere vor einem Schicksal als Kindersoldaten. Sie alle sahen keine Zukunft mehr, wollten weg von Krieg und Gewalt. Es sind Mädchen und Jungen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, Pakistan, aus Myanmar, dem Sudan, Somalia, der Elfenbeinküste, Sierra Leone und Eritrea. Diese Schicksale werden verknüpft mit Informationen zu den Fluchtursachen und Fluchtwegen sowie zum jeweiligen politischen Hintergrund. Viele Kinder, die flohen, werden Teil unserer Gesellschaft werden. Wir sollten wissen, wer sie sind. Mit dem Erlös dieses Buches werden Flüchtlingsprojekte unterstützt."

    Das erwartet uns:
    Autorin Ute Schaeffer geht in die Offensive. Zunächst meldet sie sich in einem Vorwort an die Leser und berichtet von ihrer Herzensangelegenheit und die Zeit, die sie mit den Fluchtkindern in den Sammellagern und Einrichtungen verbracht hat. Sie erzählt aber auch, welche Schwierigkeiten und emotionalen Hindernisse sie behutsam und sensibel bestreiten musste, um die jungen Männer und Frauen zu einem Gespräch zu bewegen. Auch da waren die Reaktionen und Umgangsformen so unterschiedlich und individuell wie die Gründe zur Flucht, wie die Herkunftsstaaten, die Familiengeschichten und die Erlebnisse. Ute Schaeffer gibt das Erzählte von 12 Einzelschicksalen wieder, die nur einen Bruchteil dessen anreißen, was alleinfliehende Kinder bei ihren Strapazen erleben. Sprachbarrieren und Zweifel am Wahrheitsgehalt, sowie bewusste Lücken lassen Ute Schaeffer dazu zu bewegen, diese Barrikaden mit Informationen zum Land, zu den Leuten, zu politischen und religiösen Fakten und Nachrichten zu kompensieren. Entstanden sind Tatsachenberichte, Internetquellen, Literaturverweise und jede Menge Hintergrund aus Religion, Regime, Politik, Länderecht, Geschichte und Nachrichtenkorrespondenz. Am Ende des Buches lädt uns die Autorin dazu ein, über die Risiken und Chancen der Migration und Integration dieser jungen Menschen und deren Familien zu sprechen und zu erkennen, dass so viele Möglichkeiten und Chancen einfach nur genutzt und geboten werden müssen.

