Uwe Rada

 4,8 Sterne bei 6 Bewertungen
Autor*in von Die Memel, Neuwald und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Uwe Rada, geboren 1963, ist Redakteur der taz und Buchautor. Er lebt in Berlin. Für seine publizistische Arbeit hat er verschiedene Stipendien und Preise erhalten, unter anderem von der Robert-Bosch-Stiftung und dem Goethe-Institut. Er hat mehrere Bücher zur Geschichte Osteuropas veröffentlicht. Zuletzt ist von ihm erschienen »Die Elbe« (Siedler 2013).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Uwe Rada

Cover des Buches Die Memel (ISBN: 9783886809301)

Die Memel

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Erschienen am 13.09.2010
Cover des Buches Baltische Begegnungen (ISBN: 9783839321041)

Baltische Begegnungen

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Erschienen am 31.10.2012
Cover des Buches Morgenland Brandenburg (ISBN: 9783898092234)

Morgenland Brandenburg

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Erschienen am 20.04.2023
Cover des Buches Neuwald (ISBN: 9783961942367)

Neuwald

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Erschienen am 29.02.2024
Cover des Buches Berlin und Breslau (ISBN: 9783814802220)

Berlin und Breslau

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Erschienen am 02.05.2016
Cover des Buches Die Adria (ISBN: 9783570552223)

Die Adria

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Erschienen am 31.08.2014
Cover des Buches Polen hin und weg (ISBN: 9783861246053)

Polen hin und weg

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Erschienen am 01.01.2007
Cover des Buches Siehdichum (ISBN: 9783861247425)

Siehdichum

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Erschienen am 16.12.2020

Neue Rezensionen zu Uwe Rada

Cover des Buches Morgenland Brandenburg (ISBN: 9783898092234)
V

Rezension zu "Morgenland Brandenburg" von Uwe Rada

Siehdichum!
Vera-Seidlvor 4 Tagen

Das Schlafzimmer meiner Großeltern ist kühl. Ein dickes Federbett beschwert meinen Körper. Vom Schrank her weht der Geruch nach frisch gebackenem Hefekuchen zu mir herüber und vermischt sich mit dem der Gladiolen im Garten vor dem Haus. Die Fensterläden sind geschlossen. Die beiden Herzen in ihrem Holz lassen kaum einen Lichtstrahl hindurch. Weder den der wenigen Autos, die nachts an der Treuhandsiedlung vorüberfahren noch den der taghellen Scheinwerfer des Schaufelradbaggers im Klettwitzer Tagebau. Sein unheimliches Quietschen übertönt das leise Plätschern des Moreitsgrabens, dessen rotbraune Farbe mich tagsüber anzieht, aber nicht mit der Mondlandschaft ein paar hundert Meter weiter mithalten kann. Morgen, morgen würde ich wieder am Rand der Abraumhalde spielen, mir vorstellen, ich sei mit diesem Ungetüm auf dem Mond gelandet und hätte dort soeben dessen Bewohner, riesige Brombeersträucher, entdeckt.


Von Uwe Rada habe ich durch sein Buch „Morgenland Brandenburg - Zukunft zwischen Spree und Oder“ erfahren, dass der Nachfolger meines Mondfahrzeugs jetzt „liegender Eiffelturm“ genannt wird und zum Touristenmagnet geworden ist. Meine, durch den Autor angeregten Recherchen haben ergeben, dass aus einem Teil der Mondlandschaft meiner Kindheit der Bergheider See geworden ist, dem das Wasser wahrscheinlich ebenso fehlt wie anderen Gewässern in der Niederlausitz. An Stelle der Brombeerhecken sind Spargeltürme gewachsen, gegen die sich wohl keiner gewehrt hat oder wehren konnte.


