Uwe Schultz Der Herrscher von Versailles

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Inhaltsangabe zu „Der Herrscher von Versailles“ von Uwe Schultz

<p>Kaum ein anderer Herrscher hat in solchem Maße das Bild seiner Epoche geprägt, wie dies dem Sonnenkönig gelang. Seine Frauen, seine Kriege und seine einzigartige Schloßanlage Versailles haben ihn dem kollektiven Gedächtnis Europas unauslöschlich eingeprägt. Uwe Schultz, einer der besten Kenner des absolutistischen Frankreichs, legt nun eine historisch fundierte und glänzend geschriebene Biographie Ludwigs XIV vor.</p> <p>Mit Ludwig XIV (1638-1715) erreicht das Zeitalter des Absolutismus seinen Höhepunkt. Staat und Herrscher verbinden sich zu einer Einheit, die der König als Grundlage seiner unbedingten Machtstellung begreift: "L'état c'est moi." In der neuen Biographie von Uwe Schultz wird Ludwig XIV durchaus nicht als scharfsinniger Staatslenker geschildert, wohl aber als ein kühler und erfolgreicher Taktiker der Macht. Beispielsweise geht der König mit rücksichtsloser Härte gegen allzu mächtige Minister, erfolgreiche Militärs oder Andersgläubige vor, wenn es ihm die Staatsraison zu erfordern scheint. Die Staatsraison aber dient der Größe Frankreichs, die identisch ist mit der königlichen Größe, seiner Gloire. Ihr wird auch das Wohl des Volkes vollständig untergeordnet, und diesem höchsten politischen Ziel bleibt das persönliche Glück seiner Familienmitglieder und ihm engvertrauter Menschen am Hofe unterworfen – nicht zuletzt jenes der Frauen in seiner Umgebung.</p> <p>Den französischen Adel bindet Ludwig XIV mit nicht enden wollenden Lustbarkeiten in Versailles&#160;- doch nur, um ihn beständig unter Kontrolle zu halten. So erscheint der Glanz, der sich von diesem Schloß über ganz Europa ausbreitet, bei näherem Hinsehen als der Glanz einer gut funktionierenden royalen Machtmaschine.</p>

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  • Rezension zu "Der Herrscher von Versailles" von Uwe Schultz

    Der Herrscher von Versailles
    Rat_Krespel

    Rat_Krespel

    07. May 2009 um 20:59

    Glanzlose Biographie des Sonnenkönigs Uwe Schultz, freier Publizist und ein Kenner der französischen Geschichte des Absolutismus, legte 2006 mit „Der Herrscher von Versailles. Ludwig XIV und seine Zeit“ eine neue Biographie des dritten Bourbonenkönigs vor. Sicher kein leichtes Unterfangen bei der Menge an Literatur über diesen König und den Unmengen an Adaptionen in Film, bildender Kunst und Literatur. Wie hat sich Uwe Schultz dieser Aufgabe genähert und wieso ist er gescheitert? Eine grundsätzliche Frage der biographischen Literatur ist das Gliederungsprinzip – chronologisch oder thematisch. Hier hat sich der Autor für den zweiten Ansatz entschieden und liefert in Kapiteln wie „Die Macht der Sonne“, „Der Glanz des Hofes“ oder „Der Widerstand Europas“ interessante Fakten und Details aus dem Leben des Königs, wobei Geburt und Tod dem Buch zumindest eine chronologische Klammer geben. Doch leider führt bei Uwe Schultz das thematische Prinzip dazu, dass innerhalb der Kapitel eine gewisse Unordnung entsteht. Sicher führt eine Entscheidung gegen das chronologische Prinzip dazu, dass bestimmte Dinge und vor allem Personen mehrmals aufgegriffen werden, doch hier ist keine Linie erkennbar. Personen, deren Tod ausführlich beschrieben wird, werden in späteren Kapiteln wieder intensiv in ihrer Entwicklung geschildert, das bunte Wirrwarr der Jahreszahlen wird im Laufe der knapp 400 Seiten zusehends unübersichtlicher. Detailreich ist Schultzes Buch auf jeden Fall – doch das ist nicht immer ein Vorteil. Teilweise liest sich das wie ein „Who is who“ und „wer mit wem“ des ausgehenden 17. Jahrhunderts und erinnert in seiner Langeweile an eine Mischung aus den genealogischen Aufzählungen des Alten Testaments und dem Klatsch aus einer Boulevardzeitung. Hier wäre – so abgenutzt dieser Satz auch sein mag, so wahr ist er – weniger mehr gewesen. Aber es gibt auch Dinge, da wäre mehr die bessere Lösung gewesen. Für eine Biographie ist es sicher nicht zwingend notwendig, auf die Vorgänger einzugehen. Doch bei einem Werk des 21. Jahrhunderts, das auf dem neusten Forschungsstand aufbauen kann, wäre dies zumindest wünschenswert. Vor allem in Hinblick darauf, dass einige frühere Biographen gerne zitiert werden, allen voran Voltaire. Ganz fehlt dagegen eine kurze Würdigung der Quellen, was auch in einem Buch, dass sicher nicht dem universitären Anspruch gerecht werden will, aber doch wissenschaftlichen Anspruch erhebt, Platz finden sollte. Und eine Frage bleibt völlig unklar am Ende der Lektüre: Warum übt Ludwig XIV bis heute eine schwer zu erklärende Faszination auf die Menschen aus? Uwe Schultz zeigt den König in seinen extremen Ausprägungen als Machtmensch, Verschwender des Staatsvermögens, der Kriege vom Zaun brach, nur weil er auf einem „dynastisch strengen Reglement“ bestand, der die Krise der Monarchie vorantrieb und bei dessen Tod das Volk mehr lachte als trauerte. Gerade deshalb drängt sich die gestellte Frage auf und Schultzes Antwort, dass im Grunde von diesem König nichts Faszinierendes blieb (hier versteckt sich der Autor hinter der Meinung moderner französischer Biographen), dass nur Versailles bis heute noch kündet „von dem seltenen Kraftakt, ästhetisches Wollen und politische Programmatik zur Harmonie zu zwingen.“ Das soll es gewesen sein? Das erklärt die Wirkung dieses Königs bis in die heutige Zeit so gar nicht und lässt den Leser ratlos zurück. Doch selbst in seiner Kritik an Ludwig ist Uwe Schultz nicht deutlich. Das wirkt wie gewollt aber nicht getraut. Und so bleibt als Erkenntnis aus dieser Biographie: Ohne eine zentrale Fragestellung, eine verbindende Klammer und ohne eine eigene Positionierung wird aus einer noch so detailgesättigten Darstellung keine lesenswerte Biographie. Ganz neu erschienen auf dem Markt von Uwe Schultz: Richelieu : der Kardinal des Königs. Ich hatte es schon bestellt, aber nach der enttäuschenden Lektüre dieses Buches habe ich es sofort abbestellt. Keine zweite Chance.

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