Uwe Siemon-Netto Luther – Lehrmeister des Widerstands

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Inhaltsangabe zu „Luther – Lehrmeister des Widerstands“ von Uwe Siemon-Netto

Wie Luther Hitlers Gegnern den Rücken stärkte Ausgerechnet zum 500-jährigen Reformationsjubiläum suhlen sich Theologen und Publizisten in dem Klischee, dass Martin Luthers Zwei-Reiche-Lehre die Deutschen zu obrigkeitsduseligen Duckmäusern gemacht habe. Damit sei er 400 Jahre nach seinem Tod zum Wegbereiter Hitlers geworden. In «Luther – Lehrmeister des Widerstands» weist Uwe Siemon-Netto mit historischen, theologischen und religionssoziologischen Argumenten das genaue Gegenteil nach. Er erinnert an Luthers fast vergessene Widerstandslehre. Und er zeigt, wie sie Hitlers Gegnern den Rücken gestärkt hat, darunter Dietrich Bonhoeffer, Carl Goerdeler und den führenden Oppositionellen, die 1989 das DDR-Regime zu Fall brachten.

Dieses Buch trifft ins Mark. Dringende Leseempfehlung!

— Arbutus
Arbutus

Interessant aber manchmal auch ein wenig verwirrend.

— lenicool11
lenicool11

Interesseweckend für Interessierte und Fachkundige

— Claire20
Claire20

Ein Fachbuch das viel Vorwissen voraussetzt.

— Rubine
Rubine

eine anspruchsvolle Annäherung an Martin Luther, dessen Lehre mehrfach missbraucht wurde

— Bellis-Perennis
Bellis-Perennis

Theologisch und recht intellektuell. Ich fands klasse. Aber es ist ein Büchlein nicht für jedermann, das steht mal fest.

— wandablue
wandablue

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  • Luthers Zwei-Reiche-Lehre im Licht des Zeitgeistes

    Luther – Lehrmeister des Widerstands
    Traeumerin109

    Traeumerin109

    28. January 2017 um 17:42

    Es ist ein bekanntes Klischee: Martin Luther habe mit seiner Zwei-Reiche-Lehre die Christen zu Duckmäusern und Knechten der Obrigkeit erzogen. Oft taucht der Vorwurf auf, eben dieses Erbe sei für den Aufstieg Hitlers verantwortlich. Lutheraner hätten gegen das diktatorische Regime keinen Widerstand geleistet. Der Autor Uwe Siemon-Netto möchte diese Vorstellung durch stichhaltige Argumente widerlegen. Dieses Buch zeigt zunächst eine erfrischende Herangehensweise an das ganze Thema. Ausgehend vom Begriff des Klischees allgemein und seiner Entstehung wendet es sich immer mehr dem speziellen Klischee zu, welches sich um Luther rankt. Dabei verwendet es eine klare und präzise Sprache, welche ich als Leser sehr angenehm finde. Die aufgeführten Argumente treffen einige Punkte wie den Nagel auf den Kopf. Das hat mich teilweise überrascht und auch zum Nachdenken gebracht. Der Autor nennt viele Beispiele für ein Luthertum, das sehr wohl Widerstand leistet und auch damals geleistet hat. Dagegen prangert er die offensichtliche Weigerung der Alliierten an, mit den Widerständlern zusammenzuarbeiten, obwohl es Beweise für deren Aktivitäten gab. Auch über das Dritte Reich hinaus gab es unter dem sozialistischen Regime der DDR genügend Möglichkeiten zum Widerstand, welche genutzt wurden. Es ist mir als Leser, der bisher recht wenig Ahnung von diesem Thema hatte, sehr leicht gefallen, den Gedankengängen zu folgen. Sie sind zudem so spannend aufeinander aufgebaut, dass das Lesen auch Freude macht. Ein paar kleine Abzüge muss ich dem Buch aber doch geben: Ich hatte das Gefühl, dass Luther ein wenig zu sehr auf einen Sockel gehoben wurde. Auch aus seiner Lehre wurden diejenigen Aspekte herausgehoben, welche natürlich erstrebenswert sind. Solche, die wir aus heutiger Perspektive jedoch auf keinen Fall teilen können, abgesehen von seinen Anfeindungen gegen Juden, die der Autor sehr wohl erwähnt, werden ansonsten außen vor gelassen. Das war zwar nicht Hauptthema des Buches, wurde aber auch nicht am Rande erwähnt und lässt so ein etwas verfälschtes Bild entstehen. Auch die Aussage, eine nicht-lutherische Person, welche aber nach Grundsätzen handelt, die Luther auch gelehrt hat, vertrete ein „intrinsisches Luthertum“, halte ich für sehr fragwürdig und, sooft sie getätigt wird, völlig unbegründet in den Raum gestellt. Zudem, um wieder auf die inhaltlich-formale Ebene zurückzukommen, nennt der Autor wirklich unglaublich viele Namen, von denen ich noch nie etwas gehört hatte. Dabei verweist er ziemlich oft entweder auf die entsprechenden Personen oder etwas, das sie geschrieben haben. Deshalb musste ich ständig zurückblättern, um nachzuschauen, was genau er nochmal meint. Das hat das Lesen doch einige Male unterbrochen und mühselig gemacht. Fazit: Das Buch ist auf jeden Fall sehr interessant, meiner Meinung nach jedoch auch teilweise mit Vorsicht zu genießen. Vom Schreibstil und der Verständlichkeit her kann ich es weiterempfehlen.

