Uwe Kopf Die elf Gehirne der Seidenspinnerraupe

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Inhaltsangabe zu „Die elf Gehirne der Seidenspinnerraupe“ von Uwe Kopf

»Uwe Kopfs sardonisches Romandebüt ist brillant und zutiefst erschütternd und voller Heiterkeit.« (Christian Kracht) Es beginnt mit einem Ende. Mit Toms Ende. Im Mai 1998 erhängt sich »der 40-jährige Junge«, auch Jesus genannt, in Hamburg-Barmbek »nach Art der Greise«. Tom ist wohl das, was die Gesellschaft leichtfertig eine gescheiterte Existenz nennt – kein Glück mit den Frauen, ein Gelegenheitsjob als Briefsortierer, auf Suche nach dem Ausweg. Über die Abgründe und Niederlagen wird Tom von seinem Bruder Sören und immer wieder dem nächsten Bier getragen. Doch auf jeden Hoffnungsschimmer, auf jeden Rausch folgt auch Ernüchterung. Bis nichts mehr geht. Am Ende steht die Frage, ob auf seiner Beerdigung, so wie Tom es sich gewünscht hat, »Das Lied der Schlümpfe« gespielt wird. In virtuoser, zugleich radikal einfacher Sprache und mit popliterarischen Anleihen komponiert Uwe Kopf einen witzigen, traurigen, unsentimentalen Streifzug durch Toms Leben. Ein Kaleidoskop des kleinbürgerlichen und prekären Hamburgs der siebziger, achtziger und neunziger Jahre. »Die elf Gehirne der Seidenspinnerraupe« ist kein befindlichkeitsfixiertes Lamento, sondern eine lebenspralle Geschichte, die menschliche Größe und Untiefen in unscheinbaren Momenten findet.

Großartiger erzählter Roman.

— JimmySalaryman
JimmySalaryman

Großartig erzählt, auch wenn man schon jedes Detail kennt, als Überlieferung einer Generation von Gesamtschülern.

— jamal_tuschick
jamal_tuschick

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  • Jever und Rory Gallagher

    Die elf Gehirne der Seidenspinnerraupe
    JimmySalaryman

    JimmySalaryman

    11. June 2017 um 22:30

    Uwe Kopf ist für viele angehende Autoren und überhaupt sehr viele Autoren ein Mentor gewesen. Er hatte radikale (und meiner Meinung nach auch richtige) Ansichten über Sprache und wie man sie benutzen sollte, und dies auch immer wieder unnachgiebig vertreten. Uwe Kopf war vor allen Dingen nicht korrumpierbar. Er hat jeden Fake, jede Pose und jeden Anflug von Falschheit in einem Text sofort gewittert. Legendär seine Schreibregeln für TEMPO, die ja auch viral gegangen sind. Uwe vertrat die absolut reine Lehre. Zweihundert Mal am Tag denke ein Mann an Sex, sagt Tom, Protagonist in Uwes Roman, und Bruder von Sören. Öfter denke er aber an den Tod. Das Buch durchzieht eine Traurigkeit, die nie so offenbar wird, dass sie in Kitsch abdriftet. Es ist aber auch kein schönes, heroisches Scheitern, das ist alles viel zu einfach gedacht. Eine leise, bestimmte Melancholie liegt dem Text zugrunde, er nimmt immer alle handelnden Personen ernst, stellt sein Personal nie aus, lässt ihnen nicht nur die Würde, sondern auch ihr kleines Glück, und sei es nur Mini-Golf. Das Ende geht ans Herz, aber doch wieder anders, als man denkt, als man erwartet. Vieles an und in diesem Roman ist sicher autobiographisch, aber das kann und will ich nicht beurteilen. Es ist die Geschichte zweier Brüder, wie sie jeder auf verschiedene Weise dem Leben entgegentreten, und es ist auch ein wenig die Geschichte der alten Bundesrepublik, die immer im Hintergrund ist und miterzählt wird, aber nie wird es aufdringlich oder verkommt zum Lokalkolorit. Ich werde jetzt ein Jever öffnen und auf Uwe anstoßen. Leider wird er uns keinen zweiten Roman schenken können. Viele vermissen ihn. 