Unter der Überschrift „Kein himmlisches Kind“ erzählt Rada von der „Bürgerinitiative Schneeberg 50“, auf deren Plakat Don Quijote gegen Windmühlen kämpft, „nur sind die nicht zwanzig oder dreißig, sondern zweihundertfünfzig Meter hoch… Die Windräder der neuen Generation stellen sogar den Berliner Fernsehturm in den Schatten.“


Dann wendet sich der Autor den Photovoltaik-Anlagen zu, versäumt es aber, wie viele seiner Zeitungskollegen, mal darüber nachzudenken, wie der menschliche Energieverbrauch reduziert werden könnte. Das Land Brandenburg steht mit einem Primärenergieverbrauch von 245 Petajoule pro Kopf an erster Stelle in Deutschland. Stattdessen schwelgt er im Futurium unweit des Berliner Hauptbahnhofs und der Malzfabrik in Berlin-Schöneberg, wo die Landwirtschaft „nicht auf Äckern, sondern über mehrere Geschosse hinweg in der Stadt betrieben wird… Allerdings verbraucht sie noch deutlich mehr Energie als die herkömmliche Landwirtschaft.“ 


Die Begeisterung schwindet, als er von der Solidarischen Landwirtschaft spricht. „Aber gehört ihr wirklich die Zukunft? Denn die Flächen, die die Verbrauchergemeinschaften und ihre Betriebe beackern, sind wie der von Nadine Peinert in Reudnitz meist klein. In Ostdeutschland kommt noch hinzu, dass die großen Agrargenossenschaften die Landwirtschaftsstruktur prägen und nicht, wie im Süden der Republik, mittelständische Höfe.“


Am Ende seines Buches zitiert Rada aus Hartmut Rosas Werk „Resonanz“, schwingt aber (noch) nicht mit der Natur, sondern bleibt in einer Subjekt-Objekt-Beziehung. Die Karpfen sind für ihn, wie für den Fischer Thomas Müller Nutzfische, ebenso wie er das Wildschwein und den Wein in den wenigen gastronomischen Einrichtungen in Ostbrandenburg genießt. Seen sind nach seiner Ansicht Badegewässer, es sei denn, die Qualität des Wassers, die er ebenfalls mit Menschenaugen misst oder die Privateigentümer der Seen sprechen dagegen. Seine Kenntnisse über Bäume sind beeindruckend. Dennoch ist der Wald für den Autor hauptsächlich Erholungsort und letzte Ruhestätte.


Es scheint ihm nicht weh zu tun, wenn nach der Abraumförderbrücke F60 jetzt ein Pflanzmaschine mit einer Breite von elf Metern Mutter Erde aufreißt, um im Schachbrettmuster einen neuen Wald anzulegen, der gar keiner ist und auch nicht in einem menschlich gedachten Zeitraum werden kann, weil ihm das soziale Gedächtnis fehlt.


Statt über einen Rückzug aus dem Morgenland nachzudenken, damit das Land wirklich ein oder einen Morgen hat, diskutiert er mit Axel Behmann, dem Geschäftsführer von „Naturwald für Generationen“ darüber, welche Bäume Kolonialherren sind und welche Einheimische. 4,6 Milliarden Jahre kam der Planet ohne solche Diskussionen aus und hat Wunderbares hervorgebracht. Es bleibt zu hoffen, dass er das wieder tun wird, wenn der Mensch sich selbst zerstört haben wird. 


Hoffnungsbay ist keine Bucht am südlichen Zipfel des kleinen Schwielochsees und auch keine der Insel Vancouver in Kanada, wie Rada meint. Hoffnungsbay ist der gregorianische Choral, den Martin Luther 1524 ins Deutsche übersetzt hatte und den der Journalist auf Seite 11 aufgreift: „Media vita in morte sumus… Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen.


In Zeiten der Apokalypse sollte man nicht nach einem Mittelweg zwischen dem Naturzustand der Oder und ihrer Kanalisierung suchen, nicht das Tesla-Tempo drosseln, sondern entweder scharf auf die Bremse treten, um das menschliche  Lenkrad doch noch herumzureißen oder als Euthanasie mit aller Kraft aufs Gas drücken.


Ich danke Uwe Rada herzlich für seine Aufforderung, sich umzusehen, für den Blick auf das Gestern meiner Kindheit, für Hoffnungsbay und die Sicht auf das Totholz, das nicht tot ist.


Vera Seidl

Cover des Buches Neuwald (ISBN: 9783961942367)
katikatharinenhofs avatar

Rezension zu "Neuwald" von Uwe Rada

Mehr Wald für alle
katikatharinenhofvor 2 Monaten

Unsere heimischen Wälder sind alle stark von den Veränderungen der Klimakrise gezeichnet. Brände, anhaltende Dürre und der Borkenkäfer, aber auch immer mehr Rodungen für mehr oder weniger sinnige Wirtschaftsprojekte lassen die Stämme der Bäume knicken, wie Streichhölzchen im Wind. Auch die tropischen Regenwälder und echte Urwälder werden immer mehr durch den Mensch für dessen "Wohlergehen" gerodet.