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  • Lehrmeister des Widerstands

    Luther – Lehrmeister des Widerstands
    Martinchen

    Martinchen

    08. January 2017 um 15:19

    "Wie Luther Hitlers Gegnern den Rücken stärkte Ausgerechnet zum 500-jährigen Reformationsjubiläum suhlen sich Theologen und Publizisten in dem Klischee, dass Martin Luthers Zwei-Reiche-Lehre die Deutschen zu obrigkeitsduseligen Duckmäusern gemacht habe. Damit sei er 400 Jahre nach seinem Tod zum Wegbereiter Hitlers geworden. In «Luther – Lehrmeister des Widerstands» weist Uwe Siemon-Netto mit historischen, theologischen und religionssoziologischen Argumenten das genaue Gegenteil nach. Er erinnert an Luthers fast vergessene Widerstandslehre. Und er zeigt, wie sie Hitlers Gegnern den Rücken gestärkt hat, darunter Dietrich Bonhoeffer, Carl Goerdeler und den führenden Oppositionellen, die 1989 das DDR-Regime zu Fall brachten." Uwe Siemon-Netto ist Jahrgang 1936, er ist Journalist und hat später Theologie studiert. Er hat einige Bücher veröffentlicht, darunter auch "Duc, der Deutsche", in dem er aus seiner Zeit als Reporter in Vietnam berichtet. Das Buch, im fontis-Verlag erschienen, hat 231 Seiten und einen zwölfseitigen Bildteil. Das Schriftbild ist gut lesbar. Das Titelbild zeigt ein Luther-Porträt vor einem farblich geteilten Hintergrund. Dieser erschließt sich beim Lesen des Buches. Ein Vorwort von Peter L. Berger , Religionssoziologe in Boston, führt in das Buch ein. Berger schreibt: "Uwe Siemon-Netto behandelt und verknüpft im vorliegenden Buch aus ganz neuer, denkerisch eigenständiger Perspektive eine Reihe von Themen." In seiner eigenen Einführung beschreibt Siemon-Netto seine Intention zu diesem Buch: er entkräftet das weit verbreitete Vorurteil, dass Luther die Deutschen zur Unterwürfigkeit aufgerufen oder erzogen habe. Er nennt drei Gründe, die ihn zu dieser Untersuchung beogen haben: Als Journalist ist er geradezu verpflichtet, Klischeedenken zu relativieren. Er ist Lutheraner und er ist in Leipzig geboren, der Stadt, in der Carl Friedrich Goerdeler Oberbürgermeister war und in der am 9. Oktober 1989 die friedliche Revolution den Anfang vom Ende der DDR bedeutete. Was Goerdeler und der 9. Oktober mit Luther zu tun haben, werden wir im Verlauf des Buches lernen. Diese Einführung ist sehr persönlich und mit Humor geschrieben. In den folgenden 5 Kapiteln erläutert Siemon-Netto zunächst das Wort "Klischee" und stellt es in einen Zusammenhang mit dem Zeitgeist und der Moderne. Anschließend stellt er unter der Überschrift "Luther, der Schurke" die Quellen des Klischees vor und erläutert sie. Im 3. Kapitel begründet Siemon-Netto seine Meinung, dass Luther hier falsch interpretiert wird. Auch dies wird ausführlich erläutert. Dabei arbeitet er sehr deutlich heraus, wann Widerstand gegen die Obrigkeit erlaubt ist und in welcher Form. In den beiden letzten Kapitel geht Siemon-Netto auf Carl Friedrich Goerdeler und Leipzig 1989 ein. In beidem sieht er ein "internalisiertes Luthertum", da sowohl Goerdeler als auch die Leipziger Demonstranten sich im Geister Luthers gegen die jeweilige Regierung stellten. Auch dies wird ausführlich begründet. Die Zwei-Reiche-Lehre wird im Epilog erläutert. Ferner finden sich im Anhang unter der Überschrift "Ein Gott, zwei Reiche: das lutherische Paradoxon" eine tabellenartige Gegenüberstellung der zwei Reiche sowie ein Essay mit dem Titel "Lehrmeister wider das vergötzte Ich". Hier schlägt Siemon-Netto den Bogen zur heutigen Zeit und übt Kritik am Zeitgeist, der sich immer mehr vom Christentum entfernt. Zahlreiche Anmerkungen sowie ein Personenregister sowie der bereits erwähnte Bildteil ergänzen das Buch. Siemon-Netto gelingt es, auch dem Laien seine Gedankengänge verständlich dazulegen. Fachbegriffe werden direkt im Text oder aber als Anmerkung erläutert. Die wenigen fremdsprachigen Zitate werden übersetzt. Auch sprachlich ist dieses Buch sehr zu empfehlen. Fazit: Ein Buch, aus dem sich viel Gewinn ziehen lässt.

