Rezension zu "Sisis letzte Reise" von Uwe Klausner
Die historischen Fakten dieses Krimis sind vermutlich allen bekannt: Der Anarchist Luigi Lucheni ersticht am 10. September 1898 Elisabeth, die Kaiserin von Österreich, in Genf mit einer Feile.
Rund um diesen Mord webt Autor Uwe Klausner seinen Krimi. Er verknüpft dabei gekonnt Fakten mit Fiktion. So führt er mit Cesare Monteverdi, Redakteur der Tribune de Genève, einen interessanten fiktiven Charakter ein. Monteverdi will eigentlich die inkognito reisende Monarchin ablichten, hat aber dann, kurz vor dem Attentat, den Chef der örtlichen Polizei im Gespräch mit Lucheni fotografiert.
Haben die beiden Männer nur rein zufällig miteinander gesprochen oder steckt da mehr dahinter? Oder, könnte es sein, dass durch eine Indiskretion und das dilettantische Vorgehen der Polizei bei der Sicherung des Kais dem Attentat Vorschub geleistet worden ist?
Jedenfalls wird Monteverdi vom Jäger zum Gejagten, denn das Foto darf keinesfalls an die Öffentlichkeit gelangen. Wem kann er noch trauen? Und, was ist, wenn Luigi Lucheni gar nicht der wahre Täter, sondern nur der Erfüllungsgehilfe dunkler Strippenzieher ist?
Die Antworten auf diese und andere Fragen finden sich in einem fesselnden Showdown durch Cesare Monteverdi und seinem Freund.
Meine Meinung:
Der gewaltsame Tod einer berühmten Persönlichkeit bietet immer Raum für Spekulationen. Und hier geht es ja um nichts Geringeres als den Mord an der Kaiserin von Österreich. Ja, die österreichische Geheimpolizei hat im Vorfeld geschlampt, die Kaiserin wollte keinen offensichtlichen Personenschutz und Lucheni war von seiner Mission, eine wichtige Person zu töten, überzeugt.
Die Idee für diesen Krimi ist fesselnd, die Ausführung leider nicht so ganz. Es scheint, als hätte sich Autor Uwe Klausner nicht zwischen einem Kriminalroman und einer Reportage entscheiden können, denn die Geschichte springt ein wenig unmotiviert zwischen beiden hin und her. Zahlreiche, manchmal abrupte Perspektivenwechsel bringen zusätzlich Unruhe in die Lektüre.
Der Schreibstil wirkt ein wenig distanziert und erinnert fast an ein Sachbuch. Es gelingt dem Autor nicht, dauerhaft die Spannung für die Leser aufrecht zu erhalten, und lässt wenig Spielraum für eigene Überlegungen zum Täter und eventuellen Hintermännern.
Die Charaktere bleiben erstaunlich blass, dabei böten Monteverdi und Beaulieu als fiktive Gestalten reichlich Platz für Ecken und Kanten, die sie zu lebendigen Gegenspielern von Lucheni und dem Polizeichef machen hätte können. Lediglich die Kaiserin hat ein wenig Profil. Allerdings gibt es zu ihr ja einige Meter Literatur, in der versucht wird, ihr Wesen zu analysieren. Da lässt sich leicht ein Charakter formen. Inzwischen weiß man ja, dass sie sich Kokain spritzt, an Depressionen litt und „..des Lebens überdrüssig geworden war. Eine Frau, die den Tod förmlich herbeisehnte.“ (S. 128)
Ein bisschen schmunzeln musste ich über das zitierte, in Österreich-Ungarn häufig verwendete Sprichwort:
"Se non e vero – e ben trovato. (Wenn es nicht wahr ist, ist es gut erfunden“)
Das passt hier sehr gut.
Ergänzt wird das Buch durch eine Tatortskizze und das Personenregister.
Fazit:
Wie schon ausgeführt, ist die Idee zu diesem historischen Krimi sehr gut, die Ausführung weniger, deshalb erhält der Krimi 3 Sterne.