Uwe Rada zeigt in seinem kleine Büchlein eindrucksvoll, dass es auch anders geht und die Aufforstung und Neupflanzung für klimastabile Wälder von Morgen bereits im vollen Gang ist. Allerdings nicht immer in den Maßen und dem erhofften Erfolg, den es bräuchte, um wirklich die gesteckten Ziele zu erreichen, aber immerhin - es passiert was. Dabei meint er nicht die Greenwashing-Projekte, die das ökologische Gewissen diverser Investor:innen beruhigen soll, wenn erst an anderer Stelle bereits uralter Baumbestand gnadenlos abgeholzt und durch Neuwald aufgeforstet wird.

Sein Rundgang durch die Neuwälder ist interessant, ernüchternd und voller neuer Erkenntnisse, bringt das unermüdlichen Engagement der "Waldmacher:innen" ans Tageslicht und gibt auch kleinen Projekten die Möglichkeit zu beweisen, dass der Ansatz genau der richtige ist, um schon die Kleinsten mit in die Neuwaldbildung einzubinden.

Eine klare verständliche Sprache, viele Fotos, Schaubilder und botanische Illustrationen, sowie weiterführende Informationen und QR-Codes zum Scannen unterstreichen den dringenden Appell des Autors und rufen dazu auf, selbst aktiv zu werden und sich an einem der vielen Projekte zu beteiligen, um Neuwälder wachsen zu lassen.

Cover des Buches Die Memel (ISBN: 9783886809301)
W

Rezension zu "Die Memel" von Uwe Rada

Rezension zu "Die Memel" von Uwe Rada
WinfriedStanzickvor 12 Jahren

In den vergangenen Jahren sind etliche Bücher erschienen, die den Lauf eines Flusses zum Anlass nahmen, eine Kulturgeschichte der Länder und Gegenden zu verfassen, durch die der jeweilige Fluss verläuft. Da Flüsse schon vor langer Zeit Wege waren, über die sich Entwicklungen wirtschaftlicher und kultureller Art transportierten, waren diese literarischen Versuche oft sehr interessant und aufschlussreich zu lesen. Genannt seien hier zwei Werke: das 2007 bei C.H. Beck erschienene Buch "Die Elbe" von Hansjörg Küster und das 2008 bei Knaus verlegte monumentale Werk von Peter Ackroyd "Die Themse. Biographie eines Flusses".

Das 2009 erschienene Buch von Uwe Rada über "Die Oder" kam da weniger mächtig, aber nicht weniger lehrreich und informativ daher. Insbesondere im Rahmen der deutschen und der polnischen Geschichte war dieser Grenzfluss der Ort zahlreicher wichtiger und dramatischer Ereignisse.

Nicht anders und doch in ganz anderen Zusammenhängen verhält es sich mit der Memel, einem „europäischen Strom“, dessen Kulturgeschichte Uwe Rada in dem soeben erschienenen Werk wiederum meisterhaft beschrieben hat.

In acht Kapiteln folgt er nicht nur dem 1000 Kilometer langen Fluss durch drei Länder, sondern auch durch eine bewegte Geschichte:

• Weder Maas noch Memel
Die Deutschen und ihr verlorener Strom
• Strom der Erinnerung
Die Literatur an der Memel
• Luise, Napoleon, Putin
Die Memel schreibt Geschichte
• Ludendorff und Pilsudski
Das Kriegsland
• Heimat bis zum Ende
Jüdisches Leben
• Flösser und Flussschiffer
Die Memel als Wasserstraße
• Dreimal Sozialismus
Die sowjetische Memel
• Mit der Geschichte in die Zukunft
Klaipeda und die Kurische Nehrung

Uwe Rada zeichnet mit aufgelockerter Sprache und vielen beeindruckenden Bildern die Biographie eines europäischen Flusses nach und setzt ihm und der mit ihm verbundenen Kulturgeschichte ein eindrucksvolles literarisches Denkmal.

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