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  • Ein Buch bei dem man viel lernt aber auch sehr konzentriert lesen muss.

    Luther – Lehrmeister des Widerstands
    lenicool11

    lenicool11

    01. January 2017 um 17:43

    Inhalt Wie Luther Hitlers Gegnern den Rücken stärkte Ausgerechnet zum 500-jährigen Reformationsjubiläum suhlen sich Theologen und Publizisten in dem Klischee, dass Martin Luthers Zwei-Reiche-Lehre die Deutschen zu obrigkeitsduseligen Duckmäusern gemacht habe. Damit sei er 400 Jahre nach seinem Tod zum Wegbereiter Hitlers geworden. In «Luther – Lehrmeister des Widerstands» weist Uwe Siemon-Netto mit historischen, theologischen und religionssoziologischen Argumenten das genaue Gegenteil nach. Er erinnert an Luthers fast vergessene Widerstandslehre. Und er zeigt, wie sie Hitlers Gegnern den Rücken gestärkt hat, darunter Dietrich Bonhoeffer, Carl Goerdeler und den führenden Oppositionellen, die 1989 das DDR-Regime zu Fall brachten. Meine MeinungDas Buch war interessant, keine Frage und der Autor hat sich viel Mühe gegeben, dass auch Laien dieses Buch und seine Fachwörter verstehen, trotzdem musste man sehr aufmerksam und konzentriert lesen und viele Wörter auch nachschlagen. Ich brauchte für dieses Buch sehr lange und musste auch lange überlegen wie ich diese Rezension schreibe. Ich hab mir unter diesem Buch etwas anders vorgestellt, als das was es im Endeffekt war. Es ist etwas komplett anderes. Ich habe viel über Luther gelernt und das viele Menschen sich Luthers Aussagen so gedreht und gemacht haben wie Sie sie grade passend fanden. Ich habe leider nicht verstanden, was der IS und andere Terrorgruppierungen ausgehend vom Islam in diesem Buch zu suchen hatten. Was das Buch wirklich nahe bringen wollte weiß ich leider auch nicht komplett. Ich habe verstanden, dass Luther und seine Auffassungen einige Leute geleitet haben - durch ihr Leben, durch ihren Widerstand in der nationalsozialistischen Zeit - und das auch die Pastoren in der DRR durch Luther die Kirche dort wieder populär gemacht haben. Es war interessant, aber ich glaube dieses Buch ist eher für Fachkundige und sehr interessierte Menschen gerichtet und nicht an Menschen die einfach ein bisschen abtauchen wollten in die Welt Luthers und womit er die Leute noch heute bewegt und glauben lässt. FazitEin interessantes Buch, was mich aber ein wenig auflaufen hat lassen, weil ich vor allem das Ende nicht verstanden habe. Ich empfehle dieses Buch Menschen, die wirklich viel Ahnung von der Kirche, Glauben und Luther haben, aber auch dem Nationalsozialismus und der DDR. Ich vergebe 3 Sterne.

