Uwe Soukup

 4,6 Sterne bei 5 Bewertungen
Autor*in von Der 2. Juni 1967, Wie starb Benno Ohnesorg? und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Uwe Soukup, geboren 1956, ist Erziehungswissenschaftler, war in Kinderheimen, Jugendämtern, als Familienberater sowie als Redakteur und Verleger tätig. Heute arbeitet er als freier Journalist und Buchautor. Seine Artikel erscheinen u.a. im „Tagesspiegel“, der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, der „Zeit“ und im „Spiegel“. 2001 veröffentlichte Soukup eine vielbeachtete Biografie über Sebastian Haffner. In seinen Büchern „Wie starb Benno Ohnesorg?“ und „Der 2. Juni 1967. Ein Schuss, der die Republik veränderte“ erforschte er die Todesumstände des Studenten Benno Ohnesorg. Uwe Soukup lebt in Berlin.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Uwe Soukup

Neue Rezensionen zu Uwe Soukup

Cover des Buches Die Brandstiftung (ISBN: 9783453218451)
M

Rezension zu "Die Brandstiftung" von Uwe Soukup

M.Lehmann-Pape
Der Weg zur Ermächtigung und des Endes der Demokratie

Der Weg zur Ermächtigung und des Endes der Demokratie

 

 

Es war „das“ Ereignis der frühen Tage nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland. Auch wenn die Schergen bereits Wohnungen aufbrachen, Kommunisten und Sozialisten reihenweise verschwinden ließen, Juden auf den Straßen bedrängten und der Terror spürbar in der Luft lag.

Noch wurde ein Anschein, ein Feigenblatt der parlamentarischen Demokratie gewahrt im Reichstag, einige Wochen nach der Bestimmung Hitlers zum Reichskanzler.

Doch der Reichstagsbrand, flugs und umgehend Marinus von der Lubbe als „Einzeltäter“ in Verantwortung gestellt und zum Anlass genommen, die „Reichstagsbrandverordnung“ direkt am folgenden Tag in Kraft zu setzen. Um sodann und ohne Abwarten alles, was politisch nicht „auf Linie“ war, zu verfolgen, verhaften, verschwinden zu lassen, auszuhebeln und kalt zu stellen.

 

Dass diese „Alleintäterschaft“ bereits kaum Anlass gegeben hätte, sämtliche politischen Gegner mit Terrormaßnahmen zu überziehen und dass auch, technisch gesehen, bereits zur damaligen Zeit erhebliche Zweifel an der Fähigkeit eines einzelnen Mannes, in kurzer Zeit einen solchen Brand in solchem Umfang anzufachen, im Raume standen, hat damals weder die Machthabenden interessiert noch, und darauf verweist Soukup in seinem Werk im Besonderen, auch die nachfolgende Geschichtsschreibung nicht sonderlich goutiert.

 

Dass die „Partei“ am Brand beteiligt war, vielleicht sogar als konzertierte Aktion und von der Lubbe nur als „Bauernopfer“ herzuhalten hatte, ist damals aus machtverständlichen Gründen nicht öffentlich bekannt gemacht worden, aber auch in der Aufarbeitung der Geschichte des dritten Reiches sträflich (vielleicht sogar bewusst) vernachlässigt worden.

 

„In diesen ersten vier Wochen (nach der Wahl Hitlers zum Kanzler) geschahen Dinge, die sich in der Rückschau kaum anders als eine systematische Vorbereitung auf den Tag des Reichstagsbrandes interpretieren lassen“.

 

Allein die Schnelligkeit der Reaktion der Schergen der Regierung umgehend noch in der Nacht des Brandes sprechen Bände an Vorbereitung und „Wissen um den Zeitpunkt“.

 

„Über die Frage aber, ob die Nazis den Brand, den sie so gut nutzten, auch selbst gelegt haben, wird seit Jahrzehnten gestritten“.

 

Das ist die eigentliche Leitfrage dieser sachkundigen Untersuchung und Darstellung Soukups, innerhalb derer er minutiös den Fakten nachgeht und auch vielfache Fehlinterpretationen späterer geschichtlicher Betrachtung aufarbeitet (samt möglicher Motive).

 

Und das ist keine bedeutungslose Randfrage der Geschichte, sondern, wie Soupup zurecht betont, der Reichstagsbrand ist eine der folgenreichsten kriminellen politischen Akte der Geschichte und so ist auch der spätere Umgang mit diesem Geschehen von Interesse dahingehend, wie mit solchen historischen Ereignissen dann faktisch Umgang gepflegt wird. Und so ist es an der Zeit, die lange Zeit als allgemeingültig angesehene These von der „Alleintäterschaft“ differenziert und Schritt für Schritt auf den Prüfstand zu stellen.

 

Was Soukup überzeugend und mit frischen Erkenntnissen am Ende durchgehend gelingt.

 

„Im Grunde ist der negative Beweis seit Jahrzehnten erbracht“.

 

Was nun aber jeder Leser und jede Leserin in dieser lesenswerten Lektüre für sich selbst prüfen mag.

Cover des Buches Der 2. Juni 1967 (ISBN: 9783887473433)
V

Rezension zu "Der 2. Juni 1967" von Uwe Soukup

Vielhaber_Juergen
Unbequeme Wahrheit


Aus der einigermaßen erstaunlichen Menge an Veöffentlichungen ragt ein schmaler Band hervor, herausgegeben vom Berliner Transit-Verlag. Es sind die zahlreichen Schwarz-Weiß- Aufnahmen, die gerade heute im bildüberfluteten 2017, in ihrer Klarheit bestechen.
Die Fotos machen neugierig und ermöglichen so einen Zugang zu dem Schuß, der bei der Radikalisierung einiger eine nicht unwesentliche Rolle spielt.
Jedoch sind auch die Erkenntnisse und Rechercheergebnisse, die Uwe Soukop in drei Kapiteln vorstellt, erster Klasse.
Nur ein Satz von Seite 150: "Es war nicht leicht, in dieser Situation nicht zu irren."
Gerade in Zeiten von Fake News und stumpfen Heilsbotschaften sind Warner wie Soukop unschätzbar wichtig....
Ein MUß für alle,für die 1967 mehr ist als die Einführung des Farbfernsehens.

Cover des Buches Der 2. Juni 1967 (ISBN: 9783887473433)
J

Rezension zu "Der 2. Juni 1967" von Uwe Soukup

JuergenV
Echte Fakten

Aus der erstaunlichen Menge an Veröffentlichungen zum 2.Juni 1967 ragt ein schmaler Band hervor,herausgegeben vom kleinen ,feinen Transit-Verlag.
Es sind die zahlreichen Schwarzweiß-Aufnahmen, die besonders im bildgesättigten 2017 in ihrer Klarheit bestechen. Die Fotos machen neugierig und ermöglichen so einen eigenen Zugang zu dem Schuß, der bei der Radikalisierung einiger eine nicht unwesentliche Rolle spielt.
Aber auch die knappen Texte, die Soukop in drei Kapiteln präsentiert, sind erster Klasse.
"Es war nicht leicht,in dieser Situation nicht zu irren." Ein beispielhafter Satz zur aufgeladenen Situation nach dem Abend vor der Deutschen Oper.
Insbesondere in Zeiten von Fake News und Selbstermächtigungen stumpfer Heilslehrer sind sachliche und scharfe Beobachter wie Uwe Soukop unschätzbar wichtig.

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