Uwe Schultz Der König und sein Richter

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Inhaltsangabe zu „Der König und sein Richter“ von Uwe Schultz

Man schreibt das Jahr 1775. Der junge König Ludwig XVI. und seine Gattin Marie Antoinette halten in ihrer Kutsche auf dem Rückweg von der Krönung in Reims im strömenden Regen vor dem Kolleg Louis-Le-Grand, wo ihnen der Musterschüler dieser Bildungseinrichtung, ein gewisser Maximilien de Robespierre, auf Knien im Matsch liegend eine Ovation darbringt. Keine zwanzig Jahre später wird Robespierre, Haupt der Jakobiner, die Hinrichtung des Monarchen und seiner Frau betreiben.

Uwe Schultz lässt in dieser Doppelbiographie Ursachen und Dynamik der Französischen Revolution wieder lebendig werden. Er beschreibt die Lebensläufe und Lebenswelten der beiden Protagonisten, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. In faszinierenden "Nahaufnahmen" arbeitet er die Charaktere des schwachen, unentschlossenen Königs und des kalt-berechnenden, machthungrigen Anwalts heraus, die mit ihren Ratgebern und Gefolgsleuten am Scheideweg der französischen Geschichte aufeinandertreffen. Die dank vieler Zitate ungemein eindrückliche Schilderung des Glanzes der untergehenden Monarchie und der revolutionären Ereignisse ist ein Musterbeispiel für spannende Geschichtsschreibung.

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  • Rezension zu "Der König und sein Richter" von Uwe Schultz

    Der König und sein Richter

    michael_lehmann-pape

    01. July 2012 um 14:25

    Zwei dramatisch verknüpfte Leben 20jährig besteigt Ludwig XVI. 1775 den Thron Frankreichs und eine der vielfachen hymnischen Reden zu diesem Ereignis hielt ein junger, 17jähriger Jurastudent der dominierenden Universität von Paris, Maximilien de Robespierre. Eine spannende Fußnote der Geschichte, die da am Anfang des Weges zweier Männer steht, von denen der eine den anderen späterhin hinrichten lassen wird, um nur kurze Zeit später selber den „Geistern die er rief“ zum Opfer zu fallen. Zwei Lebenswege, die hier am Beginn ihres „offiziellen“ Weges bereits aufeinandertrafen. Zwei Lebenswege, die als Pole einer ganzen Zeit angesehen werden können und in denen der Hintergrund, die Entwicklung und die Folgen der gesamten französischen Revolution her aufgerollt werden kann. Genau dies vollzieht Uwe Schultz in seinen beiden, ineinander verwobenen Biographien (die allerdings in doch gedrängter Form eher vorliegen und nur an wenigen Stellen wirklich in die Tiefe gehen) dieser unterschiedlichen Männer mit ihrer unterschiedlichen und dennoch untrennbar miteinander verbundenen Lebensgeschichte. Nach hinten und vorne entfaltet Schultz nun die Geschichte der beiden Männer und an diesen die Geschichte der Zeit selbst. Wie schon in der Erziehung des Thronfolgers vor allem die ehernen Dogmen der Macht und Monarchie nach vorne gerückt wurden und Ideale der Humanität systematisch aus der Prägung des späteren Königs fern gehalten wurden. Ebenso, wie Robespierre in seiner schon früh angelegten Intellektualität und in seinem unerschütterlichem, später fanatischem Idealismus eindrücklich im Buch vorgestellt wird. Deutlich wird in diesen Passagen, dass Schultz hauptsächlich den Blick auf die innere Entwicklung und innere Haltung der beiden Personen richtet, viele äußere Ereignisse werden nur chronologisch gestreift und nicht im biographischen Sinne stärker ausgebreitet. Es gelingt Uwe Schultz aber durchaus, die gesellschaftlich aufeinanderprallenden Geisteshaltungen der Zeit komprimiert in den beiden „Hauptpersonen“ der Zeit darzustellen und den fast unabänderlichen Weg zum Konflikt, zum Wechsel von der „alten Macht“ zur „neuen macht“ und der ebenso fast unabänderlich sich steigernden und dann freigesetzten Gewalt auf allen Seiten Schritt für Schritt offen zu legen. Mit auf der einen Seite einer Herrscherschicht mit dem König an der Spitze, die innerlich unfähig zur Flexibilität und hochgradig distanziert vom Volk regierte, dort der aufrechte, ehrliche, sich nicht verbiegende, aber bis ins Mark fanatische Robespierre, die geballte Wut des Volkes im Rücken. Der „Plan der Erziehung des Volkes“, den Robespierre als Grundlage seines Verständnisses der neuen Welt ausgearbeitet hatte zeigt deutlich auf, wie hier letztlich nur eine Diktatur von einer anderen abgelöst wurde. Eine interessante, andere Form der geschichtlichen Darstellung der französischen Revolution, die es versteht, durch ihre Konzentration auf die Biographien der beiden wohl Hauptfiguren dieses Ereignisses den Leser nah mit hereinzunehmen in die persönlichen und gesellschaftlichen Hintergründe von „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ mitsamt der folgerichtigen Gewalt durch die Schärfe der kühlen, intellektuellen Ideale und der inneren Unbeweglichkeit (nicht nur) des Königs. Auch wenn keine neuen Erkenntnisse oder Fakten über die Revolution verarbeitet werden, ist dieser Blick doch interessant zu lesen.

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