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    • 2
  • Glühendes Plädoyer für Luther

    Luther – Lehrmeister des Widerstands
    Arbutus

    Arbutus

    26. December 2016 um 23:03

    Was ist dran an dem weit verbreiteten Vorurteil, Luther habe die Deutschen zur Unterwürfigkeit erzogen und somit Hitler den Weg bereitet? Uwe Siemon-Netto untersucht gründlich die Entstehung dieser Legende und entkräftet sie nach Strich und Faden. Er widerlegt überzeugend "den verleumderischen Vorwurf der Verächter Luthers, er habe die Deutschen zu einem Volk von Duckmäusern erzogen, zu 'Fürstenknechten'. In Wahrheit war Luther der Lehrmeister der Résistance gegen jegliche Tyrannei." Supersympathisch, dass der Autor uns, um seine lutheranischen Wurzeln zu erklären, seine sächsische Großmutter vorstellt, die zwischen zwei hingebungsvollen Gebeten locker einen Witz reißen konnte ("Wir grinsten und beteten weiter.") Die ganze Omi-Netto-Episode ist überhaupt herrlich. So viel Humor hatte ich bei diesem akademisch anmutenden Titel nun wahrlich nicht erwartet und wurde angenehm überrascht. Der Autor befasst sich zunächst ausführlich mit der Definition des Wortes Klischee - "Denn anders lässt sich die anhaltende und zumeist bösartige Verleumdung Luthers nich begreifen." Das Klischee, Luther wäre durch Hitler vollendet worden, entstand durch die Vereinnahmung des Reformators durch die "Deutschen Christen". Luthers Zwei-Reiche-Lehre wurde missbräuchlich als Legitimation der friedlichen Koexistenz der Kirchen mit einem totalitären Staat verwendet. Dieses Verbiegen seiner Lehre war der Grund für den späteren Vorwurf der Doppelmoral. "Der Vorwurf, Luther habe die Deutschen zur Duckmäuserei erzogen, übersieht seine unermüdlichen Ermahnungen an alle Christen, bei obrigkeitlichem Unrecht 'das Maul aufzureißen' [...]. Der Vorwurf, er sei ein Kriegshetzer gewesen, übersieht, dass er alle Angriffskriege verurteilte und die Soldaten zum Ungehorsam aufforderte, wenn ihnen Befehle erteilt werden, die gegen Gebote Gottes verstoßen." Luther verurteilte zwar die gewaltsamen Bauernaufstände, da sie einen Missbrauch des Evangeliums darstellten und da er die Anarchie fürchtete, auf die sie zustrebten, aber er nahm auch den Fürsten gegenüber kein Blatt vor den Mund und schimpfte über faule und unnütze Prediger, "die den Fürsten und Herren ihre Laster nicht sagen". Ausführlich weist Siemon-Netto nach, dass Luther nicht nur von jedem Pfarrer, sondern auch von jedem einzelnen Bürger Zivilcourage forderte. Auch der Rassismus-Vorwurf hält einer genaueren Untersuchung nicht stand. Schließlich war es Luther, der uns Christen daran erinnerte, Jesus sei kein Heide, sondern ein Jude gewesen. Die Judenfeindlichkeit, die bei Luther im Alter mit Vehemenz durchbrach, verurteilt der Autor zwar als menschliche Schwäche des großen Reformators, hält sie aber für allein theologisch und nicht rassistisch begründet. Sehr aufschlussreich finde ich die Erläuterungen zu Luthers Zwei-Reiche-Lehre. Nicht immer bin ich mit dem Autor einer Meinung, was bestimmte politische Spitzzüngigkeiten angeht. Aber da er, getreu seiner eigenen Maxime, stets relativiert, kann ich diese als seine rechtmäßige Meinungsäußerung tolerieren, und sie tun der Qualität des Buches keinen Abbruch. Als lebendiges Beispiel für die Widerstandsfähigkeit des Protestantismus führt Siemon-Netto unter anderem das "Magdeburger Bekenntnis" an, mit dem sich die Magdeburger Bürger gegen die Deckelung ihrer