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  • Gallaghers größter Fan

    Die elf Gehirne der Seidenspinnerraupe
    jamal_tuschick

    jamal_tuschick

    15. April 2017 um 19:04

    „Well, I like sherry brandy/ My baby sure like gin“ - Rory Gallagher, Too Much AlcoholEr betet zu Beckenbauer, wenn nach dem fünften Teller Fruchtsuppe in der Verschickung die Blase zu platzen droht. Ob Beckenbauer, Bukowski oder Polanski: in Toms Leben herrscht das Assoziative im Verein mit einer randlosen Unschärfe bis zum Selbstmord. Der Kreis zwischen Kind und Greis schließt sich im Wechsel von zu spät und gar nicht. Tom vergreist im Verlauf seiner Jugend und bleibt doch Kind bis zum Tod mit vierzig im Mai Achtundneunzig. Er nimmt den Mund voll als erzählendes Ich, um sich manchmal im Satz das Wort von einem auktorialen Erzähler widerspruchslos entziehen zu lassen. Dann reißt er es wieder klugscheißend an sich. Obwohl er kaum ein Buch zu Ende gelesen hat, kehrt Tom das Wesentliche der Weltliteratur für den Hausgebrauch zusammen. Trotzdem verdampft die Literatur als Tropfen auf dem heißen Stein, wenigstens im Vergleich zu einer Flasche Jever.Seiner Ursprungsumgebung in Hamburg-Farmsen-Berne bleibt Tom in allen Stadien des an sich erfreulichen Niedergangs erhalten. Er gibt den Mann mit der Ledertasche, siehe Charles B. Er klappert eine Reihe von Gewährsmännern ab, ich nenne Herrn Hirtz, einen taoistisch geschulten Ejakulationsverweigerer. Hirtz verweist auf Dankschreiben zufrieden gestellter Frauen. Er weiß: “Die Männer des Abendlandes onanieren alleine, und wenn sie mit ihren Frauen schlafen, dann onanieren sie praktisch in ihre Frauen.”Das ist natürlich so egal und zu hoch wie das große Latinum für den Baumschüler. Jede Sexchance löst eine Krise aus, die Tom aus der Fassung dreht. Die größte Annäherung an den Normalverlauf bietet Jenny in einer Totalität der Kleinwüchsigkeit. Es folgt eine randalierende Brandenburgerin mit einem Stiefvater wie Würzfleisch, der besungene Todeskampf der titelmelodischen Seidenraupe und Eva, mit der alles anders werden könnte. Seelisch zuhause ist Tom in der Musik von Rory Gallagher. Er trifft den Bluesrocker in einer Corker Kneipe namens Sin é, wo Gallagher schottischem Whiskey den Vorzug gibt und über einen anderen genialen Trinker, den walisischen Dichter Dylan Thomas, kluge Sachen sagt.Das Treffen ist ein Romangipfel. Kopf beschreibt Toms fanatische Befangenheit in Gallaghers Gegenwart als Verhungern vor vollen Schüsseln. Von der Warte der Vernunft wäre das ein Augenblick der Anthropophagie. Man isst, was man auf der Welt am besten findet, sie sich so einverleibend. Doch Gallaghers größter Fan kann aus der Nähe zum Idol keinen Lustgewinn ziehen. Er bleibt auf der Strecke seiner mauen Lebhaftigkeit. Das wird großartig erzählt, auch wenn man jedes Detail kennt, als Überlieferung einer Generation von Gesamtschülern, die von ihren kampferprobten Omas ernährt werden und mit ihren Ahnen in der Versenkung verschwinden. Man wird einmal finden, dass Toms Spielraum als Stadtteilindianer und Nischenbewohner eine Nussecke des unverdienten Glücks war.

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