    Meinung:
    Mein Interesse, bzw. mein Blickwinkel wurde im Spätherbst 2014 nach Beenden des Jugendromans „Sommer unter schwarzen Flügeln“ von Autor Peer Martin zum Thema Flüchtlinge, Rechtsextremismus, soziales Miteinander, Anschläge und Integration geweckt, bzw. verstellt und geweitet. Dieses Buch gab damals den Ausschlag, Flüchtlinge und Asylbewerber nicht als Schmarotzer oder Risiko zu sehen. Dieses Buch hat meine Einstellung komplett geändert, bzw. mich erstmals Stellung zum Thema nehmen lassen und einen Weitblick geschaffen. Nun war ich sehr erfreut, als ich dieses informative Sachbuch von Autorin Ute Schaeffer zum Thema gesehen habe. Eine wichtige Botschaft und eine sehr wichtige und wertvolle Berichterstattung aus nahezu erster Hand. Da Ute Schaeffer sich hier nicht nur auf die Erzählungen und Tatsachenberichte stützt, sondern das Gesagte soweit auch hinterfragt und recherchiert hat, kann man als interessierter Leser darauf bauen, die Wahrheit zu erfahren und fundierte Hintergründe und weiterführende Fakten zu erhalten. Das gefällt mir ausgesprochen gut. Vieles wusste ich einfach noch gar nicht, da es in den Medien und Schlagzeilen schlicht und ergreifend nicht berichtet wird. Die Kriege und Beweggründe der Afghanen zum Beispiel, deren Flüchtlingsströme werden kaum thematisiert weil der Fokus auf Syrien liegt, dabei wandern schon seit den 70iger Jahren immer wieder Familien pakistanischer oder palästinensischer Wurzeln aus Afghanistan aus und suchen Asyl in Nachbarländern oder auch bei uns in Europa. Schaeffer erklärt die Unterschiede in der Flüchtlingspolitik und die Perspektiven der einzelnen Länder. Warum wollen so viele junge Menschen nach Deutschland oder Schweden? Warum ist Ungarn so unbeliebt? Wie überwindet man die neuerdings errichteten Grenzzäune, wo findet man Kontakt zu den Schleusern? Reist jeder gleich? Oder gibt es auch da Klassenunterschiede? Warum reisen so viele junge Jugendliche allein? Was lassen sie zurück und was wagen sie zu hoffen? Welche Verbindungen haben sie noch zur Heimat? Wie lange dauert diese Flucht? Welche Gefahren? Was bringen diese jungen Menschen mit? Erfahrung? Stärke? Willen? Trauma? Fehlende Schulbildung? Gewalt? … So individuell wie die einzelnen Schicksale, so individuell sind auch die Zukunftsaussichten und Perspektiven. Schön, diese Vielseitigkeit zu erfahren. Und ganz wichtig, diese auch mit politischen Wissen um Land, Leute und Kultur, sowie Religion und Gesetz zu untermalen und verständlich zu machen. Nachdem ich dieses Buch nun gelesen habe, und die 12 Einzelschicksale erfahren habe, muss ich sagen, dass nicht nur Deutschland noch sehr viel tun muss und das die Bevölkerung umdenken muss. Natürlich ist nicht immer alles einfach, Negativschlagzeilen von Vergewaltigungen und Raub machen es auch nicht einfach und sind leider genauso Fakt wie die Berichte über Flüchtlinge, die wirklich in Deutschland ankommen wollen und eine Zukunft aufbauen wollen. Ohne Krieg, Hass und Angst. Denn das sind die meisten, die, die einfach nur weg wollten…
    Das Buch hat mich sehr gut informiert und mir sehr viele Blickrichtungen geboten. Ich habe sehr viel Wissen und Tiefe erlangt. Für mich war es absolut wert mich mit dem Thema zu befassen und die Geschichten und Hintergründe zu erfahren und den ein oder anderen Link aus der Fußzeile zu öffnen und weiterzulesen. Ute Schaeffer hat ein gut organisiertes und strukturiertes Buch geschrieben, was sich auch im Aufbau wiederspiegelt. Die Erzählungen der Fluchtkinder sind in schwarzem Text geschrieben, in einem helleren Schwarz und mit einer anderen Schriftart bietet Ute Schaeffer Hintergründe und weitere Erklärungen sowie Fakten und Schlagzeilen zum Thema. Fußzeilen weisen Quellen und Internetlinks aus. Zu jedem Einzelschicksal der 12 jungen Menschen zeigt sie eine Karte mit der unglaublichen Fluchtroute. Da wird es dem Leser wieder einmal bewusst, was für eine lange und gefährliche Reise durch so viele Nationen überwunden werden musste um dann in Deutschland anzukommen. Begleitet von Tod, Krankheit, Gewalt, Ausbeute, Hunger, Hitze, Hoffnung und Mut. Auch wenn die jungen Menschen viel erlebt haben, so besinnt sich U. Schaeffer darauf kein allzu emotionales und bewegendes Stilmittel zu nutzen. Sie schreibt eher einen Tatsachenbericht mit Abhandlungsfolge. Hier wird wenig ausgeschmückt. Und so scheint es, haben es ihr die Betroffenen auch erzählt. Hier sieht man, dass noch viel verarbeitet werden muss. Denn wer so sachlich und aufbauend erzählt, der hält sich nur an Meilensteinen fest, ohne die Seele zu Wort kommen zu lassen… Es ist noch ein weiter Weg, auch wenn diese 12 jungen Menschen hier bereits angekommen sind.