Religionsfreiheit durch Kaiser Karl V. wehrten. Und nicht nur Luther wird in diesem bahnbrechenden Werk rehabilitiert: Wir lernen den Lutheraner Carl Goerdeler kennen, diesen wunderbaren Bürgermeister Leipzigs aus dem konservativen Lager, der 1936 mit seinem Rücktritt eindrücklich gegen die Zerstörung des Leipziger Mendelssohn-Denkmals protestierte, der in Folge von Land zu Land reiste, um der Welt die Augen zu öffnen über Hitler und die Nazis und der 1945 von den Nazi-Schergen hingerichtet wurde. Goerdelers Schriften aus jener Zeit faszinieren auf Grund ihrer schonungslosen Deutlichkeit, mit der er Hitler durchschaute: "Der Mann, der die Lehre von der Totalität der Partei immer besessener aufgestellt hat, ... kann ebensowenig einen anderen Gott neben sich dulden, wie er keiner anderen Weltanschauung Raum und Freiheit zur Entwicklung geben kann ... Am Judentum hat ihn am stärksten gereizt und zum Hasse entflammt die Lehre von dem einen Gott, der das ganze Leben des Menschen mit seinen Gesetzen und Geboten durchdringt. Die nächste in der Reihe des Hasses ist die christliche Religion. Demut und Nächstenliebe machen ihn rasend und wild. Das Geheimnis des Lebens macht ihn rasend. [...]" Erschütternd ist, zu lesen, dass gerade bei einflussreichen britischen und amerikanischen Meinungsmachern und Politikern die Vorurteile gegen die Deutschen so tief saßen, dass sie Goerdeler und den sich formierenden deutschen Widerstand nicht ernstnahmen ... und plötzlich befinden wir uns mitten in der alten Debatte über die kollektive Schuld eines Volkes, und wir sehen auf einmal, wie sehr das Klischee von der Verderbtheit des deutschen Volkes durch systematisches Ignorieren des deutschen Widerstands und das Dämonisieren einer ganzen Nation diesem alternativlos aufgedrückt wurde. Ich finde dieses Werk durchaus für den Laien verständlich. Fachbegriffe wie "anthropozentrisch" werden zwar hin und wieder verwendet, aber immer gleich auch an Ort und Stelle oder per Fußnote im Anhang erklärt. Einzig bei der oft erwähnten "Zwei-Reiche-Lehre" muss sich der noch unkundige Leser etwas gedulden; eine ausführliche Erläuterung erfolgt aber im Laufe der Lektüre. Gelegentliche lateinische oder auch schon mal französische Zitate werden anständigerweise übersetzt. Sprachlich ist die Lektüre oft ein wahrer Genuss. "Das Luther-Klischee ist eine kirchengeschichtliche Maggi-Soße, mit der sich alle erdenklichen religionssoziologischen Gerichte würzen lassen." Ich liebe diese blumigen Bebilderungen! Manchmal möchte man am liebsten jeden Satz zitieren, so sehr trifft der Autor ins Schwarze. Es ist Uwe Siemon-Netto daran gelegen, "Luthers Stimme wiederzuentdecken, die viel zu lange mit dem Sirup neuprotestantischer Gefühlsduselei zugekleistert war. Diese Stimme ist unverzichtbar angesichts des apokalyptischen Weltkonflikts, den der 'Islamische Staat' (IS) ausgerufen hat und der sowohl mit geistlichen als auch mit weltlichen Waffen ausgetragen werden muss." Christen, lest dieses Buch! Und wappnet Euch, ein paar böse Worte auszuhalten, die Euch politisch nicht schmecken werden. Mir jedenfalls hat nicht alles geschmeckt, was der Autor ganz am Rande an politischer Meinung kundgetan hat. Lasst Euch dadurch nicht von dieser genialen Schrift abhalten! Sie ist weder zu hochgestochen noch zu abstrakt. Mit ein wenig gutem Willen kann man sich hervorragend hineinlesen und wird mit einer hochspannenden Lektüre belohnt, die an Stichhaltigkeit und Aktualität ihresgleichen sucht.

