Ich habe "Evas Töchter" von Kaari Utrio an einem verregneten Samstag auf einem Flohmarkt entdeckt. Zwischen vergilbten Atlanten und alten Kaffeetassen lugte ein schlichter Buchrücken hervor. Ich zog es heraus, mehr aus Langeweile als aus echtem Interesse, und begann zu blättern. Nach den ersten Absätzen war klar: Das nehme ich mit.
Als Geschichtsstudent, der sich sonst durch trockene Quellen kämpft, war ich verblüfft, wie lebendig und frisch dieses Buch daherkommt. Utrio zeigt, dass Frauen in allen Epochen nicht nur Nebenfiguren waren, sondern Königinnen, Händlerinnen, Ärztinnen, Denkerinnen, mit echtem Einfluss auf Politik, Wirtschaft und Kultur. Keine Fußnotenwüste, sondern pralle Geschichten.
Was mich am meisten beeindruckt: Utrio schreibt mit wissenschaftlicher Sorgfalt und gleichzeitig mit dem Schwung einer Erzählerin. Jede Seite machte mir klar, wie einseitig viele Geschichtsbücher bis heute sind. Für mich war Evas Töchter ein Glücksgriff. Eine Entdeckung, die mein Bild von Geschichte spürbar erweitert hat und mich daran erinnert, warum ich überhaupt Historiker werden will. Dass das Buch bereits 1987 erschienen ist, erstaunt umso mehr. Die Autorin war ihrer Zeit hier weit voraus!