    Wunderbar gelöst finde ich es auch, dass Ute Schaeffer den Lesern keine Meinung oder keinen Standpunkt aufdiktiert. Sie informiert und berichtet einfach. Das ist ihr Anliegen. Dass, was der Leser für sich daraus macht und wenn, welche Schlüsse er zieht, dass bleibt ihm frei und selbst überlassen. Das lobe ich ihrer Art der Berichterstattung und Aufklärung. Sie lädt uns dazu ein uns zu befassen und zu informieren. Das ist ihr gelungen und das möchte ich lobend hervorheben. Kleinere Anregungen und Kritikpunkte habe ich dennoch, die ich kurz nennen möchte. Die Idee die Reiseroute vor dem Interview (nein, der Text gleicht keinen klassischen Interview!) zu zeigen finde ich absolut wichtig, hier wäre es interessant auf einem Blick noch erfahren zu können, welche Distanz und Wegstrecke überwunden wurde und wie lang die Flucht auf dieser Route gedauert hat, vielleicht auch noch wieviel der Flüchtende dafür bezahlen musste. Das erfährt man zwar aus dem folgenden Text heraus, aber eine kleine Zusammenfassung wäre hier angenehm gewesen. Zudem hätte ich mir ehrlich gesagt etwas mehr Gefühl oder Tragik gewünscht. Aber wenn diese im Gespräch „Stilmittel“ in der Wiedergabe und Rekapitulation einfließen zu lassen. Also ist dieser Kritikpunkt der Ehrlichkeit des Buches und der Autorin geschuldet. Was gut ist.

    Dieses Buch baut Brücken, klärt auf, informiert und bringt uns die Schicksale der Flucht und der Bürgerkriege, sowie der Gewalt und des Terrors etwas näher und bietet uns an, auch die Chancen zu sehen und die Menschen zu verstehen um sie Willkommen zu heißen!

    Ute Schaeffer legt mit ihrem Plädoyer eine umfassende, fundierte Ausarbeitung und Lektüre vor. Ein Tatsachenbericht mit viel Wert, wenigen Emotionen, aber sehr viel Wissen, Hintergrund und Recherche.

    Das Cover:
    Das gewählte Cover ist stimmig und treffend. Es zeigt die Tragödie und Dramatik, die in den Berichten eher weniger zu lesen ist, aber dennoch präsent ist und erst noch verarbeitet werden muss. Ein so emotionales Cover, wie es uns hier gezeigt wird, lässt den Leser natürlich eher zu so einem Buch greifen. Das ist okay, denn das Buch soll und sollte gelesen und erfahren werden. Jedem einzelnen Flüchtling zu liebe.

    Zur Autorin und Initiatorin:
    "Ute Schaeffer war Chefredakteurin der Deutschen Welle und ist heute Leiterin Medienentwicklung und stellvertretende Direktorin der DW-Akademie. Sie hat lange Jahre aus Afrika, Osteuropa und den ararbischen Staaten Bericht erstattet und kennt viele Herkunftsregionen der Flüchtlinge persönlich."

    Fazit:
    Schade, dass solche Bücher ohnehin nur überwiegend von offenen, interessierten und engagierten Menschen gelesen und gekauft werden. So ein Buch sollte auch gern die Gegenseite erreichen und auch den Rechtsextremen oder Hassparolen-schmiedenden Bürgern einen neuen Blick und Hintergrund bieten. Ich bin mehr als froh, von Ute Schaeffers Erfahrungen mit den jungen Flüchtlingen erfahren zu haben und sogleich allerhand Information und Hintergrund geboten zu bekommen. 4 sinnvolle Sterne für so ein wichtiges Buch, was Brücken baut.

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