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  • Leserunde zu "Luther – Lehrmeister des Widerstands" von Uwe Siemon-Netto

    Luther – Lehrmeister des Widerstands
    Arwen10

    Arwen10

    Und hier noch ein Sachbuch zum Lutherjahr von Uwe Siemon-Netto. Ich bedanke mich beim fontis Verlag für die Unterstützung der Leserunde! Luther-Lehrmeister des Widerstands von Uwe Siemon-Netto Zum Inhalt: Wie Luther Hitlers Gegnern den Rücken stärkteAusgerechnet zum 500-jährigen Reformationsjubiläum suhlen sich Theologen und Publizisten in dem Klischee, dass Martin Luthers Zwei-Reiche-Lehre die Deutschen zu obrigkeitsduseligen Duckmäusern gemacht habe. Damit sei er 400 Jahre nach seinem Tod zum Wegbereiter Hitlers geworden.In «Luther – Lehrmeister des Widerstands» weist Uwe Siemon-Netto mit historischen, theologischen und religionssoziologischen Argumenten das genaue Gegenteil nach. Er erinnert an Luthers fast vergessene Widerstandslehre. Und er zeigt, wie sie Hitlers Gegnern den Rücken gestärkt hat, darunter Dietrich Bonhoeffer, Carl Goerdeler und den führenden Oppositionellen, die 1989 das DDR-Regime zu Fall brachten. Das Buch ist sehr interessant, allerdings etwas konzentrierter. Damit niemand sich Sorgen wegen der 4 Wochen Zeit macht, gibt es Verlängerung auf 8 Wochen. Das dürfte für knapp 200 Seiten ausreichend sein. Falls ihr eines der 3 Exemplare gewinnen wollt, bewerbt euch bis zum 30. September 2016, 24 Uhr hier im Thread mit einer Antwort auf die Frage: Warum möchtet ihr mitlesen ? Wichtige Hinweise zu eurer Bewerbung: Ein Gewinn verpflichtet innerhalb von ca 4 Wochen nach Erhalt des Buches zum Austausch in der LR mit den anderen Teilnehmern über alle Leseabschnitte sowie zur Veröffentlichung einer Rezension, die möglichst breit gestreut werden soll.Bewerber mit privatem Profil , erwiesene Nichtleser , sowie jene ohne Rezensionen werden nicht berücksichtigt. Bitte beachtet, dass es sich hierbei um eine CHRISTLICHE LESERUNDE handelt, das Buch ist in einem christlichen Verlag erschienen und so spielen christliche Werte eine wichtige Rolle. Ich freue mich auf eure Bewerbungen. Wer mit einem eigenen Exemplar bei dieser Leserunde mitlesen möchte, ist natürlich herzlich willkommen. ACHTUNG : ES GIBT EIN NEUES BEWERBUNGSVERFAHREN VON LOVELYBOOKS. NUR WER SICH UNTER BEWERBUNG EINTRÄGT KANN NACHHER AUSGEWÄHLT WERDEN !!! BEI MIR FUNKTIONIERT DAS MIT DEN ADRESSEN NICHT: ICH BRAUCHE VON DAHER DIE ADRESSEN NACH DER AUSLOSUNG !! Bitte beachtet, dass wir Gewinne  nur einmal pro Haushalt vergeben und dass ich innerhalb von 3 Tagen eure Rückmeldung brauche, wenn ihr mitlesen möchtet.

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    • 77
  • Luther, Widerstand und Zwei-Reiche-Lehre

    Luther – Lehrmeister des Widerstands
    Claire20

    Claire20

    05. November 2016 um 23:15

    Die Aufmachung des Buches finde ich schön. Die Seiten fühlen sich glatt an und sind auch dicker. Dazu gibt es farbige Abbildungen. Klasse finde ich an diesem Buch, dass der Autor seinen roten Faden immer wieder aufgreift und erklärt, wie er dieses Buch strukturiert und warum. Super gemacht. Dies kann ein guter Leitfaden in der Strukturierung für Hausarbeiten und andere schriftliche Ausarbeitungen sein. Etwas schade fand ich, aber dies ist Geschmackssache, dass die Fußnoten mit den Nachweisen und Anmerkungen erst am Ende des Buches aufgelistet waren. Ich habe es lieber, wenn diese direkt am unteren Teil der Seite aufgeführt sind. Ich habe viele neue Theologen kennengelernt und dieses Buch hat mein Interesse zum vertieften beschäftigen mit diesem Thema geweckt. Die Verknüpfungen, die der Autor zwischen dem Ende der DDR und Luthers Lehre zieht finde ich interessant, aber auch etwas fragwürdig, besonders in dem Punkt, dass die friedliche, organisierte und gewaltlose Demonstration in Leipzig auf Luther zurückzuführen sei. Ich habe eher an Gandi gedacht. Wichtig ist mir dabei zu schreiben, dass ich selbst nochmal genauer recherchieren möchte, was der Autor nur so knapp jeweils umreisen konnte und wie der Kontext jeweils zu den wichtigen Aussagen aussehen. Einige der genannten Personen kannte ich noch nicht, mit denen ich mich nun aber gerne näher beschäftigen möchte. Was ich schön fand, war, dass der Autor zu Beginn seine eigenen Erfahrungen mit seiner Großmutter schildert. Dies hat eine persönliche Note gegeben und seine Motivation und auch Perspektive verdeutlicht. Auch sein Auslands-Blick als geborener Leipziger auf Deutschland macht dieses Buch besonders. Von einigen im Buch erwähnten Klischees habe ich noch nichts mitbekommen, was aber an meiner Sozialisation liegen wird. Ein Fachbuch, dass verständlich geschrieben ist, mit einem breiten Aufgebot an Erläuterungen und Beziehen auf mehr oder weniger bekannte Persönlichkeiten. Es werden einige Aussagen der Gegnerischen Position ausgeräumt oder relativiert, aber auch deren Ursprung kenntlich gemacht. Um sich vom Thema eine eigene Meinung zu bilden reicht aber dieses eine Buch nicht aus. Wie bei allem, sollte man mehrere Bücher zu einer Thematik gelesen haben und dabei auch aus unterschiedlichen Positionen heraus, aber auch vor allem die Grundlegende Literatur der besagten Schriften der Theologen. Dieses Buch ist für Interessierte und Fachkundige geeignet, da einiges Wissen über Luthers Schriften und z. B. Müntzer oder Bonhoeffer zum besseren Verständnis und verfolgen der Argumentation hilft, aber ebenso Wissen über die Zeit des Nationalsozialismus.

