Uwe Ritzer

 4.6 Sterne bei 11 Bewertungen
Autor von Die Affäre Mollath, Lobbykratie und weiteren Büchern.

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Die Affäre Mollath

Die Affäre Mollath

 (11)
Erschienen am 03.06.2013
Lobbykratie

Lobbykratie

 (0)
Erschienen am 01.06.2018

Neue Rezensionen zu Uwe Ritzer

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Katzenpersonal_Kleeblatts avatar

Rezension zu "Die Affäre Mollath" von Uwe Ritzer

Fassungslosigkeit über unseren Rechtsstaat
Katzenpersonal_Kleeblattvor 5 Jahren

Ein unglaublicher Fall. Aus dem Fall Mollath entwickelt sich die Affäre Mollath.

Als Mollath seine Frau, eine Bankangestellte, wegen Verschiebung von Schwarzgeld in die Schweiz und somit Steuerhinterziehung anzeigt, setzt er eine Welle in Bewegung, die seinesgleichen sucht.

Die HypoVereinsbank, bei der seine Frau angestellt war, reagiert nicht, ebensowenig wie die gesetzlichen Behörden, sprich Polizei oder Staatsanwaltschaft, genausowenig wie die Politik. Niemand hört zu. 

Seine Behauptungen werden als Wahn abgestempelt und er landet in der Psychiatrie, nachdem seine Frau eine Gegenanzeige wegen Misshandlung gestellt hatte.

Dort sollte er viele Jahre verbringen, Jahre, die für Gustl Mollath unwiderruflich verloren sind.


Die beiden Journalisten Uwe Ritzer und Olaf Przybilla sehen in die Akten des Falles Mollath und entdecken Unglaubliches.


Er wurde in die Psychiatrie eingesperrt, ohne je untersucht worden zu sein. Die Ärztin, die die Einweisungspapiere unterschrieb, hat ihn nie zu Gesicht bekommen. Aber auch dort hört ihm niemand zu. Selbst bei Kleinigkeiten, wie der Auswahl einer Seife, da er die dort gestellte aus gesundheitlichen Gründen nicht verträgt, bestätigt die einmal gefasste Meinung, dass er genau dorthin gehört.

Immer wieder versucht er sich Gehör zu verschaffen, jedoch ohne Erfolg.

Selbst als die HypoVereinsbank bei einer internen Untersuchung später feststellen muss, dass die Beschuldigung von Mollath durchaus gerechtfertigt ist, passiert nichts. Mollath bleibt ungehört und verschlossen.

Unfähige Politiker (wer hat die eigentlich gewählt?) stellen sich hinter die Entscheidung, dass Mollath in die Psychiatrie gehört, ohne nachzuhaken oder eine Untersuchung zu veranlassen.

Die Affäre Mollath entwickelt sich zu einer Scharade ohne Ende.


Erst als die beiden Journalisten sich die Akten ansehen und hinterfragen, decken sie den Skandal auf und bewegen etwas.


Im Falle Mollath wurden geschlampt, gelogen, vertuscht, was immer möglich war. Ärzte, Staatsanwaltschaft, Richter, Banken, Poilitiker, jeder tat nur das, was er für richtig oder die Wahrheit hielt. Das die jedoch weit entfernt lag, spielte keine Rolle.


Im Ganzen gesehen, ist die Affäre Mollath ein Armutszeugnis unserer Rechtsprechung. Es haben alle versagt, die nur irgendwie einen Anteil daran hatten.

Mich hat der Fall erschüttert, denn wie schnell kann man in genau solch eine Situation kommen und der Gedanke, dass man, obwohl unschuldig, alle gegen sich hat, baut mein Vertrauen in unsere Rechtsprechung nicht gerade auf.


Dieses Buch ist nicht nur eine Aufarbeitung des Falles Mollath, sondern auch ein Blick in unser Rechtssystem. Ich für meinen Teil hoffe, dass es ein Einzelfall ist. 


Dank der beiden Journalisten Uwe Ritzer und Olaf Przybilla konnte Gustl Mollath im vergangenen Jahr aus der Psychiatrie entlassen werden, in ein Leben, in dem er nichts mehr hatte, ihm wurde alles genommen. Ich hoffe für ihn, dass er es geschafft hat, wieder auf die Beine zu kommen.


Dieses Buch empfehle ich sehr gern weiter.

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Rezension zu "Die Affäre Mollath" von Uwe Ritzer

{Kurzrezension} Die Affäre Mollath - kompakt - Uwe Ritzer, Olaf Przybilla
Eglfingervor 5 Jahren

Inhalt:

"Die Affäre Mollath - kompakt" ist ein aktualisierter Auszug aus dem Werk "Die Affäre Mollath". Dieser Auszug gibt auf 15 Seiten einen Überblick über die Affäre. Anschließend erhält man noch eine Chronologie der Affäre von der Geburt Gustl Mollath bis zu seiner Freilassung.

Meine Meinung:

Dieser Auszug ist keine vollständige Wiedergabe der gesamten Affäre, aber man erhält einen guten Überblick. Die beiden Journalisten zeigen auf, was in einem Rechtsstaat eigentlich nicht geschehen sollte und decken einen der wahrscheinlich größten Justizskandale der Bundesrepublik auf. Sie beschreiben, wie Staatsanwälte, eine Bank, psychiatrische Gutachter, Richter und Politiker versagt haben und somit einen vielleicht unschuldigen Mann sieben Jahre in die Psychiatrie eingesperrt haben. Zurecht wurden die beiden Journalisten Uwe Ritzer und Olaf Przybilla mit dem Wächterpreis der deutschen Tagespresse ausgezeichnet.