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    • 2
  • Ein Fachbuch das viel Vorwissen voraussetzt

    Luther – Lehrmeister des Widerstands
    Rubine

    Rubine

    05. November 2016 um 11:59

    Es tut mir wirklich sehr leid, dass ich diesem Buch nicht mehr Sterne geben kann. Ich hatte mich sehr darauf gefreut, etwas über den Zusammenhang von Luther mit dem Nationalsozialistischen Widerstand zu lernen, aber für dieses Fachbuch war ich einfach die falsche Zielgruppe! Für dieses Buch von Siemon-Netto benötigt man dringend einiges an Vorwissen zu Luther und der politischen Situation des Widerstands in Deutschland und wie dieser im Ausland gesehen wurde. Ebenfalls sollte man im Umgang mit wissenschaftlichen Texten geübt sein. Es wird viel hergeleitet, bewiesen und definiert. Mich hat das Buch in der Fülle dieser Diskussion und Argumentation unterwegs verloren. Ich habe nicht verstanden, was Luthers Widerstandslehre war, mit Ausnahme der Aussage, dass Christen sich gegen Tyrannen wehren dürfen, wenn diese ihren Glauben unterdrücken wollen. Das war eine für mich wertvolle Erkenntnis aus der Lektüre. Mich hat der Inhalt des Buches leider verwirrt zurückgelassen und ich kann ihn deshalb auch nicht angemessen zusammenfassen. Ich möchte aber nochmal betonen, dass es meine eigene Schuld war, mich auf dieses Fachbuch einzulassen. Ich hatte einfach ein allgemein verständliches Sachbuch zum Luther-Jubiläum erwartet. Jemand, der in diesen Themen mehr bewandert ist als ich, kann sicherlich auch viel mehr Nutzen daraus ziehen und kommt zu einer besseren Bewertung.

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  • Martin Luther - der Versuch einer Annäherung

    Luther – Lehrmeister des Widerstands
    Bellis-Perennis

    Bellis-Perennis

    02. November 2016 um 09:42

    Ich habe mich diesem höchst interessanten Buch von der Seite des deutschen Widerstandes gegen Hitler genähert. Es steht außer Zweifel, dass viele Menschen der Nazi-Herrschaft kritisch gegenüber standen. Doch diese Haltung führte regelmäßig in KZ und Tod, daher ist es natürlich, dass man offenen Widerstand nur vorsichtig zeigte. Daher hat es eben lange gedauert, bis sich die Gruppe um Stauffenberg zum Tyrannenmord entschlossen hat. Besonders der im Buch häufig erwähnte Carl Goerdeler war ein Gegner des gewaltsamen Putsches. Doch letzten Endes führte kein Weg am Attentat des 20. Juli 1944 vorbei. Die Gruppe um Stauffenberg war größtenteils tief religiös und hatte Für und Wider mehrfach abgewogen. Die Appelle an Amerika und UK, die Gegner des Regimes in Nazi-Deutschland zu unterstützen, verhallten ungehört. Erschreckend, dass die Evangelische Kirche gleich in den 1930ern mit wehenden Fahnen zu Hitler übergelaufen ist. Damit hat sie sich keine Lorbeeren verdient. Da war die Katholische Kirche doch ein wenig vorsichtiger. Einige Autoren diffamieren Martin Luther in dem sie ihm Duckmäuserei vor der Obrigkeit auf der einen Seite und Gewaltverherrlichung auf der anderen Seite vorwerfen. Wie bei allen historischen Persönlichkeiten gilt, sie sind Kinder ihrer Zeit und es ist äußerst vermessen mit dem Wissen von heute ihre Worte und Taten von damals zu bewerten. Wenn die Aufrufe Luthers heute kriegerisch anmuten, so ist diese Wortwahl zu Luthers Lebzeiten üblich. Daraus kann man ihm keinen Strick drehen. Auch die Weggefährten/Feinde wie Müntzer und Tetzel befleißigen sich derselben rauen Sprache. Man darf auch nicht vergessen, dass Luther als Mönch die Bibel und hier das Alte Testament sehr gut kannte. Meine Meinung: Das vorliegende Buch ist sehr anspruchsvoll und es bedarf guter Kenntnisse der Lehren Luthers, v. a. der Zwei-Reiche-Lehre. Hier muss ich noch einiges nachlesen. Auch mit Bonhoeffer muss ich mich weiter beschäftigen. Elegant werden die Bögen von Luthers Wirken zu seiner Zeit in die Gegenwart gespannt. Der Fall der alten Regime in der UdSSR sowie der DDR wären ohne den von Luther apostrophierten Widerstand kaum möglich gewesen. So gesehen IST Martin Luther, der Lehrmeister des Widerstands.

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  • Positionspapier eines Lutheraners

    Luther – Lehrmeister des Widerstands
    wandablue

    wandablue

    20. October 2016 um 00:55

    Positionspapier eines Lutheraners. In einer Zeit, in der die Evangelische Landeskirche ihre vormals bibeltreue Grundposition zugunsten des Zeitgeists aufgeweicht hat, so dass allerhöchstens, wenn überhaupt, ein Abklatsch christlicher Ethik übrigbleibt, jedoch die Christologie gekreuzigt ist, bearbeitete Uwe Siemon-Netto seine seinerzeitige englischsprachige Doktorarbeit in Theologie für eine nunmehr auch dem interessierten Laien zugänglichen Fassung. Dabei übt er im Nachwort als Anhang II, dem Essay „Lehrmeister wider das vergötzte Ich,“ heftige Kritik an der deutschen, gottlosen Neuzeit und dem Zeitgeist, der das Abendland von seinem christlichen Kern mehr und mehr entfernt. Der Vorwurf, dass die Leitungskremien der Evangelischen Landeskirche in weiten Teilen ihrer Aufgabe, dem entgegenzuwirken, nicht nachkommen, ist leider nur allzu berechtigt. Zwei praktische Ziele hat der Autor zunächst: Zum einen weist er nach, dass es ernstzunehmenden deutschen Widerstand seitens des deutschen Militärs zur Zeit des Nationalsozialismus gegeben hat und dieser auf dem Nährboden von Dr. Marin Luthers Zwei-Reiche-Lehre gewachsen ist, im engeren Sinne also ein christlicher Widerstand war. Zum anderen will er Carl Goerdeler, zuerst zurückgetretener, dann von den Nazis hingerichteter Leipziger Oberbürgermeister zur Zeit des Nationalsozialismus, rehabilitieren. Warum beides notwendig erscheint, ergibt sich aus der Lektüre. Christliche Positionen zu klären und zu stärken, ist heute notwendiger als je zuvor. Insoweit ist die Arbeit von Uwe Siemon-Netto ein Gewinn. Mancherlei Argumentationslinie mag hilfreich sein, vor allem im theologischen Disput, aber auch, um, wie im Lutherjahr 2017 zu erwarten sei, erneuten Behauptungen entgegenzutreten, Luthers Lehre hätte das deutsche Volk zu verweichlichten, obrigkeitshörigen Jasagern gemacht. Das Gegenteil ist der Fall. Es wird meines Erachtens vom Autor bereits zu viel Vorwissen vorausgesetzt und das Theologische zu wenig ausführlich erklärt. Die Zwei-Reiche-Lehre Luthers wird viel zu knapp behandelt. Den historischen Ausführungen zum Zweiten Weltkrieg und zum Nationalsozialismus sowie den Gegenheiten der untergegangenen DDR dagegen, kann man relativ leicht folgen. Die wenigen theologischen Erklärungen, die der Autor gibt, sind allerdings nachvollziehbar und verständlich. In dem kleinen Büchlein war natürlich auch nicht mehr möglich. Fazit: Das Büchlein ist ziemlich speziell in seiner Thematik und braucht deshalb einen speziellen Adressatenkreis. Kategorie: Sachbuch Verlag fontis, 2016

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