Mein Fazit:

Wie der Titel schon sagt, ist es nur eine kompakte Wiedergabe der Ereignisse rund um diese Affäre, aber man erfährt alles Wesentliche und es ist nicht nur eine Leseprobe. Wer noch mehr zu den Hintergründen und zur Recherchearbeit erfahren möchte, der kann dann die komplette Analyse "Die Affäre Mollath - Der Mann, der zuviel wusste" lesen. Ich gebe ♥♥♥♥.

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M

Rezension zu "Die Affäre Mollath" von Uwe Ritzer

Ein bewusstes Versagen des Rechtsstaates?
michael_lehmann-papevor 5 Jahren


 

In diesen Tagen wurde der Fall Gustl Mollath wieder aufgerollt und gerichtlich überprüft. Mit dem inzwischen bekannten Ausgang, den Mann noch für zumindest  ein Jahr in der Obhut einer geschlossenen, psychiatrischen Abteilung zu belassen, wie schon in den letzten sieben Jahren. Und das auch dieses Mal mit einer obskuren Begründung in Folge eines nicht erstellten Gutachtens (wobei auch die Nichterstellung zum aktuellen Zeitpunkt eine mehr als unverständliche Begründung erfährt. Vielleicht ist de Blick auf wichtige Wahlen in diesem Jahr hier auch von Bedeutung gewesen?).

 

Eine „Spitze des Eisbergs“ in einem Justizvorgang, der von (nicht nur) der süddeutschen Zeitung kritisch begleitet und stark kritisiert wird. Beide Autoren arbeiten bei besagter Zeitung und sind, das spürt man dem Buch ab, intensiv und fundiert mit dem Fall vertraut. Nicht zufällig natürlich erscheint das Buch zum Zeitpunkt der Prüfung des Falles und bezieht eine klare Position gegen das nun bereits jahrelange „Wegsperren“. Allerdings nicht mit polemischem Unterton, sondern sehr differenziert und sorgsam begründet legen die Autoren die Ergebnisse ihrer Recherchen und ihre Schlüssse aus diesen vor.

 

Das in Bezug auf Gustl Mollath ein „kollektives“ Versagen der Exekutive im Raum steht, das ist für die Autoren erwiesen. Dieses Ergebnis ihrer Recherchen ist für die beiden Journalisten „ohne Zweifel“ und ihre Darlegung ist auch für den Leser überzeugend.

Umso schwieriger ist die Lage nun, nach dem erneuten Urteil gegen Mollath, in dem wiederum wesentliche Punkte des Falles gar nicht erst zur Verhandlung standen. Das gerade ist der „Justizskandal“, der ins Felde geführt ist, denn ebenso wurden bereist im ersten Angang des Falles die Einlassungen Mollaths erkennbar nicht genügend berücksichtigt und ein Dickicht von diversen Gutachten und Anträgen erzeugt, das fast wirkt, als solle unbedingt genau dieses Ergebnis gegen Mollath erreicht werden. Damals wie heute.

 

Vorgänge, die im Buch genauso minutiös dargelegt werden, wie der eigentliche Fall in den Blick rückt, aber auch die Person Mollaths ausgiebig vorgestellt wird.

 

Einerseits finden sich somit hier ein durchaus nicht einfacher, teils sturer Mann, der sich in dem Augenblick gegen seine eigene Frau wandte, in der er ihre am Rande der Legalität (bis darüber hinaus) sich vollziehende Arbeit als Anlageberaterin erst intern, dann immer  lauter auch nach außen hin an den Pranger stellt. Ein Verhalten, dass zum Bruch zwischen beiden und den Übergang hin zum Kampf mit „harten Bandagen“ vor allem von Seiten der damaligen Ehefrau Mollaths darstellte.

Ein Schwarzgeldskandal im Rahmen der Hypovereinsbank, der zudem versehen ist mit einem dunklen Licht. Nicht nur auf eine konkrete Ehefrau und einen Ehestreit, sondern eben auch auf die weiteren Kreise Beteiligter. Die Bank, verantwortliche Politiker, Kunden.

Da bleibt dann nicht nur, sieht man den Verlauf des Prozesses vor Augen, ein „Gschmäckle“, dass Mollath von verschiedenen Seiten her mundtot gemacht werden sollte, da stehen handfeste Indizien im Raum, dass die Behandlung dieses Falles von Beginn an ein bestimmtes Ergebnis hervorbringen sollte.

 

Und das Ganze stellen die Autoren überzeugend dar. Nicht mit Hilfe einer reißerischer Darstellung, sondern gerade eben wegen der Kraft des Buches, Fakten zu benennen und nüchtern Zusammenhänge herzustellen. Wobei es sicherlich am Schwersten wiegt, wie wenig die Einlassung und allein schon die bürgerlichen Rechte des Mannes beachtet und gewahrt wurden (nicht nur bei seiner Enteignung, die fundamentale Rechtsmittel zu Gunsten eines „Opfers“ schlicht ignorierte). Einer, der die „Kreise“ von Finanz und Politik störte und hätte durcheinanderbringen können, wird hier im 21. Jahrhundert kühl mundtot gehalten, ein anderes Ergebnis kann die Lektüre nicht ergeben.

 

Sachlich, fundiert, sorgfältig recherchiert und sprachlich nüchtern und auf den Punkt gebracht, in Form und Inhalt ein überzeugendes Buch.

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